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Der Herr der Ringe: Taktiken

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 21.12.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Gute Kost für Fans der Trilogie, Strategen erwartet nur Mittelmäßiges.

"Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.". Dieses Zitat kennt wohl jeder Der Herr der Ringe-Fan und ist spätestens seit der Verfilmung der Trilogie in aller Munde. Die Zeichen der Zeit erkannt ließ sich Electronic Arts nicht lange bitten und sorgte für zahlreiche Spiele rund um die Geschichte des Einen Ringes. Von seinem bekannten Schema abweichend, spendierte der Publisher der PSP nun einen komplett eigenständigen Titel namens Der Herr der Ringe: Taktiken. Was euch in der Neuentwicklung erwartet, klärt unser Master-Review.

Gut gegen Böse
Es herrscht Krieg in Mittelerde! Auf der einen Seite die Anhänger Gondors rund um Aragorn, Frodo und Gandalf, auf der anderen die finsteren Schergen Mordors, Sauron, Saruman und Lurtz. Genau für eine dieser beiden Parteien entscheidet
» Die Schlacht am Amon Hen.
man sich zu Beginn von Der Herr der Ringe: Taktiken. Je nach Wahl kommt der Spieler dabei in den Genuss unterschiedlicher Sequenzen, allesamt den drei Filmen entnommen, welche die Geschichte vorantreiben und aus dem jeweiligen Blickwinkel zeigen. Die zahlreichen Missionen finden an bekannten Schauplätzen wie der Wetterspitze, Moria, Amon Hen oder den Ebenen von Rohan statt. Zu den fixen Partymitgliedern, sechs pro Seite, gesellen sich so etwa Ringgeister, Ents, einfache Soldaten oder auch der Furcht einflößende Balrog. Abgesehen von einigen wenigen Bonusaufträgen sind die teilnehmenden Charaktere aber fest vorgegeben.

Neben dem Ziel, das meist auf die Eliminierung aller Gegner hinausläuft, warten einige Missionen mit einer bestimmten Bedingung auf: Mal darf eine bestimmte Einheit nicht sterben, ein anderes Mal ist das Überleben über eine bestimme Anzahl von Runden Pflicht. Während die Schlachten selbst nahe an der Buchvorlage sind, hält es das Programm mit den teilnehmenden Charakteren bzw. dem Ausgang nicht ganz so genau, was teils sehr an der Atmosphäre knabbert. Entweder tauchen Figuren auf, die an dieser Stelle der Story nichts zu suchen haben oder sie sind trotz eines frühzeitigen Todes in der nächsten Auseinandersetzung wieder mit von der Partie.

Bewegende Momente
Jede Mission besteht aus Bewegungs- und Kampfphasen, die nacheinander ablaufen und sich wiederholen. In der Bewegungsphase zieht man seine Einheiten auf einem in Quadrate unterteilten Spielfeld, der Analogstick dient zum Drehen und
» Autsch, das tat weh!
Zoomen in mehreren Schritten. Besonders in den niedrigeren Vergrößerungsstufen, wo man die beste Übersicht hat, kommt das Problem zum Tragen, dass die Charaktere teils sehr ähnlich aussehen und eine gewisse Verwechslungsgefahr besteht. Zum Glück darf man via rechter Schultertaste durch alle verfügbaren Einheiten schalten. Je nach Typ können in einem Zug größere Entfernungen überbrückt werden, das Terrain beeinflusst den Bewegungsradius zusätzlich.

Hat man die Bewegung seiner Einheiten abgeschlossen, so geht es in die Kampfphase und somit auch an den spannenderen Teil der Schlachten. Je nach Charakter kann dieser einen Nah- oder Fernangriff ausführen. Steht die Einheit auf einer Erhöhung, so ist die Chance auf mehr Schaden größer. Hindernisse wie Bäume dienen zum Schutz, doch selbst auf freiem Feld sind Fehlschüsse keine Seltenheit. Einige Charaktere haben zusätzlich Aktionspunkte, die sie spezielle Attacken oder Zaubersprüche ausführen lässt - beispielsweise besonders schwere Hiebe oder kurzzeitige Lähmung. Abseits der Gerangel ist es in der Kampfphase auch möglich, Gegenstände wie Heiltränke einzusetzen. Hat man seine Aktionen abschlossen, so geht das Programm durch einen Tastendruck wieder in den Bewegungsmodus über. Dieser wechselt sich so lange mit der Kampfphase ab, bis das Missionsziel erreicht ist – was teilweise jedoch etwas langatmig sein kann. Im einfachsten der drei Schwierigkeitsgrade sollte jede Schlacht mit nur einem Anlauf zu schaffen sein, bei "Mittel" oder gar "Schwer" sei jedoch jeder Zug gut überlegt, die Speicherfunktion in oftem Gebrauch.

