Einmal mehr unfassbar umfangreiches Rollenspiel – Technik und Lokalisierung hätten aber noch Feinschliff vertragen können.Heiß erwartet und endlich da: der Nachfolger zu
The Elder Scrolls 3: Morrowind erreichte dieser Tage die Konsolenlaufwerke der Fans. Versprochen wurde viel, unter anderem eine lebendigere Welt, ein komplexeres Kampfsystem sowie die schon aus zahlreichen Pre-Release-Shots bekannte Optik Marke "Kinnlade runter". Ob der neueste Ableger der nicht gerade für Bugfreiheit bekannten Serie – mit Schaudern erinnern wir uns an
Daggerfall – einmal mehr die Herzen der Spieler für sich erobern kann, soll unser
Master-Review klären.
Cyrodiil, unendliche Weiten …Gäbe es einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde für die größten, frei begehbaren Spielewelten –
Bethesdas Elder Scrolls-Reihe würde sich einen Spitzenplatz darin sichern. Als Sträfling
» Die Kaiserstadt erstrahlt. |
bekommt ihr davon freilich wenig zu sehen – bis zu jenem schicksalsträchtigen Tag, an dem euch der Kaiser kurz vor seinem Tod das
Amulett der Könige überreicht. Mit diesem sowie der Information, einen gewissen
Jauffre in der Nähe von Chorrol aufzusuchen, wagt ihr eure ersten Schritte in die Freiheit … buchstäblich.
Schon von Beginn an steht eure persönliche Lebensgeschichte im Prinzip offen: Habt ihr nach stundenlangem Feintuning eures Charakters endlich die Wahl getroffen, wer in Zukunft das virtuelle Alter Ego verkörpern soll, liegt euch das Land zu Füßen: Die
traumhafte Weitsicht auf einer kleinen Wanderung durch die Wälder genießen? Oder lieber doch schnurstracks in die Kaiserstadt hinein und sich in den unzähligen Geschäften mit dem Nötigsten ausstatten? In der
Arena wartet hingegen schnelles Geld und auch die Gilden suchen talentierten Nachwuchs. Vielleicht auf die Jagd gehen? In Bibliotheken stöbern? Ganz abgesehen von diesem Amulett, welches ebenfalls abgeliefert werden soll. Die Entscheidung liegt bei euch.
Hinein ins UngewisseSchon die Charaktererstellung wird detailverliebte Spieler für einige Zeit beanspruchen: Neben der Wahl der Rasse – alle mit spezifischen Vor- und Nachteilen – ist auch die Festlegung der
Hauptattribute » Die Weitsicht ist umwerfend. |
entscheidend. Wie schon in
Morrowind erhaltet ihr nämlich
keine Erfahrungspunkte durch Kämpfe oder das Abschließen von Quests, sondern steigert vielmehr einzelne Attribute durch deren Anwendung. Habt ihr eine entsprechende Anzahl eurer Hauptfertigkeiten durch stetes Verwenden trainiert, kommt auch der Levelanstieg, der sich in erhöhter Lebensenergie sowie Ausdauer manifestiert.
Prinzipiell sind jedoch
alle Eigenschaften mehr oder weniger wichtig – je nach Situation. Ein geübter Rhetoriker kann den Preis eines Produktes schnell nach unten handeln, versierte Kämpfer hingegen erhalten je nach Waffengattung neue Angriffsmanöver. Magier sind zu Beginn zwar ein wenig hilflos, nach entsprechendem Training wirken sie jedoch mächtige Zauber, denen sich nur wenige in den Weg zu stellen vermögen.
Aufträge an Land ziehen Quests lauern grundsätzlich
an jeder Ecke der quadratkilometergroßen Welt, insgesamt soll es an die 200 verschiedene geben. Von Einsätzen als Rattenjäger, Kriminalist und Vampirjäger bis hin zum
» Die Hölle tut sich auf. |
Aufdecker groß angelegter Komplotte ist alles vertreten. Den meisten ist die Bewältigung mit Schwert und Feuerball gemein, nur wenige können gewaltfrei abgeschlossen werden. Damit es euch aufgrund des
harschen Balancing-Systems (eure Feinde werden je nach persönlicher Stufe stärker bzw. durch stärkere ersetzt) nicht zerbröselt, gilt es die Mittel mit Bedacht zu wählen – haben alle Gegnertypen doch bestimmte Anfälligkeiten wie zum Beispiel Gift oder Feuer. Führt auch dies nicht zum gewünschten Erfolg, könnt ihr alternativ den
Schwierigkeitsgrad im Ingame-Menü auf einer stufenlosen Skala anpassen.
