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Master-Review:   » drucken    » versenden

Top Spin 2

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 09.05.2006
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Etwas enttäuschender Nachfolger des einzig wahren Virtua Tennis-Konkurrenten.

Spiel, Satz und Sieg: Top Spin schlug anno dazumal die amateurhafte Konkurrenz klar mit 6:0, 6:0 und 6:0 – der Current-Gen-Genrethron war gesichert. Auf den Schultern des neuen Entwicklerstudios Indie Built lastete unterdessen die schwere Bürde, für Xbox 360 und Nintendos DS einen würdigen Nachfolger auf die Füße zu stellen. Ob dieses schwierige Unterfangen geglückt ist und der durchschlagende Erfolg des Vorgängers wiederholt werden kann, soll einmal mehr unser Master-Review klären.

Fünf Jahre Anstrengung
Wimbledon im letzten Jahr der Karriere. Unzählige Titel schmücken bereits das virtuelle Eigenheim und ein letztes Mal gilt es, den beliebtesten Grand Slam der Welt als siegreicher Finalist zu beenden.
» Preisfrage: Welcher Sponsor wird hier ins Licht gerückt?
Der Weg zum ruhmreichen Abgang ist jedoch alles andere als steinig: Die kostenintensiven Trainingsstunden an Vor- und Rückhand haben sich schnell bezahlt gemacht, Kontrahenten führen bald ein Staffage-Dasein. Die größten Momente im Laufe der letzten Jahre? Davon gibt es nur wenige.

Als klassischer Nobody im internationalen Tenniszirkus verpasst ihr eurem virtuellen Alter Ego natürlich zuerst einmal ein adrettes Aussehen. Ebenso dürft ihr erste Punkte auf Fähigkeiten wie Vor- und Rückhand, Kraft, Geschwindigkeit oder Spin legen – weitere Sterne ergattert ihr in den bereits erwähnten Trainingsstunden. Schon recht früh sollte hingegen entschieden werden, in welche Richtung sich euer Tenniscrack entwickeln soll – klassische Allrounder werden üblicherweise von der KI vom Platz gefegt.

Das Leben eines Superstars
Über insgesamt fünf Jahre baut ihr nun euren Charakter schrittweise in Trainingseinheiten und Turnieren auf, ein Terminkalender hilft euch bei der Einteilung eurer Tätigkeiten. Ist
» Hier kommt die Roddick-Granate.
der Charakter austrainiert – sprich: sind alle verfügbaren Punkte auf die Fähigkeiten verteilt – liegt der Fokus rein auf der Absolvierung diverser Veranstaltungen. Diese bringen nicht nur eine Aufwertung bestehender Skills mit sich sondern verbessern auch euren Weltranglistenplatz sowie den – aufgrund fehlender Investitionsmöglichkeiten völlig unnötigen – Kontostand.

Auf dem Platz erwartet euch Altbekanntes: Kleinere Turniere werden in der Karriere auf zwei gewonnene Sätze gespielt, Grand Slams auf drei – bei drei Games pro Satz. Auch die Steuerung wurde beinahe unverändert übernommen, mit dem sicheren Schlag, dem namensgebenden Top Spin sowie Slice und Lob steht das bekannte Repertoire zur Verfügung. Neu sind die adaptierten Risikoschläge, welche den Ball besonders stark oder raffiniert übers Netz befördern sowie die Konterschläge, welche je nach absolvierten Trainings und gefüllter "Momentum"-Leiste benutzt werden dürfen.

Zu leicht und andere Schwierigkeiten
Müht man sich zu Beginn der Karriere mit einigen Gegnern noch regelrecht ab – Stichwort: beide Spieler stehen am T-Punkt und spielen sich die Bälle im Volley-Ping-Pong-Stil
» Die Stadien sind durchwegs imposant.
zu – gewinnt man ausreichend trainiert jedoch schnell die Oberhand. Mithilfe gut gezielter Top Spins hetzt man auf diese Weise sogar einen Coria oder Federer von einem Platzende zum anderen – der entgegen gebrachte Widerstand resultiert in maximal ein, zwei verlorenen Games. Die Motivation, tatsächlich eine gesamte Karriere durchzuspielen, vergeht somit entsprechend schnell. Umso unverständlicher, dass im alljährlichen Masters-Finale die Top 16 der Welt plötzlich unter kiloweise Amphetaminen zu stehen scheinen – anders ist diese immense Leistungssteigerung zu Jahresende wohl kaum zu erklären. Immerhin dürfen Games und Sätze nach Belieben simuliert werden, langwierige Turniere lassen sich also bis zu einem gewissen Punkt überspringen.

