Sehr guter Ego-Shooter, der unter einer schwachen Portierung und grauenvollen Anpassung leidet.Neben der
Doom- und
Castle Wolfenstein-Serie schrieb
ID-Software mit noch einer weiteren Reihe blutige Videospielgeschichte: Die Rede ist natürlich von der in Deutschland durchgängig indizierten
Quake-Saga, welche den Spieler in Gefechte gegen die wiederwärtigen Strogg schickt. Nun hat der vierte Teil die Händlerregale erreicht, welcher extra für den deutschen Markt angepasst wurde. Was ein
Beben mit einer USK-Freigabe von "ab 16 Jahren" taugt, steht wie immer im folgendem
Master-Review.
Don't make me Strogg!Die Story ist Quake-typisch schnell erklärt: Die bösen Strogg - am besten als eine brutale Horror-Variante der aus Star Trek bekannten
Borg zu beschrieben - bedrohen die menschliche Spezies und führen Krieg gegen sie. Der
Spieler schlüpft in die Rolle eines weitestgehend anonym bleibenden Marines, welcher zusammen mit anderen Armeeangehörigen der organisch-maschinellen Bedrohung entgegen tritt. Bereits im ersten Einsatz wird das Landungsschiff abgeschossen und man findet sich auf einem feindseeligen Planeten inmitten anrückender Strogg-Einheiten wieder. Höchste Zeit also, die Knarre in den Anschlag zu nehmen und
in bester Ego-Shooter-Tradition versprengte Kameraden ausfindig zu machen. Anfangs verfügt der Protagonist lediglich über eine Energiepistole, schnell gesellen sich allerdings die
typischen Quake-Waffen wie Railgun, Schrotflinte, Blitzkanone und Raketenwerfer zum Arsenal hinzu. Auf Nahkampfwaffen wurde übrigens konsequent verzichtet. Weder Ketten- noch Armsäge (aus
Quake 3) oder blanke Fäuste kommen zum Einsatz gegen die finsteren Strogg. Dafür bekommen die Feuerwaffen an bestimmten Stellen im Spielverlauf Upgrades, so dass die Schrotflinte beispielsweise ein Magazin erhält und die Nailgun zielsuchende Geschosse verschießt.
Old-School meets new stuffÄhnlich bodenständig und bekannt wie das Repertoire an Ballermännern präsentiert sich der eigentliche Spielablauf. Vorwiegend ist man in engen, dunklen Gängen unterwegs und ballert in
linearen Levels auf
» Das Blut fehlt in der deutschen Version komplett. |
verschiedenste Formen der biomechanischen Widersacher. Neben Schützen, agressiven Nahkämpfern und stark gepanzerten Gladiatoren stechen vor allem die fliegenden Strogg-Ladys aus dem
abwechslungsreichen Fundus an Feindklassen hervor. In regelmäßigen Abständen stößt man auf besonders
starke Endbosse, die allerlei bleihaltige Überzeugungskraft vom Spieler verlangen. Wer intelligente Bossfights erwartet, wird enttäuscht. Auch bei den Endgegnern gilt die Devise „Wer schneller ballert gewinnt“. Damit
Quake 4 nicht komplett am Trend der Zeit vorbeigleitet, haben die Jungs von
Raven Software einige Fahrzeugabschnitte ins Game integriert, welche in großen Außenarealen statt finden. Hier schwingt sich unser Marine hinter das Steuer eines
Kampfroboters oder Panzers, um mit unendlich Munition sowie selbstregenerierendem Schuztschild und Außenhüllen riesige Strogg-Maschinen zu vernichten. Zudem passiert es an vom Spiel fest vorgegebenen Passagen, dass befreundete Einheiten zur Spielfigur stoßen und an ihrer Seite kämpfen. Sanitäter und Mechaniker dürfen hier sogar zum Auffüllen der Lebensenergie, beziehungsweise Panzerung konsultiert werden. Regelmäßige, fest gescriptete Dialoge und Funkverkehr mit und unter den NPCs sorgen für eine
gute Atmosphäre. Wo man in
Doom 3 die meiste Zeit vollkommen alleine unterweg ist, fühlt man sich in
Quake 4 stets einem riesigen Kriegsapparat zugehörig. An der professionellen Sprachausgabe gibt es dabei ebensowenig auszusetzen wie weg den restlichen Soundeffekten und der dezenten Hintergrundmusik.
