Äußerst motivierender und zugleich beinharter Golfspaß für unterwegs.Im echten Leben ist Golf ein eher teures Vergnügen. Wie gut, dass so mancher Publisher Nachsehen mit der Zockergemeinde hat und den Sport in einer weitaus erschwinglicheren Version auf unsere Bildschirme zaubert. Nach unzähligen Konsolen- und PC-Versionen wagte
Electronic Arts dieses Vorhaben nun ein weiteres Mal und bietet mit
Tiger Woods PGA Tour 06 die erste Umsetzung des Sports für die
PSP an. Ob der Ball dabei im Bunker landet oder vielleicht sogar das Grün erreicht, klärt folgendes Master-Review.
Vom Nobody zum Superstar Auch wenn man angesichts des Titel vermuten mag, dass einen
PGA Tour 06 in die Haut von Großmeister Tiger Woods schlüpfen lässt, ist dem nicht so. Viel mehr gilt es, ein
virtuelles Ebenbild zu erstellen, mit dem man künftig die Kurse dieser Welt
» Tiger haut ordentlich rein. |
unsicher macht. Ein wenig Geduld vorausgesetzt, können dabei unzählige Parameter das Aussehen betreffend verändert werden: Hautton, Frisur, Augenfarbe, Kinnform, Augenstellung sowie Nasengröße, um nur einige wenige zu nennen. Diese Pflichtübung hinter sich gebracht, geht es an den weit angenehmeren Teil:
dem Shoppen. Zu Beginn mit einem lediglich kleinen Budget ausgestattet, darf der Golfer im
Pro Shop eingekleidet werden. T-Shirts, Hosen und Schuhe stehen ebenso zur Auswahl wie Brillen oder Schmuck. Da der Nobelsport aber nicht alleine aus Posen besteht, kann man die hart verdienten Dollars auch in Schläger, Bälle und Handschuhe investieren. Anfangs steht lediglich ein geringer Teil des genannten Gutes zum Kauf bereit, weiteres schaltet man im Spielverlauf oder durch Abschließen von Sponsorenverträgen frei. Genügend große Erfolge beim Golfen vorausgesetzt, ist man so immer damit beschäftigt, das Konterfei mit dem Neuesten und Besten einzudecken, was Adidas, Nike, Oakley und Co. hergeben. Insgesamt stehen über
1000 Artikel zur Verfügung, die neben der Verbesserung des Erscheinungsbildes vor allem dazu dienen, die neun Attribute des angehenden Profi-Golfers mit Modifikatoren zu versehen. Diese dürfen unter Einsatz von Barem jedoch auch direkt erhöht werden.
Tatsächlich Golf? Abgesehen von alldem ist
Tiger Woods PGA Tour 06 aber ein reinrassiges, realistisches Sport-Spiel mit all seinen Facetten. Zu Beginn lediglich ein Nobody im Pool der Profi-Golfer, muss man sich im Rivalenmodus
die Karriereleiter empor arbeiten, vorbei an 14 Größen wie Adam Scott, Vijay Singh oder Jack Nicklaus, um im finalen Showdown Tiger Woods himself gegenüber zu treten. Bis dahin gilt es jedoch, einen sehr, sehr langen und steinigen Weg zu beschreiten. Nach dem Motto "Jeder fängt mal klein an" tritt man zuallererst einem relativ unbekannten Herausforderer gegenüber, der, wie alle anderen auch,
sechs Herausforderungen bereithält. Neben dem
Turnier, welches sich über sämtliche Löcher eines Kurses erstreckt, steht hier unter anderem der
Rivalen-Wettkampf zur Verfügung, der mit immer anderen Aufgaben aufwartet. Ein Mal muss der Ball möglichst gekonnt aus dem Rough heraus gespielt werden, ein anderes Mal liegt die weiße Kugel mitten im Sandbunker.
Skins, also eine bestimmte Gewinnsumme pro Loch, sowie direkte
Duelle gegen seinen Konkurrenten stehen ebenso auf dem Programm. Im
Putt-Rausch hingegen gilt es, möglichst viele Putts in einer bestimmten Zeitspanne zu erzielen.
Neun lizenzierte sowie drei Fantasie-Kurse sorgen für die nötige Abwechslung.
