Rockstar beweist, dass zur Schule gehen doch Spaß machen kann!Entwickler
Rockstar ist bekannt für Spiele die an erwachsene Zocker gerichtet sind und daher oft mit recht fragwürdigen Inhalten und expliziten Gewaltdarstellungen aufwarten. Nicht nur
Manhunt, die
Grand Theft Auto-Reihe und
The Warriors sorgten für ausgiebige Diskussionen in Bezug auf Gewalt in Videospielen. Spätestens dank dem „Hot Coffee Mode“ für GTA: San Andreas ist
Rockstar der Satan für viele amerikanische und auch deutsche Moralapostel. Dass der neueste Titel aus der Kultschmiede ausgerechnet an einem Internat spielt und die Hauptdarsteller Jugendliche und Kinder sind, verwundert da schon sehr. Mehr dazu in unserem
Master-Review.
Bullsworth Academy Jimmy hat es nicht leicht. Ständiger Krach mit seiner fürsorgelosen Mutter und dem gehassten Stiefvater zehren an den Nerven des rotzfrechen 15-Jährigen und zu allem Übel soll er auch noch in das härteste Internat des
» Jimmy hat keinen Bock aufs Internat. |
ganzen Landes gesteckt werden: Die
Bullsworth Academy. Dort angekommen wird er auch gleich mit den
harten Begebenheiten der Schule bekannt gemacht. Bereits auf dem Weg zum Direkter muss sich der Junge angreifender Bullys (zu Deutsch: Raufbold) erwehren und zeigen, dass man kein leichtes Opfer für Taschengeldentzug oder Essensmarkenerpressung ist.
Beim Kennenlernen der Schule und ihren Einwohnern in den ersten Spielstunden wird schnell klar, dass diese erste Klopperei noch zu den angenehmeren Dingen des Internats gehört. Der Direkter selbst ist die Horrorvorstellung eines jeden lernunwilligen Teenagers, der vermeintlich beste Freund ein Soziopath. Die Lehrer sind Alkoholiker oder Psychos, die Köchin ein in die Suppe rotzendes Ekelpaket und zu allem Überfluss treibt noch ein obdachloser Kriegsveteran sein Unwesen auf dem Campus. Den Ton geben verschiedene Gruppierungen an, allen voran die starken
Jocks. Wer nicht spurt, wird
verprügelt und gemobbt.
Schläger, Lehrer, Waffen. Was ist am Schlimmsten?In all diesem Chaos ist es nun die Aufgabe des Spielers, sich Respekt zu verschaffen und die Widrigkeiten des Alltags möglichst gut zu überstehen. Vom Gameplay her muss man sich das Ganze wie
ein
Grand Theft Auto in der Schule vorstellen. Statt Gangstern gibt es aggressive Schüler, Pistolen und Handgranaten werden durch Zwille beziehungsweise Stinkbomben ersetzt, die
Polizei weicht
Lehrern und Aufsichtspersonen. Statt Banken und Tresoren knackt man die Spinde seiner Mitschüler und Autos machen Fahrräder und Skateboards Platz.
Im
regelmäßig stattfindenden Unterricht lernt man in Form sehr spaßiger Mini-Games allerlei nützliche Dinge wie beispielsweise das Bauen von Knallfröschen (Chemie), Reparieren von Fahrrädern (Werkstatt), Herausreden gegenüber Lehrern (Englisch) oder neue Moves für den Nahkampf (Sport). Wer keine Lust auf Pauken hat, kann auch einfach schwänzen und sich dem Herzstück des Titels widmen:
Den Missionen. Doch Vorsicht! Sollte man jedoch während des Unterrichts abwesend sein und die Aufträge nicht in seiner Freizeit ausführen, sollten die Aufsichtspersonen gemieden werden.
Rockstar – you rock!Nicht nur beim ungewohnten Setting, sondern auch bei den Missionen selbst zeigen die Mannen von
Rockstar wieder einmal, dass sie zu den kreativsten Köpfen der Videospielbranche gehören. Von simplen Such und
» Gute Freunde sind wichtig. |
Finde-Missionen, Stealth-Aufträgen und wilden Schlägereien über Fußballherausforderungen und Videospielautomaten bis hin zu "Scharfschützen"-Missionen (natürlich mit der Zwille!) ist alles abgedeckt. Besonders gelungen sind die Schlägereien, welche stark an das Rockstar - eigene
The Warriors erinnern und den Fights eine ganz eigene Dynamik verleihen.
Feinde lassen sich nicht nur niederboxen sondern auch mit Kopfnüssen, Tritten, Schubsern, Würfen und Gegenständen aus der Umgebung beharken. Es gibt sogar
Finishing Moves, welche allerdings nicht blutig sondern lustig ausgefallen sind. So kann man einem Feind beispielsweise zur finalen Demütigung Spucke in den Mund reiben oder ihn mit seinen eigenen Händen ins Gesicht schlagen. Die Steuerung geht dabei mit zahlreichen Kombo-Möglichkeiten sehr gut von der Hand. Leider kann man selbiges nicht von der Bedienung der Vehikel, allen voran der des Skateboards behaupten. Diese steuern sich recht unkomfortabel bis problematisch, was einiges an Übung voraussetzt.
Saubere Technilk und großer UmfangTechnisch gibt sich Bully für PS2-Verhältnisse sehr ordentlich. Die
Comic-ähnliche Grafik überzeugt durch detaillierte Charaktermodelle, schicke Umgebungen und gute Animationen. Ein
» Grafik und Sound sind stimmig. |
von
Rockstar-Spielen bekannt hohes Maß an Qualität zeigt sich auch beim Sound. Die englischen Sprecher - deutsche Untertitel sind selbstverständlich enthalten - sind professionell und erfüllen die virtuellen Charaktere mit Leben. Die Hintergrundmusik fällt nicht so üppig wie in
Grand Theft Auto aus, sondern eher dezent. Ruhige, aber auf seltsame Weise bedrohlich wirkende
minimalistische Hintergrundmelodien erinnern hierbei stark an alte John Carpenter-Filme, was natürlich einen gehörigen
Atmosphärebonus bringt.
Auch beim Umfang gibt sich Rockstar abermals keine Blöße. Neben dem großen Schulgelände inklusive Sportplatz, Turnhalle und Unterkünften der Schüler gibt es noch eine angrenzende Kleinstadt, welche man im Spielverlauf nach und nach freigeschaltet. Wer sich neben den Hauptquests noch mit Erkundungstouren und diversen Nebenbeschäftigkeiten auseinandersetzt, ist gut und gerne
40 Stunden mit dem Titel beschäftigt, was viel Spiel fürs Geld bedeutet.