Solider Handheld-Port der epischen Massenschlachten, der es allerdings nicht mit seinen großen Vorbildern aufnehmen kann.
Ursprünglich auf der Playstation 1 und 2 heimisch, haben die Krieger und Kriegerinnen der Three Kingdoms mittlerweile auch Xbox, PC sowie Gameboy Advance erobert. Nächstes Ziel der tapferen Helden ist die aktuelle Generation an Handhelds - also der Nintendo DS sowie die PSP. Den Dynasty Warriors-Ableger für Sonys portable Konsole haben wir für euch unter die Lupe genommen und sämtliche Eindrücke wie gewohnt in einem umfangreichen Master-Review zusammengefasst.
Krieg in den drei Königreichen
Eigentlich ist ja genug Land für alle da, doch getreu der in China enorm populären Three Kingdoms-Sage liegen die Königreiche Wu, Wei und Shi im ständigen Clinch miteinander. Wo Diplomatie nicht mehr hilft, wird
» Kloppe + Gaul.
Krieg geführt. Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass in Dynasty Warriors ständig riesige Armeen durch die Provinzen des feudalen Chinas ziehen und sich gegenseitig gehörig die Hölle heiß machen. Der Spieler bildet, wie jeder Kenner der Serie wissen dürfte, einen festen Bestandteil des Geschehens und fungiert als Rückgrat der eigenen Armee. Als Super-Offizier nimmt er an ausgedehnten Schlachten teil und vertrimmt - ungelogen - tausende anstürmende Feinde. Bevor es in die Schlacht geht, muss man sich allerdings für eines der drei genannten Königreiche entscheiden. Jedes Volk bietet zu Beginn sechs verschiedene Kämpfer - weitere Recken müssen erst frei gespielt werden. Die Helden unterscheiden sich in diversen Charaktereigenschaften wie Geschwindigkeit und Angriffskraft. Natürlich verfügt jeder Recke auch über eine individuelle Waffe, welche wiederum verschiedene Angriffskombinationen und Kampfstile ermöglicht. Wie in Dynasty Warriors 5 nimmt die Geschichte, je nach gewähltem Charakter und Volk, einen etwas anderen Verlauf. Insgesamt sind 42 Figuren (frei)spielbar.
Zerstückelte Schlachtfelder
Hat man sich für eine Seite sowie einen Offizier entschieden, wird man nach einem kurzen Textbriefing sofort aufs Schlachtfeld versetzt. Serientypisch darf der Spieler seine Figur hier frei bewegen und anstürmende Gegnerpulks mit
» Die Festung gehört bald uns.
Kombinationen aus leichten und starken Attacken zerpflügen. Dabei lädt sich ein Energiebalken auf, welcher bei gefülltem Status eine verheerende Spezialattacke - den sogenannten Musou-Angriff - ermöglicht. Auffällig ist eine für die PSP vorgenommene Änderung im Schlachtfelddesign. So sind die Orte der Auseinandersetzungen nicht mehr aus einem Guss, sondern aus vielen kleinen Arealen zusammengesetzt. Ist die Moral des Gegners in einem Gebiet auf Null gesunken, gilt dieses als erobert. Auf einer Übersichtskarte kann man anschließend seinen Recken und dessen Gefolgsleute einen Quadranten weiterbewegen, um neue Gebiete zu erobern. Einige Sektoren bieten Vorteile: Beispielsweise heilt ein Lazarett angeschlagene Einheiten, während eine Burg die Moral der Insassen steigert. Praktischerweise darf zwischen jedem Quadrantenwechsel gespeichert werden, was vor allem beim mobilen Spielen sehr komfortabel ist.
Verschlimmbesserung?
Einige Gamer werden das Aufsplitten der Schlachtfelder begrüßen, da das gesamte Spiel so wesentlich übersichtlicher als die großen Vorgänger ist. So darf man sich ausschließlich aufs fröhliche Gegnerkloppen konzentrieren, während
» Gegnerische Offiziere sind besonders harte Brocken.
