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The Warriors  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 19.11.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Hammerharter Prügelspaß zum Kultfilm der späten siebziger Jahre.

Starke Jungs, hübsche Mädels, Lederwesten, New Yorker Ghettos, Baseballschläger und ein Haufen brutaler Kloppereien. So sieht Actionregisseuer Walter Hill die späten siebziger/frühen achtziger Jahre am liebsten - zumindest in einigen seiner knallharten Filme. Eines der kultigsten Werke des Leinwandkönigs ist The Warriors von 1979, welches nun von den berühmt-berüchtigten Rockstar Studios versoftet wurde. Was die Spielumsetzung des betagten Streifens bietet, steht im folgenden Master-Review.

Sequel meets remake
Die Eröffnungssequenz dürfte allen Kennern des Films bekannt vorkommen. Der selbsternannte Visionär Cyrus lädt neun Abgesandte sämtlicher Gangs der Stadt zu einem friedlichen Zusammentreffen ein, um zu demonstrieren,
» Feindliche Logos zu übersprühen ist gefährlich.
dass sie vereint wesentlich stärker sind als einzeln. Mit Hilfe der Gangs will der Größenwahnsinnige eine Armee zusammenstellen, um die gesamte Metropole unter seine Kontrolle zu bringen. Tragischerweise - oder besser gesagt "zum Glück" - fällt Cyrus einem Schuss aus der Menge zum Opfer. Eigentlich beginnt hier die Story des Films erst richtig. Das Game allerdings macht nach dem Intro einen Schnitt und versetzt den Spieler einige Monate in die Vergangenheit. Neben einer Umsetzung der Leinwandvorlage handelt es sich bei The Warriors also gleichzeitig um ein Prequel, welches die Vorgeschichte zum Film erzählt. Zirka zwei Drittel der Storyline wurde zur eigentlichen Vorlage hinzu erfunden. Die detailgetreu nacherzählte Filmgeschichte macht nur rund ein Drittel der Umsetzung aus. Demnach beginnt man den Titel auch als aufstrebender Jungspund namens Rembrand, der unbedingt bei der Straßenclique The Warriors aufgenommen werden will. Das Aufnahmeritual besteht natürlich aus einer handfesten Prügelei, in der zunächst einige Obdachlose und anschließend ein paar Gangmitglieder Opfer des Spielers sind. Bereits in dieser einführenden, als Tutorial dienenden, ersten Mission wird deutlich, mit welcher Detailtreue die Schlägereien umgesetzt wurden, was das ganze Game äußerst brutal wirken lässt.

(K)ein (Button)Smasher
Das Kampfsystem beschränkt sich nicht auf simples Buttonsmashing sondern bietet vielerlei Möglichkeiten, gegen seine Feinde vorzugehen. Neben Tritten, Schlägen und Kopfnüssen dürfen Gegner festgehalten und auf
» Ein paar der Warriors.
den Boden geworfen werden, um anschließend weiter auf diese einzuschlagen oder für ein Gangmitglied zu einem leichten Ziel zu machen. Auf der Straße liegende Feinde leiden unter heftigem Nachtreten, was besonders dann sehr hart rüber kommt, wenn drei Leute gegen einen auf der Erde liegenden Wehrlosen vorgehen. Befindet man sich selbst im Schwitzkasten ermöglicht wildes Austreten das Fernhalten weiterer anrückender Gegner. Durch schnelles Drücken der B-Taste kann man dieser Situation durch geschickte Griffe und Rauswindetaktiken seitens der Spielerfigur – welche im Verlauf des Abenteuers übrigens öfters zwischen den Filmcharakteren wechselt - sogar zu seinen Gunsten entrinnen. Liegt man beispielsweise mit einem Kontrahenten über sich auf dem Boden, bewirkt das Drücken des Buttons oftmals eine Rollbewegung, welche den auf die Spielfigur einschlagenden Widersacher vom Täter zum Opfer macht. Besonders hart wird es, wenn improvisierte und echte Waffen wie Backsteine, Glasflaschen, Baseballschläger oder Messer zum Einsatz kommen. Durch gekonnt eingesetzte Zeitlupen- und realistische Soundeffekte wirkt das Anwenden solcher Hilfsmittel gleich doppelt brutal – beispielsweise dann, wenn sich ein Ziegelstein auf dem Kopf eines Gegners zu Staub verwandelt. Im Adrenalinmodus, in welchen durch geschicktes Dauerkloppen für kurze Zeit gewechselt werden kann, ist es sogar möglich, Feinden das Rückgrad zu brechen oder ihre Lungenflügel durch einen harten Tritt auf den Brustkorb in Matsch zu verwandeln. Leider wird das Geschehen bei all zu vielen Gegnern und eigenen Gangmitgliedern oftmals unübersichtlich und artet bisweilen sogar in ein echtes Chaos aus – ganz so wie eine richtige Massenschlägerei eben. Dennoch hätte hier eine optimaler platzierte Kamera Abhilfe schaffen können.

