Die Zahnräder des Krieges drehen sich: Kurzweilig, actiongeladen, gelegentlich witzig sowie grafisch begnadet in Szene gesetzt.Die Xbox 360 ist mittlereweile ein Jahr am Markt und die sog. "zweite Generation" an Spielen rollt an. Der unglaubliche Medienrummel rund um
Epics neuen Actiontitel, dem Brainchild von Rockstar/Designer Cliff Bleszinski, gipfelt am 17. November, wenn
Gears of War erscheint. Seit den ersten Tech-Demos auf Messen steht für Fans rund um den Globus außer Frage, dass dieser auf der Unreal 3-Engine basierende Titel grafisch alles bislang Dagewesene in den Schatten stellt. Ob das Gameplay dem Hype ebenfalls gerecht wird, klärt unser
Master-Review.
War of the worlds Die Bewohner des Planeten Sera hatten es in letzter Zeit nicht leicht. Die einst blühende Zivilisation liegt nach einem
jahrelangen verheerenden Krieg um die Energiequelle "Imulsion" in Schutt und Asche.
Am schicksalshaften
Emergence Day kriechen furchterregende
Locust-Horden aus ihren unterirdischen Schlupfwinkeln hervor und attakieren die Bevölkerung. Seither harren die Überlebenden an weniger Orten, die aufgrund der geologischen Lage von den Locust sicher sind, aus. Die Menschheit bereitet sich dort auf den letzten verzweifelten Kampf gegen einen weit überlegenen Gegner vor.
Die Routine-Geschichte von
Gears of War mag nicht der Glanzpunkt der Science Fiction sein, als Ausgangslage für einen Actionkracher erfüllt sie jedoch ihren Zweck. Als Spieler übernimmt man die Rolle von
Marcus Fenix, einem nicht gerade zimplerichen Ex-Soldaten, der in einen Gewissenskonflikt geriet. Bis zum Emergence Day stellte er den Paradekrieger schlechthin dar. Doch als die Aliens einfielen, verweigerte er Befehle, um seinem Vater beizustehen. In Ungnade gefallen, wird er zu 40 Jahren schwerem Kerker verurteilt. Als das Gefängnis von den Locust zerstört wird, befreit ein alter Kamerad Fenix. Dieser zieht fortan gegen den unbezwingbar wirkenden Gegner ins Feld.
Teamwork ist die halbe Miete ... Fenix wird einem Trupp von vier Soldaten zugeteilt, der u.a. aus folgenden Charakteren besteht. Dominic Santiago, der ihn aus dem Gefängnis geboxt hat. Dom ist ein provokanter aber effektiver Krieger und hat stets einen makabren
» Shaky Cam. Bluring. Lighting. CliffyB. |
Scherz auf Lager. Im Gegensatz zu Dom ist Minh Young Kim ein sehr disziplinierter und ambitionierter Soldat wie er im Buche steht. Dagegen gilt Augustus Cole als Maniac der Truppe, der konstant unter Strom steht und immer den Adrenalinkick sucht. Damon Baird komplettiert als "Gehirn" und technischer Experte die Gruppe. Teamwork wird als zentraler Bestandteil des Gameplays von
Gears of War also groß geschrieben.
Die drei Modi
Kampagne, Ko-op sowie Online bieten viel Action: In der Solo-Kampagne spielt man mit Marcus Fenix und seinen Mitstreitern durch die insgesamt
fünf Akte der Schlacht-Oper.
Gears of War fängt die Endzeit-Phantasie von Designer Cliff Bleszinski perfekt ein. Man
zieht durch düstere, ausgebombte Metropolen, die lose an griechische und römische Architektur erinnern. Hinter jeder Häuserschlucht kann die tödliche Gefahr in Form von Locust-Horden lauern, die auch oftmals
aus dem Untergrund einen Überraschungsangriff starten. Der atmosphärisch hervorragende Soundtrack verstärkt die beklemmende Stimmung zudem noch.