leichtes Nachdenken erst wieder auf dem Taktikbildschirm vorrausgesetzt wird. Eingefleischte Dynasty Warriors-Fans hingegen könnten das absolut freie Bewegen sowie das blitzschnelle Reagieren auf unvorhergesehene Ereignisse vermissen. Gerade diese beiden Tatsachen tragen nicht unwesentlich zur authentischen Schlachtenatmosphäre der großen Brüder des PSP-Ablegers bei. Auch leidet der Spielfluss merklich unter dem häufigen Wechsel zwischen Schlachtfeld und Taktikkarte. Ein weiterer Unterschied gegenüber den anderen Titeln der Reihe findet sich im Objekt- und Leibwachesystem. Sämtliche Gegenstände zur Verbesserung der Attribute sowie die Bodyguards wurden abgeschafft. Statt dessen darf man in eine Mission bis zu vier Offiziere mitnehmen, welche die Funktionen der Leibwächter und Items übernehmen. So kämpfen sie zum Einen an der Seite des Spielers, während sie zum Anderen verschiedene Charakterwerte verbessern. Auch beim Aufleveln der eigenen Figur wurde eine Änderung vorgenommen: Das virtuelle Alter Ego startet jede Mission mit Level 1 und steigt durch das Besiegen von Feinden, was zusätzliche Kombos und verbesserte Kampfeigenschaften zur Folge hat. Allerdings hat man das dauerhafte Verbessern der Figur am Ende einer Mission nicht ganz abgeschafft: Sowohl Spielfigur als auch die Hilfsoffiziere gewinnen an Erfahrung und Stärke dazu, sobald eine Mission erfolgreich abgeschlossen wurde.
Slow-Motion
Neben der Gliederung der Schlachtfelder muss man weitere Grafikeinsparungen auf der Playstation Portable in Kauf nehmen. So verfügen die Modelle über deutlich weniger Polygone als bei den Konsolenversionen. Die
» Die Grafikeffekte sind gelungen.
Sichtweite ist ebenfalls geringer und auch bei den Umgebungstexturen musste man einige Details einsparen. Leider kommt es trotz dieser vielen Einsparungen mitunter zu extremen Slowdowns, die das Spiel wie in Zeitlupe ablaufen lassen. Vereinzelt wären diese Geschwindigkeitseinbrüche ja nicht so das Problem, allerdings kann es mitunter passieren, dass man satte zehn bis 15 Sekunden am Stück in einem solchen Slowdown festhängt. Was anfangs vielleicht noch nach einem coolen Zeitlupeneffekt aussieht, strapaziert auf Dauer das Nervenkostüm des Spielers. Keine Blöße gibt sich der Titel hingegen bei der Akustik. Bekannt fetzige Metal-Rhythmen untermalen die mittelalterlichen Schlachten erstaunlich gut und bilden zusammen mit den vorbildlichen Effekten eine sehr gelungene Soundkulisse. Leider fehlt es dem Titel an Zwischensequenzen und Sprachausgabe, wie man es von den Konsolenversionen gewohnt ist. Ein weiteres Atmosphäredefizit mit dem das Game zu kämpfen hat.
Pro
Massenschlachten im Hosentaschenformat
Sehr viele Charaktere und Waffen
Gewohnt spaßige Keilereien
Häufige Speichermöglichkeiten
Contra
Teilweise extreme Slowdowns
Zerstückelte Schlachtfelder
Heruntergeschraubte Grafik
Fehlende Zwischensequenzen und Sprachausgabe
Fazit
Dynasty Warriors auf der PSP kommt nicht an seine großen Konsolenvorbilder heran - das muss ganz klar festgehalten werden. Vor allem die heftigen Slowdowns sowie die Unterteilung des Schlachtfeldes sind mir ein Dorn im Auge. Wo letzteres aufgrund der begrenzten Leistung der portablen Sony-Konsole noch nachvollziehbar ist und einigen Spieler eventuell sogar entgegen kommt, regen mich vor allem die Patzer in der Programmierung auf. Sind mehrsekündige Zeitlupenorgien wirklich nötig, wenn man die Grafik ohnehin schon stark heruntergeschraubt hat? Hätte hier ein wenig mehr Zeit bei der Entwicklung nicht das Gröbste verhindern können? Dennoch: Auch trotz dieser Mängel bleibt Dynasty Warriors immer noch eine Empfehlung für eingefleischte Fans, die schon immer einmal eine mobile Version ihres Lieblings-Schlachtenspektakels haben wollten. Auch Neulinge, die gute Action für unterwegs suchen, dürfen zugreifen. Die Kämpfe machen fast genau so viel Spaß, wie bei den großen Brüdern und der Umfang ist – dank etlicher spielbarer Figuren und Waffen - enorm. Bis alle 42 Spielfiguren freigezockt sind, geht so einige Zeit ins Land. Wer allerdings nicht unbedingt mobil zocken will, der greift weiterhin zu den deutlich besseren Konsolenversionen der Serie.