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Master-Review:   » drucken    » versenden

Pro Evolution Soccer 5

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 24.11.2005
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Realismus² – auch auf der Xbox spielt Pro Evolution Soccer 5 seine Stärken aus.

Xbox-Spieler haben es gut: Im Gegensatz zu Pro Evolution Soccer 4 erscheint der diesjährige Ableger der famosen Pro Evolution Soccer-Reihe nämlich nicht verspätet sondern zeitgleich mit dem PS2-Pendant. Die vorschnelle Titulierung als Jahres-Update hat es dabei hingegen nicht verdient. Die Gründe für einen unbedingt empfohlenen Kauf des Titels – sollte nicht bereits die Sony-Version euer Zuhause schmücken – erläutern die nächsten Zeilen unseres Master-Reviews.

Brasilianischer Samba
Augenscheinlich selbst in höchstem Maße überrascht, dass er, der Sprecher, nur ein Jahr nach der Veröffentlichung von Pro Evolution Soccer 4 schon wieder den Titel von Konamis Fußballsimulation herausposaunen darf,
» Da schaut er, der Rooney.
verkommt das serienübliche Sprachsample beim Start des Spiels zu einer einigermaßen übermotivierten Angelegenheit. Pro Evolution Soccer FÜÜÜÜÜÜNF! Der prüfende Blick bestätigt allerdings die vorgegaukelte Begeisterung: Die Menüs sind übersichtlich gegliedert – soweit so gut – und musiktechnisch wurde endlich auf die etwas banalen Rockrhythmen zugunsten tanzbarer Sambamusik verzichtet. Na bitte, haben die Jungs präsentationstechnisch doch endlich einmal zugelegt. Danke!

Auch ein Blick in das Optionsmenü lohnt: Unter anderem findet sich hier der Punkt PES4-Datenimport, mit dem eine bereits vorhandene PES4-Optionsdatei eingespielt werden kann. All jene, die fürchteten, einmal mehr eigens kreierte Dressen und Spieler zu verlieren, dürfen also aufatmen. Das Procedere gestaltet sich einfach und schnell: Alle relevanten Daten (Logos, Stadien, Spielernamen etc.) werden aufgelistet und können Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Selbstverständlich ist auch das Museum wieder vertreten, ebenso wie der PES-Shop, in welchem die in Ligen und Freundschaftsspielen hart verdienten PES-Punkte in neue Stadien, Bälle, Mannschaften und andere Extras investiert werden können. Die Optionsvielfalt vor Bestreiten der ersten Partie lässt dabei keine Wünsche offen: Neben dem offenen Training gilt es auch wieder – wie in Pro Evolution Soccer 4 – unter bestimmten Voraussetzungen Ziele zu erreichen. Und für alle Faulpelze (Nicht-Handbuch-Leser) stehen natürlich wieder kleine, hübsch gestaltete Videos zur Verfügung, die in aller Kürze und Deutlichkeit das komplette Steuerungssetup erklären. Auf Wunsch kann hierbei jederzeit Hand an den Controller gelegt werden, um das Gesehene ohne Umschweife selbst in die Tat umzusetzen.

Ein Fass ohne Boden
Für alle Einzelspieler bietet sich wieder die Meister-Liga an: Als Trainer gilt es, Meister in allen Klassen und Ligen zu werden – sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene.
» Die Animationen sind Weltklasse!
Neu dazugekommen ist eine Trainingsmöglichkeit, in welcher man an Strategien und Aufstellungen für die nächsten Partien tüfteln kann. Auch lizenztechnisch hat Pro Evolution Soccer 5 wieder ein Schäufchen nachgelegt: 3.000 Spieler und die Teams der spanischen, italienischen und holländischen Liga stehen zur Verfügung. Einige Clubs anderer Ligen sind aber ebenso vertreten, unter anderem zum Beispiel Arsenal und Chelsea. Einem voll lizenzierten, innerenglischen Duell steht also nichts mehr entgegen.

