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Master-Review:   » drucken    » versenden

The Matrix: Path of Neo

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 19.12.2005
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
Unfertiges Actionabenteuer im Matrix-Universum, das mehr verärgert als erfreut.

Die Matrix. Eine Filmtrilogie, die es im Jahre 1999 mit einem bombastischen ersten Teil zum Kultstatus schaffte und nach zwei Fortsetzungen sowie einer Anime-Miniserie Ende 2003 ihr für die meisten Fans ernüchterndes und enttäuschendes Ende fand. Eine erste Versoftung namens Enter the Matrix zählt zu den aufwändigsten Videospielproduktionen aller Zeiten, blieb allerdings auch weit hinter den Erwartungen zurück. Mit The Matrix: Path of Neo will Entwickler Shiny nun alles besser machen. Ob dies gelungen ist, steht im folgenden Master-Review.

Be the One
Wie der Name bereits verrät, schlüpft der Spieler mit Path of Neo in die Rolle des aus dem Film bekannten Auserwählten, der die Menschen aus der Matrix befreien und zum Sieg über die Maschinen führen soll. Das Game erzählt
» Showdown in der U-Bahn
die Geschichte der Trilogie aus Neos Sicht, inklusive neuem Ende und weiteren Storysträngen. So darf man Schlüsselszenen des Films nachspielen und lernt einige neue Personen und Ortschaften, wie beispielsweise The Witch oder die Sado-Maso-Katakomben unter dem Anwesen des Merowingers, kennen. Die Story wird in Ingamesquenzen und wirr zusammengeschnittenen Filmausschnitten aller drei Filme sowie den Animes erzählt. Wer die Vorlagen nicht kennt, dürfte mit diesem Szenenchaos allerdings nur wenig anfangen können, da die Filme selbst in ihrer Ganzheit schwer zu verstehen sind. Für alle, die auch bei einem Actiongame nicht auf eine Story verzichten wollen, gilt also: Zuerst die Leinwandvorlagen zu Gemüte führen, dann zocken!

Doch vor das Vergnügen haben die Entwickler die Arbeit gesetzt. Bis das Game so richtig in Fahrt kommt, muss man sich durch etliche Tutoriallevels quälen, in denen einem die Spielgrundlagen beigebracht werden. Kung Fu-, Kletter-, Spring-, Bullet Time- und Waffentraining wollen in etlichen Varianten trainiert und geübt sein, was ganz schön an der Geduld des Spielers knabbern kann. Vor allem die aus dem ersten Film bekannte Flucht von Neos Arbeitsplatz ist an Langeweile kaum zu übertreffen.

Freeze!!
Hat man jedoch das quälende Training endlich beendet, entpuppt sich The Matrix: Path of Neo als stellenweise gelungenes Actiongame, in dem so einige Soldaten, Agenten und sogar Monster (!) einer Sofortlöschung durch Prügel
» Die Nahkämpfe gehören zu den Stärken des Games.
und Kugeln unterzogen werden. Im Mittelpunkt steht die ordentliche Nahkampfengine, welche innerhalb der sehr linearen Levels allerlei Moves, Kombos und Tricks zulässt. Dank vieler verschiedener Animationsphasen und einigen gelungenen Kameraschwenks kommen die Fights durchaus filmreif rüber und sorgen so im Einklang mit dem passenden Soundtrack für eine gute Matrix-Atmosphäre. Einsetzbare Nahkampfwaffen wie Eisenstangen, Besenstile oder Schwerter schaffen zusätzliche Optionen in den Keilereien gegen teils beeindruckende Scharen von Gegnern. Vor allem der Fight gegen hunderte Smiths-Klon aus Matrix Reloaded weiß hier zu gefallen. Für den Kampf aus sicherer Entfernung stehen diverse Ballermänner wie das M16-Sturmgewehr, Pistolen, SMGs und Schrotflinten zur Verfügung, die bei Bedarf auch beidhändig geführt werden können. Feuerwaffen dürfen sowohl im offenen Kampf als auch aus der Deckung heraus eingesetzt werden. Ähnlich wie in James Bond: Alles oder Nichts kann man sich mit dem Rücken an so gut wie jedes Objekt lehnen und von dort aus die Feinde unter Beschuss nehmen.

Fehler in der Matrix
Dummerweise haben es die Entwickler abermals nicht geschafft, ihrem Spiel den nötigen Fein- und mitunter sogar Grobschliff zu verpassen. So leidet die an sich recht ordentliche Optik mit ihren vielen Zeitlupen- und Spezialeffekten
» Seraph testet Neo.
an ständigen Rucklern, niedriger Framerate, teils derben Clippingfehlern, unausgereiften Animationen und fies verschwommenen Hintergründen in den Ingame-Zwischensequenzen. Die Kameraführung steht jedem Experimentalfilm in Sachen Virtuosität in nichts nach und die automatische Zielerfassung ist ein einziger Krampf. Des Weiteren nerven plötzlich auftretende Ladebildschirme, die hin und wieder sogar mitten im Kampf erscheinen – als ob man es nicht fertig gebracht hat, eine vernünftige Streaming-Technik einzusetzen. Die verwendete Physikengine bietet einige wirklich abstruse Darbietungen in Sachen Objektbewegungen und sorgt somit für unfreiwillige Lacher. Auch der grundsätzlich gute Sound bleibt nicht vor lästigen Bugs verschont: So passiert es nach dem Neuladen öfters, dass die Effekte aussetzen oder keine Musik abgespielt wird, was sich erst nach einigen Minuten wieder normalisiert.
Pro
Viele Moves
Spektakuläre Nahkampfanimationen
Atmosphäre gut eingefangen
Filmszenen
Contra
Quälender Einstieg
Ruckelige Grafik
Unsaubere Animationen
Clippingfehler
Soundaussetzer
Miese Kamera
Grausiges Zielerfassungssystem
Plötzliche Ladepausen
Unausgereifte Physikengine
Fazit
Auch wenn ich es kaum glauben kann, muss ich nüchtern feststellen: Shiny Entertainment vergeigte es abermals. Der einstige Garant für abgedrehte, innovative Software (unter andrem MDK, Earthworm Jim und Sacrifice) hat sich mit der Übernahme der Entwicklung von Matrix-Spielen keinen Gefallen getan. Dabei ist The Matrix: Path of Neo im Kern gar nicht mal so schlecht, wären nicht die eklatanten Schwächen in der Technik. So wirkt der Titel eher wie eine frühe Beta-Version zu einem viel besseren Game, statt ein markttaugliches Actionspiel. Man kann zwar durchaus seinen Spaß mit dem Titel haben, allerdings ärgert man sich über die kompletten zehn bis zwölf Stunden Spielzeit hinweg über die vielen, offensichtlichen Fehler – vom grausig langwierigen Einstieg ganz zu schweigen. Hätte man dem Projekt ein paar Monate mehr Entwicklungszeit gegönnt, wäre aus Path of Neo ein durchaus gutes bis sogar sehr gutes Actionspiel geworden. So bleibt allerdings nur ein unfertiges Stück Software, das höchstens für Matrix-Fans von größerem Interesse sein dürfte. Bleibt zu hoffen, dass man bei einem etwaigen dritten Teil mehr Sorgfalt walten lässt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Atari
Entwickler
Shiny Entertain...
Website
www.thematrixpa...
Release
11. November 2005
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User-Bewertung
68
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