Das einzige Formel Eins-Videospiel kommt als anspruchsloser Arcade-Titel daher, der immerhin einige Anpassungsmöglichkeiten bietet.Willkommen in der glänzenden Welt des edlen Motorsports: Es sind diese perfekt kalkulierten, pfeilschnellen Rennmonster, die Jahr für Jahr überall in der Welt gastieren und eine Meisterschaft um Millionen austragen. Noch bis 2007 besitzt
Sony die exklusiven Videospiellizenzen und wird wohl weiterhin in bester EA-Manier jährliche Updates liefern. Im letzten Jahr scheiterte der Aufstieg in die Rennspiel-Oberklasse an einigen Ungereimtheiten. Ob es diesmal geklappt hat, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Arcade-Racer im Simulationspelz Das Hauptmenü von
Formel Eins 2005 beinhaltet den unauffälligen Auswahlpunkt
Anleitung & Tipps, hinter dem sich eine kleine Bibliothek verbirgt: Hier ist alles von Bildschirmtexten abzulesen, was es über die Königsdisziplin des Motorsports zu
» Eine der Fahrhilfen: Die virtuelle Rennlinie |
wissen gibt, vom idealen Spoilerwinkel bis hin zum besten Übersatzverhältnis.
Sinnvoll? Ja! Mit besten Vorraussetzungen darf sich nun an das Feintuning der Boliden gewagt werden. Abhängig von Wetterlage, Streckeneigenschaften und Renntaktik kann der Spieler jede noch so kleine Schraube nach eigenem Belieben lösen oder anziehen. Per Live-Setup und angepasster Controllerbelegung ist es außerdem möglich, im Vorfeld verschiedene Bremsverteilungs- und Traktionskontrolleinstellungen vorzunehmen, um diese während der Fahrt zu ändern.
Sinnvoll? Nein! Kaum gestartet, schon erkennt der liebevolle Feintuner, dass die mehrstündige, Simulations-typische Abstimmung für die Katz war. Mit allen aktivierten
Fahrhilfen braucht der Spieler in
Formel Eins 2005 nichts weiter tun, als den Gashebel durchzudrücken, dann übernehmen Lenk- und Bremshilfe den Rest. Sind hingegen alle Unterstützungen abgeschaltet, spielt sich dieser Titel immer noch wie ein Arcade-Racer.
Der Kontrast zwischen anspruchsvoll und anspruchslos macht diesen Titel aus: Auf dem niedrigsten der drei Schwierigkeitsstufen kommt auch der letzte Sonntagsfahrer ins Ziel, auf der schwersten Einstellung fordert der Titel immerhin fortgeschrittene Spieler. Doch das Lenk-, Beschleunigungs- und Bremsverhalten bleibt während der gesamten Spielzeit simpel und Arcade-lastig. Auch das Schadensmodell verzeiht einiges; schwere Crashs bleiben oft ungesühnt. Dazu kommt, dass die virtuelle Rennleitung viele Regeln missachtet und Verstöße zugunsten der Spielbarkeit hinnimmt.
The American Dream. Again. Vom Tellerwäscher zum Superstar, das ist der amerikanische Traum. Wie in vielen anderen Rennspielen bekommt auch in
Formel Eins 2005 jeder die Chance, sich vom Nobody zum Formel Eins-Weltmeister hochzuarbeiten: Im
Karriere-Modus fahrt ihr
» Lizenzsierter Renault voraus |
euch in
fünf Saisonen in die Edel-Rennställe des Geschäfts. Wer gerne mal neben Michael Schumacher auf dem Podest steht und mit Schampus um sich spritzt, der kommt zumindest virtuell zum Zug: Bei der am Anfang stehenden Profilerstellung kann der eigene Kopf mit der
EyeToy: Cameo-Software digitalisiert werden. Während der erste Vertrag mit einem kleineren Rennstall wie
Jordan oder
Red Bull Racing geschlossen wird, ist es gut möglich, dass schon bald die etwas besser betuchten Teams auf euch aufmerksam werden.
Um den Spieler auf dem Laufenden zu halten hat sich das Entwicklerstudio etwas Nettes einfallen lassen: Regelmäßig flattern Emails von eurem Manager oder Arbeitgeber herein und in Pressemeldungen sind die Details der letzten Rennwochenenden zusammengefasst. Anstatt wie im Vorjahr manuell durch den Kalender zu blättern, spult ihr nun per Knopfdruck einfach die Zeit bis zum nächsten Ereignis vor, welches in der Regel der kommende Grand Prixs ist. Diese unterteilen sich in
sechs Sessions: Drei Trainings, gedacht zur Gewöhnung an die Strecke, zwei Qualifyings und schließlich das Rennen. Gemäß dem Regelwerk der laufenden Saison absolvieren alle Rennfahrer in den beiden Qualifikationsläufen je eine fliegende Runde, wobei das kürzeste Gesamtergebnis die Pole Position sichert. Jeder Lauf kann nach Belieben abgebrochen oder übersprungen werden. Wie lange der Spieler mit der Absolvierung einer Karriere beschäftigt ist, hängt stark von den gewählten Einstellungen ab, denn die Renndistanz kann bis auf ein Zehntel der Gesamtlänge gekürzt werden. So beendet ihr ein Wochenende frühestens in einer Viertelstunde, bei entsprechenden Einstellungen kann es aber mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Keine optimale Saioson Abseits des Karriere-Modus ist beim Umfang alles im grünen Bereich: Alleine können Testfahrten auf Zeit, Einzelrennen, Wochenenden oder eine Weltmeisterschaft gefahren werden, wobei zu zweit nur ein Einzelrennen möglich ist. Freischaltbare Strecken, Wagen und sonstige Extras
» Die Wiederholungen sind fernsehreif |
motivieren zum Spielen dieser zusätzlichen Modi. Der Online-Part wurde im Vergleich zum Vorgänger erweitert: Nun können bis zu 10 Spieler gleichzeitig und zusammen auf die Piste gehen. Auch neu sind die
interaktiven Boxenstopps. Bei Aktivierung dieser muss während des Stillstands für jede Aktion ein Knopf gedrückt werden. Die Fernsehkommentatoren
Christian Danner und
Heiko Wasser begleiten ausschließlich die Einzelrennen. Deren Anmerkungen wirken allerdings zusammengesetzt und fallen auf Dauer monoton aus. Mehr TV-Atmosphäre bringen die
Wiederholungen, welche auf Wunsch direkt aus dem Pause-Menü gestartet werden können. Diese
Instant Replays zeigen die letzten Momente des Spielgeschehens.
Wie schon im Sprung von der 03er- auf die 04er-Version der Serie ist auch in diesem Jahr die
Optik aktualisiert worden, vor allem im Bereich der Streckengrafik und den Details. Um ein besseres
Geschwindigkeitsgefühl zu vermitteln, setzten die Entwickler Weichzeichner ein und lassen das Bild bei hohem Tempo vibrieren. Ein Soundtrack existiert nicht, weswegen die Motorensounds das Einzige sind, was während des Spielens aus den Boxen schallt. Obwohl diese sich an die Umgebung anpassen klingen sie ein wenig, als wären sie in einer Lagerhalle aufgenommen.
Wirklich gelungen ist die Kontrolle der Boliden, welche mit den analogen Sticks des DualShock2 sehr gut funktioniert. Doch auch mit den Knöpfen funktioniert das traktierte Beschleunigen und Bremsen recht gut. Hierfür verantwortlich zeigt sich eine genaue Abfrage des Eingabegeräts ist.