Codemasters dürfte sich unter den Xbox-Freunden mit der 1:1-Konvertierung von Colin McRae Rally 3 wohl nicht allzu viele Freunde gemacht haben. Viele Spieler und Kritiker bemängelten die unwürdige Grafik und die mehr als seltsame Menüstruktur. Dass es die Jungs aus dem Vereinigten Königreich auch besser können, beweisen sie mit ihrem neuesten Sprössling: DTM Race Driver Director’s Cut für Xbox und PC.
Während in DTM Race Driver auf der PS2 störende Pop-Ups die Augen des aufstrebenden Rennstars Ryan McCane trübten, so ist die Xbox-Version glücklicherweise frei davon. Ebenso wurde die Anzahl der an einem Rennen beteiligten Wagen von 12 auf maximal 20 erhöht und trotzdem läuft die weit einsehbare, aber ziemlich detailarme Landschaft flüssig am eigenen Boliden vorbei. Lediglich in den grandiosen Wiederholungen ist der eine oder andere Ruckler bei Massenkarambolagen zu bemerken. Apropos Massenkarambolagen: Das schon aus Colin McRae Rally 3 bekannte Schadensmodell, welches zu den besten im Genre gezählt werden darf, wurde noch einmal verfeinert, was für ein erhöhtes Blechschadenaufkommen in den Rennen und vor allem in Mehrspielerpartien für viel gute Unterhaltung sorgt. Stichwort Mehrspielerpartien: Bis zu 4 Leute dürfen gleichzeitig per Splitscreen antreten, auf eine Implementierung der System Link-Option wurde jedoch leider verzichtet, ebenso auf Unterstützung für sein Online-Pendant Xbox Live.
Zu Beginn einer jeden Karriere wird zuerst ein Spielstand angelegt, welcher von nun an die Fortschritte des jungen McCane aufzeichnen soll. Die allererste Meisterschaft darf übrigens noch nicht frei angewählt werden, hier ist die TOCA-Serie voreingestellt, welche erfolgreich absolviert werden muss, um weitere Meisterschaften (wie z.B. NEC, SEC oder die Alfa GT) freizuschalten. Hat man eine bestimmte Anzahl Meisterschaftspunkte erreicht, wird die nächsthöhere Stufe freigegeben. Hier ist auch der namensgebende Klassiker DTM vertreten (in UK heißt das Spiel übrigens TOCA Race Driver, in den USA Pro Race Driver… soviel zu den lokalen Anpassungen ;). Auch hier gilt: Bei erreichen einer bestimmten Punkteanzahl erreicht man schlussendlich die Weltmeisterschaft, bei der es um die Wurst geht, schließlich soll dem verhassten Bruder eins ausgewischt werden. Bitte? Achja, da war doch was: DTM ist kein normales Rennspiel! Ähnlich wie beim Milestone Racer „Racing Evoluzione“, gilt es auch hier einer Story zu folgen, die ganz lustig anzusehen ist, aber selten mehr als Seifenoper-Niveau erreicht. Soviel sei verraten: Euer Alter Ego ist zynisch, jähzornig und misstrauisch! Mir ist die Identifikation mit dem Protagonisten also recht schwer gefallen
Insgesamt dürft ihr euer fahrerisches Können in 42 lizenzierten Touren-, Renn- und Straßenwagen auf 38 internationalen Rennstrecken unter Beweis stellen (darunter auch der A1-Ring). Neben der Meisterschaft gilt es auch noch die jeweiligen Landeschampions in fordernden Kurzrennen zu besiegen, deren Wagen dann in Zeitrennen, Freien Rennen und im Multiplayer zur Verfügung stehen. Hier ist also Freischaltungsmotivation gefragt, denn leicht sind diese Rennen beileibe nicht.
