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Another Code: Two Memories  
» Autor: Sacha Galgon
» Datum: 16.07.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Schönes Adventure, welches wunderbar die Fähigkeiten des DS nutzt, aber leider viel zu schnell vorbei ist.

Während bekannte Serienumsetzungen Gang und Gäbe sind, werden neue Spielereihen nur selten auf Handhelds geboren. Another Code: Doppelte Erinnerung ist jedoch so ein Titel, der eine noch jungfräuliche Geschichte mitbringt und gleichzeitig dem Nintendo DS ein Genre liefert, welches dort bislang noch nicht zu finden war – das Point&Click Adventure. Doch nicht nur das Genre ist für Nintendos Handheld neu, auch die Art und Weise, wie das Spiel die diversen Funktionen des DS nutzt, gab es vorher noch nicht. Was Another Code sonst noch alles bietet, erläutert euch unser Master-Review.

Der vermisste Vater
Der vielleicht wichtigste Punkt eines jeden Adventures ist die Story: In Another Code verkörpert ihr ein junges Mädchen namens Ashley, welches sich auf die Suche nach ihrem totgeglaubten Vater macht. In einem rätselhaften Brief fordert dieser
» Die junge Ashley ist die Heldin des Spiels.
seine Tochter auf, ihn auf der Blood Edward Insel zu treffen. Da unsere Hauptdarstellerin – welche optisch dem nächstbesten Anime entsprungen sein könnte – ihren Vater schon seit 10 Jahren für tot hielt, ist die Neugierde natürlich groß. So begibt sich das Mädchen in ein Abenteuer, das nicht nur in eine ungewisse Zukunft führt, sondern sie auch an längst vergessene Orte und Geschehnisse ihrer Vergangenheit erinnert. Wie der Titel des Spieles schon vermuten lässt, spielen Erinnerungen in Another Code eine große Rolle. Die Story besticht vor allem dadurch, dass man bis zum Ende nie wirklich weiß, was denn nun wahr und was falsch sein soll. Anfangs sehr mysteriös, glaubt man später das Gewirr der Geschichte ein wenig entwirrt zu haben, um dann doch wieder eine große Wende zu erleben und alles anzuzweifeln. Somit ist der Plot ganz klar eine große Stärke des Titels. Man wird stark in die Handlung miteinbezogen und will ständig weiterspielen, um endlich zu wissen, wie sich die Geschichte fortsetzt. Selten war man, vor allem bei Handheldspielen, so sehr durch die Story gefesselt.

Wer sucht, der findet!
Gameplaytechnisch gibt es, wie bereits erwähnt, viele Neuheiten im Umgang mit dem DS. Das fängt bereits mit den beiden Screens an: Der untere dient zur Steuerung der Figur, dem Untersuchen der Umgebung und Ausführen diverser
» In Bildern wie diesem gilt es, Details zu untersuchen.
Aktionen, während der obere das Sichtfeld von Ashley wiedergibt. Auf dem Touchscreen seht ihr die Umgebung sowie die Hauptdarstellerin aus der Vogelperspektive – ihr könnt sie nun wahlweise mit dem Digikreuz oder dem Stylus durch die Landschaft wandern lassen. Auf dem oberen Bildschirm wird dabei zum Beispiel beim Betreten eines Raumes eben dieser als Renderbild dargestellt. Steuert ihr Ashley nun an eine bestimmte Stelle des Raumes, zum Beispiel ein Regal oder ein Fenster, wechselt der obere Screen auf diese Stelle und zeigt eine detaillierte Ansicht. Erscheint auf dem Touchscreen ein Lupensymbol, müsst ihr dieses anklicken, um das obere Bild auf den unteren Screen zu projizieren. Nun könnt ihr dort das Bild wie bei PC-Adventures nach Details und Gegenständen absuchen, der Stylus dient dabei als Maus-Ersatz. Alle Objekte, die man sieht, lassen sich anklicken und untersuchen. Findet man im Bild ein nutzbares oder wichtiges Objekt, wechselt das Bild erneut zu vergrösserten Ansicht des Gegenstandes.

