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God of War  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 07.07.2005
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Prachtvolles Metzel-Abenteuer im alten Griechenland, das sich kein Actionfan entgehen lassen sollte.

Nachdem alle Zocker in Übersee bereits vor einigen Monaten mit Berserker Kratos in den Kampf gegen Kriegsgott Ares ziehen durften, beschert Sony den Europäern nun ihre eigene PAL-Version von God of War. Deutsche Spieler schauen allerdings in die Röhre. Aufgrund der in Deutschland geltenden Jugendschutzbestimmungen verzichtete Sony auf einen Release. Wer dennoch in den Genuss des Titels kommen will, muss wohl oder übel zu einem Import greifen, was aufgrund gut sortierter Fachgeschäfte aber kein größeres Problem darstellen sollte. Ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt ihr wie immer in unserem Master-Review.

Fulminanter Auftakt
Das Abenteuer beginnt auf hoher See an Bord eines antiken griechischen Schiffes. Ein Sturm tobt und untote Peiniger machen sich an Deck des Holzungetüms über die Mannschaft her. Das Spiel fackelt
» Mann gegen Monster.
nicht lange und wirft den Spieler sofort in die Action. Auf dem wackeligen Holzboden muss man sich als Held Kratos gegen mehrere Feinde zur Wehr setzen. Die vorbildliche, intuitive Bedienung wird dabei durch kurze Texteinblendungen erklärt. Mit Hilfe von Buttonkombinationen können Kombos und Spezialattacken mit Kratos' Kettenschwertern ausgeführt werden. Getötete Feinde hinterlassen blaue, grüne und/oder rote Energiekugeln, die entweder Mana, Lebensenergie oder das Konto des Spielers füllen. Von letzterem dürfen gefundene Zaubersprüche sowie die beiden im Spiel vorhandenen Waffen aufgerüstet werden, was neue, stärkere Spezialattacken frei schaltet. Wenige Schritte später attackiert ein riesiger Schlangenkopf unseren Helden. In der daraus resultierenden Auseinandersetzung kommt ein weiteres Feature der gelungenen Kämpfe ans Tageslicht: Hat man einen hartnäckigeren Feind ausreichend aus der Reserve gelockt, erscheint über diesem ein Symbol für die Kreis-Taste. Drückt man den entsprechenden Button während man sich neben dem Gegner befindet, setzt Kratos zu einer spektakulären, meist tödlichen Attacke an. Oft ist das anschließende Gelingen solcher Manöver vom rechtzeitigen Drücken eingeblendeter Tastenkombinationen abhängig, was vor allem Freunde schneller Geschicklichkeitsprüfungen ansprechen dürfte.

Schönes Griechenland
Um solchen Spezialmanövern einen optischen Reiz zu verpassen wurden diese mit bombastischen Animationen und Kamerafahrten versehen. Der besagte Hydrakopf wird beispielsweise
» Die Grafik ist bombastisch.
zunächst gegen die Schiffsinnenwände geschleudert, bevor er beim finalen Schlag unter herbem Blutverlust ein Auge verliert. Angesichts solch genialer Animationsphasen fällt es schwer, sich auf die zu drückenden Buttons zu konzentrieren. Doch nicht nur solche Aktionen, sondern das gesamte Spiel ist eine einzige Augenweide. Was die Entwickler hier aus der betagten Playstation 2 herausholen ist wirklich beeindruckend und erinnert eher an High-End-Spiele des Gamecubes oder der Xbox. Extrem weitläufige, abwechslungsreiche Areale von tiefen Schluchten über riesige Tempel bis hin zu verstaubten Wüsten bestechen durch satte Farben und etliche Details. Die zahlreichen, optisch durch die griechische Mythologie beeinflussten, Figuren bewegen sich dank toller Animationen glaubwürdig durch diese Gegenden, während brachiale Special-Effects den Kämpfen eine epische Kraft verleihen. Filmreife Kamerapositionen, derbe Bluteffekte und dezent eingestreute Slow-Motion-Effekte geben der Optik den finalen Schliff. Untermalt wird das ganze durch eine pompöse Soundkulisse, die direkt aus einem monumentalen Hollywood-Film zu stammen scheint. Neben kurzen Ladezeiten fällt zudem der absolut ruckelfreie Spielablauf positiv auf. Lediglich hin und wieder auftretendes Tearing (horizontale Bildverschiebungen bei schnellen Drehungen) trübt den überragenden Gesamteindruck im Technikbereich ein wenig.

