Östliches Action-Rollenspiel aus dem Hause Square, dem das Höchstprädikat aufgrund einiger Mängel verwährt bleibt.
Held wider willen Eigentlich wollte er ja gar kein Held sein. Eigentlich besitzt er auch gar nicht die Qualitäten eines solchen. Der 16-jährige
Musashi ist nur ein einfacher Schwertkämpfer, als er durch eine magische Beschwörung in
Antheum » Musashi, der Katana-Schwinger in spe. |
landet. Dieser kleine Stadtstaat wurde von Schergen der bösartigen
Gandrake GmbH angegriffen, weswegen die Prinzessin der winzigen Monarchie,
Mycella, in einem magischen Ritual unseren Anti-Helden herbeirief.
Musashis Aufgabe besteht darin, die
fünf Schwerter der Erde, des Wassers, des Feuers und der Leere sowie die Jungfrauen, die sie bewachen, zu finden. Jedoch benötigt auch der skrupellose Konzern die Magie der Jungfrauen – er will sie zum Abbau von
Nebulit, einem Energieträger, zweckentfremden.
Die Gesamthandlung ist in insgesamt
sechs Kapitel unterteilt, wobei der Grundablauf jedes Abschnitts stets ähnlich ist. So ist zu Beginn stets ein neues Areal zur Erkundung freigegeben, in dem verschiedene Aufgaben gelöst werden müssen. Bald trefft ihr auf eine der Jungfrauen, die es zu retten gilt. Abgeschlossen wird ein jeder Storyabschnitt mit dem Zurückbringen der Element-Schwerter und einem obligatorischen
Endboss. Keine Angst vor Langeweile: Einige Wendungen und Veränderungen individualisieren jedes Kapitel.
Mehr Gegner als Erfahrungspunkte Im Gegensatz zu
Squares Titel des
Final Fantasy-Universums geht es in
Musashi: Samurai Legend durchaus deftig zu: Der Rollenspiel-Anteil besteht hier lediglich aus dem üblichen hochleveln und
» Ein Endboss wartet in jedem Kapitel auf euch. |
Sammeln von Erfahrungspunkten - verschiedene Berufe, Charakterklassen oder Ähnliches gibt es nicht. Steht ein Sprung zur höheren Charakterstufe an, darf der Spieler entweder selbst Punkte auf grundlegende Attribute wie Angriff oder Abwehr verteilen oder dem Computer diesen Prozess überlassen. Jener verbessert dann gezielt einen Bereich oder, auf Wunsch, alle Eigenschaften. Geneigte Actionfans können dieses Feature also theoretisch übergehen. Während andere RPGs zwischen Nah- und Fernkämpfern unterscheiden, wird hier lediglich aus nächster Nähe gedroschen- dafür aber nicht zu knapp: Standard-Attacken führt der Protagonist mit seinem
Katana-Schwert aus. Außerdem hat er die Möglichkeit, Angriffe von Widersachern "abzuschauen", indem er sie lange genug
fokussiert. So stellt ihr euch im Spielverlauf nach und nach ein
großes Repertoire an Attacken zusammen und schnell entsteht eine
spaßige Sammeljagd. Neben seiner normalen Klinge führt der Held stets ein weiteres Spezial-Eisen mit sich. Mit dieser Zweitwaffe kann er weitere, noch stärkere Super-Tricks auf die böse Brut loslassen, wobei pro zusätzlichem Prügel nur einer jener Über-Angriffe zur Verfügung steht. Bei diesen mannigfaltigen Möglichkeiten der Schädlingsbekämpfung holt euch die
MP-Leiste schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Nahezu alles, was über das normale Bewegungsrepertoire des jungen Kämpfers hinausgeht, zehrt an diesem Balken, weswegen Bedacht im Umgang mit Sonderaktionen gefordert ist.
Bedingt durch die Handlung des Titels steht
Musashi hauptsächlich den Roboter-Schergen
Gandrakes gegenüber, wobei dessen Ingenieure bei der Entwicklung der mechanischen Kampfmaschinen wohl recht faul waren. So sind alle Gegner auf eine
Handvoll Basistypen zurück zu führen, die in einigen Variationen auftauchen. Auch an
Intelligenz mangelt es den Blechtonnen: Diese ziehen es vor, euch erst einmal ausgiebig zu umtänzeln und irgendwann einmal anzugreifen, anstatt ihre Überzahl auszunutzen.
