Der fulminante Trilogie-Abschluss kombiniert actionreiche Kämpfe mit Knobel- und Sprungeinlagen und einer spannenden Story.Als
Ubisoft Montreal im Jahr 2003 das 3D-Remake
Sands of Time der alten PC-Serie
Prince of Persia veröffentlichte, landeten die Verantwortlichen von
Splinter Cell und
Rainbow Six einen Überraschungshit. Ein Action-Adventure der alten Schule erwartete die Spieler, welches das innovativen Feature, die Zeit zu kontrollieren, mit einer packenden Story verknüpfte. Ob das Team die auf diesen Prinzipien aufbauende Trilogie mit
The Two Thrones angemessen abrundet, erörtert unser
Master-Review.
Home, sweet home Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Man sollte meinen, der Prinz von Persien habe sich nach all der Aufregung ein wenig Urlaub verdient. Im ersten Teil der Serie setzte er bei einem Feldzug seines Landes aus Versehen den
Sand der Zeit frei. Dem Thronfolger gelang es zwar, seine Jugendsünde rückgängig zu machen, jedoch forderte in
Warrior Within das Monster
Dahaka dafür seinen Tod. Um der Strafe für sein Fehlverhalten zu entrinnen, reiste er zur
Insel der Zeit, wo der Prinz die Herrscherin an der Erschaffung des verhängnisvollen Sandes hindern wollte.
Zu Beginn des neuen Abenteuers segeln die zum Liebespaar gewordenen Beiden in seine Heimatstadt, Babylon, doch anstatt der erwarteten Idylle finden sie brennende, beschädigte Türme und Tore vor. Durch einen brennenden Pfeilhagen getrennt, macht sich der Held auf die Suche nach seiner neuen Gefährtin,
Kailena, doch er kommt knapp zu spät: Der böse Vesir, welcher den Prinzen erst in den Schlamassel der Zeitmanipulation brachte, benutzt den Tod der Herrscherin, um Macht und Unsterblichkeit zu erlangen. Zwar gelingt es dem Protagonisten, den
Dolch der Zeit in seine Gewalt zu bringen, doch dafür nimmt er die Infizierung mit dem Sand der Zeit in Kauf. Dies weckt eine dunkle, monströse Seite in ihm, die fortan seinen gesamten Feldzug gegen die Besatzungsmacht des Vesirs bestimmt: Während das dunkle Ich kompromisslos am Tod des zum übermächtigen Sandmonster mutierten Hofbediensteten interessiert ist, sorgt sich der andere Teil seiner Persönlichkeit um das Wohl und die Befreiung seines Volkes.
Erwähnenswert ist die Art und Weise, auf die die Handlung in
Prince of Persia: The Two Thrones vorangetrieben wird. Wie von den anderen Teilen gewohnt wird diese von einem Erzähler aus dem Nachhinein erzählt, der Spieler schlüpft in die Rolle des Zuhörers. An ruhigen Stellen des Spiels meldet sich der Narrator oder auch der Prinz selber zu Wort. Zudem werden die Ereignisse von vielen Zwischensequenzen in Spielgrafik und einigen vorgerenderten, kinoreifen Szenen gelenkt, welche für eine sehr dichte und packende Handlungskette sorgen. Um diese ganz zu erleben, sind circa 14-16 Stunden von Nöten.
Die dunkle Seite ist stark… Obwohl er adelig ist, hat der namensgebende Hauptdarsteller von
Prince of Persia: The Two Thrones im Sport-Unterricht gut aufgepasst: Das akrobatische Rundumtalent hüpft, springt, hangelt, schwingt und schlägt auch
» Die Wagenrennen sind fordernd. |
in seiner Heimatstadt ununterbrochen. Die
gewohnte Mischung aus Umgebungspuzzles und Kampfsequenzen wurde nun durch einige sinnvolle Features ergänzt. Aufgrund seiner Infizierung mit dem
Sand der Zeit überfällt es den Prinzen stellenweise und seine neue, böse Seite kommt ans Licht: Der
dunkle Prinz. Bei der Verwandlung handelt es sich bei weitem nicht nur um eine äußerliche Mutation. Ausgestattet mit einer tödlichen Klingenkette lassen sich Widersacher noch effektvoller und produktiver eliminieren, jedoch zehrt die Veränderung an seinem Gesundheitszustand. Sprungeinlagen bekommen dadurch mehr Biss, denn er segnet das Zeitliche, falls keinen Sand aus Behältnissen oder von toten Gegnern seinen Zustand verbessert.
