Sehr gelungenes Action-Adventure mit Bedienungsmängeln.Zum Start der PSP gibt es vor allem zwei Genres im Überfluss: Renn- und Sportspiele. Alle anderen Spieltypen sind eher weniger gut abgedeckt. Während man noch vergebens nach einem Rollenspiel sucht, finden Anhänger von
Action-Adventures wenigstens einen interessanten Titel:
MediEvil: Resurrection. Das Remake des
Playstation-Klassikers will den Spieler mit neuen Minigames, einem Mehrspielermodus und dem bekannt schrägen Design und Humor in seinen Bann ziehen und für vergnügte Stunden vor Sonys Handheld sorgen. Ob das Vorhaben geglückt ist, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Anti-HeldTapfere Ritter klassischer Märchen sind normalerweise gut gebaute, mutige Recken mit einem Sinn für hübsche Frauen und gefährliche Drachen. Der Held unserer Geschichte ist aber das krasse Gegenteil. Einst als feiger Ritter durch
einen verirrten Pfeil in sein linkes Auge aus dem Leben gerissen, wird der mittlerweile skelettierte
Sir Daniel Fortesque 100 Jahre nach seinem hässlichen Tod von einem nervtötenden Ex-Flaschengeist aus seiner vermeintlichen letzten Ruhe geweckt. Der böse Zauberer
Zarok bedeckt das Land mit seinen Flüchen und verwandelt die Bevölkerung in willenlose, aggressive Zombies. Zudem wandeln Dämonen und Untote durch die einst wunderschönen Provinzen des Königsreichs. Höchste Zeit also, dass sich jemand der Sache annimmt und gleichzeitig die perfekte Gelegenheit für unseren
Helden zu zeigen, was wirklich in ihm steckt.
Aller Anfang ist schwerNach einer
schicken Einleitungssequenz beginnt das Spiel in
Dans Gruft, wo der Spieler erste Gehversuche mit dem klapprigen Protagonisten unternimmt. Sofort ins Auge fällt die
sehr schicke Grafik, welche durch einen
hohen Detailgrad, schöne
Effekte und
» Die Grafik ist gelungen. |
tolle Animationen besticht. Wem im ersten Leveln ein unangenehmes Ruckeln sowie eine niedrige Framerate negativ auffällt, der sei beruhigt: fast alle anderen Gebieten laufen wesentlich flüssiger als der offensichtlich unsauber programmierte erste kleine Dungeon. Ruckler und Framerateeinbrüche treten ab dem zweiten Gebiet nur noch selten auf. Wie bei den meisten Spielen seiner Art dient die Einstiegsmission gleichzeitig als Tutorial. Die Steuerung via Richtungstasten entpuppt sich schnell als ungeeignet und so bleibt dem Spieler keine Alternative zum Analogstick der
Playstation Portable. Dieser setzt etwas
Eingewöhnungszeit voraus, funktioniert dann aber zufriedenstellend - wenn auch hin und wieder etwas
fummelig. Springen, leichte und harte Attacke sowie Ziele erfassen und ein Sturmangriff sind sinnig auf die übrigen Bedienelemente verteilt. Weniger zufriedenstellend ist allerdings die
störrische Kamera, die das Geschehen oft aus einem ungünstigen Winkel zeigt. Zwar gibt es einen Button zum Nachjustieren der Kamera, allerdings arbeitet auch dieser nicht tadellos.
Hack'n'FindGameplaytechnisch präsentiert sich der Titel als lupenreines
Action-Adventure, in dem man sein virtuelles Alter Ego aus der
Third-Person-Perspektive durch sehr
abwechslungsreich und intelligent aufgebaute » Agressive Kürbisse machen Dan das Leben schwer. |
Levels steuert. Prinzipiell geht es in den einzelnen Stages immer um das Finden verschiedener
Runen, welche Türen öffnen, die wiederum zum grün schimmernden Levelausgang führen. Um an die magischen Artefakte zu gelangen müssen allerdings diverse Rätsel gelöst, Gegenstände kombiniert und eine große Menge Monster geschlachtet werden. Das
Kampfsystem an sich ist dabei nicht sehr tiefgängig und beschränkt sich auf ein paar Schlagkombinationen, Schießen mit Fernkampfwaffen sowie das Blocken mit Schilden. Dank vieler verschiedener Gegner, Waffen und gut designten Bossen bleiben die Fights jedoch stets abwechslungsreich und motivierend.
Meet A HeroZusätzlichen Anreiz zum Erforschen der teils ausgedehnten Levels und dem Töten der meisten Gegner bietet die
Halle der Helden, in der wertvolle Geschenke und lustige Zwischensequenzen fleißige Spieler belohnen. Diese
» Bereits besuchte Orte können immer wieder erreicht werden. |
erreicht man nämlich nur, wenn zuvor ein versteckter magischen Kelch gefunden und dieser mit genügend Seelen erschlagener Bösewichter gefüllt wird.
Verborgene Tränke, welche die maximale Lebensenergie des Protagonisten dauerhaft steigern sowie überall verteilte Goldsäcke und -Kisten motivieren zusätzlich zum Erkunden. Von gesammelter Währung kann an roten
Gargoyle-Statuen Ausrüstung repariert, Munition nachgekauft und Lebensenergie aufgefüllt werden. Um die solide Spielzeit von rund
zehn bis zwölf Stunden zusätzlich zu strecken, hat man dem Remake einen Jahrmarkt mit
zahlreichen Minigames spendiert. Durch das erfolgreiche Abschneiden in diesen abwechslungsreichen Spielchen kann man zusätzlichen Zaster verdienen. Zur Auswahl stehen unter anderem diverse Schießwettbewerbe, Arenakämpfe und hektisch-lustige
Hau den Zarok. Sämtliche Minigames dürfen zudem jederzeit im Hauptmenü im Training gespielt oder per
WiFi gegen einen menschlichen Konkurrenten bestritten werden.
Mit Fahnen und TrompetenOptisch lässt der Titel wie eingangs erwähnt bis auf einige
unsauber programmierte Abschnitte mit Rucklern keine Wünsche offen. Noch besser ist die
akustische Untermalung des Abenteuers geraten. So wurden die
» Eines der lustigen Minigames. |
zahlreichen,
herrlich witzigen Zwischensequenzen Sony-typisch von professionellen Sprechern vertont, während eine pompöse Hintergrundmusik dem Titel einen fast epischen Schliff verpasst. Das gesamte Art-Design ist ebenfalls fantastisch. Die Helden und Bösewichter sehen nicht nur grafisch gut aus, sondern strapazieren die Lachmuskeln durch ihr
schräges Äußeres. Selten gab es eine so verrückte Fantasywelt zu bestaunen wie in
Medi Evil: Resurrection, wo Gevatter Tod einen Robo-Helfer hat und eloquente Drachen darüber philosophieren, was wohl mit den verbrannten Überresten Ihrer Opfer geschehen soll. Weiteres nettes Technikfeature vor allem für unterwegs: Das Spiel darf jederzeit gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt an exakt der selben Stelle fortgesetzt werden.