Neben einer Killer-Optik bietet Rares märchenhaftes Abenteuer frisches Gameplay.Rare ist nicht irgendein Name: Der britische Entwickler zeichnet sich verantwortlich für einige der größten Spielehits wie
Banjo,
Conker und
GoldenEye 007. Als
Microsoft vor einigen Jahren
Rare kaufte, wurde es allerdings sehr ruhig um das Studio. Neben
Perfect Dark Zero erschien zum Launch von Microsofts neuer Konsole auch das lang ersehnte
Kameo: Elements of Power. Jahrelange Entwicklungszeit soll in Sachen Technik und Gamplay neue Akzente für die Next-Gen setzen. Ob der märchenhaft schöne Xbox 360-Launchtitel
Zelda & Co. das Wasser reichen kann, klärt unser Master-Review.
Big Trouble in Märchenland Der Spieler schlüpft in die Rolle der kessen Elfe Kameo, die sich dank magischer Kräfte als Gestaltwandler in insgesamt zehn verschiedene spielbare Krieger verwandeln kann. Schwester Kalus wird dabei leider
blass vor Neid und entführt kurzerhand die restliche Familie. Zu allem Unglück verliert Kameo auch noch alle ihre Zauberkräfte. Die mutige Elfe muss also ausziehen und ein wagemutiges Abenteuer nach dem anderen bestreiten, um ihre Shapeshifter-Fähigkeiten zurück zu erlangen und damit die Familie zu befreien. Ganz nebenbei rettet sie so auch noch die ganze Welt...
In Sachen Story erwartet einen also nicht unbedingt inhaltliches Neuland, aber die Stimmung des brodelnden Krieges zwischen Elfen und Trollen im Dienste der finsteren Kalus ist hervorragend eingefangen. Angefangen beim malerisch schönen Märchensetting, über exzellente, etwas cartoon-lastige, Grafik bis hin zum zauberhaften Soundtrack überzeugt
Kameo aber vor allem durch ein innovatives Konzept in Sachen Gameplay, welches
Elements of Power wohl zum außergewöhnlichsten Launchtitel macht.
Expect to encounter some trolls Neben einer fulminanten Grafikorgie beeindruckt
Rare vor allem durch bislang noch nie dagewesene Masseneffekte. Fantasy-Fans schweben von der ersten Minute an im siebten Himmel, wenn sprichwörtlich hunderte
feuerspeiende Drachen den Himmel unsicher machen. Ein anderes Mal steht man auf einem Hügel und blickt auf ein gigantisches Schlachtfeld, auf dem sich Heerscharen von Trollen tummeln - kurz bevor man hoch zu Ross in die Action reitet und ein paar Unholde zurecht stutzt.
Das Kampfsystem in
Kameo ist elegant einfach gelöst, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Standardattacken führt man mittels R- und L-Triggers aus. Drückt man beide Trigger gleichzeitig, so wird ein besonders zerstörerischer Angriff ausgeführt, der allerdings Zauberenergie kostet und daher nicht endlos einsetzbar ist. Der A-Button dient immer dazu, in die ursprüngliche Gestalt der Elfe zurückzukehren. Kameo selbst verfügt zwar nur über einen recht schwachen Sprungangriff, dafür vermag sie aber z.B. über Wasserflächen zu fliegen. Darüber hinaus kann sie nur in dieser Gestalt im Schattenreich Boss-Kämpfe bestreiten. Während die ersten Hauptgegner noch extrem einfach zu besiegen sind, zieht der Schwierigkeitsgrad stetig an - ohne jedoch unfair zu werden. Einzig das Zielen auf Gegner hätte noch etwas mehr Feinschliff vertragen, da man sich oftmals über Fehlschüsse aufgrund der übergenauen Steuerung ärgert. Vor allem die durchaus kniffligen Puzzle-Einlagen, welche geschicktes Einsetzen der unterschiedlichen Formen und gutes Timing verlangen, überzeugen auf ganzer Linie.
Next-Gen Gameplay Ein Großteil des Gameplays dreht sich um das geschickte Anwenden der verschiedenen
Elemental Warriors. Per Start-Menü gelangt man in das
Wotnot-Buch, in dem ein freundlicher Zauberer haust,
» Kameo als Elemental Warrior. |
über den man auf die Buttons X, Y und B maximal drei Krieger zuordnen darf. Diese aus der
Zelda-Reihe bekannte Spielmechanik ermöglicht es, schnell zwischen unterschiedlichen Kreaturen hin- und herzuwechseln. In besonderen Passagen muss sogar "im Flug" oder "während eines Sprungs" von einem Warrior auf den anderen geswitcht werden, um ein Hinderniss zu bewältigen. Jedes Geschöpf hat dabei eine Reihe von speziellen Moves und Attacken sowie jeweils eine besondere Eigenschaft. Durch Aufsammeln von bestimmten Früchten darf man diese sogar noch ausbauen.
So kann sich z.B.
Pummel Weed, eine boxende Power-Flower, die direkt aus dem Kleinen Horrorladen entsprungen sein könnte, unter Hindernissen durchschlängeln.
Rumble, seines Zeichens ein echter Steinhaufen, bombardiert Gegner mit Felsbrocken und
Major Ruin bedient sich wie Metroids Samus einer morphenden Kugel, um mit den Gegnern Murmeln zu spielen. Entzückend ist auch der kleine Drache
Ash, der sich Karies und Trolle zugleich per Feuerspeien vom Leibe hält. Und das waren nur vier der zehn äußerst unterhaltsamen Charaktere. Darüber hinaus können gleich zwei Spieler gleichzeitig kooperativ das Abenteuer bestreiten. Jedoch wirkt der Coop-Modus etwas undurchdacht und achtlos umgesetzt, da man sich oft gegenseitig im Weg steht.
Schön wie ein Schmetterling Bereits der erste Level beeindruckt mit scharfen Texturen, üppig eingesetzten Spezialeffekten und Oberflächen, die dank Bump Mapping hervorragend aussehen. Die Kinnlade klappt einem aber so richtig herunter
» Grade noch mal entkommen. |
(und bleibt dort ein paar Minütchen), wenn man das "Enchanted Kingdom" zum ersten Mal sieht. Dieses in der Luft schwebende Königreich dient zugleich als Informationsquelle und Ausgangspunkt für die Abenteuer. Ritter marschieren über die Straßen, Magier wandeln durch das Gras und überall summt und surrt das Leben – alles in Echtzeit und wunderschön in Szene gesetzt. Im Königreich gibt es zahlreiche wundersame Orte wie verwunschene Wälder, Wiesen, in denen der Wind tausende Grashalme vor sich hin wiegen lässt, und zahlreiche Gewässer, die dank Spiegelungseffekten kaum schöner sein könnten.
Selbst der Tageswechsel (Morgen, Tag, Dämmerung und Nacht) ist vorhanden und wer einmal einen Sonnenaufgang erlebt hat, wird zu Tränen gerührt sein. Wenn man die Elfenflügel ausbreitet und über das saftigen Grün zischt, dann entdeckt man schnell, dass hier das Leben nur so vor sich hin wuselt. Schmetterlinge, Pfaue und andere Tiere säumen euren Weg und der phantastische Orchester-Soundtrack versetzt einen mitten in diese märchenhafte Landschaft hinein, wie es kaum ein Spiel je zuvor geschafft hat. Die zwar stimmungsvolle aber etwas übertriebene Sprachausgabe in den Cutscenes hätte aber jedoch etwas bessere Sprecher verdient. Dafür unterstreichen die Soundeffekte sowie der Surround-Ton die Erstklassigkeit von
Kameos Präsentation.