Der erste First-Person-Shooter für den DS bietet eine schlechte Kollisionsabfrage und einen viel zu kurzen Einzelspieler-Modus.Er hatte mehr Frauen als Dieter Bohlen und rettete öfters die Welt als Batman – die Rede ist natürlich von James Bond, seines Zeichens britischer Geheimagent beim MI6. Doch nicht nur in den diversen Verfilmungen der Fleming-Romane, sondern auch in einer Handvoll Videospiele machte der smarte Engländer eine gute Figur. Nun schafft dank
Electronic Artsdie
Bond-Lizenz auch den Sprung auf
Nintendos DS - allerdings ohne James! Ob
GoldenEye: Rogue Agent sein Geld wert ist und worum es in dieser Geschichte des Bond-Universums geht erklärt euch unser Master-Review.
MI6 war gestern Im Gegensatz zu älteren James Bond-Spielen übernimmt man in
Rogue Agent – wie der Titel schon vermuten mag – nicht die Rolle des altbekannten Helden. Stattdessen verkörpert
» Die Gegner stellen sich recht blöd an. |
man einen abtrünnigen MI6-Agenten, den es auf die böse Seite verschlagen hat. Zusammen mit Paradebösewicht
Goldfinger will er die Welt beherrschen. Des Weiteren hat das namensgebende
GoldenEye nichts mit dem Satelliten des gleichnamigen Bondfilms gemeinsam – bei einem brutalen Zusammentreffen mit
Doktor No verlor unser Hauptdarsteller ein Auge, welches von
Goldfingers Spezialisten durch ein
goldfarbenes, synthetisches Sehorgan ersetzt wurde. Dieses bringt unserem Protagonisten den Spitznamen
GoldenEye ein und ermöglicht ihm den Einsatz diverser Spezialfähigkeiten. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, eine Art
Röntgenblick zu aktivieren, mit dem man die Gegner hinter Mauern erkennen kann. Mit einer Railgun, deren Kugeln selbst durch dicke Wände dringen, werden die Feinde dann ungesehen ausgeschaltet.
Bevor man aber irgendwelche Spezialfähigkeiten oder Gadgets einsetzt, sollte man sich erstmal im Tutorial-Level mit der Steuerung des Spieles vertraut machen. Der Titel bietet einem hierbei
vier verschiedene Steuersetups, wovon bei zweien der Touchscreen zum Manövrieren benutzt wird. Das Schießen ist bei allen gleich: L und R dienen für das Abfeuern der Wummen, wobei das Spiel ein Benutzen zweier Handfeuerwaffen gleichzeitig ermöglicht. Für größere Kaliber wie Raketenwerfer und Sturmgewehr benötigt
GoldenEye allerdings beide Gliedmaßen. Hier werden die zwei Touchscreen-Steuersetups zum Problem: Gleichzeitig L und R betätigen und dabei noch den Touchscreen zum Bewegen einsetzen können nur dreiarmige Mutanten oder enorme Fingerakrobaten. So bleiben einem eigentlich nur noch die beiden konventionellen Setups, welche jeweils auf Rechts- und Linkshänder zugeschnitten sind – mit diesen funktioniert das Gameplay aber tadellos. Das Benutzen von zwei Waffen und Handgranaten sowie der GoldenEye-Fähigkeiten (die man mittels schnellem Klick auf dem Touchscreen aktiviert) geht nach nur kurzer Eingewöhnungszeit in Fleisch und Blut über. Trotzdem beweist einem bereits die
Metroid-Demo, dass man First-Person-Shooter auf dem DS besser steuern kann.
