Capcoms Neudefinition des Survival Horror-Genres brilliert auch auf der PS2 und bietet exklusive Inhalte.Resident Evil 4 sorgte bereits im Frühjahr auf dem Gamecube für große Verzückung in der Gamergemeinde. Die japanischen Entwickler wollten sich nicht lumpen lassen und kündigten für die PS2-Version das gleiche Grafikspektakel und sogar noch neue Inhalte an. Ob
Resident Evil 4 die Konkurrenz auch auf der PS2 mit sensationeller Grafik-Power alt aussehen lässt, klärt unser Master-Review.
3D-Grafik. Atmosphäre. Feuerwerk. Seit den ersten veröffentlichten Trailern war
Resident Evil 4 in aller Munde. Die in
echtem 16:9-Modus präsentierte Grafik sieht
phänomenal gut aus. Capcom hat die Formel des Survival Horror-Genres zumindest grafisch radikal neu definiert.
» Nahkampf einmal anders: Nur nicht den Kopf verlieren. |
Die typischen Kameraperspektiven und gerenderten Hintergründe sind einer in Echtzeit berechneten, völlig frei bewegbaren 3D-Umgebung gewichen, die einfach nur
WOW aussieht. Hat man die Kinnlade wieder hochgeklappt (was durchaus Minuten dauern kann), geht die Grafikorgie aber immer weiter. Allen voran stehen die exzellenten Feuereffekte: offene Flammen, Fackeln und Lavaströme sehen 100% realistisch aus - komplett bis hin zur optischen Verzerrung durch aufsteigende heiße Luft.
Die ganz große Neuheit stellt die Kamera dar, welche Leon Kennedy rechts über die Schulter schaut. Obwohl völlig frei beweglich, leidet hie und da die Übersicht, da sie etwas zu actionlastig - sprich zu nahe - positioniert wurde. Mittels R-Stick kann aber der Blickwinkel verändert werden, sodass sich kaum Übersichtsprobleme einstellen. Hinzu kommen gute Licht- und Schatteneffekte, die von Nebel und Wasser sogar noch übertroffen werden. Die Texturen sehen gut aus und man muss schon mit der Lupe nach Unschärfe suchen. Das Beste an der Sache: die Grafik läuft trotz grenzgenialem Weitblick mit
völlig flüssiger Framerate. Selbst wenn 20+ Gegner im Bild sind, kommt die PS2 nicht ins Schwitzen.
Auch der Soundtrack gibt sich keine Blöße: Die Musik ist stimmungsvoll, erreicht jedoch nicht ganz die tolle Atmosphäre von Teil 1 oder 2. Dafür haben die Sounddesigner aus dem Vollen geschöpft: Surround-Besitzer kommen in den Genuss von feinstem Raumklang. Die Geräuschkulisse beeindruckt: Unzählige Kampf- und Umgebungsgeräusche, Sprachausgabe sowie
Resident Evil-typische Soundeffekte sorgen für beste Laune.
Killing with my gun - so much fun Auch in der vierten Runde spendiert euch
Capcom eine coole Auswahl an Waffen (inklusive
neuer Laser Gun für Sonys Konsole). Während ihr zu Beginn nur über eine Standard-Pistole verfügt,
sind im Spiel viele
freischaltbare Waffen (Shotgun, MP, 45er bis hin zum Raketenwerfer) versteckt, die für mehr Durchsetzungvermögen sorgen. Noch komfortabler: Beim neu hinzugekommen Händler können Waffen erstanden und aufgerüstet werden. Hier offenbart sich auch das neue Konzept hinter
RE4 am deutlichsten: Ausgeschaltete Gegner hinterlassen entweder Munition oder Geld. Da Ersteres beim Händler (leider) nicht gekauft werden kann, motiviert euch das Spiel zum fleißigen Head-Hunting. Die Kopfgeldjagd ist hierbei wörtlich zu verstehen, denn die Angreifer verfügen über
zahlreiche Trefferzonen.
Während man einige mit gezielten Kopfschüssen (ja,
RE4 ist KEIN Kinderspiel) sofort ausschalten kann, bieten sich auch taktische Überlegungen an. Steht ein Gegner etwa nahe einem Abgrund, stürzt man ihn am besten mit einem Knieschuss in die Tiefe - und spart wertvolle Munition. Neu ist auch, dass
Waffen aufgelevelt werden können. Äußerst praktischer Nebeneffekt: die gleiche Munition richtet mehr Schaden an. Neben der Feuerkraft kann auch die Schuss- und Nachladegeschwindigkeit sowie die Magazinkapazität verbessert werden. Die Entwickler haben auch etwas
taktische Raffinesse per Sniper-Passagen ins Spielgeschehen einfließen zu lassen.
Das umfangreichste Resident Evil Neben den sechs umfangreichen Kapiteln bietet die PS2-Version einen
exklusiven neuen Abschnitt, in dem man in die Rolle der mysteriösen
Ada Wong schlüpft. Dies macht
Resident Evil 4 zum längsten Spiel der erfolgreichen Serie.
Mit
gut 20 Stunden und verschiedenen Schwierigkeitsgraden ist für lange Daueraction gesorgt. Die Story verfügt über die klassischen
RE-Zutaten wie beklemmende Atmosphäre und Schockeffekte, kommt aber nicht an das Meisterwerk des zweiten Teils heran. Es sind einfach zu viele Klischees eingebaut worden, die nur bedingt originelle Stimmung aufkommen lassen (Tochter des Präsidenten retten, gab's schon mal wo). Das Gameplay orientiert sich stärker am actionlastigeren Vorgänger
Resident Evil 3. Genretypisch fallen die
sehr leichten Rätsel auf, die sich auf das Finden von Gegenständen und kleine Kombinationsaufgaben beschränken.
RE4 beginnt als reinrassiger Actiontitel, kehrt aber behutsam nach und nach zu den
Survival-Horror-Wurzeln zurück. Als äußerst zweischneidiges Schwert haben sich die
Dodge-Passagen herausgestellt: an gewissen Stellen muss innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Tastenkombination gedrückt werden, sonst ereilt euch ein frühzeitiger Tod. Dieses
Trial and Error gab auf dem Gamecube etwas Grund zur Kritik und stört dank besserer Tastenanordnung auf dem PS2-Controller weniger.
Survivors will be shot again Die actionlastige Ausrichtung des Spiels steigert den Wiederspielwert deutlich. Wer eine Partie
RE4 beendet, darf sich nämlich über zwei Boni freuen (zumindest in der unzensierten Version).
» Korridor des Schreckens. |
Die Mini-Spiele
Assignment Ada und
Mercenaries sorgen dank hochgerüsteter Waffen und speziellen Missionen für kurzweiliges Spielvergnügen. Beim Händler kann man die Geschicklichkeit im Umgang mit Waffen auf der Shooting Range beweisen. Als Belohnung winken kleine lustige Goodies. Praktisch: Hat man das Spiel erfolgreich beendet, darf gespeichert werden und das Inventar sowie neue Waffen und Kostüme stehen gleich für den nächsten Durchgang bereit. Capcoms Actionspektakel verfügt über erfreulich hohen Replay Value und das Spielgeschehen verliert bei wiederholtem Durchspielen kaum an Reiz. Einzig die Boss Fights hätten mehr Pepp vertragen. Bis auf die letzten beiden kommt man überall fast ohne Taktik zum Ziel.