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Tiger Woods PGA Tour 2005

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 10.04.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Kurzweiliger Golfspaß mit fehlender Langzeitmotivation.

Im echten Leben ist Golf ein eher teures Vergnügen. Wie gut, dass so mancher Publisher Nachsehen mit der Zockergemeinde hat und den Sport in einer weitaus erschwinglicheren Version auf die Fernseher zaubert. Dieses Vorhaben hat Electronic Arts nun ein weiteres Mal gewagt und bietet mit Tiger Woods PGA Tour die erste Umsetzung des Sports für den DS an. Wie sich der Titel mit zwei Bildschirmen spielt, klären wir im folgenden Master-Review.

Vijay Singh, Tiger Woods und Co.
Nachdem man die Sprache und ein Profil gewählt hat, macht man sich am besten daran, seinen eigenen Golfer zu erstellen. Neben dem Namen kann man sich für einen individuellen Look in Form von Aussehen und Kleidung entscheiden. Die
» Tiger Woods in seinem Element.
Auswahl ist zwar nicht gerade vielfältig, mithilfe von beispielsweise Gesicht, Körperbau und Kopfbedeckung hat man aber schnell ein passendes Konterfei erstellt, um sich in die Legend Tour – die Einzelspielerkampagne - stürzen zu können. Zu Beginn steht lediglich Anfänger als Schwierigkeitsgrad zur Verfügung, sodass man als Spieler nicht gleich überfordert ist. Die zwölf folgenden Events, in denen man gegen Golf-Größen wie Adam Scott, Vijay Singh oder Tiger Woods himself antritt, gliedern sich in drei verschiedene Spieltypen: Zählspiel, Lochspiel sowie Skin Game. Im Zählspiel addiert sich die Anzahl der Schläge über den gesamten Event hinweg. Der Spieler mit den wenigsten Versuchen gewinnt. Beim Lochspiel hingegen werden die Karten bei jedem Loch neu gemischt. Wer die meisten Partien für sich entscheidet, geht auch als Sieger des Turniers hervor. Das Skin Game als letztes im Bunde dreht sich nur um Geld. Pro Kurs ist ein bestimmter Betrag ausgeschrieben, den man gewinnt, wenn man gut mit seinen Eisen umgehen kann. Ist die Anfänger-Stufe erfolgreich abgeschlossen, folgen Pro und Legende, die sich außer einem minimal gesteigert Schwierigkeitsgrad aber nicht unterscheiden.

Hat man genug von der Legend Tour, darf man sich im Quick Play - dem freien Spiel – versuchen und eine individuelle Partie erstellen. Dazu wählt man Modus, Kurs, Teilnehmeranzahl und die Löcher aus und los geht's. Natürlich bleiben aber auch die WiFi-Fähigkeiten des Nintendo DS nicht ungenützt und finden im Mehrspielermodus Verwendung. Man kann sich hier maximal zu Viert heiße Duelle auf den verschiedensten Kursen liefern.

Auf dem Kurs …
… angekommen wird man mit einem Rundflug begrüßt. Der untere Bildschirm des DS zeigt das Geschehen dabei aus der Vogelperspektive, der obere hält sich ganz in 3D. Bei dieser Gelegenheit kann man sich auch gleich die Grafik des Titels zu
» Der „Caddie“ im Einsatz.
Gemüte führen, die durchaus nett anzusehen ist, aber keine Bäume ausreißt. Nichtsdestotrotz sind unterschiedliche Bodenstrukturen ebenso zu erkennen, wie einige - wenn auch wenige - Details am Golfer. Die Bewegungen des Spielers präsentieren sich zwar durchaus natürlich, wirken aber ein wenig abgehackt.

Hat man sich erstmal an der Optik des Titels satt gesehen, ist man erst einmal gut darin beraten, den Caddie durch einen dezenten Druck auf die zugehörige Schaltfläche am Touchscreen aufzurufen. Dieser zeigt sich als zentrales Verwaltungselement des Spieles: Neben detaillierten Informationen zum Kurs bekommt man Tipps, wie man das Loch am besten erreicht. Zuletzt lassen sich hier der zu verwendete Schläger sowie die Art des Schwunges bestimmen: Haut man voll auf den Ball ein, setzt man einen Punch an, um unter Hindernissen hindurch zu spielen oder lässt man die Kugel durch einen Chip in hohem Bogen auf das Grün segeln? Auch wenn sich diese Einstellungen sehr vielfältig anhören, wird man eher selten darauf zurückgreifen und den Caddie so gut wie nie aufrufen. Darüber hinaus kann man am Touchscreen bestimmen, wo der Ball landen soll und wie hart der Schlag dazu sein muss. In den meisten Fällen genügt es aber, wenn man einfach ohne vorherige Änderungen auf den Ball eindrischt, da das Programm selbstständig den richtigen Schläger sowie die Schlagart wählt. Nur in den seltensten Fällen ist nachträgliches Feintuning nötig. So stellt sich leider ziemlich schnell eine gewisse Monotonie ein, da die einzige Herausforderung darin besteht, den Ball richtig zu treffen.