Stempeln, Staub wegpusten und puzzeln
Ist dieses Objekt nun beispielsweise eine Kiste, könnt ihr diese durch Klicken mit dem Stylus öffnen und einen Blick auf den Inhalt werfen. Wichtiges wird natürlich aufgenommen und im Inventar verstaut, um es später bei Bedarf zu benutzen. Das
» Die Vogelperspektive ist sehr übersichtlich.
ist oft nötig, um die diversen Rätsel des Spieles lösen zu können. Und eben beim Bewältigen dieser Aufgaben stellt Another Code den Spieler vor völlig neue, innovative Lösungswege. Während pusten ins Mikrofon, um eine Steintafel zu entstauben, den geneigten DS-Spieler mittlerweile nicht mehr vom Hocker haut, muss man beim Stempeln erstmal auf die Lösung kommen: Auf dem oberen Screen hat man einen Stempel, auf dem unteren einen halbfertigen Holzschnitt. Wie stempelt man diesen nun zu Ende? Ganz einfach: man klappt den DS zusammen und wartet ein paar Sekunden. Bei einem anderen Rätsel muss man den Handheld nur halb zusammenklappen, so dass sich das obere Bild im unteren spiegelt und man so eine geheime Nachricht entziffern kann. Ein anderes Beispiel ist ein Notizblock, auf dem man ganz klar sieht, dass vorher jemand etwas draufgeschrieben hat. Um herauszufinden, was derjenige verfasst hat, greift man zu einem Bleistift in der Nähe, um dann auf dem Touchscreen mit dem Stylus über den Block zu malen, bis die durchgedrückte Schrift erkennbar ist.
Ashley hat zudem die Möglichkeit, jederzeit von Gegenständen oder bestimmten Stellen Fotos schießen. So kann man beispielsweise in der Detailsicht ein Gemälde an der Wand fotografieren und abspeichern. Das Besondere ist hier die Möglichkeit, das Bild aufzurufen und in den oberen Screen zu schieben, während man unten ein anderes Foto anzeigen lässt. Jetzt kann man beide Bilder übereinander legen lassen - transparent und drehbar – um so Muster oder versteckte Dinge wie Codes zu erkennen.

In der Kürze liegt die Würze?
Die Rätsel in Another Code sind nicht unbedingt schwer, erfordern aber öfters ein wenig Grips. Auch muss man sich der technischen Finessen des Nintendo DS
» Welches Geheimnis birgt das Haus?
bewusst sein und immer wieder überlegen, ob nicht ein Feature des Handhelds zur Lösung benötigt wird. Vor allem sind die Herausforderungen aber jederzeit nachvollziehbar und logisch, was dem Gameplay sehr gut tut. Leider hat das Spiel aber einen sehr großen Negativpunkt: ein ungeübter Spieler sieht nach knappen sechs Stunden den Abspann, ein Adventure-Profi kann locker in vier Stunden durch sein. Angesichts der sehr spannenden Story und des tollen Gameplays rollt einem beim Abspann fast schon eine Träne die Wange herunter, weil man einfach nicht möchte, dass es bereits zu Ende ist. Das Spiel zeigt ganz klar das enorme Potenzial dieses Genres auf dem DS. Mit der doppelten oder gar dreifachen Länge wäre Another Code das Handheld-Adventure schlechthin gewesen, an dem sich zukünftige Titel erst messen müssten.
Technisch gibt es allerdings nichts zu beanstanden: Der obere Screen mit dem Blickfeld der guten Ashley zeigt sehr detaillierte Umgebungen, die Grafik in der Draufsicht im Touchscreen ist mehr als in Ordnung. Das weiche stufenlose Scrolling beim Laufen sowie sowie das Heranzommen durch verschiedene Zoomstufen wenn man etwas untersucht, sind wunderbar gelungen. Die comicartigen Einblendungen der Handlung und der Charaktere passen prächtig zum Charme des Spiels. Auch der Sound ist sehr gut gelungen, die Melodien erklingen sauber und klar aus den Lautsprechern, ruhige Stücke und Situationseffekte unterstützen das Abenteuer einwandfrei.
Pro
Innovatives Gameplay
Sehr spannende Story
Gute Technik
Ausnutzung der DS-Features
Contra
Viel zu kurz
Fazit
Vom Gameplay her ist Another Code unerreicht. Wäre dies das einzige Bewertungskriterium, hätte das Game locker die 90er-Grenze geknackt: die innovativen Ideen und die spannende Story machen das Spiel einzigartig, Aufgaben, Abhängigkeiten und Rätsel fesseln bis zum Ende. Gelungene Grafik und Soundeffekte unterstützen das Gameplay und machen aus Another Code spielerisch einen Hit. Die Kürze des Spiels ist trotzdem sehr zu bemängeln: 40 Euro für ein Spiel, welches man in 4 Stunden beenden kann, sind nur schwer zu rechtfertigen. Zwar muss jeder für sich selbst wissen, ob die Spielzeit für ihn entscheidend ist, objektiv betrachtet ist der Titel aber auf jeden Fall viel zu kurz. Wer sich darum nicht schert, bekommt ein wunderbares Adventure, welches man so noch nie gesehen hat. Einen zweiten Anlauf ist das Spiel allemal wert.