Solider Shooter mit abgefahrenem Szenario und mangelhaftem Umfang.Shooter gibt es viele. Leider zeichnet es sich in den letzten Jaren immer mehr ab, dass die Entwickler nur all zu gerne auf bekannte Szenarien zurückgreifen und so vorwiegend
Weltkriegs- und
Military-Shooter den Markt überfluten. Wirklich gewagte Settings findet man nur selten. Mit
Darkwatch bringt
Ubisoft nun allerdings eine Mischung aus Western- und Horrorszenario raus, um auch abseits ausgelatschter Pfade etwas zu bieten. Was den Titel sonst noch so ausmacht, erfahrt ihr im folgenden
Master-Review.
Falscher ZugEigentlich will Bandit
Jerrico Cross nur einen weiteren Zug überfallen, in dem er fette Beute wittert. Dummerweise finden sich im gesprengten Safe weder Goldbarren noch harte Dollars, sondern ein uralter Dämon, welcher von der
Geheimorganisation
Darkwatch gefangen gehalten wird. Diese beschützt die Welt seit hunderten von Jahren vor dem Bösen und ist gar nicht erfreut über die Befreiung des Erzbösewichts. Auch für
Jerrico selbst hat der Vorfall ungeahnte Folgen. Im daraufhin entbrennenden Kampf wird er getötet und als
Vampir wiedergeboren. Um seinen Fehler wieder gut zu machen, tritt er der
Darkwatch bei und macht Jagd auf den entlaufenen Gefangenen und dessen Horden untoter Diener. Der Spieler schlüpft natürlich in die Rolle des schweigsamen, dunklen Protagonisten und räumt fortan mit Waffengewalt und magischen Fähigkeiten ordentlich unter seinen Widersachern auf.
Cooles Setting, einfallsloser RestGameplaytechnisch wagt das Programm keine Experimente und kommt als astreiner, klassischer
Ego-Shooter mit kleineren Anleihen in anderen Genres daher. So läuft, springt und schießt man sich durch die mit Horden von Feinden gefüllten
» Besser arm dran, als Arm ab. |
Levelabschnitte, welche jeweils durch
nervige Ladebildschirme voneinander getrennt sind. Dazu steht einem ein
leider sehr beschränktes Repertoire an Ballermännern zur Verfügung. Neben Revolver, Doppelpistolen, Armbrust, einem Raketenwerfer sowie zwei Gewehren gibt es lediglich zwei Typen von explosiven Wurfgegenständen (Splittergranaten und Dynamit). Alternativ können alle Waffen im Nahkampf eingesetzt werden, um einen Schlag auszuteilen. Ein echter zweiter Feuermodus glänzt ebenfalls durch Abwesenheit. Auch von ausgefallenem Kriegsgerät ist weit und breit nichts zu sehen. Gerade ein so einfallsreiches Setting wie jenes aus
Darkwatch hätte sicherlich einige kuriose Kreationen im Feuerwaffensektor zugelassen. Die Gegnerhorden lassen ebenfalls Ideenreichtum vermissen. Wo das gruselige bis teils groteske Design noch wirklich überzeugen kann, bieten die Feinde rein kämpferisch nur wenig Abwechslung. Im Vergleich zu anderen Shootern überwiegen Gegnertypen, welche wild auf den Spieler zustürmen und ihn im Nahkampf beharken. In sicherer Entfernung lauern meistens Scharfschützen, die den Protagonisten mit einem unangenehmen Bleiregen eindecken. Hinzu gesellen sich die besonders nervigen schwarzen Feen, welche mit Energiebällen aus der Luft attackieren.
