Mit eiserner Faust verteidigt Namco den Titel des Königs der PS2-Beat'em-Ups.Die Tekken-Serie ist der Fels in der Brandung der Beat'em-Ups auf Sonys Konsolen. Seit mittlerweile zehn Jahren genießt
Namcos Tekken, neben Spielen wie
Virtua Fighter,
Dead Or Alive und sogar dem altehrwürdigen
Street Fighter II, Kultstatus. Mitte der 90er Jahre sorgte die neuartige 3D-Grafik auf der PlayStation für Entzücken. Die Qualität der Spielhalle hielt Einzug in die Wohnzimmer der Konsolenbesitzer und obwohl Grundrezept und Gameplay nahezu unverändert blieben, haben die Entwickler den Puls der Zeit meist gut getroffen. Mit
Tekken 5 begeht die Serie nun das 10-jährige Jubliäum und will mit üppigem Zusatzmaterial "das beste Beat'em-Up" für die PS2 sein. Ob dieses hochgesteckte Ziel erreicht wurde, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
King of Iron Fist Die PS2 startet das Spiel, das gewohnte Startlogo erscheint, gleich gefolgt vom
Namco-Logo und schon befindet sich der Spieler in einem klassischen Spielhallen-Shooter, In dem Raumschiffe en masse aus dem Universum zu putzen sind.
» Illustre Charaktere bevölkern Tekken 5. |
Moment! Auf der Disc stand eindeutig
Tekken 5?! Ein genialer Gag, den sich
Namco von den Vorfilmen im Kino abgeschaut haben dürfte, leitet das fulminante Render-Intro von
Tekken 5 (alias
King of Iron Fist Turnier) ein. Dem - durch Weltallkampf bereits Adrenalin geladenen - Spieler bietet sich gleich ein
üppiges Hauptmenü. Neben den obligatorischen Modi
Story Battle,
Arcade Battle,
Time Attack und
Versus stehen auch
Team Battle,
Survival und
Practice zur Auswahl. Beim Story-Modus darf einer der zahlreichen Charaktere ausgesucht und über neun Kämpfe hinweg (inklusive unmenschlich fiesem Endgegner) dessen Hintergrundgeschichte in kurzen animierten Bildfolgen erforscht werden. Als Belohnung winkt darüber hinaus eine
phantastische Cut-Scene. Im Gegensatz dazu bietet der Arcade-Modus Spielspaß pur in bester Spielhallen-Manier. Bei Time-Attack sollen Gegner so schnell wie möglich aufgemischt und im Versus-Modus darf gegen einander angetreten werden. Der
Team-Battle bietet eine interessante Mischung: Es dürfen bis zu acht Charaktere gewählt werden, die für das eigene Team antreten. Während man im Einzelkampf gegen die zufällig ermittelten Gegner in die Arenen zieht, wird die Lebensenergie zwischen den Kämpfen aber nicht wieder aufgeladen. Ist ein eigener Spieler erledigt, so muss man mit dem nächsten fortsetzten. Bei Survival sollen schließlich möglichst viele Gegner in einem Zug erledigt werden. Practice dient der Verfeinerung der eigenen Kampfkünste.
Tekken to the Arcade Völlig neu ist das arcade-lastige
Devil Within, ein kleines recht monotones Actionspiel, in dem es raue Mengen von Gegnern aufzumischen gilt. Nebenbei werden in diesem Spielabschnitt auch wichtige Details und Hintergrundinformationen
zur Tekken-Reihe enthüllt. Spielerisch kehrt man nach dem von Kritikern und Spielern unisono verrissenen Vorgänger
Tekken 4 wieder zu
altbewährter Kost zurück. Innovationen sucht man in
Tekken 5 eher vergeblich - was dem Prügelspaß aber wenig Abbruch tut: Warum etwas reparieren, das nicht kaputt ist? Die Steuerung ist gut umgesetzt und mit jeweils Links/Rechts-Schlägen und -Tritten sowie dem digitalen Steuerkreuz bietet das Spiel mehr als genug Möglichkeiten zum Austoben. Die irrsinnigsten
10-Button- Combos gelingen auch mit dem Gamepad, aber richtig zu zaubern beginnt man erst mit einem (separat erhältlichen) Arcade-Joystick. Enttäuschend fallen die als "interaktiv" gepriesenen Arenen aus. Sie sind wunderschön anzusehen, bieten aber inhaltlich kaum Unterstützung im Kampfgeschehen. Während die Locations bei
Dead or Alive Ultimate durch interaktive Handlungsmöglichkeiten (Stürze, Würfe-gegen-die-Wand, zerbrechliche Objekte und Spezialattacken) glänzen, wirken die Schauplätze in
Tekken 5 fast steril. Ein weiterer großer Nachteil ist das Fehlen der Tag Teams, die es bereits in
Tekken Tag Tournament gab. Somit dürfen nur
maximal zwei Spieler gleichzeitig antreten. Auch Online-Fans müssen sich wohl auf die nächste Version vertrösten, denn es ist leider
kein Online-Modus vorhanden.
Massig Inhalt und jede Menge Extras Namco hat sich nicht lumpen lassen und spendiert die klassischen Arcade-Versionen der
drei vollwertigen Titeln Tekken,
Tekken 2 und
Tekken 3 als Extras. Die Spiele sind zwar für heutige Verhältnisse grafisch bescheiden,
» Die Terrasse ist endgültig hinüber. |
zeigen aber sehr schön die Entwicklung des Beat'em-Ups. Erstmals darf man auch das Systemmenü der Prügler manipulieren, was für penible Arcade-Fans wohl den Himmel auf Erden darstellt.
Namco selbst garantiert, dass die Spiele zu 98% den Spielhallen-Originalen entsprechen. Der
Umfang ist erstklassig und es gibt in
Tekken 5 darüber hinaus unzählige freispielbare Charaktere, Cut-Scenes und Arenen. Besonders positiv fallen auch die
zahlreichen Optionen die direkt aus dem Spiel heraus (Stichwort Schwierigkeitsgrad) manipulierbar sind. Es gibt auch eine Art Händlersystem im Spiel: Hart erkämpfte Goldstücke dürfen gegen Accessoirs und neue Kostüme eingetauscht werden, was wiederum das Freispielen von speziellen Inhalten wie Cut-Scenes etc. ermöglicht.
Kampftechnik in Hi-Fi Mit
Tekken 5 holt
Namco aus der PlayStation
ungeahnte Performance heraus. Schnörkellose Charaktermodelle bekämpfen sich völlig ruckelfrei in wunderschönen Arenen. Auch das zum Markenzeichen gewordenen Kantenflimmern
ist völlig verschwunden. Das Auge wird also in allen Belangen verwöhnt. Angefangen bei den atemberaubenden Cut-Scenes über die exzellent inszenierten Kämpfe bis hin zu den vorhandenen
60Hz- und Widescreen-Modi -
Tekken 5 stellt den Referenztitel in Sachen Präsentation und Technik dar. Umso unverständlicher, dass beim Soundtrack teils lieblose Arrangements und schlicht langweile Songs vorkommen. Auch die Erfindung des Surround-Sounds dürfte sich nicht bis zu den Entwicklern durchgesprochen haben, denn neben Mono und Stereo gibt es keine zusätzliche Option. Trotz der Kritik an der Audio-Umsetzung muss den
Namco-Entwicklern zu einem der technisch
brilliantesten PS2-Titel gratuliert werden.
Tekken 5 beansprucht zu Recht den Beat'em-Up Grafik-Thron.