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Master-Review:   » drucken    » versenden

Sega Classics Collection

» Autor: Wolfgang Radax
» Datum: 08.01.2006
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
Durchwachsene Sammlung von Retro-Spielen ohne Retro-Charme.

Seit beinahe drei Jahren beglückt Sega die japanische Fangemeinde mit Remakes bekannter hauseigener Klassiker. Im Rahmen der Sega Ages 2500-Reihe erfuhren inzwischen über 20 Retroperlen einen Re-Release inklusive kosmetischer Verbesserungen – und das jeweils zum Budgetpreis. Als Wiedergutmachung für die lange Wartezeit auf eine PAL-Veröffentlichung zeigt man mit den hiesigen Zockern Erbarmen und lässt im Rahmen der Sega Classics Collection gleich acht Titel auf einer DVD zum Budgetpreis über die Ladentheke wandern. Ob das genug Grund zur Freude bedeutet, soll unser Master-Review klären.

Alles 3D, oder was?
Die Hiobs-Botschaft gleich vorweg: Das Shoot 'em Up Alien Syndrome hat es aus ungeklärten Umständen nicht auf den Sampler geschafft und so müssen PAL-Gamer mit einem
» Virtua Racing galt lange als Genrereferenz.
etwas reduzierten Umfang vorlieb nehmen. Trösten darf sich die Zielgruppe dafür mit einer grafischen und musikalischen Überarbeitung, wobei vor allem erstere ein zweischneidiges Schwert darstellt. Die Absicht, Klassiker in ein modernes 3D-Gewand zu stecken, klingt zwar löblich, wer nun allerdings einen hochauflösenden Polygon-Overkill vor Augen hat, dem muss Einhalt geboten werden. De facto warten die Spiele mit einer Grafik knapp über PSOne-Niveau auf, was nicht unbedingt zu deren Ästhetik beiträgt und gleichermaßen viel vom Pixelcharme vergangener Tage zunichte macht. Andererseits weiß der vorsichtig überarbeitete Sound über weite Strecken hin durchwegs zu überzeugen.

Sega verzichtete auf Hintergrundinformationen, Galerien sowie Extras für interessierte Retrozocker und präsentiert auf dem Silberling lediglich die betreffenden Titel selbst. Dies ist als vergeudete Chance zu werten, da der Speicherplatz sicher noch Raum für eine Fülle an Zusatzmaterial geboten hätte. Dafür bietet die Zusammenstellung eine gelungene Mischung verschiedener Genres, so dass zumindest potenziell für jeden Spielegeschmack etwas dabei ist. Im Einzelnen packte Sega folgende Klassiker auf den Datenträger:

Columns: Nintendo vs. Sega, Mario vs. Sonic aber auch Tetris vs. Columns lauteten die marktentscheidenden Duelle auf dem Videospielesektor der Acht- und Sechzehnbit-Ära. Bei der Klötzchenstapelei
» Columns unterhält heute noch genauso wie damals.
gilt es, Säulen, die aus jeweils drei verschiedenfarbigen Juwelen bestehen, so abzulegen, dass mindestens drei gleichfarbige Edelsteine nebeneinander, diagonal oder übereinander zu liegen kommen. Das klingt zwar banal, entfaltet aber ähnlich wie Genrekollege Tetris einen unbändigen Reiz. Grafisch wurde der Titel nur geringfügig überarbeitet, die neu arrangierten Musikstücke können dagegen auf ganzer Linie überzeugen. Vor allem zu zweit zeigt sich Columns als echtes Topspiel, das über die Jahre hin nichts von seinem Charme verloren hat.

Fantasy Zone: Hinter dem Horizontal-Shooter mit der bonbonbunten Grafik wartet ein Actiontitel mit gehobenem Schwierigkeitsgrad. In der Rolle von Opa-Opa müsst ihr mithilfe eines kleinen Raumschiffes den Weltfrieden wiederherstellen. Neben normalen Schusswaffen kann der Held auch auf kräftigere Kaliber zurückgreifen, um sich der Feinde zu entledigen. Letztere hinterlassen Goldmünzen, die im Shop gegen Upgrades wie stärkere Wummen, Riesenbomben und Speed-Ups eingetauscht werden wollen. Fantasy Zone war selbst zum ursprünglichen Release keine Genre-Referenz, dafür jedoch immerhin Actionspaß auf deutlich überdurchschnittlichen Niveau. Auch das Remake ändert nichts an dieser Tatsache.

