Realismus² – auch auf der Xbox spielt Pro Evolution Soccer 5 seine Stärken aus.Xbox-Spieler haben es gut: Im Gegensatz zu
Pro Evolution Soccer 4 erscheint der diesjährige Ableger der famosen
Pro Evolution Soccer-Reihe nämlich nicht verspätet sondern zeitgleich mit dem PS2-Pendant. Die vorschnelle Titulierung als
Jahres-Update hat es dabei hingegen nicht verdient. Die Gründe für einen unbedingt empfohlenen Kauf des Titels – sollte nicht bereits die Sony-Version euer Zuhause schmücken – erläutern die nächsten Zeilen unseres
Master-Reviews.
Brasilianischer SambaAugenscheinlich selbst in höchstem Maße überrascht, dass er, der Sprecher, nur ein Jahr nach der Veröffentlichung von
Pro Evolution Soccer 4 schon wieder den Titel von Konamis Fußballsimulation herausposaunen darf,
» Da schaut er, der Rooney. |
verkommt das serienübliche Sprachsample beim Start des Spiels zu einer einigermaßen übermotivierten Angelegenheit.
Pro Evolution Soccer FÜÜÜÜÜÜNF! Der prüfende Blick bestätigt allerdings die vorgegaukelte Begeisterung: Die
Menüs sind übersichtlich gegliedert – soweit so gut – und musiktechnisch wurde endlich auf die etwas banalen Rockrhythmen zugunsten tanzbarer Sambamusik verzichtet. Na bitte, haben die Jungs präsentationstechnisch doch endlich einmal zugelegt. Danke!
Auch ein Blick in das Optionsmenü lohnt: Unter anderem findet sich hier der Punkt
PES4-Datenimport, mit dem eine bereits vorhandene PES4-Optionsdatei eingespielt werden kann. All jene, die fürchteten, einmal mehr eigens kreierte Dressen und Spieler zu verlieren, dürfen also aufatmen. Das Procedere gestaltet sich einfach und schnell: Alle relevanten Daten (Logos, Stadien, Spielernamen etc.) werden aufgelistet und können Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Selbstverständlich ist auch das
Museum wieder vertreten, ebenso wie der
PES-Shop, in welchem die in Ligen und Freundschaftsspielen hart verdienten
PES-Punkte in neue Stadien, Bälle, Mannschaften und andere Extras investiert werden können. Die Optionsvielfalt vor Bestreiten der ersten Partie lässt dabei keine Wünsche offen: Neben dem offenen Training gilt es auch wieder – wie in
Pro Evolution Soccer 4 – unter bestimmten Voraussetzungen Ziele zu erreichen. Und für alle Faulpelze (
Nicht-Handbuch-Leser) stehen natürlich wieder kleine, hübsch gestaltete Videos zur Verfügung, die in aller Kürze und Deutlichkeit das komplette Steuerungssetup erklären. Auf Wunsch kann hierbei jederzeit Hand an den Controller gelegt werden, um das Gesehene ohne Umschweife selbst in die Tat umzusetzen.
Ein Fass ohne BodenFür alle Einzelspieler bietet sich wieder die
Meister-Liga an: Als Trainer gilt es, Meister in allen Klassen und Ligen zu werden – sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene.
» Die Animationen sind Weltklasse! |
Neu dazugekommen ist eine
Trainingsmöglichkeit, in welcher man an Strategien und Aufstellungen für die nächsten Partien tüfteln kann. Auch lizenztechnisch hat
Pro Evolution Soccer 5 wieder ein Schäufchen nachgelegt:
3.000 Spieler und die Teams der spanischen, italienischen und holländischen Liga stehen zur Verfügung. Einige Clubs anderer Ligen sind aber ebenso vertreten, unter anderem zum Beispiel
Arsenal und
Chelsea. Einem voll lizenzierten, innerenglischen Duell steht also nichts mehr entgegen.
Die Änderungswut des Entwicklerteams rund um Shingo Takatsuka machte jedoch nicht einmal vor der herausragendsten Eigenschaft der
PES-Reihe halt: dem
hervorragenden Gameplay. Noch realistischer, noch authentischer war die Devise – und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im direkten Vergleich wirkt der Vorgänger geradezu lachhaft simulationsfern. In
Pro Evolution Soccer 5 gestaltet sich die Torjagd nämlich um einiges schwieriger als in den bisher bekannten Ablegern, ein Gutteil der Spielzeit wird in
nervenaufreibenden Mittelfeldduellen ausgetragen. Die Gründe liegen dabei in erster Linie am Positionierungsverhalten der Spieler, welche sich gekonnt freilaufen und Pässe durch die Mitte beinahe mühelos abfangen. Überhaupt wurde die Steuerung und die benötigte Genauigkeit ebendieser noch einmal gehörig aufgewertet:
Schlampigkeit in der Ausführung wird fast umgehend bestraft – Ballverlust. Auch beim Tackling muss man mittlerweile Vorsicht walten lassen: Ein Druck auf
A lässt zwar nach wie vor den eigenen Spieler auf den Ball führenden Gegner zulaufen (beziehungsweise bei
X der Mitspieler) – geschieht dies jedoch nicht mit einem perfekten Timing, wird die Attacke als Foul gepfiffen. Der unweigerlich folgende Freistoß beziehungsweise Vorteil endet nicht selten im Torerfolg.