Eine weitere Neuerung sind die so genannten
Speed Kills: Schleicht ihr euch nahe genug an einen Gegner heran, ohne, dass dieser euch bemerkt, streckt der Prinz den Widersacher mit wenigen Hieben nieder, insofern die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit gedrückt werden. Ansonsten gestalten kleinere Änderungen wie neue Moves oder Hindernisse die Akrobatikeinlagen über und unter den Dächern Babylons noch abwechslungsreicher. Spielerische Höhepunkte sind die
Wagenrennen, in denen der Prinz mit einem Affenzahn durch die engen Häuserschluchten der Stadt braust. Diese Abschnitte stellen trotz ihrer Schwierigkeit ein spielerisches Highlight dar, weil die mit Hindernissen und Gegnern gespickten Parcours stets eine willkommene Abwechslung sind.
Schlachten und schleichen Das
Free Form Fighting-System des Vorgängers kommt erneut zum Einsatz. Mit allerlei Tastenkombinationen lasst ihr wahre Hieb- und Stichgewitter auf eure Gegner niederprasseln. Dabei ist derjenige im Vorteil, der
» Der perfekte Moment für einen sauberen Speed-Kill. |
geschickt mit seiner Umgebung interagiert: Wallrun-Attacken oder Würfe von Vorsprüngen bringen einige Vorteile in hitzigen Gefechten. Auch ein dunkler Prinz, der sich in einigem Abstand mit seiner Klingenkette um eine Säule schwingt, macht Sandmonstern in seinem Radius schnell den Garaus. Sollte es trotz dieser mannigfaltigen Möglichkeiten einmal brenzlig werden, stehen die aus den Vorgängern bekannten
Sandmächte zur Verfügung. Mit dem Zurückdrehen der Zeit bekommt ihr selbst nach dem Ableben noch eine zweite Chance, während durch die Verlangsamung des Geschehens ein solches verhindert werden kann. Alternativ ist es auch möglich, den Hieben des Helden durch Sandeinsatz mehr Wirkung zu verleihen.
Der geschickte Einsatz von Speed-Kills, Combosystem und Sandmächten ist schließlich in den
Bosskämpfen erforderlich. Diese recht kniffligen Sequenzen benötigen stets eine spezielle Taktik, weswegen Otto-Normalzocker den einen oder anderen Anlauf für diese Einlagen brauchen wird. Knifflig wird es auch an den
Portalen. Dieses babylonische Schnellreisesystem für Sandschergen deaktiviert der Prinz nach und nach und muss es dabei an jedem Außenposten mit bis zu fünf Widersachern aufnehmen. Fieserweise kann der Wächter des Portals jederzeit neue Wachen zur Hilfe rufen, weswegen ihr euch mit dem Deaktivieren des gelben Leuchtkegels – einmal in einen Kampf verwickelt - beeilen solltet.
So hat der alte Orient ausgesehen Eine würdige Basis und einen gelungen Rahmen für die fesselnde Story des Titels schafft die stimmige
Orientathmosphäre. Diese wird vor allem durch den
orchestralen Soundtrack des Spiels genutzt. Während
» Der Zyklop ist der erste Zwischengegner. |
in hitzigen Kampfgefechten schnelle Rhythmen erklingen, fehlt die Musik in kniffligen Sprungpassagen an manchen Stellen ganz. Findet ihr vorübergehend den weiteren Weg nicht, drängen bedrohliche, tiefe Bläser und Streicher zum Voranschreiten.
Eine weitere Komponente stellt die tolle
Grafik dar: Weichzeichner und Partikeleffekte legen die Basis für das ausgeprägte, östliche Flair. Die Kombination aus hoher Detaildichte und trotz engem Levelverlauf sehr weitläufig wirkende Umgebungen inszeniert das pseudo-reale Babylon auf eindrucksvolle Art und Weise. Der Prinz ist wie bereits in den Vorgängern gekonnt animiert und bewegt sich flüssig und agil durch die Straßen der Stadt. Doch der Preis, der für diese Optik aus einem Guss gezahlt werden muss, ist PS2-Spielern wohl gut bekannt: Moderates Kantenflimmern und stellenweise niedrig aufgelöste Texturen bremsen den technischen Höhenflug.
Einzig im Bereich des Balancing kämpft der Titel wirklich mit
Problemen. Der Spieler darf zwar den Schwierigkeitsgrad wählen, doch bereits auf der einfachsten Stufe bleiben ihm
frustrierende Stellen nicht erspart. Die Speicher- und Wiedereinstiegspunkte säten die Entwickler rarer und schlecht verteilter als noch zuvor, einige Passagen sind selbst für Profis ohne vorheriges Ausprobieren nicht lösbar. Mit ausreichender Geduld und der richtigen Taktik lassen sich zwar alle spielerischen Engstellen früher oder später passieren, jedoch hätten diese demotivierenden "Trial & Error"-Abschnitte vermieden werden können.