Der mittlerweile neunte Ableger der Serie vereint alle Tugenden der Vorgänger.Mit
Need for Speed Most Wanted erwartet den Spieler nicht nur das vierte
Need for Speed für die aktuelle Heimkonsolengeneration sondern auch die Frage: Was kann denn
Electronic Arts überhaupt noch neues bieten? Tuning? Check. Nobelschlitten? Check. Verfolgungsjagden mit der Polizei? Check. Gerade die wild umworbenen Elemente des frischesten Abkömmlings waren in der einen oder anderen Art schon in früheren Teilen zentraler Spielbestandteil. Warum der Titel – getreu dem Motto:
Evolution statt Revolution – dennoch gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Streetracing in Rockport CityDumm gelaufen: Bei einem Rennen gegen
Razor, den Anführer der lokalen
Blacklist in Rockport City, wurde an eurem BMW M3 GTR herumgepfuscht. Die Folgen treffen euch
» Ein Traum in Gelbtönen. |
ins Mark: Das Auto bleibt mit Motorschaden liegen, die Papiere wandern umgehend an euren Gegner und auch die Polizei hat euch am Kieker. Nach einer kurzen Haftstrafe steht ihr nun völlig mittellos auf der Straße. Als Ausweg aus der Misere gilt es nun, sich in unzähligen Rennevents an die Spitze der Blacklist vorzuarbeiten und es dem linken Razor heimzuzahlen. Rache ist süß – und am besten wird sie kalt serviert.
Mit dem mickrigen Startbudget kauft ihr euch verständlicherweise zuerst einmal einen neuen fahrbaren Untersatz. Stehen zu Beginn nur Mittelklasse-Modelle wie
Lexus IS300 oder
VW Golf GTI zur Verfügung, so schaltet ihr im weiteren Spielverlauf auch Supersportwagen wie
Porsche 911 turbo oder
Lamborghini Murciélago frei. Entsprechendes Kapital vorausgesetzt dürfen diese freilich wieder
optisch aufgemotzt werden: Von kompletten Bodykits, Felgen sowie Spoilern bis hin zu Lack, Scheibenfolien und individuellen Instrumenten ist alles vertreten, was das Tuningherz höher schlagen lässt. Im direkten Vergleich zum Monster-Tuning in
Need for Speed Underground 2 wurde aber ein Gang zurückgeschaltet – sehr zur Freude von Spielern, die ihren Wagen in einem
dezenteren Look vorziehen. Auch das
Leistungstuning ist natürlich wieder mit von der Partie. Dieses bietet die klassischen Upgrades für Motor, Reifen und Co. und reißt besonders im späteren Spielverlauf tiefe Löcher in euer Haushaltsbudget.
600hp @ 5000rpmUm in der
Blacklist aufzusteigen und schlussendlich zum finalen Schlag gegen
Razor auszuholen, müsst ihr euch zuerst einmal um seine 14 Lakaien kümmern, welche die Plätze zwei bis vierzehn
» Illegale Rennen? Nicht mit den Herren in Blau. |
besetzen und nur darauf warten, euch von der Bahn zu drängeln. Bevor es zur klassischen
One-on-One-Auseinandersetzung auf den Straßen Rockports kommt, wollen sie jedoch erst einmal von euren fahrerischen Qualitäten überzeugt werden. Pro Listenplatz gilt es somit, (1) aus einer Anzahl Rennen als Sieger hervorzugehen, (2) bestimmte Meilensteine zu absolvieren sowie (3) ein bestimmtes Kopfgeld beim RPD (Rockport Police Department) zu erreichen. Ersteres ist eigentlich selbsterklärend: in den
unterschiedlichen Rennevents Rundkurs, Drag, Runden-K.O., Radarfalle, Sprint sowie Mautstelle als Erster das Ziel sehen und neben finanziellen Belohnungen auch einen Schritt hin zur nächsten Herausforderung auf der Blacklist tätigen.
