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Blazing Angels: Squadrons of WWII  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 09.04.2006
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Gelungene Grafik und präzise Steuerung wiegen das schwache 08/15-Missionsdesign nicht auf.

Mit Blazing Angels: Squadrons of WWII schafft das erste Flugspiel den Sprung auf Microsofts Xbox 360 - und soll auch auf der Xbox die Konkurrenz in Schwitzen bringen. Dabei setzt Ubisoft im Gegensatz zur realistischer angehauchten Konkurrenz 100% auf Arcade-Gameplay, um die notwendige Portion Action über den Wolken zu garantieren. Online-Piloten bietet der Titel dank Xbox Live die Möglichkeit, sich per umfangreicher Multiplayer-Modi mit dem Rest der Welt zu messen. Wieviel reinrassige Flugatmosphäre Blazing Angels tatsächlich bietet, lest ihr in unserem Master-Review.

Fire in the sky
In Blazing Angels schlüpft der Spieler in die Rolle des Captains einer amerikanischen Jagdstaffel, welche der arg gebeutelten RAF in Großbritannien zu Hilfe eilt. Deutsche Bomber haben bereits zahlreiche industrielle sowie zivile Ziele
» Tower Bridge auf 12 Uhr.
angegriffen und die königliche Luftwaffe hat zu wenige Ressourcen, um die Lufthoheit über dem Ärmelkanal zu verteidigen. Nach einem kurzen Tutorial, das in Grundzügen Steuerung von Fluggerät, Waffen und Kamera erläutert, darf man die schicksalshafte Wende im Zweiten Weltkrieg angehen.

Die Steuerung fällt dabei sehr arcadelastig aus. Wesentliche Flugmanöver sind einfach zu meistern, da sich die Maschinen sehr präzise und vor allem recht simpel steuern lassen. Die innovative Ziel-Kamera, welche komfortables Gegner-auf's-Korn-nehmen ermöglicht, sorgt stets für perfekten Überblick. Neben dem herkömmlichen Bordgeschütz stehen angehenden Flughelden auch Bomben und Torpedos als Sekundärwaffen zur Verfügung.

Wingmen! Watch my six!
Blazing Angels bedient sich des Steuerkreuzes, um den Wingmen rudimentäre Kommandos wie Angriff, Verteidigung, Formationsflug oder Reparatur zu vermitteln. Als echter Waffenbruder entpuppt sich Pilot Tom, der im Notfall
» Schiffe versenken.
als treuer Schutzschild den eigenen Rücken freihält. Frank ist der Hitzkopf der Truppe und eignet sich am besten für die Jagd auf feindliche Fliegerasse. Schließlich gibt es auch noch den guten Joe, der sich um die Reparatur des Fluggeräts (unrealistischerweise sogar während einer) Mission kümmert.

Die vierköpfige Staffel bestreitet im Karrieremodus insgesamt 18 Aufträge, welche von der Verteidigung Londons, über Pearl Harbor bis zu Einsätzen im Pazifischen Raum reichen. Während die ersten Missionen schnelle Action hinter den Bordkanonen der legendären Spitfires verheißen, gibt es später auch moderat abwechlungsreiche Aufgaben. Dazu zählen: Schiffeversenken, Zerstörung von Nachschublinien, Bombardierung von Brücken sowie Neutralisierung kritischer Bodenzielen.

Schnarch, Ratz, Lausch-an-der-Matratze
Blazing Angels bietet im gesamten Spielverlauf wenig emotionalen Anreiz oder Identifikationsmöglichkeiten mit den Charakteren. Solo-Spieler speist man mit einer nüchternen, missionsbasierten Kampagne ab,
» Da war mal was.
welcher es sowohl an historischen Story-Elementen (Heroes of the Pacific), aufregenden Cutscenes (Crimson Skies) als auch an Charakter-Interaktion (Yager) fehlt. Ab der Mitte des Spiels verkommen die Missionen zeitweise zu faden Pflichtübungen, die trotz gut dargestellter Action kaum überzeugen. Selbst die an sich gelungene Steuerung hat ihre Schwächen: Hat man erst einmal den Bogen heraus, so bietet sie kaum noch Abwechslung.

Unverständlich ist auch die Button-Anordnung: Sekundärwaffen werden per R-Stick abgefeuert, der aber schon das Rollen der Maschine innehat. Somit sind unabsichtliche Bombenabwürfe vorprogrammiert, obwohl andere Buttons völlig ungenützt bleiben. Aufgrund der alles verzeihenden Arcade-Flugweise kann man de facto nicht abstürzen, selbst bei den absurdesten Manövern, die physikalisch unmöglich sind, steuert sich das Flugzeug noch immer "zu perfekt". Sogar ein gefürchteter Stall (Abschmieren der Maschine), der etwa bei Heroes of the Pacific durchaus - zu Recht - oft vorkommt, tritt höchst selten ein. Etwas mehr Realismus hätte selbst diesem reinrassigen Arcade-Titel unterm Strich gut getan.

