Schuster, bleib bei deinem Leisten! Verkorkste Fun–Sport-Sammlung mit gelungener Klassik–Variante.Ähnlich wie
Nintendos beleibter Klempner Mario hat auch
Hudson Softs Maskottchen nahezu unzählige Videospielauftritte hinter sich. Davon ebenfalls einige abseits des sonst gewohnten Genres. Der aktuelle
Multiplayer-Ausflug des putzigen Bombenlegers vereint sogar vier Spiele in einem, „für endlose Stunden Mehrspieler–Spaß“, wie es wortwörtlich auf der Packungsrückseite geschrieben steht. Dabei wandelt
Bomberman auf Marios Spuren, denn er versucht sich ebenfalls in
Golf, Baseball und Tennis. Ob ihr getrost zugreifen könnt oder doch lieber die Multiplayer–Titel von Nintendo einzeln kauft, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Explosive StimmungSeien wir mal ehrlich, was wäre ein Bomberman–Spiel ohne den
klassischen Battle–Modus? Richtig, es hätte das Prädikat „Bomberman“ nicht verdient. Und so ist natürlich auch die Ur-Matchvariante mit von der Partie. Ganz wie zu seligen
» So haben wir "Bomberman" am liebsten. |
Retro–Zeiten werden hier Freunde zu erbitterten Feinden und liefern sich bis zur letzten Bombe knallharte Fights in den verzwickten Arenen.
Für Bomberman–Neulinge sei an dieser Stelle erklärt, wie das Spielprinzip funktioniert. Ihr wählt zuerst eines von
sieben Bombenmännchen, die sich in den üblichen Attributen Kraft, Geschwindigkeit und Technik unterscheiden. Danach sucht ihr noch eine Stage eures Gefallens aus. Die Entwickler ließen sich hier nicht lumpen und integrierten
24 abwechslungsreiche Spielfelder in jeweils drei Größen: klein, normal und groß. Nun legt ihr noch die gewünschten Regeln fest und verteilt, sofern gewünscht,
Power-Ups, die jeder Spieler von Beginn an mit sich trägt. Zudem legt ihr fest, welche Items während der Schlacht auftauchen sollen, denn sind alle 18 zugeschaltet, könnte die Partie ganz leicht und sehr schnell im Chaos enden. Jeder der vier Spieler steht zu Beginn in einer Ringecke des quadratischen Spielfeldes. Das Ziel des Spiels ist denkbar simpel: Bis zum Ende überleben. Hierzu müsst ihr eure Kontrahenten durch
geschickte Ausnutzung der Levelstruktur und
klugen Itemeinsatz ins Dynamit-Nirvana befördern. Einzige Waffen im Spiel sind eure Bomben, die ihr strategisch zwischen den zahlreichen Kisten platziert. Befindet sich ein gegnerischer Bomberman im Spreng-Radius eurer Bomben, war’s das für ihn.
Für die Extra–Portion
Bomberman spendierten die Entwickler
allerlei Zusatzvarianten. So sammelt der Spieler im
Star Battle Sterne, wobei derjenige mit den meisten nach Ablauf der Zeit gewinnt. Auch beim
Point Battle seid ihr einem gnadenlosen Countdown ausgesetzt, der Charakter mit den meisten Kills siegt. König aller Bombermans wird der Protagonist, der im
Crown Battle zuerst die Krone berührt, die am anderen Ende des Spielfelds ruht. Im
Random Battle lasst ihr den Zufall über Map, Regeln und Matchtyp entscheiden.
