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Master-Review:   » drucken    » versenden

Medal of Honor: European Assault

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 26.06.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Ordentlicher Weltkriegsshooter mit haarsträubenden Verschlimmbesserungen.

Kaum ein Szenario wurde in den letzten Jahren multimedial dermaßen ausgelutscht wie das des zweiten Weltkriegs. Neben der Medal of Honor-Reihe, Brothers in Arms: Road to Hill 30 und Call of Duty: Finest Hour auf den Konsolen waren es vor allem die zahllosen PC-Strategiespiele. Hinzu kamen etliche Fernsehdokumentationen, Filme und Serien, die einem das Gefühl vermittelten, dass es gar kein anderes Szenario mehr gäbe. Trotz herber Abnutzungserscheinungen des Settings schickt uns EA mit Medal of Honor: European Assault abermals auf die Spuren unserer Großväter und lässt den Spieler wilde Schlachten vor dem TV nacherleben. Wie uns der Titel gefallen hat, erfahrt ihr im folgenden Master-Review.

Soldat auf Drogen?
Ein Trupp alliierter Landungsschiffe nähert sich im Schutze der Dunkelheit einem von Deutschen bewachten Hafen. Plötzlich bricht die Hölle los. Die Tarnung ist aufgeflogen und einige Schiffe verwandeln sich
» Dieses Haus gilt es zu stürmen.
bereits in gleißende Feuerbälle, die im kühlen Nass der rauen See verschwinden. Glücklicherweise schafft es unser schwimmender Untersatz heil ans Ufer, so dass wir am darauf entbrennenden Kampf teilhaben können. Leuchtspurgeschosse erhellen den Himmel, das Geschrei der Verwundeten dringt in unsere Ohren und Explosionen erschüttern den Boden. Doch was ist das? Inmitten des erschütternden Kriegstreibens erscheinen plötzlich große bunte Symbole in Form von roten Kreuzen, Patronen und kleinen grauen Pistolen. Handelt es sich dabei etwa um eine neue Geheimwaffe der Deutschen? Um der mysteriösen Sache auf die Spur zu kommen nehmen wir Kurs auf eines der Objekte. Leider wird unser virtuelles Alter Ego von hinten niedergemäht; die Lebensenergie sinkt auf null, der Bildschirm wird weiß, das war’s... oder etwa doch nicht? Dank ein paar Extraleben werden wir noch an Ort und Stelle wiederbelebt. Um das rot leuchtende Symbol doch noch zu erreichen schalten wir dieses mal lieber in den Adrenalinmodus, der uns nicht nur unbesiegbar macht, sondern zudem für eine kurze Zeit unendlich Munition spendiert und das Geschehen in einer Art Bullet-Time darstellt. Als wir beim mysteriösen Objekt ankommen müssen wir enttäuscht feststellen, dass es sich lediglich um eine übergroße Markierung für ein Medi-Kit handelt.

Erst der Schock, dann das Vergnügen
Als Fan realistisch inszenierter Weltkriegs-Shooter dürfte man nach dieser Mission zunächst einmal kopfschüttelnd vor der Konsole verharren. Was sich die Jungs von EA hier als vermeidliche Verbesserung ausgedacht haben, ist ein richtiger
» Die Kameraden stehen uns hilfreich zur Seite.
Schuss in den Ofen. Die bunten Symbole, das Lebensystem und vor allem der Adrenalinmodus passen in keinster Weise ins Szenario und zerstören einen Großteil der an sich sehr guten und dichten Atmosphäre. Hier wird einem geradezu mit dem Vorschlaghammer eingebläut, dass es sich bei Medal of Honor: European Assault nur um ein Spiel handelt. Zugegebenermaßen tragen die bunten Symbole maßgeblich zur Übersicht bei und lassen den Spieler keines der wichtigen Medi-Packs verpassen. Doch andere Titel sind auch ohne solche peinlichen Hilfestellungen ausgekommen - warum nicht das neueste MoH? Steuerungstechnisch hingegen orientiert sich der Titel an alten Stärken. So darf man sich nicht nur ducken sondern auch hinlegen, um dem Feind eine möglichst kleine Angriffsfläche zu bieten. Beim Zielen über Kimme und Korn ist es wieder möglich, sich nach links, rechts oder oben zu neigen, was besonders beim Schießen aus der Deckung heraus enorm hilfreich ist. Auch die Waffenauswahl kann sich abermals sehen lassen: deutsche und alliierte Schießeisen des zweiten Weltkriegs bildeten die Vorlage für die zahlreichen Waffen im Spiel.

Kopf runter!
Neben dieser alten Stärke gibt es auch einige echte Verbesserungen gegenüber den Vorgängern: Allem voran überzeugt das relativ freie Missionsdesign. So bestehen die meisten Aufträge aus einem riesigen Einsatzgebiet, in
» Diese drei Herren folgen unseren Befehlen.
dem man sich mehr oder weniger frei bewegen kann, um seine Ziele zu erreichen. Eine nette Dreingabe sind Teamkameraden, die direkt unter dem Kommando des Spielers stehen. Diese können per Knopfdruck an verschiedenen Positionen geordert werden, um so beispielsweise die Feinde abzulenken oder eine Stellung zu stürmen. Neben einem Hauptziel gibt es in jeder Mission mehrere Nebenaufgaben, die bei erfolgreichem Absolvieren ein Extraleben bescheren. Ein gutes Beispiel ist der zweite Abschnitt des Russlandfeldzugs, in dem wichtige Geheimdokumente der Nazis gefunden werden sollen. Um an das Ziel zu gelangen muss man sich zunächst durch ein besetztes Dorf und anschließend über eine Brücke kämpfen. Nebenziele sind hier das Ausschalten von Panzern und Artillerie sowie ein Treffen mit Verstärkungstruppen und das Markieren von Zielen für einen Luftangriff. Wer will, kann feindliche Stellungen auch umgehen, lässt sich dadurch aber die wichtigen Extraleben entgehen. Warum diese so unersetzlich sind, wird schnell klar: Die zahllosen Gegner sind sehr zielsicher und zögern nicht lange mit dem Schießen. Hinzu kommt eine relativ knapp bemessene Lebensenergie. Dies führt mitunter zu einigen unfairen Situationen, in denen man ohne jegliche Reaktionszeit niedergemäht wird. Wer im Kriegstreiben unüberlegt vorgeht und nicht ständig um gute Deckung bemüht ist, der segnet schnell das Zeitliche.

