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Saints Row  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 11.09.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Toller GTA-Klon, der das Genre mit einigen frischen Ideen beliefert, seiner großen Vorlage allerdings nicht das Wasser reichen kann.

Spiele mit lebendigen virtuellen Welten, in denen man eine große Handlungsfreiheit genießt, sind seit Grand Theft Auto 3 ganz groß in Mode. Zahllose Klone haben versucht, der allseits bekannten und umstrittenen GTA-Reihe das Wasser zu reichen, scheiterten dabei aber meist kläglich. Den nächsten Versuch startet Volitions Saints Row, welches wir im folgenden Master-Review unter die Lupe genommen haben.

Keine Heiligen
Es herrscht Krieg in Stilwater. Bandenkrieg. Die Los Carnales, Vice Kings, Westside Rollerz und Saints kämpfen um Viertel, Frauen und reiche Beute – und das mit allen Mitteln. Der Spieler gerät mit seinem im Aussehen frei gestaltbaren
» Destruction Derby!
virtuellen Alter Ego genau zwischen die Fronten und wird schließlich von den Saints angeworben. Das Ziel der in einer Kirche ansässigen Jungs und Mädels ist einfach: Die Vertreibung der anderen drei Gangs sowie die Kontrolle über die gesamte Stadt. Nicht weiter erwähnenswert, dass der Spieler hierbei eine tragende Rolle übernimmt.

In drei verschiedenen Storylines - für jede feindliche Gang eine – erledigt er allerlei Aufträge wie das Ausräuchern von Drogenlaboren, Erobern von strategisch wichtigen Gebäuden, Attentaten auf Führungspersönlichkeiten oder Stehlen begehrter Objekte. Die Stadt Stilwater, welche ungefähr die Ausmaße eines Vice Citys annimmt, ist dabei natürlich frei befahr- und begehbar - allerdings nur mit PKW und LKW. Motorräder, Flugzeuge, Hubschrauber und Fahrräder fehlen. Als Orientierungshilfe gibt es nicht nur eine praktische Automap wie in GTA sondern auch ein dazu passendes Navi-System, welches die Routen veranschaulicht.

Nebenmissionen sind Pflicht!
Leider fehlt es den Hauptmissionen etwas an Abwechslung. Zwar gibt es einige interessante Tätigkeiten wie den Einbruch in eine Aservatenkammer oder eine Busentführung, allerdings laufen die Aufträge zu oft auf das
» Coole Jungs. Coole Karren. Coole Action!
baller- und prügellastige Säubern irgendwelcher Gebiete hinaus. Hierbei sind neben einem umfangreichen Waffenarsenal rekrutierbare Verbündete von großem Nutzen. Der Schwierigkeitsgrad ist dank sich von alleine regenerierender Lebensenergie ebenfalls in einem angenehmen Rahmen. Erleidet man während eines Kampfes zu viel Schaden, reicht es meistens, sich für einige Sekunden in einer Ecke zu verschanzen und zu warten. Die recht unbeholfene KI der Kontrahenten wird bei solchen defensiven Manövern selten zur Bedrohung.

Sollte man doch einmal ins Gras beißen, darf die Mission auf Knopfdruck von vorne gestartet werden. Glücklicherweise gibt es abseits der etwas einfallslosen Hautpmissionen noch allerlei Aktivitäten in Stilwater. Allen voran sind hier die sehr einfallsreichen Nebenmissionen zu erwähnen. Mit Geiselnahmen, Drogendeals, Stockcar- und Straßenrennen, Versicherungsbetrug, Kredithaiaktivitäten und Zuhältertätigkeiten ist hier so ziemlich alles abgedeckt, was kriminell und gefährlich erscheint. Neben Bargeld bringen erfolgreich abgeschlossene Nebenmissionen wichtigen Respekt ein.

Respekt und Bares
Während Geld in Shops gegen neue Klamotten, Frisuren, Schönheits-Ops, Musik, Waffen und Fahrzeuge investiert werden kann, benötigt man den verdienten Respekt um weitere Hauptmissionen freizuschalten. Dies führt leider
» Schnelle Wagen sind begehrt.
dazu, dass die Nebenmissionen alles andere als optional sind, sondern größtenteils gespielt werden müssen, um in der Story voran zu kommen. Was anfangs aufgrund der wirklich spaßigen Aktivitäten nicht stört, kann sich im Verlauf des Spieles als sehr lästig erweisen. Immerhin wirkt sich das positiv auf die Durchspielzeit aus, die mit rund 20 Stunden für einen Vertreter des Actiongenres recht beachtlich ist.