Der Schiri drückt die SchulbankAuch die Ahndung von
Abseits-Vergehen wurde einer Frischzellenkur unterzogen, hier gilt das neue FIFA-Reglement. Erfreulich ist die
adaptierte Umsetzung der Vorteilsregel,
welche in den beiden direkten Vorgängern noch für den einen oder anderen zerstörten Controller sorgte. Diese ist mittlerweile nämlich immer schlüssig – selbst bei schweren Fouls wird das Spielgeschehen nicht durch den Schiedsrichter unterbrochen, eine eventuelle Karte sieht der Übeltäter erst nach Abschluss der Aktion. Für das besondere Flair während einer Partie sorgen klarerweise die Schlachtengesänge der Fans, welche nach subjektivem Empfinden dem Geschehen auf den Platz deutlich besser folgen als noch im Vorgänger. So wird langatmiges und zielloses Kurzpassspiel von den eigenen Fans oft stürmisch gefeiert, während sich die Anhänger des gegnerischen Vereins in Buh-Rufe stürzen. Das macht Laune!
Im Multiplayer-Modus spielt der Titel natürlich seine großen Stärken aus. Kein aktueller Sporttitel vermag ebenso an den Bildschirm zu fesseln, wie die
Pro Evolution Soccer-Reihe. Führungstor in der 89. Minute? Kein Grund sich in Sicherheit zu wiegen: Die einmal mehr
realistische Ballphysik lässt den Ball im Torraumgeplänkel schon mal hinter die Linie kullern – Ausgleich! Als besonderes "Schmankerl" ist es nun sogar möglich,
Statistikmatches zu spielen. Hierzu sind lediglich zwei Spielstände von Nöten: Der eure sowie die Datei des Gegenspielers. Lästige Eintragungen in Excel-Listen entfallen, ebenso wie mühsam geführte händische Aufzeichnungen – das Programm ermittelt alle relevanten Daten. Mit bis zu drei Mitspielern geht es dabei vor einem Fernseher zur Sache, an eine Onlinefunktionalität über
Xbox Live wurde diesmal ebenso wieder gedacht. Diese spielt sich angenehm flüssig, Lags waren glücklicherweise kaum zu beobachten.
Auf der FankurvePräsentationstechnisch bleibt auch im neuesten Vertreter soweit alles beim Alten: Die Optik hinkt dem Genreprimus
FIFA 06 nach wie vor in Sachen Farbvielfalt und Kantenflimmern hinterher. Im
» Die Präsentation hat leicht zugelegt. |
Gegensatz zur PS2-Version habt ihr jedoch glücklicherweise weder mit Slowdonws noch mit Rucklern zu kämpfen. Ein klares Plus geht auch an die äußerst geschmeidigen und
authentischen Animationen, welche ihresgleichen suchen. Ganz besonderes Augenmerk wurde hier den Bewegungsabläufen der Superstars geschenkt, welche sich ohne weiteres direkt mit denen ihrer realen Vorbilder messen können. Sehr gute Arbeit!
Zu bemängeln gäbe es auf der inhaltlichen Seite eigentlich nur die – wieder einmal – etwas veralteten Daten. So ist etwa Stürmerstar Baros noch immer beim FC Liverpool zu finden, hier kann nur 3rd Party Hardware helfen. Entsprechendes Sitzfleisch vorausgesetzt, dürfen alle Spieler- und Vereins-bezogenen Daten auch wieder im
umfangreichen Editor geändert werden. Leider nicht zu ändern und wie auch in den Vorgängern schon nach wenigen Minuten nervig ist hingegen das
Kommentatoren-Duo ausgefallen – dieses
muss einfach deaktiviert werden. Auch die Steuerung wurde nur minimal angepasst. Hier gilt nach wie vor: "Easy to learn, hard to master" – denn bis tatsächlich jeder Trick und jede Finte da sitzen, wo man sie haben will, vergehen einige Stunden – auf der Xbox hingegen mit dem Manko der fehlenden zwei Schultertasten.