... Deckung die andere Hälfte Spätestens nach dem Tutorial, das gleich mit einer gehörigen Portion an Horror-Elementen Marke
Resident Evil aufwartet, zeigt
Gears of Wars, was Sache ist: Bei
Epics Actionspektakel handelt es sich
mitnichten um einen schnöden "Run and Gun"-Titel, bei dem man alles ohne Furcht vor Konsequenzen wegnieten kann.
Deckung ist Trumpf und so gilt es, rasch das simple Kontrollschema zu verinnerlichen. Per A-Button aktiviert man die kontextsensitive Steuerung und per L-Stick führt Fenix verschiedene Bewegungsmuster durch. Sinnloses Herumballern führt selten zum Ziel: Vielmehr muss gezielt und präzise vorgegangen werden.
Entlang einer Wand oder Objekten wirft man sich per Knopfdruck in Deckung. Der L-Trigger zoomt die Szene heran und ermöglicht besseres Zielen, jedoch
exponiert man sich so auch als Zielscheibe für die Gegner. Heiße
Feuergefechte zwischen Schützengräben stehen somit an der Tagesordnung. Je nach Art der Deckung kann auch darüber gesprungen werden oder nach links oder rechts abgerollt werden. Äußerst spektakulär gestalten sich die
schnellen Kamera-Verfolgungsjagden, die mit gedrücktem A-Button eingeleitet werden. Es wirkt fast so,
als ob man Rambo beim Straßenkampf über die Schulter schaut. Die sehr gute Steuerung (genau die richtige Sensibilität auf den Sticks) ermöglicht es, hinter einer schützenden Mauer hervorzuspurten und unter schwerem Kugelhagel zur nächsten Position vorzurücken.
Resident Evil on steroids Die gesamte Kampagne darf auch zu zweit im Ko-op-Modus bestritten werden. Offline funktioniert dies traditionell per Splitscreen und online werden die Locust auch im Vollbild geplättet. Besonders lobenswert ist
» Mehr Power: Hammer of Dawn. |
die Möglichkeit, einen Freund der gerade online geht,
zu einer gemeinsamen Partie im Ko-op-Modus einzuladen. Neben dem Design der Modi überzeugen auch Gegner und vor allem Waffen dank vieler Details auf der ganzen Linie. Über die Idee,
einem Sturmgewehr noch eine Kettensäge zu spendieren, mag man geteilter Meinung sein, jedoch beim
Hammer of Dawn, einer Satelliten-gestützten Laserkanone bekommt jeder Scifi-Fan eine Gänsehaut.
Ansprechend gestaltet wurde der Online-Modus für bis zu
acht Spieler. Zwar sind die Levels etwas kleiner als bei vergleichbaren Titeln, jedoch wird so dem eigenwilligen Gameplay rund um Deckung und Schusswechsel Rechnung getragen. Für Action ist also gesorgt und die Entwickler werden in Zukunft hoffentlich neue knackige Maps nachschieben. Alles in allem sind die Mehrspielermodi mit ihren
4:4-Matches von
Gears of War vorbildlich. Man will einfach nur
mehr davon. Die
Gewalt- und Horrordarstellung in
Gears of War ist exzessiv und rote Pixel gibt es in Hülle und Fülle. Die
Altersfreigabe ab 18 Jahre ist somit gerechtfertigt. In Deutschland erscheint der
Epic-Titel aufgrund der Zensur erst gar nicht – zum Glück ist die deutschsprachige Version
100% uncut in Österreich und der Schweiz erhältlich.
