Itagaki sorgt auf der Xbox 360 für gute Unterhaltung - der ultimative Kick bleibt jedoch aus.Tomonobu Itagaki ist ein Rockstar in der Entwicklerszene. Als Mastermind und Produzent sorgte er bei
Team Ninja regelmäßig für Grafikwunder.
Tecmos großes Zugpferd, neben dem genialen
Ninja Gaiden, stellt seit jeher die
Dead or Alive-Serie dar. Sorgte der
dritte Ableger beim Launch der ersten Xbox für offene Münder, so soll sich dieser Effekt auch auf der Xbox 360 einstellen. Zentralen Bestandteil von Teil 4 stellt der neue
Online-Modus dar. Wie sich Itagakis Beat'em-Up schlägt, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Der Paradiesvogel des Genres Die
Dead or Alive-Reihe musste von jeher mit schwerer Kritik leben. Einerseits wurden Spieler
oft als Button Smasher angeprangert, andererseits sorgten die bewusst
übertriebenen Rundungen der
Kämpferinnen für heftige Diskussionen. Auch im Vergleich zu anderen Spielserien wie
Tekken (Itagakis Kommentar: "Hate!") wurde das Gameplay von
Dead or Alive-Spielen oftmals unterbewertet.
Team Ninja schrieb sich daher eine komplette Überarbeitung des Gameplays auf die Fahnen.
Jedoch konnte Itagaki der Versuchung, das bereits höllisch schnelle Gameplay abermals zu beschleunigen, nicht widerstehen. Markenzeichen der Serie war stets der völlig überzogene
Bounce-Faktor, sprich die weiblichen Charaktere stechen eher aufgrund ihrer Oberweite und erst danach wegen ihrer Kampfkunst hervor. Fans können beruhigt sein - daran ändert sich im vierten Teil wenig. Falls überhaupt möglich, dann sind die Proportionen soger noch unrealistischer geworden.
Harder, faster, deeper Der
Dead or Alive-Reihe wird oft ein zu simples Gameplay nachgesagt. Ein Button für Schlag, Kick und Wurf sowie ein paar Manöver am Steuerkreuz genügen selbst Anfängern für schlagkräftige Combos. Wer einmal Profis,
» Schnell. Schneller. DOA4. |
welche die Moves beherrschen, zugesehen hat, weiß es zwar besser, dennoch hält sich dieses Vorurteil hartnäckig.
Team Ninja hat die Kritik ernst genommen und vor allem
am Gameplay gefeilt. Besonderes Augenmerk wurde dabei dem Counter-System geschenkt. Mit dem Free Button blockt man und wer den Schlag des Kontrahenten korrekt einschätzt, leitet einen Counter ein. Ein erfolgreicher Konter stoppt den Angriff des Gegners. Im Idealfall setzt man durch eigene Combos noch besonders schmerzhafte Attacken oben drauf.
Wer sich einige Replays von Xbox Live-Matches ansieht, wird schnell feststellen, dass aufgrund der
extrem hohen Geschwindigkeit ein erfolgreicher Counter alles andere als ein Spaziergang im Park ist. Das Timing muss dabei perfekt sitzen - der
Trainingsmodus lässt herzlich grüßen. Da jeder Charakter über spezielle Moves verfügt ist es sehr ratsam, zuerst ein paar Matches im
Survival-Modus einzuplanen. In diesem tritt man gegen eine unendliche Anzahl von Gegnern an - solange bis man selber den Boden küsst.
Nach sechs Stunden geht's richtig los Der
Story-Modus geht jeweils über neun Runden und erzählt in schicken Cut-Scenes die Geschichte der insgesamt gut 20 Charaktere. Als Belohnung winken jeweils ein CGI-Film sowie freispielbare Kostüme,
» Endlich sitzt die Combo. |
die man später auch online herzeigen darf. Mit von der Partie sind ebenso freispielbare Kämpfer, allen voran natürlich SPARTAN-458 (Nicole), die
Tecmo aus dem
Halo-Universum herübergebeamt hat. Die einzelnen Charaktere verfügen über
extrem unterschiedliche Kampfstile und Moves - Anfänger sollten sich daher auf wenige Lieblingscharaktere konzentrieren.
Während die ersten Fights relativ unspektakulär verlaufen, passiert nach einer rund
sechs Stunden dauernden Lernkurve ein kleines Wunder. Irgendwie geht einem der Knopf auf. Die Kämpfe gewinnen an Dramatik, die Counter sitzen auf einmal und das Timing lässt einen nicht mehr im Stich. Dieser Itagaki-Effekt fiel erstmals in
Ninja Gaiden auf und wurde von
Team Ninja abermals erstklassig umgesetzt.
