Innovatives Action-Adventure: Eine Gratwanderung zwischen Videospiel und Märchen.Malerische Kulissen, mysteriöse Atmosphäre, Stille, rätselhafte Charaktere, ein eigenwilliger Grafikstil.
ICO war alles andere als Mainstream tauglich, fand aber dennoch viele Fans. Leider Gottes gibt es ebenso viele Zocker, die noch nie von diesem Spiel gehört haben. Ab Februar steht der inoffizielle Nachfolger in den Startlöchern,
Shadow of the Colossus, ein Meisterwerk im Visuellen; ruhig, andächtig, gleichauf mysteriös und fesselnd bis zum Ende. Lest in unserem
Master-Review, wieso hier ein echter Blockbuster ins Haus steht.
Märchen meets VideospielDas Intro stimmt perfekt auf den bevorstehenden Abenteuer-Trip ein. Euer
Alter Ego reitet auf seinem Pferd durch scheinbar
unendlich lange Schluchten, märchenhafte Wälder und über eine nicht mehr enden wollende Brücke. Sein Ziel: Eine
alte, riesige Burg. Begleitet von beruhigenden Klängen und den wenigen Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke blitzen, legt er ein
totes Mädchen auf den Altar. Es heißt, dass in jenem Land am Ende der Welt ein Wesen die Macht besitzt, die Seelen der Toten zum Leben zu erwecken. Von den transzendenten Bewohnern der Burg erfährt unser Held, dass dazu erst die
16 Colossi, die Hüter der Seelen, zerstört werden müssen.
Der Auftrag ist nun klar, also nichts wie auf
euer Pferd „Agro“ geschwungen und die Kolosse gesucht.
Agro ist
ständiger Begleiter und steht selbst beim Kampf gegen die 16 Widersacher einsatzbereit. Mit Druck auf den X-Knopf ruft ihr ihn herbei. Springen, Schwert, festhalten und Sekundärwaffe sind übersichtlich auf die anderen Controllertasten verteilt.
In
Shadow of the Colossus steht euch ein wirklich
riesiges Areal zum Erkunden bereit, damit ihr nicht die Orientierung verliert, haben sich die Entwickler einen besonderen Clou einfallen lassen. Betätigt den Kreis-Knopf und der namenlose Protagonist reckt sein Schwert gen Himmel, aus welchem entweder gestreute oder gebündelte Lichtstrahlen sprühen. Bündeln sich die Lichter, seid ihr auf dem richtigen Weg. Auf eine Karte wurde dennoch nicht verzichtet. Hier seht ihr den Standort der besiegten Kolosse ein.
Über Stock und über SteinDer Weg zu den Bossen ist nicht immer einfach. Vielfach gilt es, zusammen mit
Agro die richtige Route zu finden. Diese führt meist durch
unwegsames Gelände, verlassene Täler oder Wälder und über riesige Brücken. Ab und an
müssen
Sprungpassagen, kombiniert mit Kletteraktionen, bewältigt werden. Der Höhepunkt des Spiels sind zweifelsohne die titelgebenden Ungeheuer. Steht ihr dem ersten Koloss gegenüber, klappt euch wahrscheinlich die Kinnlade herunter. Ein riesiges Ungetüm stapft durch die Gegend, alles zermalmend, was ihm unter die „Füße“ kommt. Die Herangehensweise bleibt gleich.
Zuerst beobachten und dann agieren lautet die Devise. Eine Schwachstelle hat jeder Koloss, diese sollte geortet werden. Habt ihr Halt am Fell oder einer anderen geeigneten Stelle des Korpus gefunden, beginnt der mühsame Weg nach oben. Ihr
hangelt und springt von Körperteil zu Körperteil und sucht dabei eine leuchtende Markierung. Jenes Symbol signalisiert den verwundbaren Punkt des Koloss. Eure Klinge erledigt den Rest.
Erfreulich, dass die sechzehn Gegner allesamt
sehr abwechslungsreich gestaltet wurden. Einige sind
vergleichbar mit Hochhäusern, also riesengroß und schwer, manche jedoch relativ
klein und wendig. Andere wiederum vereinen beide Attribute miteinander, was mitunter ganz schön schwierig werden kann. Die Art an den Koloss heranzukommen ist immer eine andere. Die Spielzeit fiel mit
ca. zehn Stunden zwar nicht gerade lang aus, bleibt aber noch im Rahmen des Vertretbaren. Zu keiner Zeit treten nervige Leerläufe oder künstliche Spielverlängerungsmaßnahmen auf - und darauf kommt es ja schließlich an. Besiegte Kolosse können übrigens jederzeit wieder aufgesucht und erneut bezwungen werden. Zudem offenbart sich nach erfolgreichem Durchspielen ein Hard-Modus als neue Herausforderung.
Ist es Kunst?Stellt man die Begriffe Kunst und
ICO in einen Raum, dauert es nicht lange, bis eine Verbindungslinie gezogen wird. Auch
Shadow of the Colossus hat dieses gewisse Etwas. Eigentlich kein Wunder, denn es
baut auf der gleichen Grafik-Engine auf. Auch die monumental anmutenden Gegner, Schluchten, überhaupt das ganze Gebiet in dem man sich befindet, wirkt anders als bei den Genrekollegen. Es hat etwas befremdliches und zugleich anziehendes an sich. Unterstützt wird diese mystische Atmosphäre von Soundeffekten, wie dem Blasen des Windes oder der
fiktiven Sprache im Intro. Musik gibt es auch, allerdings nur während der Kämpfe, dafür ist diese aber immer gelungen und
passt sich jedem Fight individuell an.
Zugegeben, man muss sich auf den Stil einlassen können - wer das nicht schafft, kann das Lob möglicherweise nicht nachvollziehen. Alle anderen werden aber mit einer
einzigartigen Atmosphäre belohnt. Zu schade, dass da die Kamera nicht mitspielt. Sie gibt zu häufig Anlass, den Controller an die Wand zu klatschen, beispielsweise dann, wenn man daneben springt oder in der Hektik des Kampfes auch noch
manuell nachjustieren muss. Unbedingt erwähnenswert sind die Animationen der Kolosse. Sieht wirklich toll aus, wenn z.B. das Fell im Wind weht. Es gibt noch einen weiteren Grund zur Freude: Neben
Shadow of the Colossus erscheint ebenfalls am 15. Februar der inoffizielle Vorgänger
ICO zum Vorzugspreis von ca. 29.95 Euro.