Doofe Gegner und ArenafeelingAuch
KI-technisch wird wenig geboten. Außer einer guten Treffsicherheit haben die untoten Feinde kaum etwas auf dem Kasten und werden somit eher durch ihre Anzahl als ihr Verhalten gefährlich. Doch wo viele Feinde sind, gibt es
» Dieser Cowboy hat schon bessere Zeiten gesehen. |
auch viel Geballer, was dem Spielspaß alles andere als abträglich ist. Wer also lieber gegen Masse statt Klasse kämpft, ist mit diesem Titel gut beraten. Etwas abwechslungsreicher hingegen gestaltet sich das
Leveldesign ausgefallen. Das Game führt den Spieler über Friedhöfe, Höhlen, alte Minen und verlassene Geisterstädte, in denen es vor wandelnden Toten nur so wimmelt. Aufgelockert wird das Geschehen durch
Reit- und Fahrmissionen, in denen man sich auf den Sattel eines Pferdes oder hinter das Steuer eines Gefährtes schmeißt. Hin und wieder darf man hinter einem
stationären Geschütz Platz nehmen um Gegnerhorden minutenlang niederzumähen. Leider greifen die Entwickler zu oft auf arealbezogene Fights in überschaubaren, arg begrenzten Gebieten mit mehreren Gegnerwellen zurück. Dort müssen dann alle Feinde getötet werden, damit sich der Durchgang zum nächsten Abschnitt öffnet. Dies wiederum wirkt des Öfteren so, als würde man sich nicht durch echte Orte, sondern von einer Arena zur nächsten bewegen. Glücklicherweise ist es den Programmierern gelungen, die Gebiete so zu gestalten, dass
spielerisch keine Langeweile aufkommt. So senkt dieser Designpatzer lediglich die Glaubwürdigkeit der Spielwelt, nicht aber den eigentlichen Spielspaß.
GenrewirrwarrUm sich weiter von der Konkurrenz abzuheben, haben die Entwickler für
Darkwatch einige Anleihen in anderen Genres gemacht. In manchen Situationen, wie beispielsweise beim Finden eines verletzten Zivilisten, wird der
» Willkommen im Wilden Westen. |
Protagonist dazu gezwungen, gut oder böse zu handeln. Je nach Wahl zieht ihn die Aktion mehr auf eine der beiden Seiten, was wiederum zum
Erlernen von neuen Spezialfähigkeiten führt. Diese unterstützen den Helden bei gefülltem Blutvorrat im Kampf mit hilfreichen Boni wie Extraschaden, zusätzlicher Verteidigung oder alles grillenden Kettenblitzen. Leider hat man die Entscheidungssequenzen extrem lieblos ins Game implementiert, was sie sehr aufgesetzt wirken lässt. Auch die Erzählweise der recht unspektakulären Story hätte optimiert werden können. Zwar sind
schicke Zwischensequenzen und ein paar unvorhersehbare Ereignisse vorhanden, allerdings scheinen viele Levels gar nichts mit der eigentlichen Story zu tun zu haben. Zudem werden einige Vorkommnisse – wie zum Beispiel
Jerricos Verwandlung in einen Vampir - viel zu ruckartig und schnell abgehandelt, so dass kaum Stimmung aufkommen kann. Als wesentlich effektiver und besser ins Spiel eingebunden entpuppen sich allerdings die
Vampirfähigkeiten des Charakter. So darf er mittels
Spezialblick die Umgebung abscannen, was Kontrahenten und wichtige Gegenstände leichter zu entdecken macht. Per
Vampirsprung hingegen lassen sich höhere Gebeite problemlos erreichen oder breite Schluchten überqueren.
Schicker, dunkler Westen Technisch zeigt der Titel
durchaus ansprechende Kost. Die Umgebungen sind schön düster in Szene gesetzt und auch das Gegnerdesign kann sich sehen lassen. Zudem passen
» Hin und wieder wird man von NPCs unterstützt. |
gute Splattereffekte und abtrennbare Körperteile optimal ins Horror-Szenario. Etwas weniger Ecken und Kanten an einigen Modellen oder ein paar Polygone mehr hätten allerdings nicht geschadet. Auch einige Ruckler – vor allem im Fahrzeuglevel gehäuft anzutreffen – wären mit etwas mehr Feinarbeit sicher zu vermeiden gewesen. Beim Sound sorgen vor allem die
brachialen Effekte für Stimmung. Musikuntermalung und deutsche Synchronisation können sich ebenfalls hören lassen, sind aber nicht mehr als Standard. Größtes Manko am Titel ist eindeutig die
sehr kurze Spielzeit. Gestandene Zocker dürften den Titel problemlos in rund
sechs Stunden beenden. Zwar locken ein alternatives Ende (jeweils eins für Gut und Böse) sowie ein
Kooperativ-Modus zum erneuten Angehen der Kampagne, allerdings fehlt es dem Titel an echter Langzeitmotivation. Leider wurde auch der Online-Modus ganz aus der
Playstation 2-Version gestrichen und lediglich ein 1-vs-1-Spiel an einer Konsole belassen.