Geld regiert die Welt Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei kontinuierlich und zieht von Herausforderer zu Herausforderer spürbar an. Anfangs erzielt man schnell erste Erfolge, bald ist aber der Punkt erreicht, an dem sich die Sache nicht mehr ganz so einfach gestaltet. Der
» Wenn der mal nicht ins Wasser geht. |
Gegner erzielt ohne Mühe einen Birdie (einen Schlag unter der Vorgabe), während man selbst nur mit Müh' und Not einen Bogey (einen Schlag darüber) zustande bringt. Den
größten Knackpunkt findet man dabei in der
Schwungsteuerung mithilfe des Analogsticks wieder. Dieser muss für einen perfekten Schlag möglichst senkrecht nach unten und in entgegen gesetzter Richtung nach oben gedrückt werden. Da es aber nun mal in der Natur der
PSP liegt, dass dieses Eingabemedium weder das gelungenste noch das genaueste ist, landet der Ball nicht selten im Dickicht. Speziell wenn die Attribute einen eher niedrigen Level aufweisen, kommen solche Fehlschläge des Öfteren vor.
Genügend Übung vorausgesetzt, kann man dann aber doch einiges an Geld anhäufen, um dieses Problem durch den Erwerb von besserer Ausrüstung und erhöhten Attributen in den Griff zu bekommen. Frust tritt zwar gelegentlich auf, erstaunlicherweise schafft es der Titel aber immer wieder, die Motivation aufrecht zu erhalten. Dies liegt vor allem an den
unzähligen käuflichen Artikeln des Pro Shops. Natürlich spielt hierbei auch der Ehrgeiz eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bis alle gewünschten Produkte in den eigenen Besitz übergehen, sprich man seinen Golfer auf die maximale Stufe gebracht hat, vergehen unzählige Stunden. Dann wartet aber noch immer der eine oder andere Rivale darauf, in Grund und Boden gestampft zu werden. Genügend Geduld und Übung vorausgesetzt, steht man so mindestens
20 bis 30 Spielstunden gegenüber.
Hole in one Die bereits angesprochene Schwungsteuerung kommt über den gesamten Spielverlauf hinweg zum Einsatz - angefangen beim Abschlag bis hin zum Putten. Dafür steht am linken Bildschirmrand eine Anzeige zur Verfügung – je weiter man
den Analogstick nach unten drückt, desto stärker wird der folgende Schlag. Durch schnelles Betätigen der rechten Schultertaste kann man der weißen Kugel beim Schwung einen Boost oder während des Fluges einen Spin verpassen. Letzterer sorgt dafür, dass der Ball nach der Landung in die gewünschte Richtung rollt.
Das Putten ist besonders schwierig, muss man hier doch selbstständig den einzusetzenden Schläger (sprich die Schwungstärke) wählen sowie das Gelände rund um das Loch einschätzen. Spezielle Ansichten sowie Raster helfen zwar dabei, eine Herausforderung bleibt dieses Manöver aber dennoch.
Bei der Optik bietet sich ein geteiltes Bild. Auf der einen Seite stehen die sehr gut modellierten Golfer und deren lebensechte Animationen, auf der anderen Seite die pixeligen Umgebungsgrafiken wie Bäume und Sträucher, eher grob aufgelösten Bodentexturen sowie dezenten Ruckler. Insgesamt wird aber eine durchaus angemessene Präsentation geboten. In Sachen Akustik sind besonders die
englischen Kommentatoren hervorzuheben. Diese wiederholen sich zwar unweigerlich, kommentieren das Geschehen aber sehr passend. Auf deutsche Sprecher – sie wird niemand vermissen – hat
EA verzichtet. Die Ingame-Sounds klingen zwar allesamt realistisch, deren Auswahl lässt aber, wie auch bei den Musikstücken im Menü, sehr zu wünschen übrig. Stellt der Rivalenmodus irgendwann doch eine zu große Herausforderung dar, wartet noch immer ein Spielchen im
Quick Play-Modus auf den Hobby-Golfer. Nach der Wahl eines Kurses sowie der Anzahl der Löcher können etwaige Wartezeiten auf Bus & Co. perfekt überbrückt werden. Auch Multiplayer-Freunde kommen natürlich auf ihre Kosten. Entweder auf einem Handheld nacheinander mit bis zu vier Kumpels oder zu zweit per Wi-Fi in insgesamt
fünf unterhaltsamen Spieltypen.