Krachige Weltkriegsaction, der es immer noch an einer durchgehenden Storyline fehlt.Weltkriegsspiele stehen bei der Zockergemeinde immer noch hoch im Kurs. Jedenfalls kann man sich nur so die nicht abreißen wollende Welle an Nachschub von Spielen mit eben jener Thematik erklären. Einer der beliebtesten und besten Vertreter der Materie ging vor kurzem in die zweite Runde. Die Rede ist natürlich von
Call of Duty 2, welches als Launchtitel für die
Xbox 360 in die Läden kam. Ob sich ein erneuter Ausflug auf die virtuellen Schlachtfelder des größten Krieges der Menschheit lohnt, offenbart unser
Master-Review.
Von Stalingrad bis VallendarGrundsätzlich kann man sagen, dass im zweiten Teil alles beim Alten geblieben ist. Abermals schlüpft man nacheinander in die Rolle verschiedener gesichtslos bleibender Soldaten unterschiedlicher Fraktionen und kämpft sich
» Ratet mal, was gleich passiert... |
mit unterschiedlichsten historischen Ballermännern aus der
Ego-Perspektive durch Schlüsselereignisse des zweiten Weltkriegs. Dabei schlägt man sich beispielsweise als russischer Rekrut durch das belagerte Stalingrad, kämpft als Brite in der brennend heißen Wüste Afrikas gegen deutsche Invasoren, nimmt als Amerikaner höchstpersönlich an der D-Day-Landung teil und sticht schlussendlich nach einer actiongeladenen Überquerung des Rheins ins Herz des Feindes. Echten Zusammenhang, ausgearbeitete Charaktere oder eine durchgehende Storyline sucht man allerdings abermals vergebens. Somit teilt sich
Call of Duty 2 einen der größten Kritikpunkte mit dem Vorgängern. Hier zeigt vor allem die
Brothers in Arms-Reihe, wie man es besser machen kann. Wichtiger als die Story ist in einem Weltkriegsspiel allerdings die Atmosphäre und Inszenierung der Schlachten. Glücklicherweise haben die Entwickler hierbei nichts verlernt und zaubern
1A-Ego-Shooter-Action auf den Bildschirm.
Ego-Action par excellenceDie Bedienung bedarf eigentlich keiner Erklärung, da sie sich an gängige Standards hält und jedem, der schon einmal mit dem Genre in Berührung gekommen ist, intuitiv von der Hand gehen dürfte. Dennoch gibt es zu Beginn
» Nie gesehene Raucheffekte wissen zu begeistern. |
der ersten Mission ein kurzes Training, in dem kurz auf Flaschen und Strohpuppen geschossen oder eingeprügelt werden muss, um alle Steuerungsfinessen zu verinnerlichen. Anschließend scheppert es auch schon gewaltig und der Spieler wird in echte Kampfhandlungen zwischen russischen und deutschen Soldaten verwickelt. Bereits in der ersten Kampagne fällt die abermals
geniale Inszenierung der verschiedenen Schlachten ins Auge, die mit Hilfe allerlei gescripteter Sequenzen und einem der
herausragendsten Surround-Sounds der Videospielgeschichte den Krieg nahezu ins heimische Wohnzimmer holt. Wenn Maschinengewehre rattern, dutzende Soldaten wild schreiend in Deckung hechten, dichte Rauchschwaden die Sicht behindern und Panzer unter massivem Krach Häuserwände einreißen, könnte die
Atmosphäre kaum dichter sein.
Gestärkt wird das Gefühl an einer echten Schlacht teilzunehmen durch
KI-gesteuerte Mitstreiter, die den Spieler tatenkräftig unterstützen. Da diese Kameraden oft reihenweise dem feindlichen Beschuss zum Opfer fallen, ersetzt das Programm getötete Helfer automatisch durch neue Mitstreiter. Um den Schwierigkeitsgrad so nicht ganz zu drücken, sorgt das Programm gleichzeitig dafür, dass stets genug Feinde für den Spieler übrig bleiben, um eine entsprechende Herausforderung zu bieten. Das Ganze wurde wie bereits im ersten Teil so geschickt inszeniert, dass stets große Schlachten im Gange sind, ohne den Spieler zum Zuschauer zu degradieren.
MissionsvielfaltDas Erfüllen wichtiger Missionsziele bleibt dabei immer am Protagonisten selbst hängen. In Stalingrad fällt es beispielsweise in seinen Aufgabenbereich, gekappte Telefonleitungen in Stand zu setzen, während man in Afrika
» Der D-Day abseits ausgelatschter Pfade. |
Artilleriekoordinaten mittels Fernglas durchgibt, um anrückende Panzerverbände zu vernichten. Natürlich haben es auch wieder einige Abschnitte ins Spiel geschafft, an denen sich der Spieler lediglich hinter das Visier eines MGs klemmen muss, um anrückende Feindeswellen abzuwehren oder auf dem Heck eines Jeeps unliebsame Verfolger zu dezimieren. Auch
am Steuer eines Panzers darf man es sich wieder gemütlich machen, da in Afrika Feldmarschall
Rommels Wüstenfüchse auf den Spieler warten. Die teils riesigen
Levels sind dabei wieder
sehr linear gehalten und erlauben kaum ein Ausweichen abseits der fest vorgegeben Missionspfade. Lediglich in einigen Missionen darf man selbst bestimmen, welche Ziele man zuerst zerstören oder befreien möchte, was allerdings nicht als spielerische Freiheit gewertet werden kann.
Auch ist an dieser Stelle zu kritisieren, dass dem Game im letzten Viertel die Puste ausgeht und die Missionen nicht mehr mit den vorangegangenen mithalten können. In diesem Fall wäre weniger eindeutig mehr gewesen, auch wenn die Spielzeit mit rund
zehn Stunden für die komplette Kampagne ohnehin etwas knapp ausgefallen ist.
Next-Gen-Grafik mit beschnittenem MultiplayerpartWo Gameplay, Spielablauf und Thematik quasi unverändert geblieben sind, zeigt sich die Grafik von einer generalüberholten Seite.
Call of Duty 2 ist der mit Abstand
schönste bisher » Dieses Dorf hält einige Überraschungen bereit. |
erschienene Weltkriegsshooter und begeistert durch eine beeindruckende Weitsicht, Massenszenen, hohe Detaildichte, hochwertige Texturen und nie zuvor gesehene Rauch- und Partikeleffekte. Das Geschehen bleibt dabei auch bei aufwändigeren Abläufen mit vielen Truppen und etlichen Rauchschwaden stets flüssig und überzeugt durch eine konstante Framerate. Dennoch gibt es Grund zum Meckern: So vermochten es die Programmierer nicht, Popups komplett zu vermeiden. Immer wieder fallen kleinere Objekte und Texturen auf, die erst nachträglich ins Bild geladen werden. Ein weiteres Ärgernis findet sich im grundsätzlich
umfangreichen Mehrspielermodus, welcher natürlich über
Xbox Live! oder im Split-Screen gespielt werden kann. Zwar stimmt die Anzahl an Einstellungsmöglichkeiten, Modi und Karten, allerdings ist die maximale Spielerzahl auf gerade einmal
acht Teilnehmer begrenzt. Dies stört vor allem bei teambasierten Spieltypen wie
Capture the Flag,
Headquarter und
Search & Destroy. So dürfte
Call of Duty 2 für größere Clans wohl kaum interessant sein.