Gewaltiger, technisch beeindruckender Action-Trip, der leider zu kurz ausgefallen ist.Als Burnout-Erfinder
Criterion Studios seinen ersten Ego-Shooter ankündigte, waren sich alle Spieler sicher, dass es hier so richtig krachen wird. Ein früher Trailer zu
Black schien die Vorstellungen der Gamerszene dann auch vollends zu bestätigen. Nun ist der Krawall-Shooter endlich erschienen und wir haben ihn bis auf die letzte Kugel getestet. Ob das Game die hohen Erwartungen erfüllt, deckt wie gewohnt das folgende
Master-Review auf.
Sgt. Kellar, übernehmen Sie!Im Mittelpunkt des Geschehens steht
Sgt. Kellar, seines Zeichen Angehöriger einer Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung. Die Geschichte handelt von einer brutalen Terrororganisation namens
Seventh Wave,
» Staub, Splitter, Trümmer... |
deren Anführer dingfest gemacht werden soll. Die Geschichte an sich ist alles andere als fesselnd und fungiert eher als Alibi, um die brachiale Action irgendwie zu rechtfertigen. Allerdings wird sie durch optisch gut inszenierte Zwischensequenzen mit echten Schauspielern solide weitergesponnen.
Die echten Stars des Games sind jedoch ohnehin nicht der Protagonist und sein Widersacher, sondern die
zahlreichen, realistischen Vorbildern nachempfundenen Ballermänner. Sobald diese anfangen zu
sprechen, kommt man als Action-Fan aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Schießwütige Spieler, die das erste übergroße Magazin geleert haben, werden von diesem Moment an gar nicht mehr aufhören wollen, die Kugeln aus dem Lauf zu jagen. Dies liegt vor allem an der technisch brillianten Inszenierung des Titels. Was
Criterion Studios hier aus der betagten Playstation 2 herauskitzelt trotzt jeglicher Beschreibung.
*Krach*, *Schepper*, *Boom*Funken, Fetzen und Splitter fliegen bei jedem Einschlag und tauchen die Umgebung in dichten Rauch. Die fein animierten Gegner werden nach Handgranatendetonationen aus klirrenden Fenstern geschleudert oder
» Fast alles ist zerstörbar. |
fallen aufgrund tödlichen Treffern schreiend über Geländer und Balustraden in die Tiefe. Richtig spektakulär wird das Ganze aber erst durch die
größtenteils zerstörbaren Umgebungen. Alles was nach Fahrzeug, Munitionskiste oder Benzinfass aussieht, fliegt bei Beschuss unter wildem Getose und fetzigen Feuereffekten in die Luft – natürlich nicht ohne dabei einen guten Teil der Umgebung mit ins Verderben zu ziehen.
Teilweise lassen sich sogar ganze Gebäude und Wände niederreißen, um den Weg zu ebnen. Türen werden brachial unter Einsatz der Schrotflinte aus den Angeln gehoben oder mit Sprengsätzen entfernt. Einen Button zum normalen Öffnen gibt es erst gar nicht. Wirklich frei zerstörbare Levelstrukturen werden allerdings nicht geboten. Um ein festes Leveldesign zu wahren, können nur solche Gegenstände und Umgebungsmerkmale zerschossen und gesprengt werden, wo es die Entwickler vorgesehen haben. Aufgrund der etlichen, oft stufenweise kaputtbaren Objekte hat man allerdings stets das Gefühl, in einer hochzerstörbaren Umgebung unterwegs zu sein. Soviel wie hier geht in keinem anderen Game zu Bruch, was zu einer
einmaligen Action-Atmosphäre führt.
Technisch brilliantNeben all diesen Effekten bietet der Titel eine außergewöhnliche Weitsicht, viele Gegner gleichzeitig und hervorragende Waffenmodelle, die mit viel Liebe zum Detail animiert wurden. Dank neuester Streaming-Technologie sind die
acht umfangreichen Missionen jeweils aus einem Guss und werden nicht durch nervige Ladezeiten unterbrochen. Nur das erstmalige Laden eines Level dauert einige Sekunden. Zudem bleibt der Titel auch bei den größten Effektorgien stets flüssig. Gepaart mit
wuchtigen Soundeffekten, professionellen Sprechern (sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch) und dezent eingestreuten Kompositionen ergibt sich ein überragendes Gesamtbild auf der Technikseite.