Frust statt Lust
Aufgrund der umfangreichen Missionen findet sich hier auch ein weiterer Kritikpunkt des Titels: Zugunsten des Lebenssystems gibt es keine Checkpoints innerhalb eines Abschnittes. Haucht man sein letztes verbleibendes Leben aus,
» Die Explosionen sind gelungen.
heißt es Game Over und die Mission muss von vorne angegangen werden. Leicht vorzustellen, wie nervig dieses System sein kann, wenn man nach 20 Minuten, kurz vor Ende einer Mission, den goldenen Schuss einfängt. Anfänger und leicht zu frustrierende Zockernaturen sollten daher unbedingt auf dem leichtesten der insgesamt vier Schwierigkeitsgrade beginnen. Somit hängt auch die Spielzeit entscheidend vom gewählten Skilllevel und den Fähigkeiten des Spielers ab. Wer Missionen oft komplett neu angehen muss und darauf erpicht ist, alle Nebenaufträge zu erfüllen, ist logischerweise viel länger beschäftigt, als jemand, der sich nur auf das Hauptziel konzentriert und kaum stirbt. Je nach Spielweise und Fähigkeit sollte der Titel 8-12 Stunden Zeit in Anspruch annehmen, was nicht besonders viel scheint, aber im Rahmen vergleichbarer, aktueller Titel liegt. Bonusmedallien für besonders gut abgeschlossene Missionen und ein Splitscreen-Mehrspielermodus erhöhen den Wiederspielwert. Leider verfügt der Titel über keinen Onlinemodus, was heutzutage eigentlich zur Standardausstattung eines Shooters gehört.

Bombastischer Sound, durchwachsene Grafik
Die Medal of Honor-Reihe ist seit jeher für ihren spektakulären Sound bekannt und auch European Assault enttäuscht die hohen Erwartungen an die Akustik nicht. Donnernde Effekte, markerschütternde Explosionen und wildes
» Nichts wie weg!
Geschrei schaffen eine dichte Atmosphäre. Grafisch hingegen trumpft der Titel weniger auf. Die Stärke liegt eindeutig in der Darstellung sehr weitläufiger Gebiete, den Explosionen und der hohen Sichtweite. Allerdings wurde dieser Luxus durch matschige Texturen, detailarme Soldatenmodelle und einige Framerateeinbrüche erkauft. Die Xbox-Version schneidet hier im direkten Vergleich zur Playstation 2 minimal besser ab und zeigt sich weniger anfällig für Slowdowns und Ruckler. Wer die Wahl zwischen beiden Versionen hat, sollte also zur Xbox-Variante greifen. Zwischen den Missionen sorgen Archivaufnahmen aus dem zweiten Weltkrieg und einige gerenderte Sequenzen für Stimmung. Leider hat man abermals keinen Wert auf eine richtige Story gelegt und so wirken die vier Feldzüge in Frankreich, Nordafrika, Russland und Belgien wahllos aneinandergereiht.
Pro
Weitläufige Areale
Bombastischer Sound
Relativ freies Vorgehen
Wuchtige Explosionseffekte
Splitscreen-Mehrspielermodus
Contra
Lächerliche Atmosphärekiller
Matschige Texturen und eckige Figuren
Oft frustrierend aufgrund fehlender Checkpoints
Ausgelutschtes Szenario
Unfaire Situationen
Kein Onlinemodus
Fazit
Als ich nach der ersten Mission nur den Kopf schütteln konnte, schaffte es der Titel, mich nach wenigen Spielstunden doch noch zu überzeugen. Das offene Missionsdesign ist ein klarer Fortschritt gegenüber den Vorgängern und trägt maßgeblich zur Qualität von European Assault bei. Leider verhindern viele Patzer im restlichen Design den Aufstieg in höhere Wertungsregionen: Bunte Symbole, mehrere Leben, Berserkermodi und unendlich Munition haben in einem Weltkriegsshooter einfach nichts zu suchen - Spiel hin oder her. Die fehlenden Checkpoints in den ausgedehnten Missionen dürften - besonders in Kombination mit einigen unfairen Stellen - empfindliche Spielernaturen den einen oder anderen Wutausbruch bescheren und sorgen nur für Frust. Auch ein Onlinemodus wäre in der heutigen Zeit eigentlich Pflicht gewesen. Dennoch bleibt unter dem Strich ein ordentlicher Weltkriegsshooter, mit dem jeder Fan des Settings keinen Fehlkauf macht. Alle, die genug vom größten Krieg der Geschichte haben und lieber in der Zukunft, Gegenwart oder Hölle ballern, greifen ohnehin zur hochwertigeren Konkurrenz.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Ego-Shooter
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Website
www.electronic-...
Release
17. Juni 2005
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User-Bewertung
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