» userrankings.com Master-Review «
Link: http://userrankings.com/spiel/2187/masterreview.html
Condemned: Criminal Origins  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 21.12.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Adrenalin geladenes Action-Adventure sucht unerschrockene Spieler.

Die Entwickler von Condemned: Criminal Origins dürften Filme wie Se7en oder The Cell wohl zum Frühstück konsumieren, denn ansonsten wäre die grafische Gewaltdarstellung in Segas Titel kaum zu erklären. Gerade diese morbide Grundstimmung soll den Spieler in diesem Horror-Adventure in das kranke Gehirn eines Serienkillers versetzen. Ob der an The Suffering: Ties that Bind erinnernde Xbox 360-Launchtitel auch einer gründlichen Untersuchung unseres userrankings-Kriminallabors standhält, klärt unser Master-Review.

CSI: Horrorville
Ein Serienmörder mit perversem Faible für Schaufensterpuppen treibt sein Unwesen in der Stadt. Seine Bluttaten laufen nach ähnlichem Schema ab und stets finden die Ermittler eine bizarre Szene am Tatort vor. Der Spieler übernimmt als FBI-Agent
» Moderne Forensik.
Ethan Thomas die laufende Ermittlung in dieser pikanten Mordserie. Abgesehen von einem Wunderding an PDA-Mobiltelefon, das großteils zur Kommunikation mit dem Labor oder der Einsatzzentrale dient, stehen dem Spieler allerlei Utensilien der modernen Forensik zur Verfügung.

Mittels Scanner sammelt man Gewebeproben ein und Neonlicht macht verborgene Spuren sichtbar. Die Beweisfotos werden per Handy an Kollegen zur weiteren Analyse übermittelt. Richtige Puzzle-Stimmung kommt in diesen Passagen jedoch nicht auf, da sich alles nur um das Auffinden der Spuren dreht. Gehirnakrobatik mit kombinierbaren Gegenständen oder ein aufwendiges Inventar sucht man leider vergebens. Dafür fällt die Steuerung, bis auf die fordernde Lernkurve beim Nahkampf, erfreulich unkompliziert aus.

Condemned Kombat
Als naheliegende Analogie müsste man Condemned als FPS, also einen First-Person-Streetfighter, bezeichnen. Monolith hat dem Spiel ein Kampfsystem verpasst, das sich ordentlich gewaschen hat.
» Mies gelaunter Nachbar?!
Zuerst wäre die große Zahl an verschiedenen Nahkampfwaffen zu nennen, doch damit noch lange nicht genug: Im Prinzip kann man beliebige Gegenstände aus den interaktiven Leveln aufgabeln und als Waffe benutzen. Gelegentlich gefundene Schusswaffen sind dafür nur solange benutzbar, bis die Munition verbraucht ist - Nachladen gibt es nicht.

Das Arsenal umfasst diverse Edelstahlwerkzeuge, Bretter mit vorstehenden Nägeln oder Leitungsrohre. Feueräxte, Spind-Türen oder Vorschlaghammer runden das Repertoire des Schreckens ab. Der Spieler muss sich jedoch nicht auf die offensichtlichen Waffen beschränken, als Faustregel für Condemned gilt: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, darf einem Gegner über die Rübe gezogen werden. Besonders ausgefuchste Spieler, die völlig ohne Benutzung von Schusswaffen durch die Levels kommen wollen, erhalten als Belohnung Konzeptgallerien.

Mit der Wand durch den Kopf
Dass es sich bei Condemned um ein Spiel für hartgesottene und abgebrühte Volljährige handelt, hat auch der Jugendschutz erkannt und dem Titel gleich mal das Prädikat "Ab 18" verpasst. Zu Recht, denn während der Actionsequenzen
» Hoffentlich halten die Batterien.
langt Agent Thomas durchaus recht heftig zu. Darüber hinaus ist die Lernkurve nicht zu verachten, denn das richtige Timing spielt bei Condemned eine große Rolle. Sowohl Attacken als auch die fast noch wichtigeren Blocks verlangen einen hellwachen Geist und vor allem flinke Fingerarbeit.

So positiv sich das interaktive Kampfsystem auch gestaltet, das eigentliche Leveldesign überzeugt weniger. Die wunderschön gestalteten Szenarien gleichen einander schnell wie ein Ei dem anderen und die Abwechslung kommt eindeutig zu kurz. Dies hat zur Folge, dass man ständig durch zum Verwechseln ähnlich sehende Korridore irrt. Leider haben die Entwickler darauf vergessen, eine Orientierungshilfe oder Levelkarte zu integrieren, so gestaltet sich die Suche nach der nächsten, meist gut verborgenen, Tür oftmals unnötig frustrierend.

Gewaltdarstellung in edler FPS-Optik
Condemned: Criminal Origins bezieht viel der beklemmenden Atmosphäre aus der erstklassigen Präsentation. Entwickler Monolith ist nicht zuletzt dank Alien versus Predator 2, F.E.A.R. und No One Lives Forever für den
» Filmed in Blood-O-Vision.
spektakulären Einsatz der Ego-Perspektive bekannt. So verwundert es auch nicht, dass die sonst eher im FPS-Genre angesiedelte Grafik-Engine für diesen actionlastigen Titel beste Dienste verrichtet. Große Teile der Umgebungen bleiben zwar im dunklen Zwielicht, jedoch blitzt von Zeit zu Zeit die optische Qualität deutlich hervor.

Nicht zuletzt wegen dieser Schockeffekte ist Segas Xbox 360-Launchtitel nicht einfach zu verdauen. Aufgrund der exzessiven Gewaltdarstellung in realitätsnahen Bildern gilt Condemned bereits jetzt neben dem berühmt-berüchtigten Manhunt als eines der brutalsten Konsolenspiele. Wagemutigen, die sich weder vom hohen Blutzoll noch dem stimmungsvollen Soundtrack abschrecken lassen, steht also eine wilde Fahrt auf der Horror-Achterbahn bevor. Auch die Sprachausgabe ist gelungen und komplettiert die Atmosphäre des Titels bestens.
Pro
Stimmungsvolle Grafik
Killer-Atmosphäre
Ansprechende Handlung
Innovatives Kampfsystem
Contra
Kurze Spieldauer
Unspektakuläres Leveldesign
Lineares Gameplay
Fazit
Condemned: Criminal Origins ist ein kurzer aber extrem spannender Thriller, der vor allem mit sehr guter Präsentation beeindruckt. Den Entwicklern glückte eine perfekte Balance zwischen Erzählweise und Schockeffekten. Die im Horror-Genre selten eingesetzte Ego-Perspektive funktioniert hervorragend und verleiht dem Titel eine gruselige Stimmung. Den einzigen Schönheitsfehler stellt die allzu routinemäßige Aneinanderreihung von Story und Actionsequenzen dar. Auf Dauer leidet das gesamte Gameplay unter dieser strikten Linearität. Viel Potenzial wurde auch bei den forensischen Abschnitten verschenkt. Condemned bevormundet hier den Spieler über Gebühr und so bleibt ein grafisch leckerer Titel zurück, der zu wenig Spiel und zu viel Film ist. Das schmälert aber in keiner Weise die hervorragende Präsentation und extrem beklemmende Atmosphäre. Auf der Xbox 360 gehört gute Grafik zum A und O, Monolith hat aber die Meßlatte mit diesem Launchtitel nochmals höher gesteckt. Condemned sollte daher in keiner Sammlung eines Horror-Fans fehlen.