God of Jump
Wer glaubt, in God of War wird nur gegen zahlreiche verschiedene Gegnertypen gemetzelt was das Zeug hält, der irrt sich. Das Spiel bietet neben den Kämpfen massig Rätsel-, Sprung-,
» Kratos setzt zum Schlag an.
Schwimm- und Klettereinlagen. In erste Kategorie fallen vor allem Schiebepuzzles, in denen Kisten richtig angeordnet werden wollen, während beim Klettern auch der kämpferische Aspekt nicht zu kurz kommt. Feinde können beim Hageln an Felswänden oder Seilen nicht nur durch Schläge und Tritte abgewehrt, sondern auch gepackt und in die Tiefe gestürzt werden. Allerdings versuchen die Gegner die gleiche Taktik, so dass sie durch schnelles Hin- und Herbewegen des Analogsticks abgeschüttelt werden müssen. Dieses Element schafft nicht nur Abwechslung, sondern sorgt für zusätzliche Dramatik in den spaßigen, dezent eingestreuten Klettereinlagen. Auch kleinere Jump’n’Run-Abschnitte lockern das Geschehen angenehm auf, ohne dem Spieler all zu viel abzuverlangen. Frust wird im gesamten Programm ohnehin durch extrem fair verteilte Checkpoints verhindert. Wem das Game auf dem normalen Schwierigkeitsgrad dennoch zu schwer ist, darf diesen herunterschrauben. Alternativ kann man auf einem höheren Skilllevel starten, um auch als Profi gefordert zu werden.

Kurzes Abenteuer, massig Boni
Das eigentliche Highlight des Spiels sind jedoch die überragend inszenierten Bosskämpfe. Leider gibt es von diesen gerade einmal drei Stück im gesamten Verlauf, was viel zu wenig ist.
» Pralle Effekte.
Einerseits wünscht man sich aufgrund der genialen Umsetzung einfach mehr von diesen Kämpfen, andererseits hätten diese einen angenehmen Action-Gegenpol zum buttonsmash-lastigen Massenmetzeln der Standardgegner gesorgt. Auch wäre die Spielzeit durch weitere dieser Fights verlängert worden. Für den ersten Durchgang benötigt man in etwa zehn Stunden, womit auch God of War dem seit langem anhaltenden Trend zum eher kurzen Spielvergnügen folgt. Allerdings wird diese Tatsache hervorragend durch zusätzliche Herausforderungen in Form kurzer Missionen, massig Bonusmaterial sowie höherer Schwierigkeitsgrade kompensiert. Vor allem der Gott-Modus dürfte viele Spieler zum Nochmalspielen bewegen. Obwohl der Titel offiziell nicht in Deutschland erscheinen wird, ist die PAL-Version multilingual und bietet somit unter anderem eine gelungene deutsche Spracheinstellung, die sich sowohl auf die Texte, als auch die Dialoge im Game auswirkt. Die spannende Geschichte rund um den gefallenen Helden Kratos und seinem Weg zur Erlösung wird in schicken Zwischensequenzen fortgesponnen, die dank einer gelungenen Inszenierung fast schon epische Bilder auf den Fernseher zaubern. Dank der geschickten Storyerzählung, die vor allem durch ihre vielen Rückblenden stets spannend bleibt, erhöht sich die ohnehin schon starke Motivation, den Titel weiter zu zocken.
Pro
Top Technik
Geniale Bossfights
Eingängige Bedienung
Faire Checkpoints
Umfassendes Bonusmaterial
Abwechslungsreiches Gameplay
Aufrüstbare Waffen und Zauber
Contra
Zu wenige Bosskämpfe
Nur zwei Waffen
Gelegentliches Grafik-Tearing
Fazit
Genial, was hier auf dem Fernseher abgeht! Die Grafik stellt so ziemlich jedes andere Playstation 2-Spiel in den Schatten und lässt es vor allem bei den spektakulären Bossfights so richtig krachen. Mit God of War kauft ihr ein schnelles, abwechslungsreiches, technisch brillantes Action-Adventure, das in keiner Sammlung fehlen sollte. Sony beweist, dass man für eine tolles Game keine neuen Ideen, sondern lediglich die gelungene Verknüpfung bekannter Spielprinzipe braucht. Viel Onimusha 3 hier, einige Anleihen im Jump’n’Run-Genre da, plus Rätseleinlagen in einer bombastischen Technikhülle verpackt, fertig ist der schmackhafte Action-Cocktail. Obwohl der Titel beim ersten Durchgang nur rund zehn Stunden in Anspruch nimmt, sorgen God-Mode, Herausforderungen und massig Bonusvideos für einen deutlichen Mehrwert des Programms. Anzukreiden gibt es lediglich die sehr geringe Anzahl an Bossgegnern. Gerade hier setzt sich der Titel angenehm von der Konkurrenz ab und bietet unvergessliche Momente. Schade, dass man diese Stärke nicht weiter ausgebaut hat. Auch die eine oder andere zusätzliche Waffe hätte für mehr Abwechslung in den für meinen Geschmack etwas zu buttonsmash-intensiven Fights gesorgt. Doch diese kleinen Schönheitsfehler sind kaum etwas im Vergleich zu dem tollen Gesamtbild des Titels und so sollte God of War in keiner gut sortierten Sammlung fehlen. Unbedingt zocken!