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True Crime: New York City  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 22.12.2005
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
Durch Bugs zerstörte Gangsteraction, die mehr Entwicklungszeit verdient hätte.

Seitdem die GTA-Reihe den Markt erobert hat, gibt es Titel, die am riesigen Erfolg teilhaben wollen und das Gameplay und Setting fleißig kopieren. Bisher sind allerdings sämtliche Getaways, Driv3rs, Mafias (Xbox/PS2) und True Crimes an der hohen Messlatte, welche von Entwickler Rockstar gesetzt wurde, gescheitert. Mit True Crime: New York City versucht es Luxoflux nun ein zweites Mal, am Thron der ersten und besten Free-Roaming-Reihe zu sägen. Warum auch dieser Titel scheitert, verrät unser Master-Review.

New York Ghetto Cop
Als typisch kann man die Polizeikarriere des jungen Protagonisten Marcus Reese wohl nicht bezeichnen. Nach einem blutigen Racheakt an untreuen Ghetto-"Geschäftspartnern" stellt ihn ein Angehöriger einer Spezialeinheit
» New York wurde digital nachgebaut.
der Polizei. Dieser ist glücklicherweise ein enger Freund von Reese' Vater und nimmt den Kleinen unter seinen Schutzmantel, indem er ihn kurzerhand zu einem echten New York Cop ummodelt. Nach einem ballerlastigen Einführungslevel beginnt hier auch das Training für den Spieler, welches aus verschiedenen Stationen im Polizeirevier besteht. Dort lernt man den Nahkampf, das Schießen sowie gekonnte Rasen mit Fahrzeugen, um im späteren Spielverlauf zurecht zu kommen. Anschließend gibt es noch ein paar Einweisungen ins Verhaften und Durchsuchen von Verdächtigen sowie die moralischen Aspekte des Polizeijobs. Böse Bullen dürfen sich nämlich am Unterschlagen von Beweismitteln oder Einkassieren von Schmier- und Erpressungsgeldern bereichern, während gute Cops durch vorbildliches Handeln befördert werden. Auch das Vorgehen gegen Kriminelle spielt hier eine große Rolle. Wer alle Feinde einfach niedermäht bekommt böse Punkte, während nicht getötete, verhaftete Kriminelle gute Punkte einbringen. Das Verhören von Verdächtigen mit gezielten Schlägen und anderen Gewaltanwendungen ist ein weiterer Bestandteil des virtuellen Polizeidienstes, wurde aber leider nur in einem recht langweiligen Mini-Spiel ins Spiel integriert.

Guter Bulle, böser Bulle
Hat man das flott absolvierte Training hinter sich gebracht, darf in bester GTA-Manier ein virtuell nachgebautes New York erkundet werden. Wie im großen Vorbild sind Kontaktpersonen, welche Aufträge für den Spieler haben, auf
» Feinde lassen sich als Schutzschild verwenden.
der Übersichtskarte markiert, so dass man jederzeit die verschiedenen Storystränge fortsetzen kann. Letztere werden mit Hilfe schicker, natürlich auf ultracool getrimmter, Ingamesequenzen erzählt und bieten den einen oder anderen Lacher, ohne jedoch jemals den genialen Humor eines GTA zu erreichen. Abseits der Hauptstory - welche in mehrere große Fälle aufgeteilt wurde - und den zusätzlichen Nebenmissionen, gibt es zwar bei Weitem nicht so viel zu tun wie in Grand Theft Auto: San Andreas, dennoch weiß der Titel den Spieler auch außerhalb der Missionen zu beschäftigen. So kann man an Straßenrennen und Arenafights teilnehmen oder sich in entsprechenden Geschäften neue Autos, Klamotten, Waffen und Kampfmoves zulegen. Zudem ist es möglich, Personen auf Rauschmittel oder Diebesgut zu filzen.

Erfolgreiche Cops dürfen an Polizeiständen Beweismittel gegen Karrierepunkte und üppige Gehälter eintauschen. Alternativ kann man konfiszierte Ware auch selbst an den Mann bringen, um noch mehr Knete rauszuschlagen. Während die Haupt- und Nebenmissionen dank eines ausgewogenen Mix aus spaßigen Nahkämpfen, bleihaltigen Ballereien und schnellen Verfolgungsjagden überzeugen können, stößt das stets düstere, dicht besiedelte New York aufgrund seiner in Straßen-Blöcke aufgeteilten Architektur nur auf mäßiges Interesse. Schnell wird man auf öffentliche Verkehrsmittel wie Taxis und U-Bahnen umsteigen, statt die teils ewig langen Fahrten in Kauf zu nehmen.

Käfer in New York
Was sich bis hier hin als sehr gelungen anhört, hat ein ganz großes Problem: Massive Bugs! Neben heftigen Clipping-Fehlern und Problemen in der Bedienung sind vor allem die zahlreichen schwerwiegenden
» Mit quietschenden Reifen...
Programmierschlampereien, welche meistens ein Neuladen nach sich ziehen, unverzeihlich. So ist es im Test beispielsweise vorgekommen, dass ein Bossgegner nicht bekämpft werden konnte, weil die Kamera einfach am Ende einer Ingamesequenz hängen geblieben ist, während im nicht einsehbaren Bereich der Kampf entbrannte und man nur noch hörte, wie die Spielfigur ordentlich eins drauf bekam. Später stürzte das Spiel mit einer Fehlermeldung ab. Ein anderes Mal fiel der Protagonist durch eine Wand ins digitale Nichts, während er durch einen vierten schweren Bug plötzlich bewegungsunfähig wurde. So kann man dem Titel trotz der ans sich gelungenen Grafik nur das Prädikat technisch katastrophal aufdrücken. Darüber vermögen auch die vielen lizensierten Musikstücke, sehr gelungenen Soundeffeke sowie professionelle englische Sprachausgabe (mit deutschen Untertiteln) nur wenig hinwegzutrösten.
Pro
Prinzipiell gelungene GTA-Kopie
Ausgewogener Mix aus Fahren, Prügeln und Schießen
Gute Zwischensequenzen
Nachgebautes New York
Viel zu tun
Lizenzierte Musik
Contra
Total verbuggt (!)
Langweiliges Cruisen
Immer düsteres New York
Langweiliges Verhörspiel
Fazit
Es ist wirklich ein Jammer. Nach The Matrix: Path of Neo erreicht uns fast zeitgleich ein weiteres an sich gutes, aber total verbuggtes und unfertiges Spiel, welches in der vorliegenden Form in kein Ladenregal gehört. Obwohl ich offenkundig meinen Spaß mit den vielen Schießereien, Kloppereien und Verfolgungsjagden hatte, ist es unverzeihlich, den Titel in einem solch verbuggten Status auf den Markt zu bringen. Besonders ärgerlich wird das Ganze durch die Tatsache, dass in dem Game echtes Potenzial steckt. Ordentliches Beta-Testen und eine längere Entwicklungszeit hätten aus True Crime: New York City den bisher besten GTA-Klon machen können. So bleibt leider nur ein durch Bugs zerstörtes Programm, welches das hart erarbeitete Geld der Zockergemeinde nicht verdient hat. Wirklich empfehlen kann ich den Titel daher niemandem. Wer allerdings mit schwerwiegenden Bugs leben kann, der sollte sich True Crime New York City einmal genauer anschauen.