Adrenalin geladenes Action-Adventure sucht unerschrockene Spieler.Die Entwickler von
Condemned: Criminal Origins dürften Filme wie
Se7en oder
The Cell wohl zum Frühstück konsumieren, denn ansonsten wäre die grafische Gewaltdarstellung in Segas Titel kaum zu erklären. Gerade diese morbide Grundstimmung soll den Spieler in diesem Horror-Adventure in das kranke Gehirn eines Serienkillers versetzen. Ob der an
The Suffering: Ties that Bind erinnernde Xbox 360-Launchtitel auch einer gründlichen Untersuchung unseres
userrankings-Kriminallabors standhält, klärt unser Master-Review.
CSI: Horrorville Ein Serienmörder mit perversem Faible für Schaufensterpuppen treibt sein Unwesen in der Stadt. Seine Bluttaten laufen nach ähnlichem Schema ab und stets finden die Ermittler eine
bizarre Szene am Tatort vor. Der Spieler übernimmt als FBI-Agent
Ethan Thomas die laufende Ermittlung in dieser pikanten Mordserie. Abgesehen von einem Wunderding an PDA-Mobiltelefon, das großteils zur Kommunikation mit dem Labor oder der Einsatzzentrale dient, stehen dem Spieler allerlei Utensilien der modernen Forensik zur Verfügung.
Mittels Scanner sammelt man Gewebeproben ein und Neonlicht
macht verborgene Spuren sichtbar. Die Beweisfotos werden per Handy an Kollegen zur weiteren Analyse übermittelt. Richtige Puzzle-Stimmung kommt in diesen Passagen jedoch nicht auf, da sich alles nur um das Auffinden der Spuren dreht. Gehirnakrobatik mit kombinierbaren Gegenständen oder ein aufwendiges Inventar sucht man leider vergebens. Dafür fällt die Steuerung, bis auf die fordernde Lernkurve beim Nahkampf, erfreulich unkompliziert aus.
Condemned Kombat Als naheliegende Analogie müsste man
Condemned als
FPS, also einen
First-Person-Streetfighter, bezeichnen.
Monolith hat dem Spiel ein Kampfsystem verpasst, das sich
ordentlich gewaschen hat.
» Mies gelaunter Nachbar?! |
Zuerst wäre die große Zahl an verschiedenen Nahkampfwaffen zu nennen, doch damit noch lange nicht genug: Im Prinzip kann man beliebige Gegenstände aus den interaktiven Leveln aufgabeln und als Waffe benutzen. Gelegentlich gefundene Schusswaffen sind dafür nur solange benutzbar, bis die Munition verbraucht ist -
Nachladen gibt es nicht.
Das Arsenal umfasst diverse Edelstahlwerkzeuge, Bretter mit vorstehenden Nägeln oder Leitungsrohre. Feueräxte, Spind-Türen oder Vorschlaghammer runden das
Repertoire des Schreckens ab. Der Spieler muss sich jedoch nicht auf die offensichtlichen Waffen beschränken, als Faustregel für
Condemned gilt:
Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, darf einem Gegner über die Rübe gezogen werden. Besonders ausgefuchste Spieler, die völlig ohne Benutzung von Schusswaffen durch die Levels kommen wollen, erhalten als Belohnung Konzeptgallerien.
Mit der Wand durch den Kopf Dass es sich bei
Condemned um ein Spiel für hartgesottene und
abgebrühte Volljährige handelt, hat auch der Jugendschutz erkannt und dem Titel gleich mal das Prädikat "Ab 18" verpasst. Zu Recht, denn während der Actionsequenzen
» Hoffentlich halten die Batterien. |
langt Agent Thomas durchaus recht heftig zu. Darüber hinaus ist die Lernkurve nicht zu verachten, denn
das richtige Timing spielt bei
Condemned eine große Rolle. Sowohl Attacken als auch die fast noch wichtigeren Blocks verlangen einen hellwachen Geist und vor allem flinke Fingerarbeit.
So positiv sich das
interaktive Kampfsystem auch gestaltet, das eigentliche Leveldesign überzeugt weniger. Die wunderschön gestalteten Szenarien gleichen einander schnell wie ein Ei dem anderen und die
Abwechslung kommt eindeutig zu kurz. Dies hat zur Folge, dass man ständig durch zum Verwechseln ähnlich sehende Korridore irrt. Leider haben die Entwickler darauf vergessen, eine Orientierungshilfe oder Levelkarte zu integrieren, so gestaltet sich die Suche nach der nächsten, meist gut verborgenen, Tür oftmals unnötig frustrierend.
Gewaltdarstellung in edler FPS-Optik Condemned: Criminal Origins bezieht viel der
beklemmenden Atmosphäre aus der erstklassigen Präsentation. Entwickler
Monolith ist nicht zuletzt dank
Alien versus Predator 2,
F.E.A.R. und
No One Lives Forever für den
» Filmed in Blood-O-Vision. |
spektakulären Einsatz der Ego-Perspektive bekannt. So verwundert es auch nicht, dass die sonst eher im FPS-Genre angesiedelte Grafik-Engine für diesen actionlastigen Titel beste Dienste verrichtet. Große Teile der Umgebungen bleiben zwar im dunklen Zwielicht, jedoch blitzt von Zeit zu Zeit die optische Qualität deutlich hervor.
Nicht zuletzt wegen dieser Schockeffekte ist Segas Xbox 360-Launchtitel nicht einfach zu verdauen. Aufgrund der
exzessiven Gewaltdarstellung in realitätsnahen Bildern gilt
Condemned bereits jetzt neben dem berühmt-berüchtigten
Manhunt als eines der brutalsten Konsolenspiele. Wagemutigen, die sich weder vom hohen Blutzoll noch dem stimmungsvollen Soundtrack abschrecken lassen, steht also eine
wilde Fahrt auf der Horror-Achterbahn bevor. Auch die Sprachausgabe ist gelungen und komplettiert die Atmosphäre des Titels bestens.