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Master-Review:   » drucken    » versenden

Resident Evil 4

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 06.11.2005
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Capcoms Neudefinition des Survival Horror-Genres brilliert auch auf der PS2 und bietet exklusive Inhalte.

Resident Evil 4 sorgte bereits im Frühjahr auf dem Gamecube für große Verzückung in der Gamergemeinde. Die japanischen Entwickler wollten sich nicht lumpen lassen und kündigten für die PS2-Version das gleiche Grafikspektakel und sogar noch neue Inhalte an. Ob Resident Evil 4 die Konkurrenz auch auf der PS2 mit sensationeller Grafik-Power alt aussehen lässt, klärt unser Master-Review.

3D-Grafik. Atmosphäre. Feuerwerk.
Seit den ersten veröffentlichten Trailern war Resident Evil 4 in aller Munde. Die in echtem 16:9-Modus präsentierte Grafik sieht phänomenal gut aus. Capcom hat die Formel des Survival Horror-Genres zumindest grafisch radikal neu definiert.
» Nahkampf einmal anders: Nur nicht den Kopf verlieren.

Die typischen Kameraperspektiven und gerenderten Hintergründe sind einer in Echtzeit berechneten, völlig frei bewegbaren 3D-Umgebung gewichen, die einfach nur WOW aussieht. Hat man die Kinnlade wieder hochgeklappt (was durchaus Minuten dauern kann), geht die Grafikorgie aber immer weiter. Allen voran stehen die exzellenten Feuereffekte: offene Flammen, Fackeln und Lavaströme sehen 100% realistisch aus - komplett bis hin zur optischen Verzerrung durch aufsteigende heiße Luft.

Die ganz große Neuheit stellt die Kamera dar, welche Leon Kennedy rechts über die Schulter schaut. Obwohl völlig frei beweglich, leidet hie und da die Übersicht, da sie etwas zu actionlastig - sprich zu nahe - positioniert wurde. Mittels R-Stick kann aber der Blickwinkel verändert werden, sodass sich kaum Übersichtsprobleme einstellen. Hinzu kommen gute Licht- und Schatteneffekte, die von Nebel und Wasser sogar noch übertroffen werden. Die Texturen sehen gut aus und man muss schon mit der Lupe nach Unschärfe suchen. Das Beste an der Sache: die Grafik läuft trotz grenzgenialem Weitblick mit völlig flüssiger Framerate. Selbst wenn 20+ Gegner im Bild sind, kommt die PS2 nicht ins Schwitzen.
Auch der Soundtrack gibt sich keine Blöße: Die Musik ist stimmungsvoll, erreicht jedoch nicht ganz die tolle Atmosphäre von Teil 1 oder 2. Dafür haben die Sounddesigner aus dem Vollen geschöpft: Surround-Besitzer kommen in den Genuss von feinstem Raumklang. Die Geräuschkulisse beeindruckt: Unzählige Kampf- und Umgebungsgeräusche, Sprachausgabe sowie Resident Evil-typische Soundeffekte sorgen für beste Laune.

Killing with my gun - so much fun
Auch in der vierten Runde spendiert euch Capcom eine coole Auswahl an Waffen (inklusive neuer Laser Gun für Sonys Konsole). Während ihr zu Beginn nur über eine Standard-Pistole verfügt,
» On the road to hell.
sind im Spiel viele freischaltbare Waffen (Shotgun, MP, 45er bis hin zum Raketenwerfer) versteckt, die für mehr Durchsetzungvermögen sorgen. Noch komfortabler: Beim neu hinzugekommen Händler können Waffen erstanden und aufgerüstet werden. Hier offenbart sich auch das neue Konzept hinter RE4 am deutlichsten: Ausgeschaltete Gegner hinterlassen entweder Munition oder Geld. Da Ersteres beim Händler (leider) nicht gekauft werden kann, motiviert euch das Spiel zum fleißigen Head-Hunting. Die Kopfgeldjagd ist hierbei wörtlich zu verstehen, denn die Angreifer verfügen über zahlreiche Trefferzonen.

Während man einige mit gezielten Kopfschüssen (ja, RE4 ist KEIN Kinderspiel) sofort ausschalten kann, bieten sich auch taktische Überlegungen an. Steht ein Gegner etwa nahe einem Abgrund, stürzt man ihn am besten mit einem Knieschuss in die Tiefe - und spart wertvolle Munition. Neu ist auch, dass Waffen aufgelevelt werden können. Äußerst praktischer Nebeneffekt: die gleiche Munition richtet mehr Schaden an. Neben der Feuerkraft kann auch die Schuss- und Nachladegeschwindigkeit sowie die Magazinkapazität verbessert werden. Die Entwickler haben auch etwas taktische Raffinesse per Sniper-Passagen ins Spielgeschehen einfließen zu lassen.