Gut eingefangene Atmosphäre
Obwohl die Grafikengine veraltet wirkt und vor allem in Bezug auf Texturqualität und Figurendetails zu wünschen übrig lässt, fängt sie die düster-trostlose Atmosphäre der Filmvorlage hervorragend ein und zaubert
» Die Figuren tragen deutliche Blessuren davon.
durchwegs beklemmend wirkende New Yorker Ghettogegenden auf den Schirm. Im Einklang mit den superben Animationen, den sehr gut gewählten englischen Sprechern sowie passenden Hintergrundgeräuschen und –musiken ergibt sich ein gutes Gesamtbild auf der Technikseite. Dank geschicktem, abwechslungsreichem Missionsdesign wirken die Dauerprügeleien nicht stumpf, sondern stets gut mit der Story und den Charakteren verknüpft. So muss man in den meisten der insgesamt 18 Storymissionen feindliche Gangs aufmischen, während ein anderes Mal Läden vor feindlichen Randalierern beschützt werden wollen. Eingestreute Bossfights sorgen für weitere Abwechslung. Auflockernd fügen sich gewaltlose Aktionen wie das Besprayen von Zügen, einige harmlose Stealth-Einlagen sowie Reaktionstests, wie beispielsweise die Flucht vor einem Auto, in denen zum richtigen Zeitpunkt ein entsprechender Button erforderlich ist, ins Geschehen ein. Als Anführer darf man seinen untergebenen Kumpanen simple Befehle wie Los!, Ausschwärmen oder Macht alle nieder! erteilen, was allerdings nur in bestimmten Situationen angewendet werden muss und nur selten für wirklich individuelle Taktiken brauchbar ist. Um seinen Lebensenergievorrat oder den K.O. gegangener Kumpanen zu regenerieren, wird eine kräftige Nase voll Flash benötigt, welches wiederum bei Drogendealern angeboten wird. Dafür benötigtes Geld lässt sich durch Ladeneinbrüche, Autoradiodiebstähle oder Überfälle besorgen, was dem Spieler auch abseits der Missionsziele etwas zu tun gibt und die harte Straßenszenerie noch besser rüber kommen lässt.

Mäßig lange Haupstory und trotzdem sehr umfangreich!
Obwohl die eigentliche Hauptstory mit rund zehn Stunden Spielzeit locker innerhalb eines Wochenendes durchgespielt werden kann, bietet der Titel weit darüber hinaus Futter. Zwischen den meisten Aufträgen wird
» Immer feste drauf!
Halt im Unterschlupf der Warriors gemacht, wo neben dem Start der nächsten Hauptmission noch zahlreiche andere Optionen auf alle willigen Zocker warten. So ermöglicht der Spielautomat beispielsweise frei konfigurierbare Fights und individuell erstellbare Gangs. Neben-, Vergangenheitsmissionen sowie etliche freispielbare Charaktere und Boni für den freien Modus sorgen zusammen mit drei Schwierigkeitsgraden für viele zusätzliche Spielstunden. Hinzu gesellt sich ein vorbildlicher Koop-Modus, in dem man zusammen mit einem Gleichgesinnten gegen die marodierenden Gangs antreten darf, was natürlich gleich doppelt so viel Spaß macht, als alleine auf den Putz zu hauen. Vor allem Teamattacken, wie das Festhalten des Gegners durch einen Spieler und das Niederschlagen durch den anderen entfalten so ihre ganze Wirkung. Wer will darf im Versus-Modus des Spielautomaten auch gegeneinander antreten, um sich ordentlich eines auf die Mütze zu geben. Alles in allem also ein sehr umfangreiches Programm.


Hinweis: Der Titel ist in Deutschland aufgrund des hohen Gewaltfaktors nicht offiziell erschienen.
Pro
Hammerharte Inszenierung
Abwechslungsreiche Missionen
Super Atmosphäre
Gutes Kampfsystem
Massig Bonusmaterial abseits der Hauptstory
Contra
Hauptstory etwas kurz
Teils chaotisch
Veraltet wirkende Grafik
Kameraprobleme
Kein Free-Roaming
Fazit
Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke nach der Ankündigung des Titels: "Oh Gott, fehlt es den Entwickler nun schon an aktuellen Lizenzen, so dass uralte Streifen jetzt auch noch als Vorlage für ein Game herhalten müssen?" Mein Fehler bei diesem vorschnellen Gedankengang war natürlich, dass ich die programmier- und designtechnischen Fähigkeiten der Rockstar Studios vollkommen außer Acht ließ. The Warriors ist nämlich eine rundum gelungene Filmumsetzung, die Sequel und Nacherzählung in sich vereint. Das gute Kampfsystem bringt mit Hilfe der schonungslos brutalen Inszenierung und den düsteren Locations die Atmosphäre der Leinwandvorlage perfekt rüber und erzeugt ein glaubwürdiges 80er-Jahre-Ghetto-Feeling. Die etwas zu kurz geratene Kampagne wird durch reichhaltige Bonusmissionen und den freien Modus mehr als wett gemacht und kann so gesehen nicht als Kritik am Titel herangezogen werden. Weniger gut ist allerdings das manchmal chaotische Treiben auf dem Bildschirm, während dem man sich oft etwas hilflos und ohne Kontrolle vorkommt. Auch grafisch und in der Kameraführung wäre sicherlich mehr drin gewesen. Zudem bin ich der Meinung, dass der Titel sehr gut mit einem GTA-ähnlichen Gameplay und einer frei begehbaren Stadt hätte verknüpfen werden können. Fans knallharter Prügler sollten über diese Kritikpunkte allerdings hinwegsehen und bei The Warriors unbedingt zugreifen.