Der Schwung macht die Musik
In einem Golfspiel dreht sich natürlich alles um den Schwung beziehungsweise den nachfolgenden Schlag. In Tiger Woods PGA Tour wird dieses Manöver wie nicht anders zu erwarten am Touchscreen ausgeführt. Dabei behilflich ist eine
» Das Putten ist des Golfers Lust.
ellipsenförmige Anzeige, über die man den Stylus in einer möglichst flüssigen und durchgängigen Bahn bewegen muss. Je weiter oben man dabei ansetzt, desto stärker wird der Schlag. Zum Ende hin wird noch die Richtung des Balles bestimmt: Zieht man den Stift vertikal nach oben, fliegt der Ball exakt gerade aus, weicht man nach links oder rechts ab, wirkt sich das entsprechend auf die Flugbahn aus. Solange sich die Kugel in der Luft befindet, kann noch der Drall durch eine Berührung bestimmt werden. Zusätzlich steht am rechten Bildschirmrand die Power Boost Anzeige zur Verfügung. Reibt man diese besonders schnell, sorgt man für zusätzliche Weite. Je nachdem, wie geschickt man vorgegangen ist, landet der Ball nun idealerweise am Fairway (dem gemähten Teil zwischen Abschlag und Grün) oder am Rough (der restlichen Wiese), im schlechtesten Fall im Wasser oder einem Sandbunker. Kann man sich in letzterem Fall noch durch einen gezielten Schlag befreien, muss man bei einem Schuss ins kühle Nass mit einem zusätzlichen Punkt leben.

Hat man es dann endlich auf das Grün (den Bereich um das Loch) geschafft, heißt es Putten. Zum Einen steht dabei ein Raster, der die Höhenlinien des Geländes anzeigt, zur Verfügung. Zum Anderen gibt es die Tipps des Caddies, welche genaue Auskunft darüber geben, wie stark und in welche Richtung man schlagen muss, um einzulochen. Insgesamt bietet das Programm sechs verschiedene Golfkurse fünf real existierende und ein Fantasie-Platz. Über die gesamte Partie hinweg gibt es keine Musikuntermalung, die Soundeffekte halten sich dezent im Hintergrund: Schlaggeräusche, Möwengeschrei und Applaus schallen dennoch authentisch aus den Lautsprechern. Der Titel kann also ohne Problem mit abgedrehter Lautstärke bestritten werden, da über den gesamten Spielverlauf hinweg keinerlei relevante Töne zu hören sind.

Das tägliche Brot
Nachdem man nun eine Partie für sich entscheiden konnte, erhält man einen bestimmten Geldbetrag auf sein Konto gutgeschrieben. Diesen kann man im Anschluss für das Aufrüsten bestimmter Fähigkeiten des Charakters verwenden:
» Schwung und … Schuss!
Kraft, Schlagpräzision, Annäherung und Glück, um nur einige zu nennen. Ist zu Beginn noch relativ wenig Kohle für die Steigerung der Attribute notwendig, bewegt man sich dann aber relativ schnell in der Preisregion einer Luxusvilla. Das Aufrüst-Feature ist dabei nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern wirkt sich deutlich auf den Spielverlauf aus. Hat man am Anfang so seine Mühe, einen 100%igen Schlag auszuführen, lässt sich die Anzeige durch gezielte Steigerung leicht weit darüber hinaus in Richtung 110% oder mehr treiben. Auch beim Putten tut man sich nach einer gezielten Shoppingtour weitaus leichter. Den Kontostand kann man jedoch nicht nur durch bloßes Gewinnen aufbessern, geschicktes Spielen innerhalb eines Events sorgt ebenso für Zuwächse: Immer auf dem Fairway bewegen, das Green mit nur einem Schlag erreichen oder möglichst in die Nähe des Loches schießen.
Pro
Toller Einsatz des Touchscreens
Gute Steuerung
Steile Motivationskurve…
Contra
…die jedoch schnell wieder abfällt
Fehlende Langzeitmotivation
Kaum Abwechslung
Sound so gut wie nicht vorhanden
Fazit
Tiger Woods PGA Tour macht Spaß, keine Frage, am Anfang sogar sehr viel. Bis man den Abschlag perfekt beherrscht und der Ball genau dort landet, wo man möchte, werden einige Stunden vergehen. Spätestens dann zeigt sich aber die größte Schwäche: Hat man diese Phase hinter sich gebracht, wird der Titel schnell uninteressant, da sich die Abwechslung in Grenzen hält und auch der Schwierigkeitsgrad nur unmerklich anzieht. Im Grunde macht man nichts anderes, als das Grün immer wieder mit möglichst wenigen Schlägen zu erreichen, um im Anschluss einzulochen. Man mag sich nun fragen, was daran falsch ist, da Golf generell nicht viel mehr bietet. Das Problem dabei: man kann das Ganze bis auf den Schlag selbst so gut wie nicht beeinflussen – obwohl „kann“ vielleicht das falsche Wort ist, es sollte eher „möchte“ heißen. Warum soll ich mir die Mühe machen und Schläger, Schlagart oder Position selbst wählen, wenn mir das Programm immer das Richtige vorgibt? Das Aufrüsten der Spielerfähigkeiten präsentiert sich zwar als nettes Feature, begeistert aber auch nur für eine begrenzte Zeit. So bleibt ein Titel übrig, der nichts wirklich falsch macht und trotzdem ziemlich schnell in der Ecke landen wird. Für eine Partie Golf zwischendurch ist das Spiel aufgrund mangelnder Alternativen durchaus zu gebrauchen und auch Zocker, die unterwegs nicht auf eine Runde des Edelsports verzichten wollen, können mit dem Programm glücklich werden. Alle anderen finden aber sicher besseres und vor allem länger motivierendes Futter für ihren DS.
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Sports
Website
www.electronic-...
Release
11. März 2005
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