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Master-Review:   » drucken    » versenden

Shadow of the Colossus

» Autor: Giancarlo Wenske
» Datum: 24.01.2006
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Innovatives Action-Adventure: Eine Gratwanderung zwischen Videospiel und Märchen.

Malerische Kulissen, mysteriöse Atmosphäre, Stille, rätselhafte Charaktere, ein eigenwilliger Grafikstil. ICO war alles andere als Mainstream tauglich, fand aber dennoch viele Fans. Leider Gottes gibt es ebenso viele Zocker, die noch nie von diesem Spiel gehört haben. Ab Februar steht der inoffizielle Nachfolger in den Startlöchern, Shadow of the Colossus, ein Meisterwerk im Visuellen; ruhig, andächtig, gleichauf mysteriös und fesselnd bis zum Ende. Lest in unserem Master-Review, wieso hier ein echter Blockbuster ins Haus steht.

Märchen meets Videospiel
Das Intro stimmt perfekt auf den bevorstehenden Abenteuer-Trip ein. Euer Alter Ego reitet auf seinem Pferd durch scheinbar unendlich lange Schluchten, märchenhafte Wälder und über eine nicht mehr enden wollende Brücke. Sein Ziel: Eine
» David gegen Goliath.
alte, riesige Burg. Begleitet von beruhigenden Klängen und den wenigen Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke blitzen, legt er ein totes Mädchen auf den Altar. Es heißt, dass in jenem Land am Ende der Welt ein Wesen die Macht besitzt, die Seelen der Toten zum Leben zu erwecken. Von den transzendenten Bewohnern der Burg erfährt unser Held, dass dazu erst die 16 Colossi, die Hüter der Seelen, zerstört werden müssen.

Der Auftrag ist nun klar, also nichts wie auf euer Pferd „Agro“ geschwungen und die Kolosse gesucht. Agro ist ständiger Begleiter und steht selbst beim Kampf gegen die 16 Widersacher einsatzbereit. Mit Druck auf den X-Knopf ruft ihr ihn herbei. Springen, Schwert, festhalten und Sekundärwaffe sind übersichtlich auf die anderen Controllertasten verteilt.
In Shadow of the Colossus steht euch ein wirklich riesiges Areal zum Erkunden bereit, damit ihr nicht die Orientierung verliert, haben sich die Entwickler einen besonderen Clou einfallen lassen. Betätigt den Kreis-Knopf und der namenlose Protagonist reckt sein Schwert gen Himmel, aus welchem entweder gestreute oder gebündelte Lichtstrahlen sprühen. Bündeln sich die Lichter, seid ihr auf dem richtigen Weg. Auf eine Karte wurde dennoch nicht verzichtet. Hier seht ihr den Standort der besiegten Kolosse ein.

Über Stock und über Stein
Der Weg zu den Bossen ist nicht immer einfach. Vielfach gilt es, zusammen mit Agro die richtige Route zu finden. Diese führt meist durch unwegsames Gelände, verlassene Täler oder Wälder und über riesige Brücken. Ab und an
» Ein kleiner Koloss.
müssen Sprungpassagen, kombiniert mit Kletteraktionen, bewältigt werden. Der Höhepunkt des Spiels sind zweifelsohne die titelgebenden Ungeheuer. Steht ihr dem ersten Koloss gegenüber, klappt euch wahrscheinlich die Kinnlade herunter. Ein riesiges Ungetüm stapft durch die Gegend, alles zermalmend, was ihm unter die „Füße“ kommt. Die Herangehensweise bleibt gleich. Zuerst beobachten und dann agieren lautet die Devise. Eine Schwachstelle hat jeder Koloss, diese sollte geortet werden. Habt ihr Halt am Fell oder einer anderen geeigneten Stelle des Korpus gefunden, beginnt der mühsame Weg nach oben. Ihr hangelt und springt von Körperteil zu Körperteil und sucht dabei eine leuchtende Markierung. Jenes Symbol signalisiert den verwundbaren Punkt des Koloss. Eure Klinge erledigt den Rest.