Die Belohnungen bleiben dabei freilich dieselben: Neben Gold und scharfen Klingen winken des Öfteren auch fortführende Aufträge oder wichtige Hinweise. Wollt ihr mal eine Auszeit nehmen, bietet sich hingegen der
Kauf eines Eigenheims an, welches ihr – entsprechende finanzielle Mittel vorausgesetzt – mit Möbeln und Dekor auch noch aufwerten könnt. All die schönen Stücke, für die man keine Verwendung hat, finden so ein Plätzchen und belasten nicht beim Herumspazieren.
Freizeit in CyrodiilDamit
Oblivion nicht zur reinen Lebenssimulation verkommt, wurde dem guten Stück natürlich auch eine ansprechende Hauptquest verpasst. Ein
Daedra-Fürst bedroht die heile Welt und muss
ausgeschaltet werden. Schon recht früh reist ihr zu diesem Zwecke durch ein
Oblivion-Tor in die namensgebende Hölle von Cyrodiil. Insgesamt 16 dieser Tore gilt es im Laufe der Geschichte zu schließen, um die Welt wieder ein Stück sicherer zu machen. Völlig frei ist euch hingegen gestellt, ob ihr vor der Vernichtung des Bösewichts nicht allerlei Freizeitbeschäftigungen nachgeht. Neben den bereits weiter oben erwähnten lassen sich mit entsprechender Ausrüstung und Alchemiefertigkeit auch formidable Tränke brauen und an die lokalen Magiergilden verscherbeln. Auch Jäger werden für ihre Arbeit gut entlohnt, ein gutes Fell bringt reichlich Septime in die Hauskasse. Ebenso könnt ihr euch als Dieb versuchen oder einfach auf Raubzug gehen und jede Ruine plündern, die sich finden lässt.
Folgt ihr jedoch stur der Hauptgeschichte, werdet ihr mit dem
Ende nach etwa 25-35 Stunden belohnt. Freunde von Nebenquests rechnen das Ganze mal vier und erfreuen sich auch nach über 100 Stunden noch am reichhaltigen und vielfältigen Angebot.
Es werde LichtEine klare Absage haben die Entwickler von
Bethesda leblosen sowie steifen NPCs erteilt: Diese folgen nun einem
geregelten Tagesablauf – inklusive Schlaf, Essen, Einkäufe erledigen – und
warten nicht 24/7 darauf, von euch angesprochen zu werden. Wollt ihr zum Beispiel ein Buch kaufen, so habt ihr darauf zu warten, dass der Inhaber sein Geschäft öffnet. Witzig: Nach Erledigung des Tagwerkes schauen die meisten Personen noch auf einen Sprung in die Taverne – ein Humpen Bier vor dem Schlafengehen hat noch niemandem geschadet!
Auch das
Journal wurde einer Generalüberholung unterzogen. Dieses zeigt jetzt unter anderem alle unbeendeten Quests an – Pfeile auf eurem Kompass helfen des Weiteren bei der Aufgabenspezifischen Orientierung. Ebenso
übersichtlich sind die übrigen Menüs angeordnet, ein Schnellzugriff auf häufig verwendete Zauber und Waffen per D-Pad rundet den guten Eindruck ab. Darüber hinaus wurde die Kampfsteuerung adaptiert: Blocken muss man nun selbst, was die Komplexität ein wenig erhöht und die Auseinandersetzungen dynamischer macht.
