Wings of War kann Solisten überzeugen und das sogar zum halben Preis.Tollkühne Fliegerasse mit ausgeprägter Propeller- und Tragflächenhingabe haben seit jeher auf den Konsolen nur eine sehr begrenzte Auswahl an überzeugenden Flugzeugtiteln. Zu den besten Umsetzungen dieser meist nur PC-Spielern vorbehaltenen Gattung zählen zweifelsohne
Secret Weapons over Normandy und
Crimson Skies: High Road To Revenge, die jeweils durch ein ganz eigenständiges Szenario bzw. einen hoch motivierenden Einzelspielermodus in unserem Testlabor brillieren konnten. Doch damit wäre auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht und so mancher Besitzer der großen schwarzen Kiste beklagt sich zurecht über das mehr als mäßige Flugangebot im Xbox-Himmel. Mit
Wings of War, einer waschechten PC-Umsetzung, versucht Publisher
Take 2 zusammen mit den Entwicklern von
Silver Wish Games jetzt frischen Wind in das bislang stiefmütterlich behandelte Subgenre zu bringen. Ob sich der Titel im Luftgefecht behaupten kann, zeigen wir in unserem Master-Review.
Ausgeprägte Authentizität Ähnlich wie in
Secret Weapons over Normandy versetzt auch
Wings of War den Spieler in ein realistisches Kriegsszenario, genauer gesagt in das des
Ersten Weltkriegs, der von
» Ein typisches Angriffsmuster. |
1914 bis 1918 in Europa und dem Nahen Osten wütete und etwa neun Millionen Tote forderte. In der Rolle des noch unerfahrenen aber sehr ambitionierten Piloten
Benjamin gilt es, im Hauptmodus der Kampagne auf Seiten der Alliierten in insgesamt
dreizehn verschiedenen Missionen, für Recht und Ordnung zu sorgen. Doch bevor der Spieler hoch oben am Himmel eindrucksvoll seine Nervenstärke unter Beweis stellt, empfiehlt es sich die Flugschule aufzusuchen und erfolgreich zu absolvieren. Dort lassen sich alle essentiellen Grundtechniken und -steuerungen in einer überzeugenden Übungslektion erlernen, um im Ernstfall bzw. im Kampagnenmodus nicht sofort buchstäblich auf dem harten Boden der Tatsachen zu landen. Der Funktionsgrad ist wie üblich in diesem Segment sehr hoch ausgefallen und so mancher „A-Tastenklopfer“ wird sicher seine Zeit brauchen, um die
ausführliche Steuerung bis ins kleinste Detail zu beherrschen.
So stehen neben der primären Flugzeugsteuerung wie u. a. die Anwahl der Richtungen, das Umsehen in den hinteren Flugbereich sowie das Drosseln bzw. Beschleunigen auch andere spezielle Features zur Verfügung. Darunter befinden sich in etwa Loopings jeglicher Art, seitliche Barrel-Rollen oder die verschiedensten Angriffsarten - um nur einige wenige aufzuführen. Wer sich in Anbetracht dieser durchaus
üppigen Funktionsauswahl etwas überrumpelt fühlt, dem sei jedoch an dieser Stelle gesagt, dass das Spiel sein
Hauptaugenmerk auf den Bereich Action legt und die zugrunde liegende Steuerung nach etwas Übung einwandfrei in Fleisch und Blut übergeht.
Gesetzlosigkeit in Schwindel erregender Höhe Keine erfolgreiche Operation ohne richtige Vorbereitung - schon vor jeder zu absolvierenden Mission beweist der Titel große
» Heiße Luftduelle stehen hier an der Tagesordnung. |
Stärken. So lädt Kommandant
Rasby zu einer komplett deutsch lokalisierten, durchwegs sehr informativen und gut inszenierten Einsatzbesprechung ein, um die wichtigsten Ziele genau zu erläutern. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich vor dem Abheben den eigenen Bedürfnissen anpassen - ein großer Vorteil, da sich sowohl erfahrene als auch weniger betuchte Spielernaturen rasch einfinden. Nach dem Start in eine der zahlreichen Missionen - die sich allerdings erst nacheinander freischalten lassen - setzt sich der Spieler mit Bomben, Raketen und Maschinengewehr für gewöhnlich mit drei weiteren Teammitgliedern gegen die gegnerischen Fliegerscharen zur Wehr. Die in der Missionsbesprechung angepeilten Ziele präsentieren sich vielfältig, zu jeder Zeit lösbar und lassen im Zuge des jeweiligen Einsatzes
kaum Langeweile aufkommen. Demnach gilt es z.B. in einer der Aufklärungsflüge gegnerische Stationen auszukundschaften, diese dann zu fotografieren und die angefertigten Bilder dem Vorgesetzten für weitere Kriegsaktivitäten auszuhändigen.