Die Meilensteine hingegen beeinflussen nur eines: das auf euch ausgesetzte
Kopfgeld. Bretzelt ihr zu schnell an Radarfallen vorbei, steigt nicht nur der Respekt des nächsten Listengegners sondern auch das Interesse der Polizei – neben der Uhr und anderen Tunern der dritte Kontrahent in
Need for Speed Most Wanted. So solltet ihr immer einen Blick auf die
Fahndungsstufe auf dem HUD werden. Stellen euch die Stufen eins und zwei noch vor keine größeren Probleme, so gilt es ab Stufe drei wachsam zu sein. Neben rammenden Polizei-SUVs und Straßensperren erwarten den notorischen Raser auch Hubschrauber und Nagelbretter. Besonders letztere wollen tunlichst gemieden werden, da ihr sonst mir nichts dir nichts Strafrunden im Gefängnishof dreht. Wohl dem, der sich aus der Misere rauskaufen kann, alle anderen geben den Wagen ab.
Most Wanted einmal sprichwörtlichAber keine Sorge: Wer viele Rennen fährt, kennt sich aus in Rockport. Um die blau-weiße Meute abzuhängen bedient sich der Raser von Welt so genannter
Stopper. Das sind Baugerüste,
Wassertanks oder Tankstellen, welche ihr zum gezielten Abschütteln und Zerstören von Polizeiwagen verwendet. Danach gilt es nur noch, schnellstmöglich ein Versteck zu finden und den Abpfiff der Suchaktion auszusitzen. Gott sei Dank bekommt euer neues Hi-Fi-Radio den Polizeikanal rein – so seid ihr über den derzeitigen Stand der Dinge immer bestens informiert!
Auch der
Speedbraker hat Einzug ins
Need for Speed-Universum Einzug gehalen. Mit der entsprechenden Taste schaltet ihr in ein zeitlupenähnliches Geschehen und könnt so ganz gezielt Straßensperren und Nagelbretter umfahren. Reicht auch das nicht mehr aus, dem geballten Auftreten der Exekutive entgegen zu treten, sprüht ihr kurzerhand euren Wagen in einer anderen Farbe um oder wechselt kurzerhand das Gefährt. Mit anderen Worten:
Need for Speed Most Wanted ist die moderne Abart des Katz- und Mausspiels. Ganz besonders auf höheren Stufen mit Hubschrauberunterstützung habt ihr teilweise richtig zu kämpfen, wenn ihr heil zuhause ankommen wollt. Verfolgungsjagden von 20 und mehr Minuten sind definitiv keine Seltenheit!
Stufe für Stufe für… Die finale Auseinandersetzung mit den jeweiligen Blacklistfahrern ist allerdings ebenso wenig Zuckerschlecken wie die nervenaufreibenden Verfolgungsjagden mit der Polizei. In zwei bzw. drei Einzelrennen
» Mit Straßensperren sollt ihr gestoppt werden. |
sollt ihr dem Widersacher zeigen, wer hier eigentlich die Hosen anhat – zur Belohnung erwarten euch unter anderem nicht käuflich erwerbbare Tuningteile und Entlassungs"gutscheine" der Polizei – wenn ihr Glück habt, dürft ihr auch im Wagen des eben Geschlagenen Platz nehmen.
Gameplaytechnisch gibt sich Need for Speed Most Wanted serienkonform:
Spaß und Action vor Realitätsnähe. Wer einen der unzähligen Vorgänger gespielt hat, weiß also auch, was ihn im vorliegenden Ableger erwartet.
Zwar ist
Need for Speed: Most Wanted vor allem aufgrund der realistischen und authentischen Grafik ein Zugpferd für Microsofts Xbox 360, jedoch macht das Rennspiel auch ohne HDTV-Auflösung Spaß. Im direkten Kopf-an-Kopf-Vergleich belegt die PS2-Fassung eindeutig den hinteren Platz, fährt aber relativ zur Hardwareleistung der Current-Generation-Konsole noch im guten Mittelfeld mit. Vor allem die
Kunsteffekte wie Verzerrfilter bei hohen Geschwindigkeiten oder ausgeprägte Sonnenblendungen und
Lens-Flares sorgen für eine gute Qualitätsbasis. Leider bleibt auf diesem Wege wenig Rechenleistung für die Kantenglättung, es bleibt ein
unscharfes Gesamtbild mit
intensiven Kantenfilmmern. Ebenfalls läuft das Geschehen aufgrund der
niedrigen Framerate insgesamt langsam, weswegen sich im Vergleich zur neuen als auch zur alten Xbox ein weniger intensives Geschwindigkeitsgefühl einstellt. Sehr positiv fallen hingegen die Zwischensequenzen des Story-Modus auf, die mit einer Kombination aus realen Schauspielern und prachtvoll gerenderten Hintergründen ihre Wirkung voll entfalten.