Death by Degrees ist ein Paradebeispiel für 'Viele Köche verderben den Brei'.In
Death by Degrees debütiert
Nina Williams in ihrem ersten eigenständigen Spiel. Die Geheimagentin/Attentäterin dürfte Beat'em-Up-Fans keine Unbekannte sein, handelt es sich bei der kühlen Blondine doch um einen Charakter der bekannten
Tekken-Reihe.
Namco betritt mit diesem Action-Adventure völlig neue Gefilde und versucht das Franchise zu erweitern. Ob der experimentelle Genre-Mix aus Kampf-, Scharfschützen- und Adventurespielen - welcher stark an ein Automatenspiel erinnert - Bestand hat, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Unglaublich, absurd ... aber sexy Die ersten Minuten vergehen dank des
mitreissenden Intros, einem Markenzeichen von
Namco, wie im Fluge. Die Story präsentiert sich fast schon typsich japanisch-absurd und sollte nicht ganz ernst genommen werden. Geheimagentin Nina
» Prügeln am Traumschiff. |
muss ein Kreuzfahrtschiff, das in Wirklichkeit das schwimmende Hauptquartier einer Schmugglerorganisation darstellt, infiltrieren. Dabei übernimmt sie für ihre Spion-Kollegen (den "Sneakers - Schleichern") die Rolle des "Sweepers - Aufräumers": Sie muss ungesehen an Bord kommen und im Notfall ihre Kameraden in brenzligen Situationen unterstützen. Natürlich geht gleich nach wenigen Minuten alles schief, was schief gehen kann. Nina wird auf den Plan gerufen und darf mit dem
Gegneraufmischen in bester Beat'em-Up-Manier beginnen. Wenn nicht gerade ihre Kampfkünste gefordert sind, präsentiert sich das Gameplay wie ein
klassisches Action-Adventure. Räume müssen erforscht, Gegenständen eingesammelt und kleinere Rätsel gelöst werden. Aufgelockert wird das Spielgeschehen durch einige zusätzliche Minigames, die teils Automaten-Feeling aufkommen lassen.
Kampf in allen Himmelsrichtungen Die wohl innovativste Idee von
Death by Degrees stellt das
360 Grad Kampfsystem dar. Völlig neu ist dieses System jedoch nicht,
Capcom vs. SNK 2: EO und
Rise to Honour nutzen eine ähnliche Steuerung.
» Another one bites the dust. |
Anstatt wie bei Beat'em-Ups üblich werden die Attacken nicht mittels Buttons, sondern per R-Stick ausgelöst. Ein
rasches Antippen lässt Nina auf Gegner
in der entsprechenden Richtung einprügeln. Besonders gut funktioniert die Steuerung, wenn die Agentin von Feinden umringt ist und in Sekundenbruchteilen einen Rundumschlag zur Befreiung ausführen muss. Zusätzlich können die Angriffe mittels Buttons variiert werden und temporär stehen auch Nahkampf- und Schusswaffen zur Verfügung. Das ist auch gut so, denn in
Death by Degrees stecken regelrechte Scharen von Feinden. Zeitweise stürmen auf Nina
bis zu sieben Gegner gleichzeitig ein, die es alle aufzumischen gilt. Der Schwierigkeitsgrad darf zum Glück frei gewählt werden, denn bereits in der Standardeinstellung geht es ziemlich heftig zur Sache und der Protagonistin bleibt kaum ein Augenblick zum Verschnaufen.
360 Gründe, frustriert zu sein Die Kehrseite der Medaille: Einfache Attacken gehen schnell und flüssig von der Hand, komplexe Manöver geraten aber schnell
zur Geduldsprobe. Anspruchsvolle Combos sind nicht intuitiv und verlangen umständliche Griffkombinationen.
» Gleich geht ihm die Luft aus. |
Für Daumenschmerzen sorgt das unverzeihliche Timing des gleichzeitigen R-Stick-Drückens und Antippen der Richtung. Zusätzlich gibt es wuchtige Spezialattacken, bei denen ein Gegner auf einen Schlag erledigt werden kann. Optisch ist das sehr ansprechend als
Röntgenbild-Sequenz samt brechenden Knochen dargestellt. Leider macht dies alles
Death by Degrees zu einem unnötig schweren Spiel. Sicherlich kann mit minutiösem Training einiges Terrain gut gemacht werden, doch der Spaß bleibt dabei auf der Strecke. Völlig daneben gegangen sind die Versuche, Stealth-Elemente ins Gameplay zu integrieren. Laut Tutorial und Handbuch soll es möglich sein, sich von hinten unbemerkt an Gegner anzuschleichen und diese lautlos zu eliminieren. Aufgrund der
bockigen Steuerung gerät dieses Unterfangen aber rasch zur Farce. Wenn also das Kampfsystem trotz innovativem Ansatz nicht glänzt, bleiben immer noch die die Adventure-Aspekte von Ninas Mission...
Arcade-Adventure by Degrees Leider bietet
Death by Degrees in dieser Hinsicht wenig, was man nicht schon aus unzähligen Genre-Vertretern kennt: stereotype und einfache Rätsel, diverse Anspielungen mythologischer Art
» Spaßiges Sniper Minigame. |
(Stichwort Bermuda-Dreieck) und eine
Optik mit fixierter Kameraposition, die seit den guten alten Tagen von
Resident Evil: Code Veronica X als überholt gilt. Zum Glück kann per R2 in eine Über-die-Schulter-Perspektive gewechselt werden, was die Übersicht zeitweise erhöht - es darf nämlich nicht überall in diese Sicht gewechselt werden. Abwechslung bietet der Genre-Mix nur dank
Minigame-Einlagen, in denen der Spieler z.B. die Rolle des "Sweepers" ausleben darf und per Scharfschützengewehr für Ordnung sorgt. Diese Sequenzen lockern den Spielfluss auf und vermitteln richtiges
Arcade-Automaten-Flair. Als regelrechter Designfehler darf das Speicherkonzept angesehen werden. Savepoints müssen mit einer Art Minendetektor erst gefunden werden, bevor sie benutzbar sind. Allerdings ist das Aufspüren so ungenau und nimmt viel Zeit in Anspruch, so dass einem schon nach kurzer Zeit die Laune vergeht.