Die Änderungswut des Entwicklerteams rund um Shingo Takatsuka machte jedoch nicht einmal vor der herausragendsten Eigenschaft der PES-Reihe halt: dem hervorragenden Gameplay. Noch realistischer, noch authentischer war die Devise – und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im direkten Vergleich wirkt der Vorgänger geradezu lachhaft simulationsfern. In Pro Evolution Soccer 5 gestaltet sich die Torjagd nämlich um einiges schwieriger als in den bisher bekannten Ablegern, ein Gutteil der Spielzeit wird in nervenaufreibenden Mittelfeldduellen ausgetragen. Die Gründe liegen dabei in erster Linie am Positionierungsverhalten der Spieler, welche sich gekonnt freilaufen und Pässe durch die Mitte beinahe mühelos abfangen. Überhaupt wurde die Steuerung und die benötigte Genauigkeit ebendieser noch einmal gehörig aufgewertet: Schlampigkeit in der Ausführung wird fast umgehend bestraft – Ballverlust. Auch beim Tackling muss man mittlerweile Vorsicht walten lassen: Ein Druck auf A lässt zwar nach wie vor den eigenen Spieler auf den Ball führenden Gegner zulaufen (beziehungsweise bei X der Mitspieler) – geschieht dies jedoch nicht mit einem perfekten Timing, wird die Attacke als Foul gepfiffen. Der unweigerlich folgende Freistoß beziehungsweise Vorteil endet nicht selten im Torerfolg.

Der Schiri drückt die Schulbank
Auch die Ahndung von Abseits-Vergehen wurde einer Frischzellenkur unterzogen, hier gilt das neue FIFA-Reglement. Erfreulich ist die adaptierte Umsetzung der Vorteilsregel,
» Chaos im Strafraum…
welche in den beiden direkten Vorgängern noch für den einen oder anderen zerstörten Controller sorgte. Diese ist mittlerweile nämlich immer schlüssig – selbst bei schweren Fouls wird das Spielgeschehen nicht durch den Schiedsrichter unterbrochen, eine eventuelle Karte sieht der Übeltäter erst nach Abschluss der Aktion. Für das besondere Flair während einer Partie sorgen klarerweise die Schlachtengesänge der Fans, welche nach subjektivem Empfinden dem Geschehen auf den Platz deutlich besser folgen als noch im Vorgänger. So wird langatmiges und zielloses Kurzpassspiel von den eigenen Fans oft stürmisch gefeiert, während sich die Anhänger des gegnerischen Vereins in Buh-Rufe stürzen. Das macht Laune!

Im Multiplayer-Modus spielt der Titel natürlich seine großen Stärken aus. Kein aktueller Sporttitel vermag ebenso an den Bildschirm zu fesseln, wie die Pro Evolution Soccer-Reihe. Führungstor in der 89. Minute? Kein Grund sich in Sicherheit zu wiegen: Die einmal mehr realistische Ballphysik lässt den Ball im Torraumgeplänkel schon mal hinter die Linie kullern – Ausgleich! Als besonderes "Schmankerl" ist es nun sogar möglich, Statistikmatches zu spielen. Hierzu sind lediglich zwei Spielstände von Nöten: Der eure sowie die Datei des Gegenspielers. Lästige Eintragungen in Excel-Listen entfallen, ebenso wie mühsam geführte händische Aufzeichnungen – das Programm ermittelt alle relevanten Daten. Mit bis zu drei Mitspielern geht es dabei vor einem Fernseher zur Sache, an eine Onlinefunktionalität über Xbox Live wurde diesmal ebenso wieder gedacht. Diese spielt sich angenehm flüssig, Lags waren glücklicherweise kaum zu beobachten.