Viel Luft um nichts
Auch wenn Electronic Arts den Titel offenkundig als taktisches Rollenspiel anpreist, bleibt im eigentlichen Spielgeschehen davon nicht viel übrig. Der Herr der Ringe: Taktiken entpuppt sich mehr als rundenbasiertes Strategiespiel mit sehr, sehr
» Was Saruman wohl im Schilde führt?
leichten Rollenspielanleihen. Diese sind besonders darin begründet, dass man nach jeder Mission Erfahrungspunkte erhält, die jedoch selbstständig und ohne erkennbares Muster auf sämtliche Partymitglieder, auch wenn sie nicht Teil der Schlacht waren, aufgeteilt werden. Ein gezieltes Erhöhen verschiedener Attribute gestattet das Programm leider nicht. Zusätzlich regnet es nach jeder Auseinandersetzung bessere Waffen und Gold. Während erstere vernachlässigbar sind, da man die Kampfgeräte nie zu Gesicht bekommt und auch nicht selbst ausrüsten kann, hat zweiteres schon eher einen Zweck. Das funkelnde Edelmetall darf zwischen den Missionen in einem Shop gegen allerlei Gut wie Heiltränke, Spezialfähigkeiten und verbesserte Werte eingetauscht werden. Leider erbeutet man jedoch meist gerade so viel Geld, dass man sich ein paar Heiltränke leisten kann, die für die Absolvierung zahlreicher Aufträge essenziell sind. Speziell in den beiden höheren Schwierigkeitsgraden ist dem Kaufrausch somit schnell ein Ende gesetzt. Wie auch beim Auflevelen gilt: Gute Idee, schlechte Umsetzung!

Auf der grafischen Seite herrscht ein geteiltes Bild vor: Ansehnliche Umgebungen, welche durchaus Parallelen mit den Schauplätzen aus den Filmen aufweisen, halbwegs gelungene Charaktermodelle und die Filmsequenzen stehen groben Texturen, unspektakulären Effekten sowie einigen Clipping-Fehlern gegenüber. Die Akustik kann zwar mit ihrem guten, authentischen und sich der Spielsituation anpassenden Soundtrack sowie den gelungenen Sounds überzeugen, diese Geräusche dürften aber ruhig etwas abwechslungsreicher sein. An Multiplayer-Freunde hat EA auch dieses Mal gedacht und dem Titel einen entsprechenden Modus für bis zu vier Teilnehmer spendiert. Jeder befehligt hier eine vom Host vorgegebene Anzahl an Einheiten und zieht damit gegen die anderen Spieler in die Schlacht.
Pro
Der Herr der Ringe-Bonus
Toller Soundtrack
Original-Charaktere und -Schauplätze
Beide Seiten spielbar
Kampfphase spannend
Contra
Bewegungsphase fad
Teils schlechte Übersicht
Aufleveln ohne Sinn
Shop-Idee schlecht umgesetzt
Etwas langatmig
Auf Dauer eintönig
Fazit
Man nehme folgende Zutaten, mische sie kräftig und hoffe auf ein gutes Ergebnis: 1. Eine komplette Neuentwicklung für die PSP, 2. Die Herr der Ringe-Lizenz, 3. Ein Genre, nämlich taktisches Rollenspiel, das bis jetzt auf dem Handheld vernachlässigt wurde. An sich Ingredienzien für ein erfolgreiches Spiel, das Resultat kann jedoch nicht vollends überzeugen. Speziell die Rollenspiel-Elemente wirken extrem aufgesetzt und wirken zu jeder Zeit, als hätte man krampfhaft versucht, sie in das Spiel zu pressen, nur um etwas Einzigartiges zu schaffen. Das Auflevelen ist nicht beeinflussbar, für neue Fähigkeiten fehlt meist schlichtweg das Geld. Dennoch macht das Spiel einfach Spaß, was besonders an der Lizenz liegt. Es bereitet viel Freude, mit Aragorn, Gandalf und Co., wahlweise auch mit Saurons Schergen, in die Schlacht zu ziehen und auf bekannten Schauplätzen um die Vorherrschaft zu kämpfen. Zwischendurch noch ein paar Sequenzen aus den Filmen eingestreut, mit dem Original-Soundtrack gewürzt und das Der Herr der Ringe-Festmahl ist serviert. Die Bewegungsphasen sind zwar fad, auf Dauer fehlt auch etwas die Abwechslung, die Kämpfe wissen dafür aber über die gesamte Spielzeit hinweg zu gefallen. Fans von Tolkiens Trilogie, für die Action nicht unbedingt im Vordergrund steht, dürfen zugreifen. Kann man mit dem Thema jedoch nichts anfangen, so geht viel der Faszination des Titels verloren und übrig bleibt ein mittelmäßiges Strategiespiel.
Infos
Erhältlich für
Genre
Strategie
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Website
www.electronic-...
Release
02. Dezember 2005
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