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Master-Review:   » drucken    » versenden

Polarium

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 11.05.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Nette Knobelei für Zwischendurch, die mit veralteter Technik zu kämpfen hat.

"Jeder Plattform ihr Puzzle-Spiel". Das mag sich wohl auch Nintendo gedacht haben, als es darum ging, die Launch-Titel für den DS festzulegen. Ein Jump'n'Run in Form von Super Mario 64 DS musste auf alle Fälle dabei sein, auch um die Minigamesammlung WarioWare: Touched! kam man nicht herum. Polarium wurde schlussendlich die Ehre zuteil, die Riege der denksportbegeisterten Spieler zu befriedigen. Ob dieses Vorhaben gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Master-Review.

Wie bitte?
Bevor man so richtig mit dem Knobeln loslegen kann, gilt es eine nicht zu unterschätzende Hürde zu meistern: Das Hauptmenü. Selten zuvor haben es Entwickler geschafft, hier so viel Verwirrung zu stiften. Es werden einem Begriffe
» Auch Puzzles fangen mal klein an.
wie "Aufgaben", "Taktik" und "Kampf" ohne jegliche Beschreibung vorgesetzt, die erst einmal zugeordnet, oder noch besser, mithilfe des Handbuchs entschlüsselt werden wollen. Die berechtigte Frage, wer sich diese Worte ausgedacht hat, und noch viel mehr, welches Genie die Verantwortung für Übersetzungen wie "Ändern" - was so viel wie "Editor" heißt - trägt, bleibt aber weiterhin ungeklärt.
Hat man dieses Vorhaben nichtsdestotrotz erfolgreich gemeistert, ist man gut damit beraten, das kleine aber feine Tutorial zu konsultieren. Hier werden einem das Spielprinzip sowie die grundlegende Bedienung in kurzen Sequenzen näher gebracht. Zu ersterem bedarf es aber auch an dieser Stelle nicht all zu vieler Sätze: Eine Ansammlung von schwarzen und weißen Quadraten will unter Zuhilfenahme des Stylus so ohne Absetzen berührt werden, dass alle Vierecke die gleiche Farbe erhalten und vom Bildschirm verschwinden. Aus hell wird dabei dunkel und umgekehrt. Für eine gewisse Erleichterung sorgt ein grauer Rand, der beim Zug mit benützt werden kann, auf dem sich aber keine Spielsteine befinden. Hat man mal zu voreilig gehandelt, dann darf die aktuelle Bewegung durch einen Druck auf die "X"-Schaltfläche rückgängig gemacht werden.

Was darf's denn sein?
Einige Sätze mehr wollen dann schon bei der Beschreibung der unterschiedlichen Spielmodi verloren werden. Gemächlichere Naturen sollten am besten mit "Taktik" beginnen. Dahinter verbergen sich verschiedene Muster, die auf oben genannte
» Hektik im Aufgaben-Modus.
Weise gelöst werden wollen. Der Schwierigkeitsgrad beginnt dabei auf einem sehr niedrigen Niveau, zieht aber immer weiter an, um dann in echten Kopfnüssen zu enden, deren Lösung schon mal längere Zeit und zahlreiche Anläufe in Anspruch nimmt. Insgesamt 100 verschiedene Knobeleien warten darauf, geknackt zu werden. Das Geschehen präsentiert sich in diesem Modus auf beiden Bildschirmen nahezu identisch: Ein in der Größe variables Feld zeigt die bereits angesprochen Quadrate, die auf eine Berührung warten. Zusätzlich kann man auf dem oberen Screen den letzten erfolglosen Versuch sowie eine kleine Hilfestellung in Form des Anfangspunktes einblenden.
Weitaus hektischer geht es da schon beim Menüpunkt "Aufgaben" zur Sache. Entfernt an Tetris erinnernd, fallen hier regelmäßig Blöcke in variabler Größe von oben herab. Die Aufgabe des Spielers ist es dabei, diese durch Berühren so schnell wie möglich auf die gleiche Farbe zu bringen, sodass sie verschwinden. Ist man zu langsam und die Steine stapeln sich über eine gewisse Markierung, dann endet die Partie. Neben einer guten Portion Geschwindigkeit kommt es in diesem Modus vor allem auf eine gute Beobachtungsgabe an, um die Quadrate möglichst mit nur einem Zug umzufärben. Stellt das anfangs noch kein Problem dar, da einem das Programm lediglich einfache, kleine Muster vorwirft, prasseln schon bald immer komplizierte und größere Formen auf den Gehirnakrobaten ein, die immer längere Wege und vor allem Absetzer nötig machen. Hektik ist somit vorprogrammiert. Wer gegen diese Art von Stress aber nichts einzuwenden hat, wird sich schon bald auf einer ehrgeizigen Highscore-Jagd wieder finden.