Schwacher Port und dreiste AnpassungOptisch ist
Ravens aktueller Shooter auf den ersten Blick dank
aufgepeppter Doom 3-Engine natürlich über jeden Zweifel erhaben. Komplizierte Levelarchitekturen, weitestgehend überzeugende
» Solche Zwischensequenzen wurden ebenfalls entfernt. |
Texturen, detaillierte Figurenmodelle und 1A-Lichteffekte sprechen hier eindeutig für den Titel. Leider wird man beim Spielen schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt: Regelmäßige, teils heftige
Ruckler und Slowdowns erschweren das Zielen erheblich und zehren merklich am Spielspaß. Hinzu kommen viel zu selten gesetzte Checkpoints, eine fehlende Quicksave-Funktion – jederzeit Speichern ist nur über das Menü möglich - und
elendig lange Ladezeiten. Selbst beim Neuladen nach dem Ableben muss man sich rund eine halbe Minute lang gedulden, bevor es weiter geht. Angesichts der Leistungsfähigkeit der
Xbox 360 und der sehr soliden
Doom 3-Eninge hätte hier einfach wesentlich mehr drin sein müssen. Käufer der deutschen Version werden zudem noch mit einer der
heftigsten Zensuren der Videospielgeschichte konfrontiert:
„Kein Blut“ ist hier nur der Anfang. Um den Titel auf
“freigegeben ab 16 Jahren“ zu drücken, wurden Zwischensequenzen extrem verstümmelt oder gleich ganz weggelassen, was sehr zu Lasten der Atmosphäre geht. Die Zensurmaßnahmen gingen sogar so weit, dass der
Mehrspielermodus nicht mehr mit der internationalen Version des Titels kompatibel ist! Offensichtlich war man zudem so sehr mit den zahllosen Schnitten beschäftigt, dass man deutsche Menütexte und Untertitel komplett vergessen hat. Das eigentliche Game ist nach wie vor in Englisch und hat den Titel
“deutsche Version“ eigentlich gar nicht verdient.
Alleine onlineObwohl die für das Land der Dichter und Denker angepasste Variante des Games aufgrund der Inkompatibilität zur internationalen Version online fast unbrauchbar ist, hier ein kurzer Abriss zum im Grunde gelungenen Mehrspielermodus:
» Quake 4 sieht toll aus, leidet aber sehr unter Rucklern. |
Quake-typisch steht das klassische Deathmatch (alleine oder im Team) im Vordergrund. Die einzelnen Levels sind gut designt und bieten allerlei Sprungplattformen, Teleporter und verwinkelte Gänge, wie man sie bereits aus dem Vorgänger kennt. Das aus
Quake 3: Arena bekannte Waffenarsenal leistet auch in
Quake 4 gute Dienste und sorgt für ein
ausgewogenes Spielerlebnis. Neben den genannten Spielmodi stehen noch ein
Turniermodus und zwei verschiedene
Capture the Flag-Varianten zur Auswahl. Leider fehlen dem Game zuschaltbare KI-Spieler, so dass man einige Modi erst ab einer gewissen Spielerzahl - die übrigens auf maximal acht Teilnehmer begrenzt ist - vernünftig zocken kann. Auch auf eine Split-Screen-Option wurde konsequent verzichtet. Alternativ zum Onlinemodus steht daher lediglich das Spielen per System-Link im LAN zur Verfügung.