Dead or Alive 4 belohnt Fleiß und Mühe. Wer sich wirklich konzentriert, trainiert und kontinuierlich an den eigenen Reflexen sowie am Timing arbeitet, wird stetig besser.
Multiplayer Online Express mit Verspätung Am schönsten ist
Dead or Alive 4 natürlich gegen einen
menschlichen Mitspieler im
Versus-Modus. Wer lieber gemeinsam statt einsam CPU-Gegner vermöbelt, dem steht auch der prächtige
Tag-Modus zur Auswahl,
» Japanischer Humor in der Lobby. |
in dem man abwechselnd zu zweit Teamkämpfe austrägt. Für Xbox Live hat sich
Tecmo ein
ungewöhnliches System einfallen lassen. Wie in der Spielhalle können sich bis zu acht Spieler in einer Lobby treffen. Witzig ist dabei die Präsentation: Sowohl Lobbies als auch Avatare der eigenen Spieler sehen total verrückt aus (etwa ein Cartoon-Ninja, ein Panda oder ein Alien). In den farbenfrohen Locations kann man sich per Textnachrichten unterhalten oder auch vier emotionale Zustände via R-Stick zum Ausdruck bringen.
Die Kämpfe laufen dabei nach simplem Schema ab: Man bestreitet immer 1vs1-Matches, die in der Lobby oder im
Watch-Modus von allen verfolgt werden können. Somit spielen also immer maximal zwei Spieler gegeneinander. In der Standardeinstellung bleibt der Gewinner einer Runde jeweils im Ring und der nächste Kontrahent kommt an die Reihe. So charmant diese Lobby auch ist, leider macht sich oft
heftiges Lagging (Schluckauf im Spielverlauf) bemerkbar. Manche Partien werden dadurch defacto unspielbar. Dieses Problem tritt zwar nicht immer, aber doch störend oft auf. Woran es genau liegt, dass
Dead or Alive 4 so stottert, ist allerdings nicht ganz klar, zumal
Team Ninja mit
Dead or Alive Ultimate vorgemacht hat, wie ein perfekter
Online-Modus aussieht. Bei knapp jedem dritten Spiel (egal mit wie vielen Usern in der Lobby) war das Spiel so langsam, dass man die Session beenden musste. Bei gut zwei Dritteln der Online-Partien hat sich das Lagging aber nicht störend bemerkbar gemacht. Wenn alles funktioniert, dann stellt
Dead or Alive 4 ganz Xbox Live auf den Kopf.
Schöner die Brüste nie wogten Dead or Alive 4 war stets ein Paradiesvogel: Grafisch konnte den opulenten Titeln auf der Xbox kein anderer Hersteller gefährlich werden. Auch der vierte Teil macht hier keine Ausnahme:
Dead or Alive 4 überzeugt
» Genial in Szene gesetzt. |
dank butterweicher Framerate (Achtung - das Spiel ist
nur mit 60Hz-kompatiblen TV spielbar) und extrem detaillierten Texturen. Um die Grafikorgie zu erleben, bedarf es aber keineswegs eines HDTVs. Auch auf Standard-TVs
sieht der Titel hervorragend aus. Vor allem die Arenen überzeugen abermals sowohl durch grafische Raffinesse, als auch
Interaktivität wie zerschlagbare Gegenstände. Darüber hinaus dürfen Gegner auch durch Fenster, Türen und Wände geschleudert werden - halsbrecherische Stürze über Abgründe und Treppen inklusive. Die Hintergründe und Locations verfehlen auch auf der Xbox 360 nicht ihre zauberhafte Wirkung. Egal ob am Strand, im Dschungel oder in einem japanischen Garten, überall beeindruckt die gelungene Optik.
Dass die weiblichen Charaktere immer noch wie Porzellanpuppen aussehen, wird oft kritisiert - ist jedoch eine
künstlerische Entscheidung und geht somit voll in Ordnung. Einzig die zeitweise auftretenden Clipping-Fehler sowie sehr komisch fallendes Haar trüben das Grafikwunder. Musikalisch bleibt
Team Ninja abermals gute Kost schuldig. Bis auf den Aerosmith-Titelsong versinkt der Soundtrack in der Mittelmäßigkeit von Synthie-Klängen. Die Sprachausgabe ist durchaus gelungen, aber - vor allem wenn man Japanisch mit Untertiteln nicht lustig findet - nicht jedermanns Sache. Aber das sind Kleinigkeiten: Wer
Dead or Alive 4 einmal in voller Pracht gesehen hat, der wird die hervorragende Präsentation so schnell nicht vergessen.