Trotz kleiner Macken beim Design feiert Mrs. Croft eine überraschend gelungene Auferstehung von den Totgeglaubten.Zu den abgedroschen Sprüchen wie „Damals als Gummistiefel noch aus Holz waren“ konnte sich spätestens seit
Tomb Raider: The Angel of Darkness auch der Spruch „damals als Tomb Raider noch Spaß gemacht hat“ dazugesellen. Um das sinkende Schiff zu retten, hat Publisher
Eidos den Tomb Raider-Traditionsentwickler
Core Design zum Teufel gejagt und den jüngsten Teil der Serie bei
Crystal Dynamics in Auftrag gegeben. Zusätzlich kam der „geistige Vater“ von Lara, Tobi Gard, ins Team, um seinem Schützling wieder zu ihrem „legendären“ Ruhm zu verhelfen. Ob dies gelungen ist, könnt ihr in unserem Master-Review erfahren.
Alles wird besser …Während man in den letzten Teilen der Serie die Innovation vor allem in der stetig wachsenden Oberweite von Lara wiederfinden konnte, bietet
Tomb Raider: Legend eine
Reihe an Neuerungen die
» Faszinierende Aussichten! |
durchaus als sehr gelungen bezeichnet werden können. Nachdem das imposante Intro Appetit auf das Spiel gemacht hat, startet man mit Lara durch ein kurzes, ins
Spiel eingebundenes Tutorial direkt in ihr nächstes Abenteuer. Nach den ersten vorsichtigen Schritten wird jeder, der schon einmal einen Teil der Serie gespielt hat feststellen, dass von der trägen Steuerung nicht mehr viel übrig geblieben ist.
Stattdessen lässt Lara sich jetzt
präzise und intuitiv per Analogsticks steuern, was einen entscheidenden Teil zum Spielspaß beiträgt. Auch diesmal hat die englische Adelige wieder einige neue Bewegungsabläufe dazugelernt, die sich während des Spiels mal mehr, mal weniger als hilfreich erweisen. So kann Mrs. Croft sich nun zum Beispiel mit Hilfe eines magnetischen Enterhackens über Schluchten und Abgründe hangeln und sogar Gegner bekämpfen. Auch sind einige neue Sprungsequenzen hinzugekommen, die sich gerade in schwierigen Hüpf-Abschnitten als sehr hilfreich erweisen und dabei auch noch ziemlich gut aussehen.
… fast alles Das Kampfsystem wurde im Großen und Ganzen beibehalten. Die Gegner werden mit der Schultertaste ins Visier genommen und dann durch möglichst geschicktes Ausweichen und schnelles schießen niedergestreckt.
Das ist zwar nicht besonders schwer oder spannend, bietet jedoch eine willkommene Auflockerung im Spiel. Spaß machen diese Schusswechsel besonders, wenn man sich in einem unwegsamen Gelände befindet, da mit Säulen, Steinplatformen und Lara's Beweglichkeit tolle Manöver durchgeführt werden können.
Leider haben die Entwickler es
verpasst, die Schusswechsel ausgewogen im Spiel zu verteilen. Das äußert sich darin, dass man in manchen Levels schon fast nach Gegnern suchen muss, in anderen Levels jedoch Lara stellenweise lieber durch eine Kompanie Elite-Soldaten austauschen möchte. Leider ebenso unerfreulich ist die
Spieldauer: diese bewegt sich lediglich zwischen zehn und 15 Stunden. Leider ändert daran auch der verstellbare Schwirigkeitsgrad nicht viel.
Back to the rootsDie Story bewegt sich irgendwo zwischen klischeehaft und innovativ, häufige Gespräche und Zwischensequenzen mit Lara sorgen auf jeden Fall für genug Abwechslung und Hintergrundinformation.
» Einfach mal wieder abhängen. |
Grob umrissen geht es darum, dass Mrs. Croft die Vergangenheit aufleben lassen will und nebenbei auf ein uraltes, mächtiges Artefakt stößt. Dieses, ein Schwert, gibt’s natürlich nicht in einem Stück beim Supermarkt um die Ecke zu kaufen, sondern muss in alter Manier in Splittern aus Tempelruinen, Höhlen und der Feindeshand beschafft werden.
