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Master-Review:   » drucken    » versenden

Genji

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 28.12.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Onimusha-Klon, der es nicht vermag an sein großes Vorbild heran zu kommen.

Während Microsoft und Nintendo sich mittlerweile vorwiegend auf die nächste Generation von Konsolen konzentrieren und die Xbox und der Gamecube an Exklusivtiteln etwas zurückschrauben mussten, wird die Playstation 2 weiterhin vorbildlich beliefert. Einer dieser Exklusivtitel ist das im Auftrag von Sony in Entwicklung gegebene Genji - eine Art Onimusha-Verschnitt mit zwei spielbaren Helden. Was das Game taugt, klärt das folgendes Master-Review auf.

Demons May Cry
Kaum ein Feindbild ist in japanischen Action-Adventures so beliebt wie finstere Dämonen. Nachdem bereits Ryu Hayabusa, Dante, Samanosuke, Jean Reno und Reikoh in teils
» Schicke Fights im feudalen Japan.
mehreren, metzelintensiven Abenteuern auf die Jagd nach den fiesen Unterweltschergen gingen, gesellen sich nun zwei weitere Helden hinzu: Yoshitsune und Benkei, die Protagonisten aus Genji. Im Namen ihres unterdrückten Volkes ziehen sie im feudalen Japan gegen einen fiesen Tyrannen ins Feld, welcher auf der Suche nach den magischen Amahagane-Steinen ist. In diesen uralte Relikten schlummert eine unvorstellbare Macht, die allerdings erst durch die Magie einer Priesterin entfesselt werden kann. Die Aufgabe der beiden Helden ist klar: Die Geistliche um jeden Preis beschützen und vor dem Tyrannen in den Besitz der Steine kommen. Grafisch wird das mittelalterliche Setting durch eine gute Engine in Szene gesetzt, die sich hinter ihrem offensichtlichen Vorbild Onimusha nicht verstecken muss.

Sehr schöne Umgebungsgrafiken, die vor allem in den Außenlevels mit malerischen Bäumen und Seen auftrumpfen, schaffen zusammen mit den gut designten Charakteren und Special Effects ein optisch sehr schickes Game. Lediglich die in Nahaufnahmen etwas schwache Texturierung an den Charaktermodellen fällt negativ auf. Passende, traditionell japanische Klänge, ordentlich gewählte Soundeffekte und der wahlweise einschaltbare O-Ton bei der Sprachausgabe - natürlich mit deutschen Untertiteln – gefallen hingegen auf der akustischen Seite. Die schlechte englische Synchronisation sollte man allerdings meiden, da sie der gut eingefangenen Atmosphäre ansonsten einen heftigen Dämpfer verpasst.

Vorbild: Capcom
Auch beim Gameplay lassen sich eindeutige Parallelen zur Onimusha-Reihe nicht abstreiten. So stapft man durch die schick designten Umgebungen und macht mit Hilfe diverser Kombos, Sprünge und Schläge allerlei untotes und
» Die Umgebungen wissen zu gefallen.
lebendes Gesindel nieder. Die beiden Helden, zwischen denen meist frei gewählt werden darf, spielen sich dabei sehr unterschiedlich. Während der schmächtige Yoshitsune vor allem durch Geschwindigkeit und blitzschnelle Angriffe seiner beiden Schwerter überzeugen kann, greift der schwerfällige Benkei ganz und gar auf seine übermenschliche Kraft und riesigen Waffen mit großer Reichweite zurück. Im Vergleich zu komplexen Kampfsystemen wie sie in Ninja Gaiden Black oder der Devil May Cry-Reihe zu finden sind, wirkt das Genji-System, genau wie das der Onimusha-Reihe, recht unspektakulär. Wesentlich weniger Moves und recht ähnlich ablaufende Fights richten sich eher an Fans einfacher Kampfsysteme – was aber nicht zwangsweise einen Nachteil darstellt. Auch die Chance die doch recht monotonen Levels durch kleinere Rätsel aufzulockern hat man verpasst. Lediglich das Suchen von Schlüsseln und einige Dialoge mit NPCs lenken von den Metzeleien in den linearen Levels ab.