Auf der Fankurve
Präsentationstechnisch bleibt auch im neuesten Vertreter soweit alles beim Alten: Die Optik hinkt dem Genreprimus FIFA 06 nach wie vor in Sachen Farbvielfalt und Kantenflimmern hinterher. Im
» Die Präsentation hat leicht zugelegt.
Gegensatz zur PS2-Version habt ihr jedoch glücklicherweise weder mit Slowdonws noch mit Rucklern zu kämpfen. Ein klares Plus geht auch an die äußerst geschmeidigen und authentischen Animationen, welche ihresgleichen suchen. Ganz besonderes Augenmerk wurde hier den Bewegungsabläufen der Superstars geschenkt, welche sich ohne weiteres direkt mit denen ihrer realen Vorbilder messen können. Sehr gute Arbeit!

Zu bemängeln gäbe es auf der inhaltlichen Seite eigentlich nur die – wieder einmal – etwas veralteten Daten. So ist etwa Stürmerstar Baros noch immer beim FC Liverpool zu finden, hier kann nur 3rd Party Hardware helfen. Entsprechendes Sitzfleisch vorausgesetzt, dürfen alle Spieler- und Vereins-bezogenen Daten auch wieder im umfangreichen Editor geändert werden. Leider nicht zu ändern und wie auch in den Vorgängern schon nach wenigen Minuten nervig ist hingegen das Kommentatoren-Duo ausgefallen – dieses muss einfach deaktiviert werden. Auch die Steuerung wurde nur minimal angepasst. Hier gilt nach wie vor: "Easy to learn, hard to master" – denn bis tatsächlich jeder Trick und jede Finte da sitzen, wo man sie haben will, vergehen einige Stunden – auf der Xbox hingegen mit dem Manko der fehlenden zwei Schultertasten.
Pro
Mehrspieler-Hit!
Superbe Animationen
Umfangreicher Liga-Modus
Detaillierter Editor
PES4-Connectivity
Verbesserte Abseits- und Vorteilsregel
Statistikmatches gegen Freunde
Stets flüssige Optik
Contra
Präsentationstechnisch noch immer ein wenig zurück
Steuerung auf PS2 besser
Veraltete Daten
Nerviger Kommentar
Fazit
Die Veränderungen zur PS2-Version halten sich naturgemäß im Rahmen: Ruckler und Slowdowns sucht man auf Microsofts Daddelkiste glücklicherweise vergeblich, ebenso wirkt die Optik einen Tick schärfer. Im Gegensatz hierzu müsst ihr aber leider bei der Steuerung Einbußen hinnehmen, zwei Schultertasten weniger wirken sich spürbar auf die Spielbarkeit aus. An der Genialität des Titels kratzen derartige Kleinigkeiten natürlich nicht, womit auch hier gilt: Pro Evolution Soccer ist besser denn je. Ganz besonders die Mittelfeldlastigkeit des Titels sorgt dafür, dass bisher funktionierende Konzepte und Taktiken gänzlich neu angedacht und umgesetzt werden müssen. Eine Prise Taktik gepaart mit einem Diplom in Joypadakrobatik sind dafür also Grundvoraussetzung – mehr denn je. Schlussfolgernd gilt aber auch, dass die mittlerweile fünfte Neuauflage der Reihe in Sachen Einarbeitung kein "Pick&Play"-Gameplay mehr bietet – hier muss man sich ernsthaft und geduldig einarbeiten. Ansonsten bleibt soweit alles beim Alten: Der Mehrspielermodus – diesmal auch online – ist eine Granate und wird die Fußballbegeisterten bis spätestens zum Release von Pro Evolution Soccer 6 köstlich unterhalten. Ebenso verhält es sich mit dem Liga-Modus, welcher in Sachen Spielspaß aber nicht ganz an den Multiplayer anschließen kann. Fußball muss man nun mal im Kreis der Freunde genießen – sei es im Fernsehen oder vor der Konsole. Und deswegen gilt auch hier: Wer sich PES5 nicht kauft, ist entweder kein Fußballfan oder kein Zocker. Und da ich einfach nur letzteres bin: Pflichtkauf!
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Konami
Entwickler
Konami
Website
www.pes5.net/ge...
Release
21. Oktober 2005
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