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Archer Maclean’s Mercury  
» Autor: Christian Krammer
» Datum: 08.09.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Sehr anspruchsvolles und zugleich äußerst motivierendes Puzzle-Game.

Es gibt zahlreiche Persönlichkeiten, die untrennbar mit Begriffen oder Erfindungen aus unserem Leben verknüpft sind: Bei Diego Maradona denkt jeder sofort an Fußball, Niki Lauda assoziiert man unmittelbar mit der Formel 1 und Rudolf Diesel, das weiß jedes Kind, hat den Dieselmotor erfunden. Nicht ganz so offensichtlich gestaltet sich die Sache bei Archer Maclean: Ewas älteren Spielern wird dieser Name sicher ein Begriff sein, Jungspunde wissen von seinen Glanztaten wie etwa dem Kultspiel International Karate aber eher weniger zu berichten. Ob es sich auch bei Mercury um ein ähnliches Meisterwerk handelt oder der Gute sein Künste vielleicht sogar ganz verlernt hat, klärt unser Master-Review.

Vorsichtig, giftig!
Ein Metall, das man in der Realität eher meiden sollte, hat in Mercury seinen großen Auftritt: Quecksilber. Der Spieler übernimmt die Kontrolle über einen Batzen dieser Substanz, die per Analogstick durch die Levels gelotst wird. Dabei bewegt man
» Da windet sich das Quecksilber.
nicht das schimmernde Etwas selbst, sondern kippt den Untergrund. Was auf den ersten Blick keinen Unterschied macht, wird schnell klar, wenn mehrere dieser Kügelchen im Spiel sind und man zum geschickten Jongleur avanciert. Ziel eines jeden Abschnittes ist es dabei, das flüssige Metall innerhalb des Zeitlimits auf ein bestimmtes Feld zu bewegen oder unterschiedlich viele sogenannte Leittürme (leuchten bei Berührung) zu aktivieren. Erschwerend kommt hinzu, dass dies mit einer vorgegebenen Menge an Quecksilber bewerkstelligt werden muss, was anhand meist fehlender Levelbegrenzungen und daraus resultierenden Abstürzen nicht immer ganz einfach ist. Läuft die Zeit ab oder verliert man zu viel des kostbaren Gutes heißt es von vorne beginnen.

Keine all zu große Überraschung werden somit die drei verschiedenen Level-Typen darstellen: Rennen, Prozent und Aufgabe sowie Kombinationen davon und besonders fiese Abschluss-Herausforderungen. Rennen warten mit einem eher knapp bemessenen Zeitbudget auf, in den Prozent-Levels muss möglichst viel des schillernden Metalls ins Ziel befördert werden und in der Aufgabe gilt es, verschiedene Leittürme zu aktivieren. Insgesamt stellt einen Archer Maclean's Mercury vor sechs thematisch komplett unterschiedliche Welten, die sich beispielsweise vor Feuer-, Wasser- oder Schneelandschaften abspielen – unterteilt in jeweils zwölf Levels. Diese können bis zu einem gewissen Grad selbst ausgewählt werden, falls man mal vor einem unlösbaren Rätsel steht. Auf dem Weg zu einer neuen Welt ist es aber unausweichlich, jeden Abschnitt erfolgreich hinter sich zu lassen.

Das Leben ist kein Zuckerschlecken
Hat man in der ersten Welt, die sich zum leichteren Einstieg als Tutorial präsentiert, noch keine Probleme, zieht der Schwierigkeitsgrad aber schnell an. Nicht selten sitzt man bis zu einer halben Stunde vor einem Level und versucht es
» Autsch, das tut weh.
immer und immer wieder. Die Motivation geht aber nie verloren und man ist jederzeit gewillt, die Herausforderung zu meistern. Diese liegt dabei nicht unbedingt darin, herauszufinden, wie man nun einen Abschnitt meistert, sondern ist eher beim Schaffen selbst zu finden. Ein Mal läuft schlicht und einfach die Zeit ab, ein anderes Mal stürzt ob dieser Hektik ein beträchtlicher Teil des Metalls in die Tiefe. Nicht zu vergessen die zahlreichen Gemeinheiten, die sich die Programmierer haben einfallen lassen, um den Spieler zur Weißglut zu bringen: Lichtbögen schmelzen den Quecksilbervorrat weg, fiese Mercoids verspeisen ihn zum Frühstück und gemeine Sauger bringen die schimmernde Substanz gar an einen besonders entlegenen Winkel des Levels, von wo aus die Zeit für die Rückkehr meist nicht reicht.