Das umfangreichste Resident Evil
Neben den sechs umfangreichen Kapiteln bietet die PS2-Version einen exklusiven neuen Abschnitt, in dem man in die Rolle der mysteriösen Ada Wong schlüpft. Dies macht Resident Evil 4 zum längsten Spiel der erfolgreichen Serie.
» Arsenal of freedom.
Mit gut 20 Stunden und verschiedenen Schwierigkeitsgraden ist für lange Daueraction gesorgt. Die Story verfügt über die klassischen RE-Zutaten wie beklemmende Atmosphäre und Schockeffekte, kommt aber nicht an das Meisterwerk des zweiten Teils heran. Es sind einfach zu viele Klischees eingebaut worden, die nur bedingt originelle Stimmung aufkommen lassen (Tochter des Präsidenten retten, gab's schon mal wo). Das Gameplay orientiert sich stärker am actionlastigeren Vorgänger Resident Evil 3. Genretypisch fallen die sehr leichten Rätsel auf, die sich auf das Finden von Gegenständen und kleine Kombinationsaufgaben beschränken.

RE4 beginnt als reinrassiger Actiontitel, kehrt aber behutsam nach und nach zu den Survival-Horror-Wurzeln zurück. Als äußerst zweischneidiges Schwert haben sich die Dodge-Passagen herausgestellt: an gewissen Stellen muss innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Tastenkombination gedrückt werden, sonst ereilt euch ein frühzeitiger Tod. Dieses Trial and Error gab auf dem Gamecube etwas Grund zur Kritik und stört dank besserer Tastenanordnung auf dem PS2-Controller weniger.

Survivors will be shot again
Die actionlastige Ausrichtung des Spiels steigert den Wiederspielwert deutlich. Wer eine Partie RE4 beendet, darf sich nämlich über zwei Boni freuen (zumindest in der unzensierten Version).
» Korridor des Schreckens.
Die Mini-Spiele Assignment Ada und Mercenaries sorgen dank hochgerüsteter Waffen und speziellen Missionen für kurzweiliges Spielvergnügen. Beim Händler kann man die Geschicklichkeit im Umgang mit Waffen auf der Shooting Range beweisen. Als Belohnung winken kleine lustige Goodies. Praktisch: Hat man das Spiel erfolgreich beendet, darf gespeichert werden und das Inventar sowie neue Waffen und Kostüme stehen gleich für den nächsten Durchgang bereit. Capcoms Actionspektakel verfügt über erfreulich hohen Replay Value und das Spielgeschehen verliert bei wiederholtem Durchspielen kaum an Reiz. Einzig die Boss Fights hätten mehr Pepp vertragen. Bis auf die letzten beiden kommt man überall fast ohne Taktik zum Ziel.
Pro
Hervorragende Grafik
Angemessene Spieldauer
Hoher Wiederspielwert
Brachialer Mords-Spaß!
PS2-exklusive Inhalte
Contra
Nichts für schwache Nerven
Trial and Error
Fazit
Resident Evil 4 stellt eine brillante Umsetzung für Sonys PS2 dar und die Wartezeit hat sich wahrlich gelohnt: Neben neuen Inhalten überzeugt der Titel grafisch auf ganzer Linie und ist defacto gleichwertig mit der Gamecube-Version. Capcom hat den Spagat zwischen Tradition und Evolution geschafft. RE4 bietet sowohl eingefleischten Fans (mit etwas Gewöhnungszeit) als auch Genre-Neulingen jede Menge Spaß, lange Spieldauer und hohen Wiederspielwert. Die hervorragende Technik (Bombast-Grafik bei kurzen Ladezeiten) kann gar nicht hoch genug gelobt werden. Die vorhandenen Schwächen, allen voran die unnötigen Trial and Error-Passagen, sind ärgerlich, können der exzellenten Atmosphäre aber keinen Abbruch tun. Im Dunkeln auf einem 16:9-TV mit Surround-Anlage verbreitet der Titel eine äußerst beklemmende Stimmung. Der Splatter-Faktor (Stichwort Kettensägen-Tango) ist extrem hoch, weshalb das Spiel aufgrund der Gewaltdarstellung zu Recht keine Jugendfreigabe erhalten hat. Aber darüber sollte man nicht den Kopf verlieren: RE4 hat die Lizenz zum schaurig schönen Gruseln und zählt mit Sicherheit zu den Topspielen des Jahres auf der PS2.
Infos
Erhältlich für
Genre
Adventure • Survival Horror
Publisher
Capcom
Entwickler
Capcom
Website
www.residentevi...
Release
04. November 2005
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