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Master-Review:   » drucken    » versenden

Tiger Woods PGA Tour 06

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 19.10.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Äußerst motivierender und zugleich beinharter Golfspaß für unterwegs.

Im echten Leben ist Golf ein eher teures Vergnügen. Wie gut, dass so mancher Publisher Nachsehen mit der Zockergemeinde hat und den Sport in einer weitaus erschwinglicheren Version auf unsere Bildschirme zaubert. Nach unzähligen Konsolen- und PC-Versionen wagte Electronic Arts dieses Vorhaben nun ein weiteres Mal und bietet mit Tiger Woods PGA Tour 06 die erste Umsetzung des Sports für die PSP an. Ob der Ball dabei im Bunker landet oder vielleicht sogar das Grün erreicht, klärt folgendes Master-Review.

Vom Nobody zum Superstar
Auch wenn man angesichts des Titel vermuten mag, dass einen PGA Tour 06 in die Haut von Großmeister Tiger Woods schlüpfen lässt, ist dem nicht so. Viel mehr gilt es, ein virtuelles Ebenbild zu erstellen, mit dem man künftig die Kurse dieser Welt
» Tiger haut ordentlich rein.
unsicher macht. Ein wenig Geduld vorausgesetzt, können dabei unzählige Parameter das Aussehen betreffend verändert werden: Hautton, Frisur, Augenfarbe, Kinnform, Augenstellung sowie Nasengröße, um nur einige wenige zu nennen. Diese Pflichtübung hinter sich gebracht, geht es an den weit angenehmeren Teil: dem Shoppen. Zu Beginn mit einem lediglich kleinen Budget ausgestattet, darf der Golfer im Pro Shop eingekleidet werden. T-Shirts, Hosen und Schuhe stehen ebenso zur Auswahl wie Brillen oder Schmuck. Da der Nobelsport aber nicht alleine aus Posen besteht, kann man die hart verdienten Dollars auch in Schläger, Bälle und Handschuhe investieren. Anfangs steht lediglich ein geringer Teil des genannten Gutes zum Kauf bereit, weiteres schaltet man im Spielverlauf oder durch Abschließen von Sponsorenverträgen frei. Genügend große Erfolge beim Golfen vorausgesetzt, ist man so immer damit beschäftigt, das Konterfei mit dem Neuesten und Besten einzudecken, was Adidas, Nike, Oakley und Co. hergeben. Insgesamt stehen über 1000 Artikel zur Verfügung, die neben der Verbesserung des Erscheinungsbildes vor allem dazu dienen, die neun Attribute des angehenden Profi-Golfers mit Modifikatoren zu versehen. Diese dürfen unter Einsatz von Barem jedoch auch direkt erhöht werden.

Tatsächlich Golf?
Abgesehen von alldem ist Tiger Woods PGA Tour 06 aber ein reinrassiges, realistisches Sport-Spiel mit all seinen Facetten. Zu Beginn lediglich ein Nobody im Pool der Profi-Golfer, muss man sich im Rivalenmodus die Karriereleiter empor
» Mitten in Putt-Rausch.
arbeiten, vorbei an 14 Größen wie Adam Scott, Vijay Singh oder Jack Nicklaus, um im finalen Showdown Tiger Woods himself gegenüber zu treten. Bis dahin gilt es jedoch, einen sehr, sehr langen und steinigen Weg zu beschreiten. Nach dem Motto "Jeder fängt mal klein an" tritt man zuallererst einem relativ unbekannten Herausforderer gegenüber, der, wie alle anderen auch, sechs Herausforderungen bereithält. Neben dem Turnier, welches sich über sämtliche Löcher eines Kurses erstreckt, steht hier unter anderem der Rivalen-Wettkampf zur Verfügung, der mit immer anderen Aufgaben aufwartet. Ein Mal muss der Ball möglichst gekonnt aus dem Rough heraus gespielt werden, ein anderes Mal liegt die weiße Kugel mitten im Sandbunker. Skins, also eine bestimmte Gewinnsumme pro Loch, sowie direkte Duelle gegen seinen Konkurrenten stehen ebenso auf dem Programm. Im Putt-Rausch hingegen gilt es, möglichst viele Putts in einer bestimmten Zeitspanne zu erzielen. Neun lizenzierte sowie drei Fantasie-Kurse sorgen für die nötige Abwechslung.

Geld regiert die Welt
Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei kontinuierlich und zieht von Herausforderer zu Herausforderer spürbar an. Anfangs erzielt man schnell erste Erfolge, bald ist aber der Punkt erreicht, an dem sich die Sache nicht mehr ganz so einfach gestaltet. Der
» Wenn der mal nicht ins Wasser geht.
Gegner erzielt ohne Mühe einen Birdie (einen Schlag unter der Vorgabe), während man selbst nur mit Müh' und Not einen Bogey (einen Schlag darüber) zustande bringt. Den größten Knackpunkt findet man dabei in der Schwungsteuerung mithilfe des Analogsticks wieder. Dieser muss für einen perfekten Schlag möglichst senkrecht nach unten und in entgegen gesetzter Richtung nach oben gedrückt werden. Da es aber nun mal in der Natur der PSP liegt, dass dieses Eingabemedium weder das gelungenste noch das genaueste ist, landet der Ball nicht selten im Dickicht. Speziell wenn die Attribute einen eher niedrigen Level aufweisen, kommen solche Fehlschläge des Öfteren vor.

