» userrankings.com Master-Review «
Link: http://userrankings.com/spiel/2190/masterreview.html
Tom Clancy's Splinter Cell: Double Agent  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 21.11.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Vorzügliche Mehrspielermodi und jede Menge Gadgets sind Sam Fishers Markenzeichen.

Die Tom Clancy's Splinter Cell-Reihe und Microsoft verbindet eine lange und sehr erfolgreiche Geschichte. Ubisoft veröffentlichte 2002 den ersten Teil und seitdem kennt jeder Stealth-Fan Sam Fisher und seine unzähligen Gadgets. Mit Splinter Cell: Double Agent erschien vor kurzem der bereits vierte Teil der Serie. Erneut soll der innovative Mehrspieler-Part für abwechslungsreiche Action beim Vorzeige-Schleichtitel sorgen. Wie gut es den Entwicklern gelang, die Stärken der Serie weiter auszubauen, erfahrt ihr in unserem Master-Review.

Play it again, Sam
Gleich von Anfang an bietet sich dem Spieler ein sehr ungewohntes Bild: Sam Fisher sitzt hinter schwedischen Gardinen. Der Kniff an Splinter Cell: Double Agent ist, wie der Name schon andeutet, dass man als Doppelagent
» Exotische Location: Pudong Area in Shanghai
die Untergrundorganisation John Brown's Army unterwandert. Um das Vertrauen der JBA zu erlangen, verhilft Agent Fisher einem Insassen zum Ausbruch. Ab diesem Zeitpunkt stellt das Hauptquartier der Terroristen den Dreh- und Angelpunkt für Missionen und gelegentliche Geschicklichkeitseinlagen dar, um das Vertrauen der JBA nicht zu verlieren.

Am Gameplay haben die Entwickler von Ubisoft nur Nuancen verändert. Wieder mit von der Partie sind zahllose Gadgets wie Kameras, Wandminen und Nebelgranaten - um nur einige der Agentenspielzeuge zu nennen. Das Spielprinzip im Solo-Modus bleibt weitgehend gleich und beinhaltet z.B. wichtige Gegenstände entwenden, Substanzen analysieren oder verschlüsselte Geheimbotschaften abfangen. Dieses Mal gilt es jedoch gleich zwei Auftraggeber zufrieden zu stellen. Während der Bildschirm von unnötigen GUI-Elementen entrümpelt wurde, gibt es eine zwei neue Balken. Der erste stellt das Vertrauen der JBA dar und der zweite jenes der NSA.

The fifth freedom
Das Bemerkenswerte: Manche Missionsziele widersprechen sich inhaltlich gegenseitig. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Sam als Vertrauensbeweis für die JBA einen Unschuldigen
» Wie entscheidest Du Dich? WIE?
regelrecht hinrichten soll, während der US-Geheimdienst ein solches Verhalten nicht toleriert – oder (sarkastisch formuliert) auch umgekehrt. Apropos Zynismus: Psychologische Spielereien und eigenwilliger Galgenhumor gehören seit jeher zum Repertoir der Splinter Cell-Reihe. Michael Ironside verleiht dem Protagonisten abermals eine stimmliche Qualität, die einem schaurig-schön die Nackenhaare aufstellt. Die dt. Version braucht sich aber wahrlich nicht zu verstecken, denn die charismatische Synchronstimme von Nicolas Cage sorgt auch hier für beste Stimmung.

In Sachen Technik punktet der Ubisoft-Titel grafisch abermals durch eine Vielzahl an exotischen Locations, die optisch gekonnt in Szene gesetzt sind. Allerdings ist der Grafik-Kick vergangener Versionen nicht so stark spürbar. Störendes Tearing (vertikale Verzerrung) tritt leider oft und deutlich sichtbar auf, was die Freude etwas trübt. Auch die Framerate hätte ein paar Hertz mehr gut vertragen können. Ansonsten überzeugen vor allem Lichteffekte sowie Charaktermodelle: Sam sah noch nie so real aus. Auch Wetter- und Wassereffekte suchen ihresgleichen. Im Gegensatz zu den "finsteren" Vorgängern unternimmt Sam Fisher diesmal sehr viele Missionen bei helllichtem Tag, d.h. man sieht endlich auch mal was von der edlen Grafik.

Stealth Ninja One Man Army
Jede Mission in Splinter Cell: Double Agent besitzt mehrere Haupt- und Nebenziele. Die wichtigsten Aufgaben sind spielentscheidend und müssen erfolgreich absolviert werden, um nicht das Vertrauen
» Kennst Du den schon?
einer der beiden Gruppen zu verlieren. Nebenaufgaben belohnen meist besonders behutsame Vorgehensweisen: So gibt es z.B. die Möglichkeit, zusätzliche Gimmicks freizuschalten, indem man einen Level völlig ohne Alarm auszulösen abschließt. Die Missionsstruktur bleibt jedoch flexibel und innerhalb eines Abschnitts können oftmals überraschend neue Aufträge hinzukommen. Das Rad wird von Ubisoft jedoch nicht neu erfunden, im Prinzip spielt sich der vierte Teil sehr ähnlich wie die Vorgänger. Auf höheren Schwierigkeitsgraden zeigt der Stealth-Titel dem Spieler jedoch durchaus, in Form von sinnlosem Trial-and-Error, die Zähne.