Die Technik … Wo viel Licht, da viel Schatten besagt schon ein altes Sprichwort. Der "Schatten" ist in
Oblivion eindeutig in der Technik sowie
Lokalisierung zu suchen und schnell zu finden. Besonders letztere
ist ein echtes Ärgernis: Während vor dem immensen Aufwand, jedes NPC-Gespräch ansprechend zu vertonen, der Hut gezogen werden muss, hinkt die Textübersetzung mit ihrem englisch-deutschen Mischmasch sowie haufenweise Tipp- und Grammatikfehlern deutlich nach. Zwei Wochen zusätzlich investiert, und das Ergebnis würde gänzlich anders aussehen.
Auch die Technik weiß nicht vollends zu überzeugen. Klarer Fall: Die Weitsicht ist traumhaft, ebenso die detaillierten und liebevoll gestalteten Wälder, welche in der vorliegenden Art und Weise noch nie ein Titel der aktuellen Generation gesehen hat. Leider kommt das Spiel von Zeit zu Zeit jedoch
arg ins Stottern – besonders auf dem Rücken eines Pferdes, wenn alle 10 Sekunden Abschnitte neu geladen werden und die Framerate in den Keller sinkt. Mit einher gehen auch zahlreiche
Pop-Ups wie Gebäudedetails oder Grasbüschel, die äußerst unschön aussehen. Bei aller Liebe, so etwas muss nicht sein. Auch
seltene Abstürze gilt es zu beklagen, diese halten sich im Gegensatz zu
Morrowind jedoch in erträglichen Grenzen – auf einer Konsole darf es dennoch nicht passieren.
Diverse Bugs darf man ebenso nicht totschweigen: Einige Aufträge kann man in bestimmten Fällen nicht abschließen, Häuser werden zum falschen Preis feilgeboten und Fähigkeiten lassen sich nach Quests unter Umständen für einige Zeit nicht weiter steigern (so ihr bei eben jenem Auftrag das betroffene Attribut "umsonst" steigern durftet).
Update: Download Content Nach langem Warten haben es nun endlich vier der mittlerweile erschienenen Inhaltspakete zum Preis von je 150 MS-Points auch auf den deutschen Marktplatz geschafft. Diese sollen hier in aller Kürze vorgestellt werden.
Horse Armor Pack: Zwei Rüstungen für Cyrodiils Reittiere, die nicht nur gut aussehen sondern auch Schutz vor gegnerischen Attacken bieten. Wer auf Ausritte verzichten kann oder regelmäßig auf "geliehene" Pferde zurückgreift kann sich den Download jedoch getrost sparen.
Bewertung: 2/5
Orrery: Habt ihr euch nicht immer schon gefragt, was sich hinter der geheimnisvollen Tür im Turm des Erzmagiers befindet? Dies gilt es in dieser Miniquest herauszufinden, in welcher ihr gestohlene dwemersche Artefakte von fünf Diebesbanden zurückgaunert – unter Nutzung der Schnellreisefunktion seid ihr damit jedoch längstens in zehn Minuten durch. Als Belohnung warten immerhin je nach Mondphasen neue Zaubersprüche.
Bewertung: 2/5
Wizard's Tower: Das sicherlich interessanteste Paket: Ein nicht näher genannter Verwandter vererbet euch ein magisches Türmchen in den Jeralbergen, welches nicht nur über eine unterirdische Schatzkammer zum Verstauen eurer Habseligkeiten und Teleportstationen zu allen Magiergilden verfügt sondern auch einen Kräutergarten beherbergt. Auch Stationen zur Verzauberung von Gegenständen sowie Zaubererstellung hat das Refugium zu bieten. Nett!
Bewertung: 4/5
The Thieves Den: Ein verspuktes Piratenschiff vor der Küste Anvils harrt eurer Befreiung. Habt ihr die knapp zehnköpfige Skelettbesatzung über den virtuellen Jordan geschickt lasst ihr die ultrakurze Quest entweder hinter euch oder heuert eine neue Crew an, die nun für euch auf Beutezug geht. Einmal in der Woche ist dann Zahltag, mit dem ihr euer – sicherlich ständig geplündertes – Heldenguthaben auffettet – sozusagen als "langfristiges Investment".
Bewertung: 3/5
Anmerkung: Die Downloads sind
nicht lokalisiert und somit englisch.