Und sonst?
Wenn man genug vom Singleplayer-Dasein und einen Freund mit DS in der Nähe hat, bietet es sich natürlich an, den Mehrspieler-Modus von Polarium zu erkunden. Dabei ist lediglich ein Modul vonnöten. Um das Geschehen optimal darstellen zu
» Eine etwas kniffligere Denksportaufgabe.
können, muss man den Handheld nun um 90 Grad drehen. Sobald die Drahtlosverbindung hergestellt wurde, geht es auch schon los. Jede Reihe, die man auflöst, wird an den Rivalen gesendet. Wer als Erster alle Quadrate vom Bildschirm entfernt hat, gewinnt die Partie. Damit die Sache noch aufregender wird, finden sich immer wieder verschiedene Icons am Spielfeld vor, die z.B. die Anzeige des Kontrahenten umdrehen oder ein Benutzen des Randes unmöglich machen: Heiße Duelle sind also garantiert. Auch Anhänger selbst gebastelter Knobeleien kommen bei Polarium nicht zu kurz. Im Editor kann man beliebige Kopfnüsse entwerfen und im Anschluss auf Wunsch via Funkverbindung an einen Freund senden. Um Überzeugungsarbeit zu leisten, ist es möglich, eine Testversion auf einen zweiten DS zu übertragen.
So viel Mühe sich Nintendo auch bei den Features gegeben hat, so kläglich haben sie bei der Präsentation versagt. Grafik, die an die Anfänge der Videospiele erinnert und lediglich Hardcore-Puristen anspricht; Sound, der diese Bezeichnung nicht verdient hat und nur mit sehr sporadischen Tönen sowie Musikstücken aufwartet. Präsentation ist zwar nicht alles, ein wenig mehr Mühe hätte sich der japanischen Entwickler aber im Jahre 2005 geben können, auch wenn es "nur" um ein Puzzle-Spiel geht. Im Gegenzug wurde sehr viel Wert auf die optimale Bedienung via Touchscreen und Stylus gelegt, die vollends überzeugt und sehr leicht von der Hand geht.
Pro
Optimale Bedienung
Zwei unterschiedliche Spielmodi
High-Score-Jagd ist vorprogrammiert
Beiliegender Puzzle-Editor
Multiplayer-Partien mit nur einem Modul
Contra
Hoffnungslos veraltete Technik
Eingewöhnungszeit vonnöten
Hauptmenü ist ein Graus
Schlechte Übersetzung
Fazit
Als ein Spieler wie ich, der Handbücher erst dann konsultiert, wenn es nicht anders geht, hat man es bei Polarium nicht leicht. Das Tutorial führt zwar alles Wissenswerte vor Augen, das Hauptmenü ist aber ohne Frage ein Graus. So scheint man am Anfang ein wenig verloren zu sein und weiß nicht so recht, was man mit dem Titel anfangen soll. Erst wenn man sich eine Zeitlang mit dem Spielprinzip auseinander gesetzt und einige Partien beendet hat, werden einem die wahren Qualitäten von Polarium offenbart und man ist immer auf der Jagd nach einem neuen Highscore. Sehr positiv kann den Entwicklern angerechnet werden, sowohl Taktiker mit den Puzzles als auch etwas hektischere Naturen im Tetris-ähnlichen Aufgaben-Modus ansprechen zu wollen. Dieses Vorhaben ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Titel mit einer hoffnungslos veralteten Technik daher kommt und über den gesamten Spielverlauf hinweg das gleiche fade und monotone Bild präsentiert wird. Ein paar neue Grafiksets hier, einige andere Musikstücke, wechselnde Sounds und schickere Präsentation dort, und schon wäre dieser Makel behoben. So bleibt ein Titel übrig, der Puzzle-Fans, die ein wenig Eingewöhnungszeit nicht abgeneigt sind, zwar nahezu ohne Einschränkungen empfohlen werden kann, aus dem aber weitaus mehr hätte gemacht werden können. Allen anderen sei aber auf jeden Fall ein Anspielen vor dem Kauf empfohlen, da man mit Polarium erst „warm“ werden muss, was unter Umständen niemals passiert.
Infos
Erhältlich für
Genre
Denkspiele
Publisher
Nintendo
Entwickler
Nintendo
Website
www.nintendo-eu...
Release
11. März 2005
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