Da das Game über einen hohen Realismus- und Simulationsgrad verfügt dürfen natürlich auch diverse Fahrzeugeinstellungen vor dem jeweiligen Rennen nicht fehlen, die aber glücklicherweise keine Grand Prix- oder NASCAR-Ausmaße annehmen und angenehm einfach zu bedienen sind. Eingestellt werden können unter anderem das Übersetzungsverhältnis, der Andruck der Spoiler, Stabilisator und die Federung. Die freie Reifenwahl (Slicks, Intermediate, Regen etc.) darf natürlich auch nicht außen vor bleiben. Vor jedem Rennen erhaltet ihr übrigens Tipps von eurem Mechaniker, wie denn das optimale Setting für die nächste Strecke auszusehen hat. Für Leute, die gerne auf stundenlange Einstellungen verzichten, eine willkommene Erleichterung des Spielgeschehens.
Auch die Gegner-KI ist erfrischend: Sie machen Fehler, produzieren Auffahrunfälle und versuchen euch nach bester Wild-West-Manier von der Strecke zu drängeln, solltet ihr zuvor ihre Stoßstangen als wirksame Bremsunterstützung verwendet haben. Es gibt auch meistens kein Fahren im Pulk (Ausnahmen sind die Rundrennen in bester NASCAR-Manier in der American Allstar League) und das richtige Kurvenfahren will spätestens bei den Langrennen (10+ Runden) im dichten Gegnerpulk gelernt sein. Sonst liegt man schneller im Kiesbett, als man dem auffahrenden Gegner „*BIEP*“ zurufen kann.
GrafikWie schon erwähnt, bleibt die Xbox-Version glücklicherweise befreit von störenden Pop-Ups der PS2-Version. Auch die wunderschönen Fahrzeugmodelle und das realistische Schadensmodell bieten keinen Anlass zur Kritik. Auch die Wettereffekte sehen grandios aus. Lediglich die Landschaft bzw. die Umgebungsgrafik darf schlicht und einfach als langweilig bezeichnet werden. Nichts bewegt sich und die Zuschauer sind, wie schon aus Colin McRae Rally 3 bekannt, zweidimensionale Pappkameraden.
SoundWuchtiger Motorensound, DD5.1 Unterstützung (die Ohren werden es euch danken) und die kreischende "Crowd" lassen euer Alter Ego schnell eins werden mit der Rennstrecke. Hier gibt es keinen ANlass zur Kritik, alles ist so, wie man es sich als Laie auf einer Rennstrecke vorstellt. Lediglich die deutschen Synchronsprecher in den Zwischensequenzen hätten einen Schluck "Motivatin 100" gebrauchen können. Die Gespräche kommen leider ziemlich langweilig rüber. Auf Musikuntermalung während der Rennen müsst ihr übrigens komplett verzichten (der geneigte Arcade-Racer-Leser möge mir verzeihen, wenn ich sage: GUT SO, CODEMASTERS!), hier wurde also ebenfalls mehr Wert auf eine realistische Atmosphäre gelegt.
Spielspaß SoloSelten hat es mehr Freude bereitet, Rennen auf Rundkursen zu bestreiten (welche normalerweise nicht so mein Fall sind). Die Meisterschaften bieten viel Motivation, ebenso wie die teilweise äußerst schwierigen Herausforderungen, da dort meist mit ziemlichen Heckschleudern (z.B. Corvette in der Straßenversion) neue Bestzeiten aufgestellt werden müssen. Das realistische Handling tut ihr übriges, um den geneigten Xbox-Spieler vollends in seinen Bann zu ziehen. Hier gibt es also eine klare Kaufempfehlung!
Spielspaß MultiAnders sieht es beim Multiplayer-Part aus, der leider wieder einmal äußerst stiefmütterlich behandelt worden ist (Warum gibt’s keine System Link-Option? Argh! Und warum keine Xbox-Live Unterstützung? Buhuu!). Desweiteren hält sich auch die Optionsvielfalt in den normalen Multiplayer-Partien ziemlich bedeckt. Schade.