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PGR 3: Project Gotham Racing

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 18.12.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Die hohe Qualität des Vorgängers kann PGR3 leider nicht halten – zurück bleibt nichtsdestotrotz ein sehr gutes Rennspiel.

PGR 2: Project Gotham Racing feierte anno dazumal einen durchschlagenden Erfolg: Der Karrieremodus war fordernd und die Integration der Online-Komponente erreichte eine nie gekannte Dimension. Die riesige Fanbasis revanchierte sich für dieses "Rundum-Glücklich-Paket" auf ihre eigene Weise: Sie machte PGR2 zum meistgespielten Xbox-Live Titel überhaupt. Mit Project Gotham Racing 3 für Xbox 360 steht nun der Nachfolger ins Haus. Ob Bizarre Creations’ jüngstes Werk an die Genialität seines Vorgängers herankommt, erfahrt ihr wie immer in unserem Master-Review.

Fun starts at 170mph
In insgesamt fünf Örtlichkeiten gilt es, sich mit den Besten der Welt zu messen: London, New York, Las Vegas, Tokio & dem beliebten Nürburgring (diesmal auch mit dem F1-Rundkurs) stehen zur Verfügung.
» Umwerfende Optik.
Beim Offlinespiel dürft ihr diese Strecken vor allem im Karriere-Modus auf Herz und Nieren testen. 23 Events, welche allesamt ein eigenes Logo spendiert bekommen haben und – teilweise – auch unter einem bestimmten Motto stehen, müssen absolviert werden, bevor man sich zum König der Rennfahrer ausrufen kann.

In diesen Prüfungen werden neben altbekannten Varianten wie Überholen, Straßenrennen oder Heiße Runde auch neue Modi eingeführt: Die Drift Challenge setzt euch beim Highscore-Driften unter Zeitdruck während das spaßige Zeit gegen Kudos in erster Linie Kudosfanatiker bedient – wird hier doch stetiges Punktesammeln im Austausch gegen Bonussekunden auf eurer Uhr vorausgesetzt, um den Abschnitt zu bestehen. Mit von der Partie sind selbstverständlich wieder die berühmt-berüchtigten Cone Challenges sowie die nervenaufreibenden One-on-One-Auseinandersetzungen.

Der Fuhrpark der Wahl
Auf die erste größere Neuerung stoßt ihr, wenn es zum ersten Mal ans Autosammeln geht. In Project Gotham Racing 3 halten nämlich weder Token noch Punkte für das "Aufpimpen" des eigenen
» Auch die Cockpit-Perspektive ist vertreten.
Fuhrparks her, sondern Credits, welche ihr neben Kudos in Rennen verdient und euer Konto für diverse Einkaufstouren rüsten. Die Kehrseite der Medaille offenbart sich jedoch leider schnell. Habt ihr erst einmal ausreichend Credits gesammelt, steht dem Kauf eines Supersportwagens nur mehr wenig im Weg. So ist es beispielsweise möglich, bereits recht früh im Spiel einen Ferrari F50 GT zu erwerben und mit diesem die komplette Karriere durchzuspielen. Eine – wie noch im Vorgänger aufgezwungene – klassenspezifische Wagenauswahl gibt es somit nicht, alle Events stehen für Rennkarossen jedweder Art offen. Die Motivation, in die nächste Rennklasse aufzusteigen, um sich endlich hinter das Lenkrad des Wagens XY zu zwängen, fällt somit flach und raubt dem Titel einen Gutteil der Atmosphäre. Auf Wagen aus unteren Leistungsklassen (wie zum Beispiel der Mini aus PGR2) müsst ihr in PGR3 übrigens komplett verzichten.

Als kleine Entschädigung für dieses Malheur wurde jedoch die Garage gehörig aufgewertet. Schritt für Schritt schaltet ihr nicht nur neue Abstellplätze frei – nein, ihr dürft die hübschen Orte auch frei begehen und die teuren Automobile nach Belieben hin und her stellen sowie bestimmte Garagen zu wahren Mekkas für Autofanatiker ausbauen. Auch der Photomodus ist hier zugänglich. Neben der Knipserei innerhalb der Rennen sowie Replays könnt ihr also auch in weniger stressigen Spielsituationen zur Kamera greifen und eure Wagen in ihrer ganzen Pracht auf virtuelles Zelluloid bannen. Eine Funktion zum Exportieren – zum Beispiel auf einen USB-Stick – sucht man jedoch vergebens.

Das Ende der Fahnenstange
Im Vergleich zum Vorgänger ist die Karriere in PGR3 jedoch leider sehr schnell durchgezockt: Auf Silber benötigt ihr für die 23 Events knappe 8-10 Stunden, für Gold dürft ihr noch zwei
» Auf der Nordschleife.
Stunden aufrechnen. Platin bleibt freilich nur für absolute Profis interessant, hier beißt man sich an bestimmten Veranstaltungen garantiert den einen oder anderen Zahn aus. Generell gilt jedoch: In Project Gotham Racing 3 wurde der Schwierigkeitsgrad merklich zurückgeschraubt. Einzelne Rennen schließt man problemlos auch auf der höchsten Stufe ab – hier stechen vor allem die Drift-Challenges heraus. Ein wenig zu heterogen also, das Ganze.

Das Gameplay blieb jedoch glücklicherweise beinahe unverändert: Harte Drifts und riskante Überholmanöver gehen auch im jüngsten Ableger der Serie locker-flockig von der Hand und stellen den Spieler somit vor keine unlösbaren Aufgaben. Gleich geblieben ist auch das Fahrverhalten der einzelnen Boliden, welches grundsätzlich eher dem Arcade-Stil zuzuordnen wäre. Aufgepasst jedoch bei Drehern und Abflügen auf weichen Untergrund!