Schülerjobs Besonders herausgehoben wird
Musashi: Samurai Legend von seinem
gelungenen Spielwitz. Unser Hauptheld ist auch in der brenzligsten Situation nie um einen Spruch verlegen. Die Geschichte wird in humorvollen
» Musashi kämpft in trockenen Steinbrüchen… |
Zwischensequenzen in Spielgrafik sowie Sprechblasendialogen vorangetrieben, die vor Charme nur so sprühen. Doch auch im Detail erkennt man das scherzhafte Gesamtkonzept. Heilungsgegenstände heißen hier nicht etwa
Potion oder
Medikit; verlorene Lebenspunkte werden durch
Backwaren,
Sushi oder
Eis aufgefüllt. Doch Achtung: Der kühle Genuss währt nicht lange: Kauft ihr keine
Kühlbox dazu, verflüssigt sich die wohltuende Kost schon bald.
Der harte Action-Alltag des Spielers wird regelmäßig durch einfache
Rätseleinlagen aufgelockert. Diese erfordern zwar kein intensives Nachgrübeln, doch ein kurzes Innehalten ist teilweise erforderlich. Solltet ihr trotzdem zu keiner Lösung kommen, findet ihr im Menü eine Übersicht an Tipps, die der Protagonist von anderen Figuren des Spiels erhalten hat. Wer gerade einmal nicht den Prinzessinnenretter spielen möchte, findet abseits der Haupthandlung einige Beschäftigungen. Insgesamt 28 Bürger
Antheums wurden gekidnappt und sollten nun aus ihren Kapseln befreit werden, die im ganzen Spiel verteilt sind. Nach ihrer Rettung kehren sie zurück und gehen den gewohnten Tätigkeiten nach, was die Hauptstadt für euch nach und nach erweitert. Daraus ergeben sich weitere Gelegenheiten: Befreit ihr beispielsweise den Betreiber der Arena, könnt ihr dort fortan die Bossfights erneut bestreiten und für einen Sieg abkassieren. Wenn andererseits ein Shop-Besitzer gefunden wird, versorgt dieser den Spieler ab diesem Zeitpunkt mit neuen Gegenständen. Im Handlungsverlauf sind weiterhin einige Minispiel-Einlagen zu finden, in denen
Musashi zum Beispiel auf einem Motorrad oder einem fahrenden Zug kämpft. Eine Highscore hält die Ergebnisse dieser Abschnitte fest, welche ihr verbessern könnt, wenn ihr später zu den entsprechenden Stellen zurückkehrt.
Knopfaugen und Dschungelfrisur Musashi: Samurai Legend ist durch und durch ein interaktives Anime. Dies fängt beim Titelhelden an, dessen Knopfaugen und Sturmfrisur das Erste sind, was dem Spieler auffallen dürfte. Weiterhin liegt der
» … und in üppig bewachsenen Dschungeln. |
Altersschnitt der Figuren bei 16 Jahren und
Cel-Shading schafft einen Zeichentrick-Eindruck. Nicht nur mit der Charakter-, sondern auch mit der Umgebungsgestaltung hat sich der Entwickler Mühe gegeben: Die verschiedenen Welten kommen mit unterschiedlichsten Settings daher. Zwar leidet die Optik unter einem etwas matschigen Gesamteindruck, jedoch bleiben von der Abwechslung her keine Wünsche unerfüllt. So findet ihr euch in einem dicht bewachsenen Dschungel wieder, nachdem es erst kurz zuvor in einem aktiven Vulkan, der an jeder Ecke brodelte, zur Sache ging. Ein gelungener Soundtrack unterstreicht hierbei die Wirkung. Darin befinden sich sowohl schnelle Rock-Songs mit eingehenden Gitarrenriffs als auch ruhige, orchestrale Balladen.
Komplett misslang lediglich das Speichersystem:
Square setzte die Savepoints so rar, dass im Durchschnitt das Absichern des Spielstandes nur alle 45 Minuten möglich ist. Kürzere Zock-Sessions sind somit unmöglich, auch nach dem virtuellen Ableben muss vom letzten Checkpoint fortgesetzt werden. Dank des moderaten Schwierigkeitsgrads kommt dies zwar nicht allzu oft vor, doch frustet nicht unwesentlich.