Baller Baller Hat man sich endlich bei der Steuerung seiner Wahl zurecht gefunden, wirft einem das Spiel andere Probleme in den Weg. Da wäre einerseits eine
Auto-Aim-Funktion, die enorm
» Manche Waffen benötigen beide Hände. |
sinnlos ist, da sie alles andere macht, als den Gegner anzuvisieren. Die Spielfigur reagiert etwas zu träge, weswegen Drehungen ab und an etwas umständlich sind, so dass man Probleme hat, wenn man von hinten überrascht wird. Dazu kommt eine
katastrophale Kollisionsabfrage, die einem den Rest gibt: Wenn das Zielkreuz voll auf einen Gegner gerichtet wird und die Kugeln trotzdem an ihm vorbeiziehen, haben die Programmierer etwas falsch gemacht. Ein weiteres Negativbeispiel: Man versucht über ein kleines, schützendes Hindernis – z.B. eine Kiste – hinwegzuballern. Obwohl das Zielkreuz ein gutes Stück über jenes hinweg zielt, fliegen die Geschosse voll in die Kiste. Lediglich beim Einsatz des
Snipergewehrs (bei dem man per L-Taste zoomt) kann man sich auf das Zielkreuz verlassen.
Zu Beginn einer Mission des Singleplayermodus – der mit gerade mal sechs Levels witzlos klein ausgefallen ist - werden Ziele vorgegeben, welche aber ohne größere Gehirnakrobatik durch stures Durcharbeiten der Gebäude automatisch erledigt werden.
GoldenEye: Rogue Agent mutiert dabei zu einem Ballerszenario, bei dem mit der Waffe im Anschlag lediglich pausenlos auf die Gegner eingeballert wird, bis der Munitionsclip rausspringt.
Die KI erweist sich zudem alles anders als gelungen: Die Gegenspieler agieren tatsächlich eher wie Figuren einer Schießbude auf dem Jahrmarkt und wirken nie wie Handlager des
Dr. No. Deckung ist für die CPU-Gegner ein Fremdwort und oftmals kommen sie auf einen zugerannt, um dann nachzuladen. Lediglich
kleinere anspruchslose Rätsel und Fallen lockern das Spielgeschehen manchmal auf – trotzdem hat man die Kampagne viel zu schnell durchgespielt und kann sich nur noch mit
weiteren Schwierigkeitsgraden und freispielbaren Extras wie neuen Gadgets unterhalten.
Mehrspielerspaß? Der Titel bietet auch einen
Mehrspielermodus: Bis zu vier Spieler können an einem Match teilnehmen, wofür man nur ein einziges Spielmodul benötigt. Leider steht dann lediglich
» Die Grafik ist gut gelungen. |
das simple Deathmatch auf einer einzelnen Karte zur Verfügung. Hat jeder Spieler seine eigene Kopie von
GoldenEye: Rogue Agent, so steht der Kampf in zehn unterschiedlichen und grafisch anspruchsvolleren Arenen mit bis zu acht Spielern zur Auswahl. Der Multiplayermodus macht durchaus Spaß, es stehen einem mehrere Spielvarianten wie
Team Deathmatch, Deathmatch oder Domination zur Verfügung. Wer keine Mitspieler findet, kann sich auch mit einigen Missionen auf den Mehrspielerkarten begnügen. Damit steigt der Umfang des Titels geringfügig.
Auch wenn das Spiel wahrlich nicht mit den Ablegern der Heimkonsolen mithält, sieht die Grafik auf dem kleinen Handheld dennoch ordentlich aus – obwohl man ständig das Gefühl hat, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Zwar trüben einige
grob pixelige Texturen die Optik,
schöne Lichteffekte und tolle
Animationen bei den Gegnern sehen dafür umso besser aus. Auf dem oberen Screen wird das Spielgeschehen dargestellt und läuft immer flüssig. Der Touchscreen kommt nur als Waffen- und Fähigkeitenauswahl sowie für wichtige Anzeigen wie Lebensenergie zum Einsatz.
Wirklich katastrophal ist allerdings der Sound: Das Musikgedudel, welches jenseits von Gut und Böse liegt, geht einem schnell tierisch auf die Nerven und man fragt sich, wen die Entwickler damit bestrafen wollen. Die Soundeffekte sind zwar in Ordnung, die Sprachausgabe - sofern man sie so nennen darf – klingt allerdings schrecklich. Diese ist, wie das ganze Spiel, in englisch, da
EA es nicht für nötig befunden hat, den Titel zumindest textlich zu lokalisieren.