The smell of rubber
Gerade bei unterschiedlicher Traktion der Reifen bekommt ihr die geballte Kraft der Boliden dann doch – in negativer Art und Weise – zu spüren. Ein Crash ist mehr oder weniger garantiert, vor allem bei höheren
» Der Streckeneditor.
Geschwindigkeiten. Nervig wird dies vor allem in Verbindung mit den langen Ladezeiten, welche selbst bei Neustart eines Events knallhart zuschlagen und euch eine Wartezeit von 15-25 Sekunden auferlegen. Dies wäre definitiv noch verbesserungswürdig gewesen.

Optisch zieht der Titel natürlich alle Next-Gen Register: Flüssige Grafik – leider beschränkt auf 30fps – sowie äußerst detaillierte Wagen- und Streckenmodelle erfreuen das Auge ebenso wie die grandiosen Licht-/Blendeffekte. Eine Wucht ist die Cockpit-Perspektive, welche dem Spielspaß sozusagen die Krone aufsetzt. Erfreulich: Mit dieser lässt es sich nach einiger Eingewöhnungszeit aufgrund des beschränkten Sichtfeldes auch einigermaßen gut spielen, Freunde realitätsnaher Rennerlebnisse dürfen also getrost in die Kluft des Fahrers schlüpfen – anstatt andauernd der Stoßstange ein Stelldichein zu geben. Ein wenig ausbaufähig wäre im Gegensatz hierzu freilich noch das wenig beeindruckende Schadensmodell, welches bis auf flatternde Motorhauben und geknickte Heckspoiler kaum Erwähnenswertes bietet. Von einem Titel der "nächsten Generation" darf man hier eigentlich mehr erwarten.

Online zuhause?
Gerade der Onlinemodus war im Prinzip das Zugpferd des Vorgängers: Ausgeklügelte Online-Statistiken und die Möglichkeit, Kudos jederzeit auch online anstatt in der Karriere zu verdienen, machten PGR2
» Die Boliden-Elite.
zum Vorzeigetitel in Sachen Onlineimplementierung. In PGR3 wurde dieser immense Vorsprung auf die Konkurrenz leider ein wenig verspielt. Kudos und Credits verdient man mittlerweile nur mehr in der so genannten Online-Karriere. Ähnlich wie in Halo 2 tritt hier das Matchmaking-Feature zu Tage. Eure Leistungen werden also als Berechnungsgrundlage für eure Skills herangezogen und dementsprechend landet ihr auf einem Server mit – idealerweise – gleich "guten" Mitspielern. Auf Strecken und Tageszeit hat man dabei keinerlei Einfluss. Weniger einschränkend ist das Spaß-Spiel mit ausgesuchten Gegnern, in welchem alle Parameter nach Gutdünken geändert werden können. Kudos gibt es hier aber keine. Ebenso sucht man auch eine (Auto-)Klasseneinschränkung vergebens.

Auch ein groß angekündigtes Feature sei hier noch kurz erwähnt: Gotham TV bietet zwar den netten Ansatz, in jedem gerade gespielten Onlinematch als Zuschauer aufzutreten und so auch Freunde mal genauer unter die Lupe zu nehmen – im Endeffekt darf diese Option aber getrost als "nett, aber überflüssig" abgelegt werden. Der Mehrwert offenbart sich lediglich für Fernsehjunkies und Profi-Zocker, die einen zukünftigen Gegner in Augenschein nehmen. Auch als Streckenbauer dürft ihr euch in PGR3 betätigen. In allen Metropolen kann man das komplette verfügbare Straßennetz heranziehen und eigene Weg- sowie Zielpunkte vergeben. Die selbst gebastelten Strecken sind dann auch online im "Spaß-Spiel" sowie über Splitscreen und System Link spielbar.
Pro
Einmal mehr gelungenes Gameplay
Gute Steuerung
Fantastische Optik
Cockpit-Perspektive!
Photomodus & Streckenbauen
Contra
Onlinekonzept nicht überzeugend
Karriere ist mit einem Wagen durchspielbar
Schwierigkeitsgrad zu heterogen
Offline zu kurz
Fazit
Project Gotham Racing 3 konnte die hohe Qualität des Vorgängers schlussendlich doch nicht ganz halten. Über Gründe darf man dabei getrost spekulieren: Zuwenig Zeit? Aufsparungen für Project Gotham Racing 4? Vor allem der kurze und im Vergleich zum Vorgänger weniger motivierende Offline-Karrieremodus sticht hier hervor, ebenso wie das schon aus Halo 2 bekannte Matchmaking, welches niemals lustige sowie ausdauernde Partien gegen Freunde im Spaß-Spiel ersetzen kann. Warum gerade hier auf die Vergabe von Kudos/Credits verzichtet wurde, bleibt ein Rätsel und hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack. Übrig bleibt jedoch nach wie vor ein sehr guter Titel, der sich von der Launch-Konkurrenz Need for Speed Most Wanted aber nicht im erwarteten Ausmaß absetzen kann. Nichtsdestotrotz: PGR3 steuert sich gut, sieht hervorragend aus und bietet vor allem für Nebensächlichkeiten wie den Photomodus oder das Streckenbauen eine riesige Spielwiese. Fans von PGR2 schlagen natürlich zu, wobei die oben genannten Negativpunkte durchaus berücksichtigt werden wollen. Neueinsteiger haben es da schon schwerer: Ein gelungener Tuning-Racer oder die ein wenig hinter den Erwartungen zurückbleibende Fortsetzung des besten Arcade-Racers für Xbox. Eine Frage des Geschmacks.
Infos
Erhältlich für
Genre
Racing
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Bizarre Creatio...
Website
www.projectgoth...
Release
02. Dezember 2005
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