Die Ruhe vor dem Sturm
Neben den Fallen gibt es weitere Vorrichtungen, die dem Spieler das Leben nicht unbedingt schwerer machen, aber auch so ihre Tücken haben, wenn einem die Uhr beinhart im Nacken sitzt: Förderbänder, Teleporter, rauhe Oberflächen, Stampfer,
» Was darf's sein, rot oder blau?
Schieber und Filtertüren. Letztere können nur mit Quecksilber gewisser Farbe passiert werden. Zum Ändern dieser stehen bestimmte Farbschleusen in vorwiegend den Grundfarben zur Verfügung. Natürlich kommen auch Mischungen wie beispielsweise violett zum Einsatz, die, in Abwesenheit einer passenden Schleuse, mit viel Fingerspitzengefühl aus einer blauen und roten Kugel durch Zusammenfügen generiert werden müssen. Da sich die beiden Gebilde wie bereits erwähnt parallel bewegen, ist dafür sehr viel Geschick erforderlich. Nicht selten führt einen der Weg dabei über äußerst schmale Stegen. Neben den Schleusen profitieren auch Schalter – welche meist Türen öffnen – und Leuchttürme von diesem Farb-Misch-Masch und funktionieren nur in der richtigen Kombination. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad in Mercury relativ hoch angesiedelt, schwankt ziemlich, wird jedoch nie unfair. Es gibt immer wieder Levels, die nur mit zahlreichen Anläufen und viel Schweiß zu schaffen sind, während sich andere, nachfolgende, mit nur einem Versuch beenden lassen. Highscore-Jäger werden mit dem Spiel ihre Freude haben: Während man beim ersten Abschließen eines Abschnittes meist auf dem letzten Platz landet, kann man den Punktestand durch schnelleres Beenden oder geringeres Einbüßen von Quecksilber weiter in die Höhe treiben.

In Bild und Ton
Bei der Gestaltung der Levels haben die Entwickler sehr viel Geschick und Einfallsreichtum bewiesen. Nahezu jeder Abschnitt erfordert eine andere Herangehensweise, nur selten herrscht Verwirrung über die Zielsetzung. Um stets
» Auch zu Zweit geht's auf die Piste.
die Übersicht zu behalten kann die Kamera in 90-Grad-Schritten gedreht sowie zu einer totalen Draufsicht gekippt werden. Eine Speichermöglichkeit steht nach jedem Level zur Verfügung. Ist eine weitere PSP zur Hand, dann dürfen die Levels auch zu Zweit bestritten werden, wobei der jeweils andere Spieler immer halbtransparent aufscheint. Grafisch bietet Mercury ein sehr gutes Bild: Das Quecksilber bewegt sich physikalisch korrekt durch die Umgebungen, bildet bei der Trennung kleine Kügelchen und schimmert realistisch im Licht. Auch die Aufmachung der Levels und die Hintergründe wissen zu gefallen. Auf Seiten der Akustik gibt es nichts Außergewöhnliches zu vermelden. Alle Geräusche passen gut zum Gesehenen, die Musikuntermalung rieselt im Hintergrund dahin, ohne wirklich aufzufallen. Erstaunlich gut funktioniert die Steuerung via Analogstick. Ist dieser bei Ridge Racer nur bedingt zu gebrauchen, klappt das Manövrieren bei Mercury erstaunlich gut.
Pro
Abwechslungsreiche Levels
Hohes Rätsel-Niveau
Motivation nimmt nicht ab
Meist selbsterklärend
Wird nie unfair
Nette Grafik
Contra
Schwer
Relativ geringe Spielzeit
Fazit
Es scheint, als ob sich die PSP zu einem echten Puzzle-Handheld entwickelt. Bereits zum Start sind zwei hochkarätige, wenn auch grundverschiedene, Vertreter dieses Genres verfügbar: Zum Einen der stylische Musik-Puzzler Lumines aus dem Hause Ubisoft, zum Anderen, und daraus muss man keinen Hehl machen, das nahezu ebenbürtige Mercury von Atari. Selten schafft es ein Entwickler, Herausforderungen auf einem derart hohen Niveau zu präsentieren, ohne dabei repetitiv zu werden oder den Spieler zu verwirren. Die Levels erklären sich meist von selbst und nur ganz selten kommt ein Gefühl von Verwirrung auf. Wenn man dem Titel etwas negativ ankreiden kann, dann ist es der hohe Schwierigkeitsgrad, der jedoch nie unfair wird. Nicht selten muss man einen Level immer und immer wieder von neuem beginnen, was der Motivation, ihn doch noch abzuschließen, aber keinen Abbruch tut. Auch die relativ geringe Spielzeit von ca. zehn Stunden, die bei geübten Spielern noch reduziert werden kann, ist auf der Negativseite zu verbuchen. Highscore-Jäger hingegegen, die es auf einen möglichst hohen Punkstand anlegen, werden weit länger benötigen. Auf jeden Fall findet man bei Archer Maclean's Mercury aber ein wahres Puzzle-Fest vor, das sich kein Anhänger dieses Genres entgehen lassen sollte. Lediglich Zocker mit einer geringen Toleranzschwelle sollten ob des hoch angesetzten Schwierigkeitsgrades eher die Finger vom Titel lassen.