Zwiespältige Fortsetzung des Überraschungshits aus dem letzten Jahr.Die extrem hohe Beliebtheit des Königs der New Yorker Lüfte hält weiter an und damit auch der Support an Videospielen, welche sich mit
Peter Parker, besser bekannt als
Spider-Man, beschäftigen. Nach dem hervorragenden
Spider-Man 2 für Heimkonsolen und den eher schlechten Vertretern für die aktuellen Handhelds erblickte vor kurzem die inoffizielle Fortsetzung
Ultimate Spider-Man das Licht der Welt. Wir haben uns den Titel zur Brust genommen und auf Herz und Nieren getestet. Unseren Befund gibt es wie immer im
Master-Review nachzulesen.
Geliebter FeindEigentlich sind
Peter und
Eddie langjährige Schulfreunde und sogar ihre Väter arbeiteten einst Hand in Hand, um ein Heilmittel gegen Krebs zu finden. Dummerweise entwickelten die fleißigen Forscher dabei einen
todbringenden Kampfanzug, welcher die Kontrolle über seinen Träger übernimmt und ihn in eine unaufhaltsame Zerstörungsmaschine verwandelt. Unwissend konnte
Eddie der Versuchung, den Anzug in seinen Besitz zu bringen, nicht widerstehen und mutierte zum Monster
Venom, welches fortan für Chaos in
New York sorgte. So wurden aus Freunden Feinde, die schon bald in einem Kampf auf Leben und Tod gegenüber standen. Nachdem
Spider-Man Venom jedoch in einem mitternächtlichen Kampf auf einem Football-Feld, welcher gleichzeitig als einführende
Tutorial-Mission dient, besiegen konnte, schien die Gefahr gebannt.
Leider sind echte Superschurken nur selten durch eine Niederlage unterzubuttern und so kehrt der Totgeglaubte zurück in die Metropole, um Jagd auf den agilen Bevölkerungsliebling zu machen. Erzählt wird die spannende Vor-Geschichte sowie auch die gesamte folgende Storyline durch
grandios in Szene gesetzte Ingame-Zwischensequenzen, welche dank vieler kleiner Fenster und Bild-in-Bild-Technik das Comic-Flair perfekt einfangen und somit die richtige Stimmung produzieren.
Coole Comic-OptikAuch die Spielgrafik selbst wurde an die aus bunten Bildchen und Sprechblasen bestehende Vorlage angepasst. Weg von der durchwachsenen Optik aus
Spider-Man 2 entschied sich Entwickler
Treyarch für einen
» Alte Bekannte wie den Goblin trifft man alle paar Meter. |
astreinen Comic-Look im Cel-Shading-Technikgewand, welcher stark an den
Ego-Shooter XIII erinnert. Sehr gute Synchronsprecher hauchen den Spielfiguren Leben ein und komplettieren die
tolle Atmosphäre, welche lediglich durch die immer noch relativ
dürftigen Hintergrundgeräusche innerhalb der frei begehbaren Stadt leidet.
Wo die Grafik einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat, sackt das Gameplay leider in vielen Bereichen gegenüber dem Vorgänger ab. Nach wie vor rennt, springt und schwingt man durch das
umfangreiche New York, entdeckt allerlei versteckte Boni (Artwork-Galerien, 3D-Modelle), versucht sich an Wettlauf- und Kampfherausforderungen, rettet Zivilisten oder folgt den Storymissionen. Leider wurden bei
Treyarch die Kritikpunkte des Vorgängers offensichtlich nicht ernst genommen und so leidet
Ultimate Spider-Man unter den gleichen Macken:
Den Nebenmissionen fehlt es massiv an Abwechslung, was sie bereits nach dem fünften geretteten Zivilisten uninteressant macht. Die Kampftouren sind aufgrund des
variantenarmen, buttonsmashlastigen Kampsystems sehr dröge umgesetzt und auch die Checkpoint-Rennen sind auf Dauer ermüdend. Wesentlich übler als nicht entfernte Fehler wiegen jedoch die zahlreichen Verschlimmbesserungen.
Die spinnen, die EntwicklerAllem voran wurde das grandiose Schwingsystem aus
Spider-Man 2 zu Ungunsten des Spielspaßes überarbeitet. Zwar hat sich die zugrunde liegende
komplexe Steuerung zur Freude aller unbegabten Netzakrobaten
» Die Bossfights sind gelungen. |
vereinfacht, allerdings schränkt dies zugleich die Möglichkeiten beim Schwingen ein. Besonders Veteranen des Vorgängers dürften sich im freien und flotten Schwingen arg beschnitten fühlen, was zu einem
weniger spektakulären Spielerlebnis führt. Des Weiteren wurde das Upgradesystem komplett entfernt, während die Movepalette des arachnoiden Protagonisten ebenfalls gekürzt wurde, was zum angesprochenen wenig variantenreichen Kampfsystem führt. Ziemlich dreist ist eine Methode der Entwickler, die abermals recht dürftige Spielzeit von rund
acht Stunden zum Lösen der Hauptstory zu strecken: Nach jeder erfolgreich abgeschlossenen Hauptmission ist man gezwungen, eine bestimmte Anzahl an Herausforderungen und/oder Nebenmissionen zu lösen, um den nächsten Storyauftrag freizuschalten. Ein weiteres Ärgernis bleibt das relativ einfallslose Leveldesign, welches vor allem in der zweiten Hälfte zu sehr auf
Verfolgungsjagden quer durch New York setzt. Besonders in diesen wird einem die recht
schwache Kameraführung oft zum Verhängnis, was schnell zu Frust führen kann.
Marvel³Doch es gibt nicht nur Verschlechterungen gegenüber dem Vorgänger. Neben
Spider-Man ist auch
Venom spielbar, was
gesunde Abwechslung ins Spielgeschehen bringt. Der schwarze Hüne verlässt sich
im Gegensatz zum Helden der Geschichte auf schiere Kraft sowie die
absorbierenden Eigenschaften seines Kampfanzuges. Feinde können nicht nur durch Schläge und Tentakel zu Fall gebracht, sondern zwecks Lebensenergieraubs eingesaugt werden, was dem eigenen Gesundheitsbalken zu Gute kommt. Statt auf Netze greift
Venom bei der Fortbewegung auf
riesige Sprünge zurück. Außerdem darf er herumstehende Fahrzeuge als Wurfwaffe einsetzen, was vor allem gegen Helikopter äußerst effektiv ist. Der Spielablauf mit dem Bösewicht erinnert an das neueste Abenteuer des
Hulk in
The Incredible Hulk: Ultimate Destruction, ohne jedoch annähernd dessen Qualität und Zerstörungsausmaße zu erreichen. Dennoch lockern die
Venom-Abschnitte den Spielablauf angenehm auf und bringen einiges an Spaß.
Ebenfalls einen Schritt nach vorne haben die
zahlreichen Boss-Fights gemacht. Diese tauchen nicht nur viel häufiger auf, sondern sind spektakulärer und abwechslungsreicher in Szene gesetzt als im Vorgänger. Die Tatsache, dass man gegen
zahlreiche bekannte Marvel-Charaktere wie
Wolverine,
Electro oder
Green Goblin antritt, verstärkt die tolle Comic-Atmosphäre zusätzlich.