Lediglich
kleinere Popups trüben den ansonsten perfekten Eindruck ein wenig. Doch eine gute Technik macht noch kein gutes Game. Wie sieht es also auf der spielerischen Seite aus? Wer angesichts der oben beschriebenen Szenen denkt,
Black sei ein typischer Reinrenn-und-Draufhalt-Shooter, der irrt sich.
Criterion Studios Ballerorgie verwebt jede Menge Pseudo-Realismus mit der harten Action. So ist es bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad unabdingbar, gut gedeckt gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Gegnerhorden vorzugehen.
Duck and cover!Wer in
Black planlos die Front stürmt, geht im Kugelhagel schnell unter. Zudem sollte man stets die interaktive Umgebung mit in seine Pläne einbeziehen. Explodierende LKW, Gastanks und Munitionskisten dienen nämlich nicht nur
» In Bewegung sieht es noch viel besser aus. |
als Augenschmaus, sondern können mit wenigen gezielten Salven ganzen Gegnertrupps den Tod bringen. Wie in einem guten Actionfilm sind solche Behältnisse natürlich immer nah bei den Feinden platziert, so dass man regen Gebrauch von oben genannter Taktik machen kann. Dank
unterschiedlicher Waffengattungen hat der Spieler zusätzlichen Freiraum beim Vorgehen gegen seine solide agierenden und treffsicheren Widersacher.
Die Schrotflinte beispielsweise ist vor allem im Nahkampf sehr tödlich, erfordert aber das gefährliche Anschleichen ans Ziel. Schallgedämpften Waffen töten lautlos, was die eigene Position nicht direkt verrät, während sich weit vom Gegner entfernte, hohe Positionen vor allem für Scharfschützengewehre eignen. Gut platzierte Raketen wiederum säubern dank spektakulärer Druckwellen ganze Gebäudeetagen. Sämtliche Waffen wurden zudem mit einem
realistischen Streuradius versehen, was vor allem bei Maschinenpistolen stark zum Tragen kommt. Bei gemächlichen, der Realität entsprechenden Nachladeaktionen wird die Sicht mittels
Unschärfeeffekt auf die Waffe fokussiert, was die erforderliche Konzentration simulieren soll. Dank all dieser liebevollen Details entsteht eine noch dichtere Atmosphäre, die
Black wie einen typischen Actionfilm aus den 80er/90er Jahren wirken lässt, in dem man selbst die Hauptrolle spielt.
Qualität > Quantität Ebenfalls gelungen ist das Missiondesign. Wie bei den meisten Genrevertretern sind die abwechslungsreichen Levels sehr linear gestaltet, bieten aber vor allem in den
weitläufigen Außenlevels genug Freiraum, um mit
» Hier bleibt kein Stein auf dem anderen. |
verschiedenen Vorgehensweisen ans Ziel zu kommen. Neben zerstörten Städten, Fabrikanlagen und Wäldern kämpft man sich auch über einen Friedhof sowie durch eine verlassene Irrenanstalt. Neben den primären Missionszielen, wie das Zerstören einer Waffenfabrik oder das Infiltrieren einer feindlichen Basis, bietet
Black zahlreiche Nebenziele in Form von aufzuspürenden Objekten. Je nach Schwierigkeitsgrad gilt es eine bestimmte Anzahl dieser Pläne, geheimen Dokumente oder Laptops zu finden.
Leider gibt es nach all dem Lob auch einige Dinge zu beanstanden. Vor allem die sehr kurze Spielzeit von
fünf bis sechs Stunden dürfte vielen Spielern sauer aufstoßen. Trotz des hohen Wiederspielwerts, welcher durch vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, freischaltbare Silberwaffen, zahlreichen Nebenziele und unterschiedliche mögliche Vorgehensweisen zu Stande kommt, ist dies eindeutig zu wenig. Des Weiteren hat man beim
Checkpoint-System keine gute Arbeit geleistet. In den riesigen Missionen gibt es nur sehr wenige dieser Fortsetzungspunkte, was auf der einen Seite zwar für viel Adrenalin sorgt, auf der anderen Seite aber vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden oft im Frust endet. Auch ist es nicht möglich, nach dem Ausschalten des Spiels wieder am Checkpoint einzusteigen – die zuletzt begonnene Mission muss dann von vorne angegangen werden, was bei einer Spielzeit von 30 bis 60 Minuten pro Auftrag ganz schön nerven kann. Darüber hinaus bietet der Titel leider
keinerlei Mehrspieleroptionen.