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FIFA 06: Road to FIFA World Cup

» Autor: Stefan Kobald
» Datum: 04.02.2006
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Inhaltlich und spielerisch ein enttäuschendes FIFA der nächsten Generation.

Es dauert nur noch ein halbes Jahr bis zur Fußball-Weltmeisterschaft, die heuer in Deutschland ausgetragen wird. Bis dahin – dachte sich EA - sollten die zahlreichen Xbox 360-Besitzer ihren Hunger für den beliebtesten Sport der Welt stillen und mit Road to FIFA Worldcup die WM 2006 virtuell spielen. Wie im echten Leben betreten 32 Länder im funkelnden Rampenlicht der Gruppenphase den Rasen, um einhundert Prozent zu geben. So darf der Spieler nun seinen Lieblingsclub von der Qualifikation bis zur Endrunde begleiten. Ob der virtuelle Fußball der nächsten Generation dem Genre-König das Wasser reichen kann, lest ihr im folgenden Master-Review.

Die FIFA Cut-Version
Etwas schockiert werden die deutschen Fans feststellen müssen, dass Deutschland in Road to FIFA Worldcup nicht spielbar ist. Wer nun an dieser Stelle denkt, die FIFA hätte sich dazu entschlossen, die
» Detailgetreue Gesichtsmodelle bei jedem Spieler.
Nationalelf von der kommenden WM im eigenen Land zu entfernen, darf beruhigt sein, denn die Rede ist natürlich ausschließlich von der Qualifikationsrunde. Diese muss Deutschland als Gastgeber natürlich nicht bestreiten. Anhänger von Herrn Ballack, Kahn und Konsorten werden im schwarz-weißen Trikot bitterlich im Road to Worldcup-Modus - dem Kern des Spiels - vermisst. Hier treten nur Mannschaften an, die auch in der realen Qualifikation ihr Glück versuchten. 72 Nationalmannschaften können auf neun verschiedenen Austragungsorten ihr Talent unter Beweis stellen. Im Vergleich zu auf der aktuellen Konsolengeneration wirken diese Zahlen ziemlich klein, was daran liegt, dass verständlicherweise auf nationale Ligen verzichtet wurde.

Als ob die begrenzten Möglichkeiten bei der Xbox 360-Version nicht schon Manko genug wären, ein weiterer Wermutstropfen: die Endrunde samt Finale in Berlin kann nicht gespielt werden, da es neben dem RTWC-Modus lediglich möglich ist, eigene Turniere zu erstellen und so seinen persönlichen WM-Modus zusammenzustoppeln - hier darf man auch das deutsche Dress überstreifen. Der Xbox Live-Modus passt sich dem winzigen Umfang des restlichen Spiels an. Zwar werden Leaderboards, Rosterupdates und die Möglichkeit, ranked- und unranked-Matches sowie kleinere Turniere zu veranstalten, unterstützt, im Vergleich zu anderen Starttiteln bleibt jedoch einiges zu wünschen übrig.

Wo bleibt der Realismus?
Da dem ballführenden Spieler etwas mehr Gefühl und Balance gegeben wurde, reicht es oft, mit Stars wie Roberto Carlos gekonnte Tricks zu absolvieren und mit einem lässigen Alleingang aufs gegnerische
» Pfeifkonzerte bei unfairen Fouls.
Tor zu stürmen, um zum Torerfolg zu kommen. Dadurch verschwinden viel wichtigere Elemente wie Spielaufbau oder Taktik, obwohl diese über das digitale Steuerkreuz in Echtzeit verändert werden können. Großen Einfluss zeigt dieses Feature allerdings nicht, denn die Matches verlieren so gewaltig an benötigtem Realismus. Nicht weniger schmerzhaft fällt die KI der Gegner und eigenen Mitspieler - besonders der Torhüter - auf. Die Keeper fischen entweder die präzisesten Schüsse mit Leichtigkeit aus dem Kreuzeck oder prallen vergleichsweise Schlenzer vor die Füße der wartenden Stürmer. Zu oft entstehen dadurch unfaire Spielsituationen, die gerade in heißen und spannenden Multiplayer-Duellen den einen oder anderen Wutausbruch veranlassen. In Sachen Ballphysik wurde ebenfalls nicht dazugelernt und somit vermisst man gravierende Änderungen schmerzlich.