Jar Jar Bings sitzt im London Tower
Ubisofts Flugspektakel bietet optisch gute Kost. Vor allem auf der Xbox 360 überzeugen zahlreiche Spezialeffekte und verleihen dem Titel eine malerische Atmosphäre. Einzig die etwas zu großzügig
» Spitfires sind treffend benannt.
eingesetzen Lens-Flare- und Lichteffekte behindern zeitweise die Sicht über Gebühr. Auf der Xbox sieht der Titel ebenfalls sehr ordentlich aus, kann aber die teils viel früher erschienenen Crimson Skies oder Yager grafisch nicht übertrumpfen. Die Framerate bleibt auf der Xbox 360 stets stabil und auch auf der Xbox gibt es nur selten Schluckauf über den Wolken - außer es tummeln sich gerade extrem viele Gegner vor dem Fadenkreuz.

Die katastrophale Sprachausgabe gehört dagegen ins Lehrbuch unter "worst case scenario" eingereiht. Selten zuvor musste man derartig viel dumpfen Kauderwelsch ertragen, wie bei Blazing Angels. Nicht nur, dass Timing und Reihenfolge der Sprachseqenzen einem Formel-1-Kommentar von Heinz Prüller frappierend ähneln. Teils schwatzen feindliche Piloten minutenlang munter vor sich hin - obwohl sie schon lange vom Himmel geputzt wurden. Wäre es nicht so schlecht, könnte man vielleicht darüber lachen. Aber es geht noch schlimmer: Das grottenschlechte Voice-Acting ist eine echte Beleidigung. Der gelungene Soundtrack und vor allem die gute Geräuschkulisse können Blazing Angels leider nicht vor einer schwachen Soundwertung retten.

Multiplayer rettet den Tag
Neben dem Karrieremodus stehen Solo-Spielern noch Mini-Campaign, Arcade und Ace Duel zur Auswahl. In der Mini-Karriere gilt es Dog Fights oder Bombermissionen auszutragen. Im Arcade-Modus fliegt man gegen die Uhr,
» Kein Strandurlaub für Piloten.
sammelt Power-Ups ein und kämpft gegen jede Menge Gegner. Das "Duell der Asse" schließlich wird gegen einen genau gleichwertig ausgestatteten Computer-Piloten gekämpft. Vor allem letzterer Modus bereitet gut auf die herzhaften Multiplayer-Partien vor.

Diese trägt man via System Link und Xbox Live aus. Mit von der Partie sind bis zu 16 Spieler, die sich Jeder-Gegen-Jeden, Koop oder in Staffeln gegenseitig nach Herzenslust vom Himmel ballern dürfen. Die Gameplay-Varianten reichen vom typischen Death/Team Match über Capture the Base bis hin zu Bombardments. Glanzstück sind die sehr gut gestalteten kooperativen Modi, welche erfrischende Abwechslung bieten. Dazu kommt noch der süchtig machende Kamikaze-Modus, in dem man gegen Wellen von den namensgebenden japanischen Piloten die eigene Basis verteidigt. Alles in allem gelingt Ubisoft ein sehr gutes Multiplayer-Erlebnis, das so manchen groben Schnitzer im Solo-Gameplay verzeihen lässt.
Pro
Gute Grafik
Präzise Steuerung
Innovative Ziel-Kamera
Gelungene Multiplayer-Modi
Contra
Wenig abwechslungsreich
Fade Präsentation der Kampagne
Lachhafte Sprachausgabe
Simpler Schwierigkeitsgrad
Fazit
Die Entwickler von Blazing Angels müssen schizophren sein. Selten gab es einen Flugtitel, der so viele Dinge wie Steuerung, Grafik und Kamera fast perfekt beherrscht und dabei so viele Patzer macht. Der Teufel sitzt im Detail: Die Grafik ist auf Microsofts Konsolen gut gelungen, jedoch sieht die Umgebung steril aus. Big Ben und der Eiffel-Turm sind wunderbar in Szene gesetzt, aber der Rest der Metropolen wirkt extrem langweilig. Die Steuerung: Präzise, gut umgesetzt und intuitiv, aber die Buttons sind ungünstig angeordnet und können nicht umgestellt werden. Von der Kamera hingegen können sich viele andere Spiele eine dicke Scheibe abschneiden - endlich gibt es keine Probleme mehr mit fehlender Übersicht. Den Vogel schießt Ubisoft allerdings mit der miserablen Sprachausgabe ab, welche im besten Fall diletantisch zu nennen ist. Fans der Materie wagen einen Probeflug mit der Xbox 360-Version. Auf der Xbox gibt es aber zahlreiche Spiele, die sowohl historisch interessanter, stylischer oder zumindest abwechslungsreicher ausfallen. Hoffentlich wird bei einer möglichen Fortsetzung mehr auf die Details geachtet - dann hätte Blazing Angels: Squadrons of WWII durchaus Potential für einen Überraschungshit.