Genügend Übung vorausgesetzt, kann man dann aber doch einiges an Geld anhäufen, um dieses Problem durch den Erwerb von besserer Ausrüstung und erhöhten Attributen in den Griff zu bekommen. Frust tritt zwar gelegentlich auf, erstaunlicherweise schafft es der Titel aber immer wieder, die Motivation aufrecht zu erhalten. Dies liegt vor allem an den unzähligen käuflichen Artikeln des Pro Shops. Natürlich spielt hierbei auch der Ehrgeiz eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bis alle gewünschten Produkte in den eigenen Besitz übergehen, sprich man seinen Golfer auf die maximale Stufe gebracht hat, vergehen unzählige Stunden. Dann wartet aber noch immer der eine oder andere Rivale darauf, in Grund und Boden gestampft zu werden. Genügend Geduld und Übung vorausgesetzt, steht man so mindestens 20 bis 30 Spielstunden gegenüber.

Hole in one
Die bereits angesprochene Schwungsteuerung kommt über den gesamten Spielverlauf hinweg zum Einsatz - angefangen beim Abschlag bis hin zum Putten. Dafür steht am linken Bildschirmrand eine Anzeige zur Verfügung – je weiter man
» Ein Kinderspiel.
den Analogstick nach unten drückt, desto stärker wird der folgende Schlag. Durch schnelles Betätigen der rechten Schultertaste kann man der weißen Kugel beim Schwung einen Boost oder während des Fluges einen Spin verpassen. Letzterer sorgt dafür, dass der Ball nach der Landung in die gewünschte Richtung rollt. Das Putten ist besonders schwierig, muss man hier doch selbstständig den einzusetzenden Schläger (sprich die Schwungstärke) wählen sowie das Gelände rund um das Loch einschätzen. Spezielle Ansichten sowie Raster helfen zwar dabei, eine Herausforderung bleibt dieses Manöver aber dennoch.

Bei der Optik bietet sich ein geteiltes Bild. Auf der einen Seite stehen die sehr gut modellierten Golfer und deren lebensechte Animationen, auf der anderen Seite die pixeligen Umgebungsgrafiken wie Bäume und Sträucher, eher grob aufgelösten Bodentexturen sowie dezenten Ruckler. Insgesamt wird aber eine durchaus angemessene Präsentation geboten. In Sachen Akustik sind besonders die englischen Kommentatoren hervorzuheben. Diese wiederholen sich zwar unweigerlich, kommentieren das Geschehen aber sehr passend. Auf deutsche Sprecher – sie wird niemand vermissen – hat EA verzichtet. Die Ingame-Sounds klingen zwar allesamt realistisch, deren Auswahl lässt aber, wie auch bei den Musikstücken im Menü, sehr zu wünschen übrig. Stellt der Rivalenmodus irgendwann doch eine zu große Herausforderung dar, wartet noch immer ein Spielchen im Quick Play-Modus auf den Hobby-Golfer. Nach der Wahl eines Kurses sowie der Anzahl der Löcher können etwaige Wartezeiten auf Bus & Co. perfekt überbrückt werden. Auch Multiplayer-Freunde kommen natürlich auf ihre Kosten. Entweder auf einem Handheld nacheinander mit bis zu vier Kumpels oder zu zweit per Wi-Fi in insgesamt fünf unterhaltsamen Spieltypen.
Pro
Äußerst motivierend
Große Auswahl an Artikeln im Shop
Lange Spielzeit
Gelungene Animationen
Viele verschiedene Events
Lizenzierte Kurse und Spieler
Ideal für zwischendurch
Contra
Sehr schwer
Analogsteuerung zu feinfühlig
Akustik eintönig
Fazit
Bei Unkundigen herrscht immer wieder die Meinung vor, Golf wäre langweilig, ja sogar träge und für Menschen jenseits der 50-Jahre-Marke geschaffen. Dabei kann der Sport, zumindest in seiner virtuellen Form, so unterhaltsam und motivierend sein, wie Tiger Woods PGA Tour 06 eindrucksvoll beweist. Man darf das Spiel aber nicht nur auf das Geschehen am Rasen reduzieren, es wird wesentlich mehr geboten. Speziell der Pro Shop mit seinen zahlreichen erwerbbaren Artikeln motiviert ungemein. Es vergehen unzählige Stunden, bis man all die schönen neuen Produkte sein Eigen nennt, auf die man schon so lange schielt. Die vielen verschiedenen Turniere und Herausforderungen sorgen dafür, dass der Sport selbst aber niemals zur Nebensache verkommt, Golfen und Shoppen halten sich immer gekonnt die Waage. Es ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt: Hat man zu Beginn noch keine allzu große Mühe, die Kurse als Sieger zu verlassen, tritt schnell der Punkt ein, an dem das anstehende Loch ein scheinbar unüberwindbares Hindernis darstellt. Neben dem stetig ansteigenden, hohen Schwierigkeitsgrad sorgt vor allem die zu feinfühlige Analogsteuerung für Frust. Ist man aber bereit, sich genügend lange damit auseinanderzusetzen, so erwartet einen ein Titel, der neben der großen Herausforderung erstaunlich wenig Raum für Kritik lässt und auch Spielern, die mit Golf bis jetzt nicht viel am Hut hatten, empfohlen werden kann.
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Sports
Website
www.electronic-...
Release
07. Oktober 2005
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85
1 Bewertung
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