Auch nicht viel besser die Präsentation, welche bereits in den Vorgängern anständig vermiest wurde. Einzig die wunderschönen Spielermodelle, die jedem Technikfreak das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, wissen zu gefallen. Leider wurde die restliche Technik hingeschlampt. Im Vergleich zu FIFA 06 wirkt das Geschehen aus der Entfernung nur minimal aufpoliert, während die Animationen zum Großteil extrem abgehackt aussehen. Nur Foul- und Fallbewegungen hinterlassen einen ordentlichen, realistischen Eindruck. Spieler, bei denen ein HD-TV in ihrem Spielstüberl steht, dürfen dem Spiel aus optischer Hinsicht einige Pluspunkte zusprechen. Abgesehen davon liegt stets ein hässlicher Unschärfefilter auf den Fußballern und dem gesamten Stadion.


Fetzige Soundtracks bei schwachem Spiel
Am Gameplay gibt es auch wieder einiges zu bemängeln: insbesondere dass das Spielgeschehen ziemlich träge wirkt und somit an Dynamik verliert, ist Grund zur Kritik. Schnelle, direkte
» Ein bekanntes Bild: Portugal gegen Griechenland.
Spielzüge können nur selten möglich sein, da die Recken auf dem Rasen viel zu spät auf Befehle des Zockers reagieren. Fehlpässe, unüberlegte Aktionen und unnötige Ballverluste sind so vorprogrammiert, was an der Reaktionszeit des abgegebenen Tastendrucks. Präzises und schönes Passspiel wird ebenso vergeblich gesucht. So kann es oft passieren, dass Bälle das gewünschte Ziel nicht erreichen und sich ihren eigenen Weg suchen. Das Flanken-, Schuss- und Kopfballspiel funktioniert besser, was auch dazu führt, dass jedoch immer die gleichen Spielzüge gewählt werden. Entweder man befördert einen hohen Ball auf einen kopfballstarken Empfänger oder flankt das Leder dem schnellen Stürmer in den Lauf, der dann entweder am Verteidiger hängen bleibt oder völlig frei vor dem gegnerischen Gehäuse auftaucht.

Akustisch gibt es eine hervorragende Soundkulisse, die bekannte Schlachtrufe, stimmungsvolle Jubelschreie und wehleidiges Raunen miteinander verbindet - die Fans sorgen ordentlich für Stimmung. Das Menü ist mit mehreren Songs unterschiedlicher Musikgenres untermalt. Rocktitel haben genauso wie Rap- und Reggaeklänge ihren Weg in Road to FIFA Worldcup gefunden. Das Kommentatorenteam Thomas Hermann und Patrick Wasserzieher analysiert die laufenden Austragungen mit zahlreichen Redewendungen und Hintergrundinformationen, die sich jedoch zu oft wiederholen und an den falschen Stellen abgespielt werden. Nicht selten überlegt man, wieso bei einem leichten Schüsschen an der Fünfmeterraumgrenze von einer Granate aus 25 Metern gesprochen wird.
Pro
Schöne Spielermodelle
Guter Soundtrack
Contra
Schwaches Gameplay
Winziger Spielumfang
Lahmer Onlinemodus
Dämliche KI
Fazit
Meine Erwartungen für Road to FIFA Worldcup, der ersten Fußballsimulation für die Xbox 360, waren ziemlich hoch, doch nach kurzer Spielzeit verging mir die Lust. Die Ursache war einmal mehr die unrealistische Ballphysik, wie ich sie bereits aus den Vorgängern kannte. Auch mit der Steuerung muss man sich ein Weilchen vertraut machen, um hie und da über ein Tor jubeln zu dürfen. Grafisch bietet das neuste FIFA nicht viel mehr als die aktuelle Konsolengeneration. Lediglich alle Spielermodelle wurden nahezu perfekt modelliert, sodass jeder Profi leicht wieder zu erkennen ist. Die Fans auf den Rängen wurden ebenso mit viel Mühe erstellt und animiert. Musikalisch und akustisch leistete EA wieder tolle Arbeit und bietet vom Menü bis hin zum Match auf dem Rasen beinahe alle Musik-Genres für jeden Geschmack. Unter dem Strich wird es nur einen eingefleischten FIFA-Fan reizen, sich Road to FIFA Worldcup zuzulegen. Darum rate ich letztendlich von der Xbox 360-Fassung ab und man sollte es beim Testen belassen, da das Spiel keinesfalls den Vollpreis wert ist. Meine Meinung also, es gibt noch keine empfehlenswerte Fußball-Simulation für die nächste Konsolengeneration - ich lasse mich jedoch gerne eines Besseren belehren und hoffe auf ein stärkeres FIFA von EA. Der König Pro Evolution Soccer 5 hat also weiterhin die Nase vorn!
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Sports
Website
www.electronic-...
Release
02. Dezember 2005
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User-Bewertung
80
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