Golden Axe: Zu Mega Drive-Zeiten bürgte die Golden Axe-Reihe für gestandenen Beat 'em Up-Spaß. Umso mehr mag sich so mancher Zocker auf das Remake gefreut haben. In der Rolle der
» Das 2D-Gewand stand Golden Axe besser.
Amazone Tyris Flare, des Zwerges Gilius Thunderhead oder des Barbaren Ax Battler zieht ihr alleine oder zu zweit in die Welt hinaus, um dem ach so bösen Death Adder die namensgebende goldene Axt zu entwenden. Die Schergen des genannten Oberfieslings werden von euch mit roher Waffengewalt oder magischen Attacken in die ewigen Jagdgründe geschickt und am Ende jedes der zehn Levels bekommt schließlich ein fetter Obermotz sein Fett weg. Die überarbeiteten Musikstücke sorgen für die eine oder andere Träne der Rührung, die Grafik auf PSOne-Niveau dagegen für Ekel- oder Lachkrämpfe. Dies und die träge Steuerung bringen den Retro-Gourmet zu einer harten Schlussfolgerung: Leichenschändung! Dass das Spiel dennoch Spaß macht, liegt wohl am unverwüstlichen Spielprinzip.

Monaco GP: Nicht zu verwechseln mit dem spaßigen Super Monaco Grand Prix. Ihr kurvt mit eurem Formel 1-Boliden aus der Draufsicht verschiedene Kurse ab und versucht mit schneller Reaktionsgabe, euren Gegnern auszuweichen und Sterne einzusammeln. Bis zu vier Spieler gleichzeitig dürfen sich an dem etwas schmalbrüstigen Vergnügen versuchen. Ein zusätzlicher Modus erweitert den Automatenoldie um Rennen aus schräger Draufsicht und bringt somit etwas 3D-Grafik ins Spiel.

OutRun: Im roten Sportcabrio mit 250 km/h über die Strassen brettern und die kesse Blondine auf dem Beifahrersitz ... Herz, was willst du mehr? Mit diesen Zutaten kreierte Sega
» Arcadespaß mit Blondine und Bleifussgarantie: OutRun.
in den Achtzigerjahren den Evergreen OutRun. Der Arcade-Racer verzichtet auf komplizierte Fahrphysik und lässt euch im Wesentlichen bloß zwischen Gas und Vollgas wählen. Innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne gilt es, den nächsten Checkpoint zu erreichen. Immer wieder gelangt ihr dabei an Abzweigungen, die zu verschiedenen Arealen führen. Mehrmaliges Durchspielen ist somit ein Muss, um alle Landschaftsteile gesehen zu haben. OutRun bietet neben dem Arcade-Modus mit dem Original-Rennparcours auch noch einen Arrange-Modus, in dem ihr euch mit Gegnern auf erweiterten Rennstrecken messen müsst. Das Spiel präsentiert sich nun in ansprechender Polygongrafik, die zwar aktuellen Referenzen keinesfalls das Wasser reichen kann, den Titel dennoch optisch gehörig aufpoliert.

Space Harrier: Yu Suzuki verblüffte Mitte der Achtzigerjahre die Spielergemeinde mit schneller Pseudo-3D-Action. In der Shooter-Orgie Space Harrier fliegt ihr mit einer Mischung aus Jetpack und überdimensionalem Schussgerät herum und säubert den Bildschirm von Feindesgesocks. Im Gegensatz zum minimalistischen Arcade-Original dürfen Action-Fans auf Power-Ups zurückgreifen, müssen dafür allerdings eine etwas geringere Spielgeschwindigkeit in Kauf nehmen. Für eben genannte Zielgruppe ist der Titel schon aus nostalgischen Gründen spielenswert, allen anderen bietet sich heute wie damals ein spielerisch überdurchschnittlicher aber keinesfalls umwerfender Shooter.