Aus den unterschiedlichen Einsatzorten, die übrigens quer über den Erdball verteilt sind, ergibt sich auch die
vielfältige und vor allem gut umgesetzte Levelarchitektur. Und hier kommt die nächste „Neuerung“ ins Spiel:
Tomb Raider: Legend bewegt sich erfreulicherweise wieder sehr nah an den ersten beiden Teilen, in denen antike Rätsel, Inka-Fallen und mystische Feinde noch nicht in Großstädten zu finden waren sondern in ihrem natürlichen Lebensraum. Altertümlich Ruinen machen nun endlich auch wieder den
Großteil des Spiels aus und werden durch wenige, passende Ausflüge in Städte und Industrieanlagen aufgelockert. Die oben erwähnten Rätsel sind allesamt sehr unterhaltsam, der Schwierigkeitsgrad ist gut ausbalanciert, und erfordert ausgiebigen den Einsatz der Bewegungsabläufe in Verbindung mit der guten Spielphysik. Ob man die Orientierung an den ersten Spielen als innovationslos und aufgewärmt oder als positives Wiederherstellen des originalen Spielprinzips auffasst, bleibt jedem selbst überlassen.
Laras kleine Helferlein … Damit auch
Adventure-Neulige einigermaßen zurechtkommen und nicht zwei Stunden nach einem versteckten Schalter suchen müssen, hat Lara sich ein neues Spielzeug zugelegt. Mit einer Art digital aufgemöbelten Brille
» Geschichtsunterricht für Profis. |
könnt ihr nun entscheitende Punkte und Orte als Markierung sehen. Erfreulicherweise nimmt dieses Feature den Rätseln nicht die ganze Schwierigkeit, da es in diesen immer um einiges mehr geht, als nur Schalter A und B innerhalb von fünf Sekunden zu drücken. Auch die häufigen Sprungeinlagen machen, nicht zuletzt durch die gute Steuerung, wirklich Spaß, da auch hier ein gut
ausbalancierter Schwierigkeitsgrad gegeben ist.
Dieser resultiert einerseits aus dem anspruchsvollen Design der Klippen, Abgründen und Mauerwerken die der Spieler bezwingen muss. Andererseits bekommt man kleine „Hilfen“ in den Bewegungsabläufen zur Verfügung gestellt, mit denen Lara automatisch Seile, Kanten usw. ergreift, die grob in der Richtung ihrer Bewegung liegen. Dies tut dem Spiel sehr gut, da sich dadurch frustrierende Momente großteils vermeiden lassen. Nicht wirklich hilfreich, dafür aber äußerst modisch, sind die wechselnden Kostüme von Lara. Diese passen sich natürlich an das Geschehen im jeweiligen Level an. So bekommt die Heldin des Spiels eine dicke Felljacke spendiert, wenn es in kühle Bergregionen geht oder darf in einem schwarzen Abendkleid bewundert werden, wenn der nächste Einsatzort ein feiner Empfang ist.
Technology ReviewZwar gehört
Tomb Raider: Legend nicht zu den absoluten Grafik-Bomben der PS2, ist aber in allen Belangen
technisch sehr solide. Gerade die grandiose
Weitsicht macht die gelungene Levelarchitektur zu einem Erlebnis.
» Kleinkrieg fürs Wohnzimmer. |
Ihren Teil zum guten Gesamtbild der Grafik tragen auch die vielen Details bei, wie das gut animierte Feuer und die schöne Vegetation. Als gelungen dürfen auch die Bewegungsabläufe und Animationen von Lara bezeichnet werden.
Diese wirken nun sehr geschmeidig, wenn auch noch nicht ganz lebensecht, und gehen ausnahmslos flüssig ineinander übergehen.
Beim Sound hat
Crystal Dynamics wirklich ein
Meisterwerk geschaffen, das einem oft sehr glaubhaft vermittelt, dass im heimischen Wohnzimmer wirklich gerade ein 100-Tonnen-Felsblock zerberstet, oder eine Giftschlange unter der Couch hervor kriecht. Diese Soundkulisse gemischt mit der dezenten aber passenden Hintergrundmusik und der guten Synchronisierung tragen einen großen Teil zur dichten Atmosphäre bei. Ebenfalls positiv ist, dass im ganzen Spiel kaum Bugs oder sonstige technische Fehler vorhanden sind. Da diese Tatsache sehr wichtig für Konsolenspiele ist, wird das vor allem Spieler des Vorgängers erfreuen, in dem leider genau das Gegenteil der Fall war.