Die einzelnen Speicherpunkte liegen teils weit von einander entfernt, doch das vorbildliche Speichersystem ermöglicht es, jederzeit und überall beliebig zwischen zu speichern. Somit kann man stets selbst entscheiden, wie schwer oder leicht eine Passage ist. Bei manchen Kapriolen der Gegner-KI hat man dies auch bitter notwendig: Oftmals kommt man mit reinem Glück weiter als mit geplantem Vorgehen. Einen Hauptkritikpunkt der Serie haben die Entwickler noch immer nicht in den Griff bekommen. Für ein Stealth-Game ist es enorm wichtig, dass man Charaktere von hinten in den Schwitzkasten nehmen kann – bei Double Agent funktioniert dies jedoch immer noch nicht völlig reibungsfrei.

Net Hacking
Die Splinter Cell-Reihe läutete mit innovativen Mehrspieler-Modi eine neue Ära ein. Double Agent baut darauf auf und überzeugt über weite Strecken. Erneut treten Spione gegen schwer bewaffnete Widersacher an.
» Sam hat ein paar neue Moves drauf.
Ausführliche Details findet ihr im Master-Review zu Tom Clancy's Splinter Cell: Chaos Theory. In der aktuellen Xbox 360-Auflage dürfen sich nicht vier, sondern gleich sechs Spieler in den acht Mehrspielerlevels austoben. Die Agenten führen diesmal überhaupt keine Waffen mehr mit sich, dafür sind sie flinker sowie noch besser getarnt und für Wachen nahezu unsichtbar.

Ziel der Missionen: Es müssen gewisse Rätsel gelöst sowie Files runter geladen werden. Punkte gibt es jedoch nur, wenn man die Daten auch heil zurück zur Basis bringt. Alternativ dürfen Hobby-Agenten auch im Ko-op-Modus gegen CPU-Gegner ins Feld ziehen. Leider gibt es nur wenige echte Herausforderungen, die wirklich gemeinsam zu lösen sind. Im Prinzip dient dieser Modus eher dazu, auf Partien gegen menschliche Gegner auf Xbox Live vorzubereiten. Offline-Spieler kommen in den Genuss einer willkommene Abwechslung zum Solo-Modus, der große Wow-Effekt hält sich mangels neuer Features jedoch in Grenzen.
Pro
Faszinierende Locations
Stimmige Grafik
Gute Idee "NSA vs. JBA"
Schicke Online-Modi
Ko-op-Mehrspieler gegen CPU
Gelungene Sprachausgabe
Contra
Etwas unglaubwürdige Story
Level-Recycling
Unausgewogene Gegner-KI (Trial-and-Error)
Sinnlose 3D-Karte
Fazit
Die Story von Splinter Cell: Double Agent überzeugt im vierten Teil wohl nur mehr Die-Hard-Fans, die stets 100% aufmerksam der Handlung folgen. Gelungen ist hingegen die Innovation mit den teils widersprüchlichen Aufträgen von NSA bzw. JBA. Hier findet sich der Spieler oftmals in einer emotionsgeladenen Zwickmühle wieder, die sehr reizvoll mit dem Agententhema spielt. Insgesamt hat man sowohl grafisch als auch spielerisch den Eindruck, vieles schon einmal gesehen zu haben. Leider recycelt Ubisoft das Leveldesign etwas zu oft, immerhin finden gleich vier von zehn Missionen im JBA-Hauptquartier statt. Einmal mehr rücken die Mehrspieler-Modi somit in den Vordergrund und Solo-Spieler dürfen sich über zahlreiche Ko-op-Herausforderungen freuen. Splinter Cell zeigt online, warum die Reihe zum Besten gehört, was Xbox Live zu bieten hat. Den wirklich größten Kritikpunkt stellt die Gegner-KI dar, die für meinen Geschmack viel zu viel in Trial-and-Error ausartet. Warum die 3D-Karte so unübersichtlich geworden ist, bleibt ebenfalls unverständlich. Vorbildlich präsentiert sich dafür das Speichersystem: Es kann jederzeit und überall gesichert und fortgesetzt werden. Alles in allem präsentiert Ubisoft mit Splinter Cell: Double Agent dennoch einen rundum gelungenen Stealth-Titel mit starkem Online-Angebot, den sich Fans auf keinen Fall entgehen lassen sollten.