Dies ist jedoch nur eine der wenigen Ausnahmen, denn in den meisten Fällen geht es mit durchschlagender Waffenkraft zu Werke. Der eigene Flieger, der je nach Missionsart fest vorbestimmt ist, kann dabei frei nach Wunsch sowohl aus der
Ego- als auch Third-Person-Perspektive manövriert werden. Darüber hinaus lässt sich eine detaillierte Umgebungskarte einblenden, die nicht nur feindliche Flug- und Fahrzeuge mit einer markanten Farbe erkenntlich macht, sondern auch in gewissen Suchmissionen die ungefähre Region eines bisher nicht georteten Ziels hilfreich verdeutlicht. Zu den gegebenen Pflichtmissionen, die den Spieler auch an manchen Orten an fest installierte Schützenposten operieren lassen, gesellen sich obendrein
haufenweise Bonusmissionen. Auf freiwilliger Basis und völlig unabhängig von der gegebenen Stage können dort neue Boni wie Waffen, Schilde oder Schnelligkeit ergattert werden, die wiederum im herkömmlichen Spielverlauf eingesetzt werden können und dadurch einen großen Teil zur Auflockerung des
streckenweise linearen Spielverlaufs beitragen.
Fliegerischer Glanz mit einigen Tücken Obwohl sich die Entwickler in punkto Kampagnenmodus beachtlich ins Zeug gelegt haben und das Durchspielen der insgesamt dreizehn Missionen mit allen Zusätzen etwa
» Ballonaction mal anders. |
neun Stunden Spielzeit benötigt, kann der übrig gebliebene Rest leider nicht ganz überzeugen. Im Modus "Schnelle Action" können die vielen errungenen Flugzeuge aus der Kampagne zwar ausgiebig getestet und bei Bedarf auch unzählige Flugkämpfe gegen computergesteuerte ausgeübt werden, angesichts der wenigen Spielvariationen verliert dieser Modus allerdings schnell an Attraktivität. Ebenfalls fraglich ist die Tatsache, dass die Entwickler überhaupt
keinen Wert auf einen Xbox Live-Support gelegt haben. Vor allem heiße Online-Gefechte innerhalb brennender Luft hätten nach dem erfolgreichen Absolvieren der Kampagne nicht nur den Spielspaß sondern auch die Motivation bei beherzten Spielernaturen definitiv weiterhin aufrecht erhalten.
Grafik Zwar kommt der Titel zu keinem Zeitpunkt an die optische Finesse von
Crimson Skies: High Road To Revenge heran, dennoch präsentiert sich die Grafik durch die große Weitsicht, die detaillierten Flugzeugmodelle und die farbenprächtigen Landschaften im Gesamten recht zufriedenstellend. Erstaunlich gut inszeniert sind dabei die dynamischen Wettereffekte, die einem z.B. die kalten Schneeflocken buchstäblich um die Ohren wehen lassen. Nicht minder niveauvoll sind die hübschen Lens-Flare-Effekte, die einen prächtigen Eindruck zwischen den Wolken vermitteln und das Gemüt des Grafik-Ästheten sehr wohl froh stimmen.
Sound Die mit Abstand größte Stärke im Soundbereich ist die hervorragend umgesetzte deutsche Sprachausgabe, die sowohl bei der Missionsvorbereitung als auch in den hitzigen Gefechten via Funkverkehr jederzeit allerfeinst aus den Boxen ertönt. Ebenfalls sehr viel Arbeit bzw. Zeit haben die Entwickler in den Soundtrack investiert, der über viele verschiedene Tracks im stimmigen und zeitgemäßen Orchestra-Stil verfügt. Auch die Soundeffekte können sich durch den permanent variantenreichen und authentischen Charakter hören lassen - daher Boxen an und hinein in den Flieger.
Spielspaß Solo Eines geht von
Wings of War in hohem Grade aus: Die Atmosphäre auf die der Spieler im Laufe der Kampagne zu Genüge trifft. Hat dieser kaum die erste Mission in diesem permanent fordernden Kriegsszenario erfolgreich gemeistert, greift der dichte Bann zu und vermag bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Um einiges unspektakulärer präsentiert sich hingegen der Rest für alle agierenden Solisten, der im Übrigen eine vollwertige Xbox Live-Unterstützung schmerzlich vermissen lässt. Dennoch vergehen durch das gegenwärtige Angebot an verschiedenartigen Missionen, verfügbaren Flugzeugen und speziellen Boni viele Stunden geballter Spannung, bis sich dann zu guter letzt völlig unvermittelt einiges an Ernüchterung breit macht. Denn sobald der Spieler die Kampagne erfolgreich durchgespielt hat, besitzt der Titel kaum nennenswerten Wiederspielwert.
Spielspaß Multi Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.