My head just exploded Grafisch muss man den Entwicklern von
Epic zugestehen, dass sie auf der Xbox 360
die Messlatte deutlich höher gelegt haben. Zukünftige Titel werden sich an diesem Titel messen müssen. Angefangen beim sehr
» Ko-op ist extrem motivierend. |
guten Design der Umgebung, Kamerafahrten, Zwischensequenzen (alle in Echtzeit übrigens) bis hin zum Artwork
stimmt einfach alles. Einzig die Charaktere sind teils unproportional und erwecken etwas zuviel "Hulkmania"-Gefühle - für meinen Geschmack.
Gears of War macht gleich mit zwei Lastern der Xbox 360 kurzen Prozess: Die butterweiche Framerate - Achtung: 60Hz fähiger TV ist notwendig! -
wird nicht von störendem Tearing (=vertikale Versetzungen) geplagt.
An
Lighting- und Partikeleffekten kann man sich kaum satt sehen. Sanftes Hintergrund-Blur sorgt für zusätzlichen Realismus der bereits exzellenten Unreal 3-Engine. Weiters glänzt der Titel durch
außergewöhnlich kurze Ladezeiten zwischen den Abschnitten. Innerhalb eines Levels gibt es praktisch überhaupt
kein Nachladen. Kaum vorstellbar, was
Epic und
Microsoft hier an Aufwand betrieben haben dürften, um die "Experience" auf diesem Qualitätsniveau anzusiedeln. Akustisch fällt bereits der
Mad World-Trailer positiv auf: Die Klangkulisse von
Gears of War ist exzellent gestaltet und verfügt über ausgeprägten Raumklang. Der
orchestrale Soundtrack unterstreicht und begleitet die Action am Bildschirm hervorragend.
Update: Das "Hidden Front"-Mappack: Vier neue Karten für rund 10€ bietet Epic mit dem sogenannten "Hidden Front Mappack" für den Multiplayerkracher Gears of War an. Was jedem GoW-Veteranen beim Spielen der neuen Karten gleich auffallen wird ist die Größe:
Alle vier Schlachtfelder sind überraschend weitläufig geworden, allesamt riesig im Vergleich zu den bisherigen GoW-Maps. Ansonsten sind die Karten
gut ausbalanciert, was Spawnpunkte und stärkere Waffen anbelangt.
Zwei der neuen Maps - "Bullet Marsh", ein düsterer Sumpf und "Garden", die aus einem riesigen Gewächshaus besteht - bieten wie schon "Fuel Depot" und "Tyro Station" sogenannte "environmental hazards".
Dies bedeutet, dass interaktive Elemente auf der Karte zum Tod eines Spielers führen können. Bei "Tyro Station" beispielsweise bestand die Möglichkeit, von einem fahrenden Zug erfasst zu werden. Bei "Bullet Marsh" sind es die lichtempfindlichen Kryll, die den Spielern in den dunkelen Ecken der Map auflauern. Die "Garden"-Map wartet ihrerseits mit Giftgas in einem der riesigen Gewächshäuser auf: Die Spieler müssen erst eine Reihe von Schaltern aktivieren, bevor das Gewächshaus gefahrlos erkundet werden kann.
Die anderen Maps des Packs bieten keinerlei "Todesfallen", sind aber - wie alle Karten - grafisch eine reine Verwöhnung des Sehsinnes und aufgrund ihrer Größe
vor allem für den neuen Spielmodus "Annex" geeignet.
Die große Frage ist natürlich: Lohnt es sich, Geld für die Maps auszugeben - vor allem im Hinblick darauf, dass sie ab September gratis verfügbar sein werden? Dies kann man mit einem Jein beantworten: Ja für die Leute, die immer noch täglich Gears of War im Multiplayer spielen. Die Tatsache, die Maps gleich erleben zu können, ist für Vielzocker jeden Cent wert. Ja auch für alle, die gerne Annex spielen, da die alten Karten nicht so gut dafür geeignet sind wie die neuen Maps. Nein für die Leute, die unregelmäßiger spielen und somit problemlos bis September warten können. Denn dann ist das Kartenpaket, wie bereits erwähnt, auch
gratis verfügbar.