Erfreulich, dass die sechzehn Gegner allesamt sehr abwechslungsreich gestaltet wurden. Einige sind vergleichbar mit Hochhäusern, also riesengroß und schwer, manche jedoch relativ klein und wendig. Andere wiederum vereinen beide Attribute miteinander, was mitunter ganz schön schwierig werden kann. Die Art an den Koloss heranzukommen ist immer eine andere. Die Spielzeit fiel mit ca. zehn Stunden zwar nicht gerade lang aus, bleibt aber noch im Rahmen des Vertretbaren. Zu keiner Zeit treten nervige Leerläufe oder künstliche Spielverlängerungsmaßnahmen auf - und darauf kommt es ja schließlich an. Besiegte Kolosse können übrigens jederzeit wieder aufgesucht und erneut bezwungen werden. Zudem offenbart sich nach erfolgreichem Durchspielen ein Hard-Modus als neue Herausforderung.


Ist es Kunst?
Stellt man die Begriffe Kunst und ICO in einen Raum, dauert es nicht lange, bis eine Verbindungslinie gezogen wird. Auch Shadow of the Colossus hat dieses gewisse Etwas. Eigentlich kein Wunder, denn es baut auf der gleichen Grafik-Engine
» Gemeinsam mit "Agro"
auf
. Auch die monumental anmutenden Gegner, Schluchten, überhaupt das ganze Gebiet in dem man sich befindet, wirkt anders als bei den Genrekollegen. Es hat etwas befremdliches und zugleich anziehendes an sich. Unterstützt wird diese mystische Atmosphäre von Soundeffekten, wie dem Blasen des Windes oder der fiktiven Sprache im Intro. Musik gibt es auch, allerdings nur während der Kämpfe, dafür ist diese aber immer gelungen und passt sich jedem Fight individuell an.

Zugegeben, man muss sich auf den Stil einlassen können - wer das nicht schafft, kann das Lob möglicherweise nicht nachvollziehen. Alle anderen werden aber mit einer einzigartigen Atmosphäre belohnt. Zu schade, dass da die Kamera nicht mitspielt. Sie gibt zu häufig Anlass, den Controller an die Wand zu klatschen, beispielsweise dann, wenn man daneben springt oder in der Hektik des Kampfes auch noch manuell nachjustieren muss. Unbedingt erwähnenswert sind die Animationen der Kolosse. Sieht wirklich toll aus, wenn z.B. das Fell im Wind weht. Es gibt noch einen weiteren Grund zur Freude: Neben Shadow of the Colossus erscheint ebenfalls am 15. Februar der inoffizielle Vorgänger ICO zum Vorzugspreis von ca. 29.95 Euro.
Pro
Grandios inszenierte Bossfights
Märchenhafte Atmosphäre
Schöne Story
Originelle Spielidee
Contra
Schlechte Kameraführung…
…dadurch teils schwer zu steuern
Manchmal Orientierungsprobleme
Fazit
Selten hat mich ein Spiel so in seinen Bann gezogen wie Shadow of the Colossus. Als Fan von ICO erwartete ich mir ein mindestens ebenbürtiges Action-Adventure, das gleichermaßen durch eine mitreißende wie mysteriöse Atmosphäre begeistert. Tatsächlich haben die Entwickler meine Erwartungen gar übertroffen. Die Spielwelt ist für sich gesehen absolut glaubwürdig geraten, ihr habt das Gefühl, weit und breit das einzige zivilisierte Geschöpf zu sein. Völlig auf euch allein gestellt, treibt einzig die bedingungslose Liebe zu eurer Freundin an, die 16 Hüter des Siegels zu besiegen. Nur die unglückliche Kameraführung holt euch des Öfteren in die Realität zurück: Bei Shadow of the Colossus handelt es sich also doch „nur“ um ein Videospiel. Eines zum Träumen, Staunen und Spaß haben. Das Spielgefühl, welches man auf so einem Ungeheuer erlebt, ist unbeschreiblich. An dieser Stelle ein großes Kompliment an die Entwickler, das ist einfach nur großartig. Aber Vorsicht: Wer ohne Action nicht leben kann, lässt die Finger davon.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Action-Adventure
Publisher
SCEE
Entwickler
SCEJ
Website
de.playstation....
Release
17. Februar 2006
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»  game4game
User-Bewertung
90
12 Bewertungen
2 Reviews
Features
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