Auch auf der Xbox steht Gordon Freeman seinen Mann – leider nicht immer ganz flüssig.Bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung von
Half-Life 2 für den PC und knapp sieben Jahre nach der des Vorgängers, welcher auch für die PlayStation 2 erschien, kommen nun auch Xbox-Jünger in den Genuss eines der meist erwarteten FPS der Spielegeschichte. In
Half-Life 2 setzte man allerorts hohe Erwartungen und zumindest die PC-Version erfüllte diese laut einhelliger Meinung. Ob die Portierung mithalten kann, erfahrt ihr wie immer in unserem
Master-Review.
Ankunft in City 17Unser Alter Ego Gordon weiß nicht recht, wie ihm gerade geschieht, als er sich – unbedarft wie er ist – in völliger Unkenntnis über das aktuelle Geschehen in einem Zugwaggon wieder findet. Angesteuert wird der
» Die Combine sind überall. |
Bahnhof von City 17, sozusagen die Hochburg der
Combine, welche in den letzten Jahren die Herrschaft auf der Erde übernommen und die Menschheit unterjocht haben. Woher sie kommen, weiß niemand so genau. Klar ist nur, dass sie Menschen verschleppen und teilweise – augenscheinlich willkürlich – zwischen verschiedenen Städten hin und her transferieren. Platz für Meinungsfreiheit und Selbstverwirklichung gibt es ebenso wenig. Unser rebellischer Gordon kann sich mit dieser neuen Weltordnung natürlich nicht anfreunden – der Schritt in den Untergrund als einzige Option, die bleibt.
Half-Life 2 kommt als 1:1 PC-Portierung, jedoch ohne Multiplayer und Live-Features. Was es bietet, ist
reine Singleplayerunterhaltung für gute 15 – 20 Stunden. Erfreulicherweise steht diese jedoch dem Vorgänger um nichts nach: Eine spannende und detailliert ausgearbeitete Story sowie authentische Charaktere überzeugen und ziehen den Spieler tief in seinen Bann. Besonders erwähnenswert sind auch die liebevoll gestalteten Schauplätze.
Gordon motorisiertSelbtverständlich darf unser Protagonist auch auf einige neue Spielzeuge zurückgreifen. Die im Vorfeld des PC-Releases für viel Aufruhr sorgende
Gravity-Gun vollbringt im Zusammenspiel mit der
umwerfenden Physik-Engine wahre Kunststücke: Herumstehende Einrichtungsgegenstände (Heizkörper, Holzpaletten etc.) können ebenso willkürlich im Raum bewegt werden wie auch leblose Körper von Feinden. Per Knopfdruck schleudert man das transportierte Gut – physikalisch korrekt – im hohen Bogen auf Gegner oder „just for fun“ auf andere Gegenstände. Ansonsten überwiegt das konventionelle Angebot: Ohne HEV-Suit und natürlich dem obligatorischen Brecheisen geht Gordon nicht aus dem Haus. Im Laufe des Spiels gesellen sich noch Maschinenpistole, Shotgun, Armbrust, Raketenwerfer und einige andere Spezialitäten hinzu.
Selbst vor
Fahrzeugen macht der MIT-Abgänger nicht halt: Neben einem Hoverboat darf man sich auch hinter das Steuer eines Buggys setzen und im gleichen Aufwasch mithilfe der vorinstallierten Kanonen auch den Gegnern reichlich Saures geben. Die ansonsten
sehr gelungene Steuerung weist im Fahrbetrieb allerdings einige dezente Mängel auf, was nicht selten an der ein wenig übersensiblen Einstellung liegt. In den Laufpassagen freut man sich jedoch über eine reaktionsfreudige und zielgenaue Steuerung, die keine Wünsche offen lässt.
Rund um die WeltAuch die
Abwechslung wird in
Half-Life 2 groß geschrieben. So treibt man sich nicht nur in besagter
City 17 herum, sondern ebenso in Minen, auf Highways und im Zombie-verseuchten
Ravenholm» Stimmungsvolle Schauplätze. |
. Ganz besonders gelungen sind die Missionen, in welchen auf
AntLion – ähnlich den „Bugs“ aus Starship Troopers – zurückgegriffen werden kann. Diese machen nämlich kurzen Prozess mit dem Combine-Gesocks. Bei einer entsprechenden Anzahl dieser unfreundlichen Zeitgenossen lehnt ihr euch am besten bequem zurück und beobachtet das – kurze aber intensive – Schauspiel. Auch über monströsere Ausgaben von Gegnern darf man sich freuen: Gigantische
Striders oder
Dropships – halb Organismus, halb Maschine – machen euch auf eurem Weg das Leben schwer und lassen das Herz in brenzligen Situationen schon mal in die Hose rutschen.
Ebenso erwähnenswert ist die
KI eurer Gegner, welche euch mit Vorliebe umgehen, bewusst entflammbare Fässer entzünden aber natürlich auch zielgenau treffen. Die schlauen Marines aus dem Vorgänger haben hiermit einen würdigen Nachfolger erhalten. Technisch gibt es jedoch ein wenig zu beanstanden. Während die Optik der PC-Fassung lediglich bei der (Texturen-)Auflösung und dem Anti-Aliasing hinterher hinkt – und somit sehr gut aussieht –, so stören die häufig auftretenden
Slow-Downs das Spielgeschehen doch ganz gewaltig. Unspielbar wird es zwar im Endeffekt nie, einen negativen Beigeschmack verursacht das Gestottere dennoch. Auch auf die Ohren gibt es ordentlich, vor allem die brachialen Soundeffekte überzeugen. Unser Held Gordon bleibt dabei jedoch stumm – er lässt lieber Knarren statt Worte sprechen.