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Grand Theft Auto: San Andreas  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 04.07.2005
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Gigantisches Gangster-Abenteuer mit vielen coolen Neuerungen und alten Schwächen.

GTA - diese drei Buchstaben stehen für Grand Theft Auto und damit für eine der erfolgreichsten und umstrittensten Serien der Spielegeschichte. Alles fing Mitte der Neunziger-Jahre mit dem Erstlingswerk an, der noch komplett in 2D-Grafik gehalten war. Ein Addon sowie ein zweiter Teil setzten den Überraschungshit fort. Den absoluten Durchbruch erlangte die Serie schließlich auf der aktuellen Konsolengeneration mit dem dritten Teil. Dieser vermittelte dank toller 3D-Grafiken und einer beliebig begehbaren Stadt ein unglaubliches Freiheitsgefühl beim Spielen. Höchstwertungen seitens der Fachpresse und hohe Absatzzahlen bestärkten Entwickler Rockstar in ihrem Kurs, so dass rund ein Jahr später der vierte Teil namens Vice City erschien - natürlich größer, besser und mit mehr Möglichkeiten ausgestattet. Dass man eine erfolgreiche Franchise nicht einfach ruhen lässt, ist natürlich logisch und so machte man sich bei Rockstar schnell an einen fünften Teil. Herausgekommen ist Grand Theft Auto: San Andreas, welches den umfangreichsten und komplexesten bisher erschienenen Titel der außergewöhnlichen Reihe darstellt. Ob neben der Masse auch die Klasse stimmt, erfahrt ihr in unserem Master-Review.

Home sweet home
So hat sich Protagonist Carl Johnson, kurz CJ, seine Rückkehr in die Freiheit mit Sicherheit nicht vorgestellt: statt einer herzlichen Willkommensfeier erwarten ihn in seiner Heimatstadt
» Die Idylle...
Los Santos die Trümmer seines einstigen Lebens. Die Mutter des Hauptcharakters wurde ermordet, der boomende Crackhandel macht alte Freunde zu willenlosen Sklaven und die Bande, der er früher angehörte, hat durch anhaltende Gangkriege längst an Einfluss verloren. Zu allem Übel wird er auch noch von zwei korrupten Polizisten erpresst, die ihm einen Mord angehängt haben. Zeit die Zügel in die Hand zu nehmen und sich aus dem Schlamassel zu befreien. Hier beginnt die atemberaubende Odyssee des jungen Ghetto-Boy, der in seinem spannenden Abenteuer eine Spur der Gewalt und Zerstörung durch einen ganzen Staat zieht.

Wie in den Vorgängern stehen dem Spieler meistens mehrere Kontaktpersonen zur Verfügung, die Aufträge bereithalten. Dabei unterscheidet das Programm wie in einem Rollenspiel zwischen Story- und Nebenmissionen. Erstere müssen alle absolviert werden, um das Game zu beenden, die anderen sind optional und bringen meistens lohnende Extras. In den ersten Aufträgen gilt es hauptsächlich, die Groove Gang wieder zusammen zu führen und die Crackdealer von den Straßen zu vertreiben. Im späteren Storyverlauf hat man es mit immer einflussreicheren Gegnern zu tun, gewinnt aber auch selbst an Macht und Ansehen. Die spannende Geschichte rund um Verbrechen, Gewalt und Verrat wird in sehr gut inszenierten Ingamesequenzen weitergesponnen und motiviert stets zum Weiterzocken. Dabei wird der Spieler Bekanntschaft mit einigen sehr abgedrehten Charakteren machen, die dank teils vollkommen überzogener Darstellung für einige Lacher sorgen.

Staat statt Stadt
Die Missionsvielfalt ist wieder einmal beeindruckend ausgefallen. Man liefert sich wilde Verfolgungsjagden mit der Konkurrenz, erobert feindliche Ganggebiete, plündert ahnungslose Waffennarren
» Die Zwischensequenzen sind sehr gelungen.
aus oder bricht gar in einen Militärstützpunkt ein. In einem Auftrag nimmt man sogar an einem Modellspielzeugkrieg teil, indem man mit einem Mini-Hubschrauber Hindernisse aus dem Weg räumt, feindliche Panzer zerbombt und Brücken baut. Als Schauplatz für die vielen Aufträge dient dieses Mal nicht nur eine Metropole wie Vice City oder Liberty City aus den Vorgängern, sondern gleich ein ganzer Staat. Dieser bietet neben den drei großen Städten Los Santos, San Fierro und Las Venturas auch noch eine gewaltige Fläche an ländlichen Gegenden, Tälern, Schluchten, Flüssen und einer Wüste. Um sich in den riesigen Arealen fortzubewegen stehen dem Spieler zahllose Vehikel zur Verfügung. Bei den Automobilen geht die Auswahl von alten Mittelklassewagen über schnelle Sportflitzer und Geländewagen bis hin zu Schwertransportern. Darüber hinaus stehen Motorräder, Flugzeuge, Boote, Hubschrauber und erstmals auch Fahrräder, mit denen sogar Tricks vollführt werden können, zur Verfügung. Außerdem gibt es noch Arbeitsgefährte wie Bulldozer, Betonmischer, Mähdrescher, Traktoren und Rasenmäher. Einige Spezialfahrzeuge, wie beispielsweise der Polizeiwagen oder das Taxi, bieten die Möglichkeit, Fahrmissionen zu aktivieren. Hierbei müssen Verbrecher gejagt, Kunden kutschiert oder Menschen gerettet werden, um sich ein paar Dollar dazu zu verdienen. Andere Nebenmissionen und Minispiele umfassen unter anderem folgende Möglichkeiten: Einbrechen, Pool spielen, mehrere Video-Arcadegames, Low-Rider Wettbewerbe, Gangkriege, Autorennen, verschiedenste Fahrradwettbewerbe, einen Triathlon, Basketball und Glücksspiele.