Die Steuerung des Titels geht bis auf ein paar Ausnahmen sehr gut von der Hand. Die Fahrzeugsteuerung ähnelt bis auf die sehr träge Lenkung einiger Vehikel sehr der von GTA und erweist sich als ebenso arcadelastig wie effektiv. Beim Schießen hat man auf eine Lock-On-Funktion verzichtet. Hier muss aus der Third-Person-Perspektive stets selbst gezielt werden, was allerdings problemlos möglich ist. Lediglich beim gleichzeitigen Fahren wird das Zielen ein schwieriges Unterfangen und erfordert fast akrobatische Fingerkunststücke.

Grafik zum Weinen
Die Optik macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Charaktermodelle sind allesamt hübsch, die Umgebungen abwechslungsreich und detailverliebt , auf den Straßen herrscht reges Treiben und Lichteffekte
» Schwer bewaffnet durch die City.
sowie Explosionen wirken ausgereift. Beim Spielen fallen allerdings heftiges Tearing und penetrante Popups negativ auf. Auch geht die Framerate bei größeren Gefechten und Explosionen merklich in die Knie, was insgesamt den Eindruck einer unsauberen Engine oder überforderten Hardware hinterlässt.

Ein deutlich konstanteres Bild zeigt sich beim Sound: Die Sprecher wurden professionell gewählt, was den zahlreichen Charakteren in den Ingame-Zwischensequenzen gekonnt Leben einhaucht und etwas über die magere Story hinweg tröstet. An Musik stehen wie in GTA zahlreiche Musiksender zur Auswahl, die von Klassik bis Hip Hop alles zu bieten haben. Da das Setting wieder sehr gangsterlastig ausgefallen ist, erhält letztere Musikrichtung natürlich das größte Augenmerk. Neben dem Solo-Modus bietet das Spiel noch einen Multiplayermodus, in dem man online Gangs bilden und in verschiedenen Spielmodi um Geld, Macht und Ansehen kämpfen kann - sogar an ein paar Koop-Missionen wurde gedacht. Ein netter Bonus, welcher die Spielzeit nochmals erhöht - leider ist die leicht zensierte deutsche Version nicht mit der internationalen kompatibel.
Pro
GTA-Prinzip sehr gut übernommen und mit frischen Ideen versehen
Ordentlicher Umfang
Sehr guter Sound
Lebendige Spielwelt
Abwechslungsreiche Nebenmissionen
Mehrspielermodus
Gute Grafik ...
Contra
... mit heftigem Tearing, Popups und Slowdowns
Auf Dauer nerviges Respektsammeln
Hauptmissionen nicht abwechslungsreich genug
Keine Flugzeuge, Hubschrauber und Motorräder
Deutsche und internationale Version nicht kompatibel
Fazit
Als ich das erste mal von Saints Row hörte, dachte ich nur eines: Müder GTA-Abklatsch! Mit dem Abklatsch hatte ich recht, mit dem müde lag ich allerdings meilenweit daneben. Um genau zu sein ist Saints Row sogar der eindeutig beste Nachahmer der beliebten Rockstar-Reihe, welcher obendrein mit eigenen Ideen punktet. Vor allem das geniale Naviagationssystem sowie die spaßigen Nebenmissionen wissen hier zu überzeugen. Eindeutig zurückstecken muss der Titel allerdings in punkto Einfallsreichtum bei den Hauptmissionen. Hier läuft das Geschehen viel zu oft aufs reine Ballern gegen dutzende Gegner hinaus. Auch Story und Inszenierung sind weitab der Qualität eines GTA und fungieren hier eher als Alibifunktion, um die ganzen Verbrechen irgendwie zu rechtfertigen. Auch technisch ruft der Titel gespaltene Gefühle hervor, doch das war im großen Vorbild nicht anders. Klingt nun nach viel Gemecker, ist aber alles halb so wild, da die zahlreichen Stärken des Games hier eindeutig überwiegen und für eine gesalzene Ladung Spielspaß sorgen. Jeder der Actionspiele im Stile eines GTA mag muss sich Saints Row unbedingt näher anschauen. Wer online spielen möchte sollte allerdings unbedingt zur ungeschnittenen Version greifen, da die zensierte deutsche Version unverständlicher Weise nicht mit dieser kompatibel ist.