Durch das Töten von Widersachern sammeln die Charaktere automatisch Gold und Erfahrungspunkte. Während ersteres bei Händlern gegen bessere Ausrüstung eingetauscht werden darf, steigern die Erfahrungspunkte automatisch die Attribute der Helden und erhöhen somit deren Kampfkraft. Hinzu kommen kleine Kristalle, welche in Amulette eingesetzt, Angriff, Verteidigung und Lebensenergie steigern. Artefakte für das Herstellen von Spezialausrüstungen wecken den Sammeltrieb suchfreudiger Spieler.

Gute Idee mit Macken
Um sich von der Konkurrenz wenigstens etwas abzusetzen, hat man den beiden Hauptcharakteren eine zwiespältige Spezialfertigkeit verpasst, die es den Recken erlaubt, in eine Art Konzentrationsmodus zu wechseln. Sobald
» Ingame- und Rendersequenzen erzählen die Story.
dieser auf Kosten der Zauberkraft aktiviert wird, sendet die Spielfigur eine Schockwelle aus, welche die Gegner zum Neuformieren zwingt. Anschließend greifen diese bestimmte Angriffsmuster zurück, welche der Spieler durch Drücken der Viereck-Taste im richtigen Augenblick abwehren muss, was wiederum bei den meisten Standardgegnern zum direkten Tod führt. Was anfangs noch relativ cool wirkt und dank entsprechenden Animationen auch toll in Szene gesetzt wurde, nutzt sich leider sehr schnell ab. So laufen die Fights meistens nur darauf hinaus, alle Feinde mittels Reaktionstest nieder zu machen. Dummerweise greifen auch die meisten Bosskämpfe auf dieses Schema zurück, was den Auseinandersetzungen die Dynamik raubt und schnell für abwechslungsarme und taktikfreie Keilereien sorgt. Des Weiteren wird der Spaß an diesem System durch teils extrem kurze Reaktionszeiten getrübt. Einige Bosse lassen sich nur durch Einstudieren des richtigen Zeitpunkts zum Drücken der Kontertaste besiegen, was sehr schnell frustrieren und nerven kann.

Neben der mäßig umgesetzten Idee des Konzentrationsmodus trübt ein weiterer Kritikpunkt den Gesamteindruck zum Spiel: Der Umfang. Geübte Zocker sollten maximal 6-8 Stunden einrechnen, um die Endsequenz zu erreichen. Ebenfalls negativ fällt auf, dass mit Levelrecycling nicht zimperlich umgegangen wurde, was gerade bei einer so kurzen Spielzeit doppelt schwer wiegt. Zwar existiert etwas Replay-Value durch einen höheren Schwierigkeitsgrad, sammelbare Gegenstände und das Aufleveln der Charaktere, allerdings dürfte dies nur gestandene Fans des Games zum Nochmalspielen motivieren.
Pro
Schöne Grafik und guter Sound
Gelungene Atmosphäre
Zwei spielbare, aufrüstbare Charaktere
Contra
Sehr kurze Spielzeit
Konzentrationsmodus macht Fights monoton
Levelrecycling
Grausige englische Sprachausgabe
Fazit
Leider vermag es Genji in keinster Weise an Capcoms Onimusha-Reihe aufzuschließen. Die Story ist zu uninteressant, die Charaktere zu flach und die Kämpfe zu monoton. Letzteres liegt vor allem am langweilig implementierten Konzentrationsmodus, welcher die Fights zu simplen Reaktionstests verkommen lässt. Weiterhin geschmälert wird die Freude durch eine sehr kurze Spielzeit und Levelrecycling. Dennoch ist Genji bei Weitem kein schlechtes Spiel. Vor allem Fans japanischer Samurai-Fantasy-Storys dürften ihren Gefallen an dem ansonsten sehr soliden Titel finden. Die gute Technik und damit verbundene Atmosphäre sprechen ebenfalls für das metzelintensive Spiel. Fans des Genres sollten vor dem Kauf einfach selbst einmal anzocken und anschließend mit den angesprochenen Problemen des Titels im Hinterkopf entscheiden, ob ihnen Genji das Geld wert ist. Alle anderen greifen zuerst zur Onimusha-Reihe, welche es bereits seit längerem zum Budget-Preis gibt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Action-Adventure
Publisher
SCEE
Entwickler
Game Republic
Website
de.playstation....
Release
28. Oktober 2005
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User-Bewertung
76
5 Bewertungen
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