Richtig spaßig wird Top Spin 2 somit erst im Multiplayer – und auch dort hat man sich einige Schnitzer erlaubt. Doppel sind zwar möglich, online jedoch auf zwei Konsolen beschränkt – ein williger Freund sollte also zugegen sein. Ebenso fehlt hier ein Ranking, gewertete Spiele dürfen somit nur mit dem selbst erstellten Charakter aus der Karriere in Angriff genommen werden. Immerhin läuft der Titel online beinahe lagfrei. Im Offline-Spiel stehen darüber hinaus auch noch drei Partyspiele auf dem Programm, welche jedoch kaum einen Mehrwert darstellen.

B-Technik
Technisch gibt sich Top Spin 2 leider einige Blößen: Die Optik besticht zwar durch hervorragende Spielermodelle und gut inszenierte Courts, das Next-Gen-Flair vermisst man dennoch schmerzlich.
» Kyoto in bloom?
Mit ein wenig Goodwill wäre eine annähernd ebenbürtige Grafikpracht nämlich auch auf der Xbox möglich gewesen. Auch die Sounduntermalung leidet ein wenig unter der hohen Messlatte, welche der Vorgänger aufgestellt hat. Einminütige Ballwechsel werden vom Publikum oft unkommentiert hingenommen, während ein unspektakulärer Standardpunkt die Zuschauer in frenetische Ekstase versetzt.

Abgesehen davon können sich die Effekte aber durchaus hören lassen: Die Ballwechsel klingen authentisch, einigen Spielern entfährt bei anstrengenden Manövern auch mal ein Schrei und die verschiedensprachigen Kommentatoren erzeugen authentisches Centre-Court-Flair. Absolut unverzeihlich sind jedoch die unzähligen und langwierigen Ladepausen, welche das Spielgeschehen abseits des Platzes beeinträchtigen – von den eingeblendeten Tipps hat man sich schnell satt gesehen.
Pro
Gelungene Umsetzung des weißen Sports
Intuitives Gameplay
Gute Technik
Umfangreicher Spieler-Editor
Contra
Langweiliger und zu leichter Karrieremodus
Ladezeiten
Doppel über Xbox Live beschnitten
Fazit
Top Spin 2 macht vieles richtig und einiges falsch. Das Gameplay an sich ist nach wie vor hervorragend, die Lernkurve zwar steil aber jederzeit schaffbar und nur selten frustrierend. Umso bedauerlicher, als dass das an sich gute Spielgefühl in der Karriere so schlaff umgesetzt wird. Zum x-ten Mal auf dem Court zu stehen, wissend, dass das klassische Ausspielen ("Hetzen") mit gezielten Top Spins bei der KI ohnehin immer funktioniert, sägt behände an der Langzeitmotivation. Der Frust über die "gedopten" Masters-Finals ist ergo nicht unbegründet und leicht nachvollziehbar. Warum hier also mit zweierlei Maß gemessen wird, entzieht sich den Augen der Spieler. Somit bleibt nur mehr die Fraktion der Mehrspieler-Fans. Diese dürfen sich auch über internationale Rankings und haufenweise Statistiken sowie größtenteils lagfreie Matches freuen – trotz diverser Defizite beim Spiel im Doppel. Aber auch offline lädt der Titel immer wieder zu einer gepflegten Mehrspielerpartie. Tenniscracks mit Hang zur gesellschaftlichen Interaktion dürfen also getrost zugreifen, Solisten warten vielleicht auf das vor kurzem angekündigte Virtua Tennis 3.
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
2K Sports
Entwickler
Indie Built
Website
www.2ksports.de...
Release
07. April 2006
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