Custom Gangsta-Style
Neu in GTA: San Andreas ist ein rollenspielähnliches Skillsystem. Es gibt zahlreiche Fertigkeiten die angeben, wie gut der Hauptcharakter mit einzelnen Waffen oder Fahrzeugtypen
» Viele Muskeln verschaffen Respekt.
umgehen kann und in welcher körperlichen Verfassung er sich befindet. Zum Beispiel erhöht sich die Zielgenauigkeit mit einer bestimmten Waffe, wenn der Skilllevel steigt. Fertigkeiten steigern sich automatisch beim Ausführen der entsprechenden Aktion. Der häufige Gebrauch der Pistole, wird den Umgang mit dieser Waffenklasse automatisch verbessern. Wer stets mit Autos in San Andreas unterwegs ist, kann die Vehikel mit der Zeit leichter kontrollieren. Körperliche Attribute wie Muskelkraft und Kondition lassen den Protagonisten stärker zuschlagen und länger sprinten. Alle Werte können zudem in speziellen Trainingseinrichtungen geschult werden. So formt man im Fitnesscenter seinen Body, lernt in der Fahrschule knifflige Manöver oder übt auf dem Schießstand mit verschiedenen Waffen. Man kann sogar in zahlreichen Restaurants Nahrung zu sich nehmen. Allerdings sollte man hier aufpassen, dass man sich nicht zu viel gönnt, da der Charakter sonst fett wird und sich schlechter bewegen kann. Überschüssige Schwabbelmasse kann durch Training, Fasten oder bulimieartiges Rückwärtsessen allerdings wieder abgebaut werden.

Neben dieser Charakterentwicklung gibt es noch zahlreiche Friseure und Bekleidungsläden, in denen man das Aussehen seiner Spielfigur gegen Bares anpassen kann. Natürlich definiert sich ein echter Gangster nicht nur durch sein Aussehen und Können, sondern auch durch Besitztümer. Um solche zu erlangen kann man sein Geld in Immobilien investieren. Auch hier gibt es eine große Auswahl in verschiedensten Preisklassen. Von der Ghetto-Bruchbude bis hin zu dekadenten Villen ist alles dabei. Einige erworbene Objekte, wie beispielsweise der Modellladen, erwirtschaften sogar regelmäßige Gewinne. Geklauten Autos verleiht man mit Hilfe von Tuningwerkstätten die persönliche Note.

Wiederholungstäter
Leider bietet der neueste Teil der Serie auch einigen Raum für Kritik. So ist vor allem das Frustpotenzial an einigen Stellen sehr hoch. Das liegt neben dem stellenweise enormen Schwierigkeitsgrad vor
» Mit dem Bike durch Las Venturas.
allem an den immer noch fehlenden Checkpoints. Vergeigt man eine Mission, ist man gezwungen sich den Auftrag immer wieder neu beim Auftraggeber abzuholen. Oft muss man im Anschluss noch an den Einsatzort fahren, bevor die eigentliche Mission überhaupt beginnt. Auch die Zwischensequenzen, welche mit kurzen Ladepausen verbunden sind, müssen stets erneut abgebrochen werden. Zwar gibt es die Möglichkeit, bereits gefahrene Wegstrecken innerhalb einer Mission an der man sich schon einmal versucht hat zu überspringen, allerdings bringt dieses Feature nach dem Neuladen nichts, da der vermasselte Auftrag im geladenen Spielstand immer noch als unversucht gilt. Auch erspart dieses Feature nicht den Weg zurück zum Auftraggeber, der mitunter sehr lang ausfallen kann.

Auch das - zwar verbesserte - automatische Zielsystem arbeitet noch nicht optimal. Vor allem bei vielen Gegnern aus mehreren Richtungen ist die Erfassung des gewollten Ziels im Eifer des Gefechts oft problematisch.

