Toller GTA-Klon, der das Genre mit einigen frischen Ideen beliefert, seiner großen Vorlage allerdings nicht das Wasser reichen kann.Spiele mit lebendigen virtuellen Welten, in denen man eine große Handlungsfreiheit genießt, sind seit Grand Theft Auto 3 ganz groß in Mode. Zahllose Klone haben versucht, der allseits bekannten und umstrittenen
GTA-Reihe das Wasser zu reichen, scheiterten dabei aber meist kläglich. Den nächsten Versuch startet Volitions
Saints Row, welches wir im folgenden
Master-Review unter die Lupe genommen haben.
Keine HeiligenEs herrscht Krieg in Stilwater. Bandenkrieg. Die
Los Carnales,
Vice Kings,
Westside Rollerz und
Saints kämpfen um Viertel, Frauen und reiche Beute – und das mit allen Mitteln. Der Spieler gerät mit seinem
im Aussehen frei gestaltbaren virtuellen Alter Ego genau zwischen die Fronten und wird schließlich von den
Saints angeworben. Das Ziel der in einer Kirche ansässigen Jungs und Mädels ist einfach: Die Vertreibung der anderen drei Gangs sowie die Kontrolle über die gesamte Stadt. Nicht weiter erwähnenswert, dass der Spieler hierbei eine tragende Rolle übernimmt.
In
drei verschiedenen Storylines - für jede feindliche Gang eine – erledigt er allerlei Aufträge wie das Ausräuchern von Drogenlaboren, Erobern von strategisch wichtigen Gebäuden, Attentaten auf Führungspersönlichkeiten oder Stehlen begehrter Objekte. Die Stadt Stilwater, welche ungefähr die Ausmaße eines Vice Citys annimmt, ist dabei natürlich frei befahr- und begehbar - allerdings nur mit PKW und LKW. Motorräder, Flugzeuge, Hubschrauber und Fahrräder fehlen. Als Orientierungshilfe gibt es nicht nur eine praktische
Automap wie in
GTA sondern auch ein dazu passendes
Navi-System, welches die Routen veranschaulicht.
Nebenmissionen sind Pflicht!Leider
fehlt es den Hauptmissionen etwas an Abwechslung. Zwar gibt es einige interessante Tätigkeiten wie den Einbruch in eine Aservatenkammer oder eine Busentführung, allerdings laufen die Aufträge zu oft auf das
» Coole Jungs. Coole Karren. Coole Action! |
baller- und prügellastige Säubern irgendwelcher Gebiete hinaus. Hierbei sind neben einem
umfangreichen Waffenarsenal rekrutierbare Verbündete von großem Nutzen. Der Schwierigkeitsgrad ist dank sich von alleine regenerierender Lebensenergie ebenfalls in einem angenehmen Rahmen. Erleidet man während eines Kampfes zu viel Schaden, reicht es meistens, sich für einige Sekunden in einer Ecke zu verschanzen und zu warten. Die recht
unbeholfene KI der Kontrahenten wird bei solchen defensiven Manövern selten zur Bedrohung.
Sollte man doch einmal ins Gras beißen, darf die Mission auf Knopfdruck von vorne gestartet werden. Glücklicherweise gibt es abseits der etwas einfallslosen Hautpmissionen noch
allerlei Aktivitäten in Stilwater. Allen voran sind hier die sehr einfallsreichen Nebenmissionen zu erwähnen. Mit Geiselnahmen, Drogendeals, Stockcar- und Straßenrennen, Versicherungsbetrug, Kredithaiaktivitäten und Zuhältertätigkeiten ist hier so ziemlich alles abgedeckt, was kriminell und gefährlich erscheint. Neben Bargeld bringen erfolgreich abgeschlossene Nebenmissionen
wichtigen Respekt ein.
Respekt und BaresWährend Geld in Shops gegen neue Klamotten, Frisuren, Schönheits-Ops, Musik, Waffen und Fahrzeuge investiert werden kann, benötigt man den verdienten Respekt um weitere Hauptmissionen freizuschalten. Dies führt leider
» Schnelle Wagen sind begehrt. |
dazu, dass die Nebenmissionen alles andere als optional sind, sondern größtenteils gespielt werden müssen, um in der Story voran zu kommen. Was anfangs aufgrund der wirklich spaßigen Aktivitäten nicht stört, kann sich im Verlauf des Spieles als sehr lästig erweisen. Immerhin wirkt sich das positiv auf die Durchspielzeit aus, die mit rund
20 Stunden für einen Vertreter des Actiongenres recht beachtlich ist.
Die
Steuerung des Titels geht bis auf ein paar Ausnahmen sehr gut von der Hand. Die Fahrzeugsteuerung ähnelt bis auf die sehr träge Lenkung einiger Vehikel sehr der von
GTA und erweist sich als ebenso arcadelastig wie effektiv. Beim Schießen hat man auf eine Lock-On-Funktion verzichtet. Hier muss aus der Third-Person-Perspektive stets selbst gezielt werden, was allerdings problemlos möglich ist. Lediglich beim gleichzeitigen Fahren wird das Zielen ein schwieriges Unterfangen und erfordert fast akrobatische Fingerkunststücke.
Grafik zum WeinenDie Optik macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Charaktermodelle sind allesamt hübsch, die Umgebungen abwechslungsreich und detailverliebt , auf den Straßen herrscht reges Treiben und Lichteffekte
» Schwer bewaffnet durch die City. |
sowie Explosionen wirken ausgereift. Beim Spielen fallen allerdings
heftiges Tearing und penetrante Popups negativ auf. Auch geht die Framerate bei größeren Gefechten und Explosionen merklich in die Knie, was insgesamt den Eindruck einer
unsauberen Engine oder überforderten Hardware hinterlässt.
Ein deutlich konstanteres Bild zeigt sich beim Sound: Die Sprecher wurden professionell gewählt, was den zahlreichen Charakteren in den
Ingame-Zwischensequenzen gekonnt Leben einhaucht und etwas über die magere Story hinweg tröstet. An Musik stehen wie in
GTA zahlreiche Musiksender zur Auswahl, die von Klassik bis Hip Hop alles zu bieten haben. Da das Setting wieder sehr gangsterlastig ausgefallen ist, erhält letztere Musikrichtung natürlich das größte Augenmerk. Neben dem Solo-Modus bietet das Spiel noch einen
Multiplayermodus, in dem man online Gangs bilden und in verschiedenen Spielmodi um Geld, Macht und Ansehen kämpfen kann - sogar an ein paar Koop-Missionen wurde gedacht. Ein netter Bonus, welcher die Spielzeit nochmals erhöht - leider ist die leicht zensierte deutsche Version nicht mit der internationalen kompatibel.