Harte Bälle, seichtes VergnügenSo gut die Klassik-Variante auch ist, der Rest kommt kaum über den Durchschnitt hinaus. In
Bomberman Hardball wählt ihr zwischen lediglich drei Sportarten: Tennis, Baseball und Golf. Fangen wir mit
Baseball an, dessen Daseinsberechtigung
» Hier braucht man Zielwasser! |
in der europäischen Version mal dahingestellt sei. In Japan und den Vereinigten Staaten ist es jedoch der Quotenbringer schlechthin. Beim Test erwies sich Baseball als
das schwerste Spiel, wobei eine gewisse Unkenntnis über das Regelwerk und die übliche Dynamik zugestanden werden muss. Zwei Teams beharken sich auf einem eingeteilten Feld, jeder Spieler steuert jeweils Werfer und Schlagmann (Batter) seiner Mannschaft, wobei der Werfer dafür sorgen muss, dass der gegnerische Schlagmann den Ball nicht oder möglichst schlecht trifft. Im Umkehrschluss muss der Batter den Ball ganz weit und für den Gegenspieler am besten unerreichbar in die Luft befördern. Die anderen Teammitglieder müssen den Ball so schnell es geht aufsammeln und ins Spielfeld zurückbefördern, bevor der Batter einen Home Run hinlegt. Dies stellt sich zumeist als echte Geduldsprobe heraus, denn die Jungs lassen sich derart viel Zeit, als ginge es um nichts.
Dagegen ist
Tennis eindeutig spaßiger. Zur Auswahl stehen die üblichen Matchvarianten Single und Double auf den drei gängigen Bodenbelägen Gras, Clay und Hard.
Die Ballwechsel sind erfreulich schnell und dank verschiedener Schläge (Smash, Lob, usw.) gesellt sich
eine Prise Taktik hinzu. Unschön nur, dass euer Bomberman nicht immer mitmacht, denn mancher Punkt geht durch
plötzliches Aussetzen der Steuerung verloren, die Spielfigur reagiert für den Bruchteil einer Sekunde einfach nicht. Vom verlorenen Tennismatch gefrustet, wagt ihr euch auf den
Golfplatz und werdet sogar ganz gut unterhalten, zumindest bis alle 18 Löcher einmal bewältigt wurden. Für mehr Motivation sorgt das
simple Gameplay dann doch nicht. Insgesamt aber noch das beste Minispiel von allen.
Einen weiteren, auf der Packungsrückseite zunächst obskur anmutenden Modus, stellt
„Life“ dar. Die Vorfreude auf einen Tamagotchi–Klon wird jedoch schnell zu Nichte gemacht, wenn ihr ihn erstmal aus dem Optionsmenü heraus angeklickt habt. Der Life–Modus
dient lediglich dem schlichten Freikaufen von Boni, wie zum Beispiel neuer Kleidung. Bezahlt wird mit den Punkten aus siegreichen Minispielduellen.
Vier Freunde müsst ihr seinDen meisten Spaß macht
Bomberman natürlich mit Freunden.
Bleiben Qualität respektive Fun–Faktor des Klassik–Modus unbestritten, so lohnt sich der Rest vom Spiel weder alleine, noch in geselliger Runde. Für den vollen Genuss
sollte schon ein» Schlaf "Bombi" schlaf, die Mami... |
Multitap her. Laune macht das gegenseitige in die Luft sprengen bereits zu zweit, allerdings entfaltet das immergrüne Spielkonzept seine ganze Güte erst zu dritt oder viert. Ein Rätsel ist aber der
fehlende Online–Modus. Diese Art von Spiel ist geradezu prädestiniert für hitzige Online–Scharmützel. Die Entwickler sahen es jedenfalls anders und ließen ihn kurzer Hand weg.
Auch in grafischer Hinsicht macht sich beim Spieler schnell Unmut breit. So bietet diese
allerhöchstens anfängliches
Dreamcast-Niveau. Die
Mario-Sportspiele oder auch die
Jak-Reihe zeigen eindrucksvoll, wie viel man mit
Cartoon–Optik anstellen kann.
Bomberman Hardball hingegen präsentiert sich äußerst effektarm und einfallslos. Ist dies für den Klassik–Modus noch ausreichend und keineswegs störend, so wäre für die Sport–Minispiele durchaus mehr drin gewesen. An Musik erwartet euch ein
netter Mix aus kunterbunten, zuckerstangensüßen Melodien, die sich recht schnell wiederholen und somit ebenfalls nach einiger Zeit am Nervenkostüm nagen.