Technich leicht aufgemotzt
Die extrem abwechslungsreichen und detaillierten Umgebungen der reichlich bevölkerten Spielwelt profitieren von der Hardwarestärke der Xbox und zeigen sich deutlich weniger anfällig für Ruckler und
» Viele Minigames sorgen für ewig langen Spielspaß.
Popups wie die der Playstation 2-Version. Leider konnte man diese Macken aber nicht komplett entfernen, so dass es auch auf Microsofts Konsole hin und wieder zu kleinen Problemen kommt. Auch die teilweise verbesserten Texturen fallen beim Spielen kaum auf und bieten somit keine echte Verbesserung. Beim Soundtrack hat Rockstar mal wieder tief in die Lizenzkiste gegriffen und das Spiel mit etlichen bekannten Titeln versehen. Präsentiert wird das Ganze wie immer in Form von Radiosendern, die alle eine bestimmte Musikrichtung bieten und in jedem Fahrzeug beliebig durchgeschaltet werden können. Zwischen den Liedern gibt es wie in den Vorgängern Radioprogramm mit lustigen Werbespots, Ansagen und Talkshows. Je nachdem, in welchem Wagen man sitzt, kann die Soundqualität auf Grund der eingebauten Anlage geringfügig schwanken. So verfügen vor allem die Low-Rider über einen fetten Bass, während die Musik auf einem Motocross-Bike wesentlich blecherner klingt. Ebenfalls grandios Arbeit hat man bei der englischen Sprachausgabe geleistet. Allerdings ist diese in einem starken Slang gehalten, so dass man es schwer haben wird, wirklich alles zu verstehen. Hier helfen allerdings die deutschen Untertitel. Darüber hinaus wurden sämtliche Soundeffekte sehr passend und glaubwürdig gewählt. Die Xbox-Version bietet zudem die Möglichkeit, eigene Soundtracks einzubinden, die dann in einem speziellen Radiosender - inklusive der witzigen Werbespots - untergebracht werden.

Gigantischer Umfang
San Andreas bietet für einen Actiontitel einen wahrhaft gigantischen Umfang. Die frei begehbare Welt offenbart dermaßen viele Möglichkeiten sich auszutoben, dass man locker 100 bis 150 Stunden mit dem
» Die Texturen wurden teilweise verbessert.
Spiel verbringen kann. Konzentriert man sich rein auf die Hauptquest, was angesichts der verlockenden Minispiele und spaßigen Nebenaufträge schwer fallen dürfte, ist man immer noch rund 40 Stunden beschäftigt. Leider zielt der Titel auf Grund des teils sehr hohen und nicht verstellbaren Schwierigkeitsgrades weniger auf Anfänger ab. Fehlende Checkpoints erhöhen den Frustfaktor zusätzlich. Neben dem Solovergnügen bietet der neueste Teil der Serie erstmals die Möglichkeit, zu zweit zu zocken. Allerdings beschränkt sich diese nur auf einige Sondermissionen, die meistens darauf hinauslaufen, dass ein Spieler ein Vehikel steuert und der andere auf diverse Ziele feuert. Zudem kann das beispielsweise das Pool-Minigame gegeneinander gespielt werden. Insgesamt eine nette Dreingabe, die von einem vollwertigen Mehrspielermodus allerdings noch weit entfernt ist.
Pro
Gigantische Spielwelt und Umfang
Kreative Missionen
Viele Fahrzeuge
Genialer Soundtrack und Sprachausgabe
Detaillierte und abwechslungsreiche Umgebungen
Etliche Minigames und Nebenquests
Spannende Story
Abgedrehte Charaktere
Typischer GTA-Humor
Contra
Fehlende Checkpoints
Frustmomente
Automatische Zielerfassung immer noch nicht optimal
Kein einstellbarer Schwierigkeitsgrad - daher für Einsteiger zu schwer
Deutsche Version zensiert
Fazit
Auch auf der Xbox macht GTA: San Andreas - wie nicht anders erwartet - einen überragende Figur und verweist alle ähnlichen Titel auf die Plätze. Die gigantische Spielwelt, die vielen abgedrehten Charaktere, die unendlichen Möglichkeiten und das immer noch geniale Gameplay machen das Spiel zu einem Pflichtkauf für alle Xbox-Besitzer, die diesen Titel auf der PS2 noch nicht ihr Eigen nennen. Die technischen Verbesserungen sind nett, hätten jedoch insgesamt etwas üppiger ausfallen dürfen. Besonders angenehm ist für mich die konstantere Framerate sowie die eingedämmten Ruckler und Popups. Einige aufgemotzte Texturen hingegen fallen beim Spielen kaum auf. Besitzer der Playstation 2-Variante müssen sich vor dem Kauf also die Frage stellen, ob ihnen der Luxus einer technisch leicht verbesserten Version die rund 50 Euro wert sind. Inhaltlich hat sich nämlich nichts geändert, was einen erneuten Kauf für alle Besitzer der Urversion unattraktiver macht. Gerade hier hätte man sich neuen Content oder das Ausbügeln einiger Designfehler, wie das Fehlen von Checkpoints innerhalb längerer Missionen, gewünscht.