Tant R & Bonanza Bros: Ausgabe sechs der Sega Ages 2500-Reihe erfreute die Zocker gleich mit zwei Spielen, die beide den Weg in die Sega Classics Collection gefunden haben.
» Stealth + Slapstick = Bonanza Bros.
In Bonanza Bros. gilt es, mit den beiden namensgebenden Ganoven in verschiedene Gebäude einzubrechen und bestimmte Wertgegenstände zu entwenden. Natürlich darf euch hierbei das Wachpersonal nicht erwischen. Dazu könnt ihr hinter Vorsprüngen Deckung suchen oder zur Not eure Schusswaffe einsetzen. Unterm Strich lässt sich der Titel – etwas vereinfachend - als Slapstick-Metal Gear aus Seitenansicht beschreiben. Bereits zu Mega Drive-Zeiten Geschmackssache bietet das Spiel auch heute Unterhaltung auf dem Niveau „ganz nett“. Tant R zeigt sich als Minispielsammlung im Stile von Wario Ware, bloß weniger durchgeknallt. Alleine, zu zweit oder zu viert gilt es, einfache Aufgaben und Rätsel zu lösen, was weder spielerisch noch technisch für feuchte Träume sorgt. Prädikat: nette Draufgabe.

Virtua Racing: Simulationslastige Fahrphysik und berauschende 3D-Optik versetzten die Zocker anno 1992 in Ekstase. Spätere Umsetzungen für Heimkonsolen sorgten höchstens für ein Loch in der Geldbörse. Teure Zusatzchips in der Mega Drive-Fassung oder die Anschaffung eines Sega 32X waren hierfür Garant. Virtua Racing kann seine Arcade-Herkunft nicht verleugnen. Mit einer beschränkten Anzahl an Fahrzeugen dreht ihr eure Runden auf einer limitierten Menge von Kursen. Dennoch macht das Spiel einfach Freude. Die Rennstrecken sind durchwegs fordernd und der Weg zur Bestzeit ist mit vielen Übungsstunden gepflastert. Die kosmetischen Neuerungen wurden äußerst behutsam durchgeführt und der Polygon-Charme der frühen Neunzigerjahre bleibt somit auch in dieser Umsetzung erhalten.
Pro
Abwechslungsreicher Genremix
Acht Klassiker zum Budgetpreis
Grafisch und soundtechnisch überarbeitet
Virtua Racing
OutRun
Columns
Contra
Kein Zusatzmaterial
Teils grottige 3D-Grafik
Ein Spiel weniger als in der Importfassung
Monaco GP
Fazit
Besonders der Alltime-Klassiker Golden Axe ließ vieles zu erwarten, und genau hier war die Enttäuschung schließlich am größten. Die furchtbare 3D-Grafik ist nicht nur hässlich anzusehen, sie zerstört auch das ursprüngliche Flair des Pixelspaßes. Genau dieses Problem erweist sich als symptomatisch für die ganze Zusammenstellung. Hätte Sega die Originale möglichst unbelassen auf die Scheibe gepackt, wäre weniger Schaden passiert. Dass dieses Rezept für viel Unterhaltung sorgen kann, bewies schließlich bereits die Capcom Classics Collection. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten Titel nicht aufgrund sondern trotz der kosmetischen Eingriffe nach wie vor Spaß machen. Auch die Auswahl der Klassiker kann man nur bedingt als glücklich bezeichnen. Zwar werden viele unterschiedliche Genres abgedeckt, Titel wie Bonanza Bros. oder Monaco GP locken heute jedoch keinen Hund hinterm Ofen hervor, dafür vermisst man Namen wie Virtua Fighter, Wonderboy oder Phantasy Star. Dass mit Alien Syndrome zudem noch einer der besseren Kandidaten gestrichen wurde und keinerlei Zusatzmaterial auf der DVD enthalten ist, fällt da umso mehr ins Gewicht. Unterm Strich bleibt eine überdurchschnittliche Sammlung von Oldies unterschiedlichen Kalibers, welche durch die Überarbeitung mehr gelitten als profitiert haben. Retro-Fans kann ein Probespiel empfohlen werden, alle anderen finden ihr Glück eher mit Capcoms Konkurrenzprodukt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Compilations
Publisher
Sega
Entwickler
Sega
Website
www.sega-europe...
Release
06. Jänner 2006
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