Unfertiges Actionabenteuer im Matrix-Universum, das mehr verärgert als erfreut.Die Matrix. Eine Filmtrilogie, die es im Jahre 1999 mit einem bombastischen ersten Teil zum Kultstatus schaffte und nach zwei Fortsetzungen sowie einer Anime-Miniserie Ende 2003 ihr für die meisten Fans ernüchterndes und enttäuschendes Ende fand. Eine erste Versoftung namens
Enter the Matrix zählt zu den aufwändigsten Videospielproduktionen aller Zeiten, blieb allerdings auch weit hinter den Erwartungen zurück. Mit
The Matrix: Path of Neo will Entwickler
Shiny nun alles besser machen. Ob dies gelungen ist, steht im folgenden
Master-Review.
Be the OneWie der Name bereits verrät, schlüpft der Spieler mit
Path of Neo in die Rolle des aus dem Film bekannten Auserwählten, der die Menschen aus der Matrix befreien und zum Sieg über die Maschinen führen soll. Das Game erzählt
die Geschichte der Trilogie aus
Neos Sicht, inklusive
neuem Ende und weiteren Storysträngen. So darf man Schlüsselszenen des Films nachspielen und lernt einige neue Personen und Ortschaften, wie beispielsweise
The Witch oder die Sado-Maso-Katakomben unter dem Anwesen des
Merowingers, kennen. Die Story wird in Ingamesquenzen und wirr zusammengeschnittenen Filmausschnitten aller drei Filme sowie den Animes erzählt. Wer die Vorlagen nicht kennt, dürfte mit diesem Szenenchaos allerdings nur wenig anfangen können, da die Filme selbst in ihrer Ganzheit schwer zu verstehen sind. Für alle, die auch bei einem Actiongame nicht auf eine Story verzichten wollen, gilt also: Zuerst die Leinwandvorlagen zu Gemüte führen, dann zocken!
Doch vor das Vergnügen haben die Entwickler die Arbeit gesetzt. Bis das Game so richtig in Fahrt kommt, muss man sich
durch etliche Tutoriallevels quälen, in denen einem die Spielgrundlagen beigebracht werden. Kung Fu-, Kletter-, Spring-, Bullet Time- und Waffentraining wollen in etlichen Varianten trainiert und geübt sein, was ganz schön an der Geduld des Spielers knabbern kann. Vor allem die aus dem ersten Film bekannte Flucht von
Neos Arbeitsplatz ist an Langeweile kaum zu übertreffen.
Freeze!!Hat man jedoch das quälende Training endlich beendet, entpuppt sich
The Matrix: Path of Neo als stellenweise gelungenes Actiongame, in dem so einige Soldaten, Agenten und sogar Monster (!) einer Sofortlöschung durch Prügel
» Die Nahkämpfe gehören zu den Stärken des Games. |
und Kugeln unterzogen werden. Im Mittelpunkt steht die
ordentliche Nahkampfengine, welche innerhalb der
sehr linearen Levels allerlei Moves, Kombos und Tricks zulässt. Dank vieler verschiedener Animationsphasen und einigen gelungenen Kameraschwenks kommen die Fights durchaus filmreif rüber und sorgen so im Einklang mit dem
passenden Soundtrack für eine gute
Matrix-Atmosphäre. Einsetzbare Nahkampfwaffen wie Eisenstangen, Besenstile oder Schwerter schaffen zusätzliche Optionen in den Keilereien gegen teils beeindruckende Scharen von Gegnern. Vor allem der Fight gegen hunderte
Smiths-Klon aus
Matrix Reloaded weiß hier zu gefallen. Für den Kampf aus sicherer Entfernung stehen diverse Ballermänner wie das M16-Sturmgewehr, Pistolen, SMGs und Schrotflinten zur Verfügung, die bei Bedarf auch beidhändig geführt werden können. Feuerwaffen dürfen sowohl im offenen Kampf als auch aus der Deckung heraus eingesetzt werden. Ähnlich wie in
James Bond: Alles oder Nichts kann man sich mit dem Rücken an so gut wie jedes Objekt lehnen und von dort aus die Feinde unter Beschuss nehmen.
Fehler in der MatrixDummerweise haben es die Entwickler abermals nicht geschafft, ihrem Spiel den nötigen Fein- und mitunter sogar Grobschliff zu verpassen. So leidet die an sich recht ordentliche Optik mit ihren vielen
Zeitlupen- und Spezialeffekten an ständigen Rucklern, niedriger Framerate, teils derben Clippingfehlern, unausgereiften Animationen und fies verschwommenen Hintergründen in den Ingame-Zwischensequenzen. Die
Kameraführung steht jedem Experimentalfilm in Sachen Virtuosität in nichts nach und die automatische
Zielerfassung ist ein
einziger Krampf. Des Weiteren nerven plötzlich auftretende Ladebildschirme, die hin und wieder sogar mitten im Kampf erscheinen – als ob man es nicht fertig gebracht hat, eine vernünftige Streaming-Technik einzusetzen. Die verwendete Physikengine bietet einige wirklich abstruse Darbietungen in Sachen Objektbewegungen und sorgt somit für unfreiwillige Lacher. Auch der grundsätzlich gute Sound bleibt nicht vor lästigen Bugs verschont: So passiert es nach dem Neuladen öfters, dass die Effekte aussetzen oder keine Musik abgespielt wird, was sich erst nach einigen Minuten wieder normalisiert.