Nette Knobelei für Zwischendurch, die mit veralteter Technik zu kämpfen hat."Jeder Plattform ihr Puzzle-Spiel". Das mag sich wohl auch
Nintendo gedacht haben, als es darum ging, die Launch-Titel für den
DS festzulegen. Ein Jump'n'Run in Form von
Super Mario 64 DS musste auf alle Fälle dabei sein, auch um die Minigamesammlung
WarioWare: Touched! kam man nicht herum.
Polarium wurde schlussendlich die Ehre zuteil, die Riege der denksportbegeisterten Spieler zu befriedigen. Ob dieses Vorhaben gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Wie bitte? Bevor man so richtig mit dem Knobeln loslegen kann, gilt es eine nicht zu unterschätzende Hürde zu meistern: Das Hauptmenü. Selten zuvor haben es Entwickler geschafft, hier so viel Verwirrung zu stiften. Es werden einem Begriffe
» Auch Puzzles fangen mal klein an. |
wie "Aufgaben", "Taktik" und "Kampf" ohne jegliche Beschreibung vorgesetzt, die erst einmal zugeordnet, oder noch besser, mithilfe des Handbuchs entschlüsselt werden wollen. Die berechtigte Frage, wer sich diese Worte ausgedacht hat, und noch viel mehr, welches Genie die Verantwortung für Übersetzungen wie "Ändern" - was so viel wie "Editor" heißt - trägt, bleibt aber weiterhin ungeklärt.
Hat man dieses Vorhaben nichtsdestotrotz erfolgreich gemeistert, ist man gut damit beraten, das kleine aber feine
Tutorial zu konsultieren. Hier werden einem das Spielprinzip sowie die grundlegende Bedienung in kurzen Sequenzen näher gebracht. Zu ersterem bedarf es aber auch an dieser Stelle nicht all zu vieler Sätze: Eine Ansammlung von
schwarzen und weißen Quadraten will unter Zuhilfenahme des Stylus so ohne Absetzen berührt werden, dass alle Vierecke die
gleiche Farbe erhalten und vom Bildschirm verschwinden. Aus hell wird dabei dunkel und umgekehrt. Für eine gewisse Erleichterung sorgt ein grauer Rand, der beim Zug mit benützt werden kann, auf dem sich aber keine Spielsteine befinden. Hat man mal zu voreilig gehandelt, dann darf die aktuelle Bewegung durch einen Druck auf die "X"-Schaltfläche rückgängig gemacht werden.
Was darf's denn sein? Einige Sätze mehr wollen dann schon bei der Beschreibung der unterschiedlichen Spielmodi verloren werden. Gemächlichere Naturen sollten am besten mit "Taktik" beginnen. Dahinter verbergen sich
verschiedene Muster, die auf oben genannte
» Hektik im Aufgaben-Modus. |
Weise
gelöst werden wollen. Der Schwierigkeitsgrad beginnt dabei auf einem sehr niedrigen Niveau, zieht aber immer weiter an, um dann in echten Kopfnüssen zu enden, deren Lösung schon mal längere Zeit und zahlreiche Anläufe in Anspruch nimmt. Insgesamt
100 verschiedene Knobeleien warten darauf, geknackt zu werden. Das Geschehen präsentiert sich in diesem Modus auf beiden Bildschirmen nahezu identisch: Ein in der Größe variables Feld zeigt die bereits angesprochen Quadrate, die auf eine Berührung warten. Zusätzlich kann man auf dem oberen Screen den letzten erfolglosen Versuch sowie eine kleine Hilfestellung in Form des Anfangspunktes einblenden.
Weitaus hektischer geht es da schon beim Menüpunkt "Aufgaben" zur Sache. Entfernt an Tetris erinnernd, fallen hier regelmäßig
Blöcke in variabler Größe von oben herab. Die Aufgabe des Spielers ist es dabei, diese durch Berühren so schnell wie möglich auf die gleiche Farbe zu bringen, sodass sie
verschwinden. Ist man zu langsam und die Steine stapeln sich über eine gewisse Markierung, dann endet die Partie. Neben einer guten Portion Geschwindigkeit kommt es in diesem Modus vor allem auf eine gute Beobachtungsgabe an, um die Quadrate möglichst mit nur einem Zug umzufärben. Stellt das anfangs noch kein Problem dar, da einem das Programm lediglich einfache, kleine Muster vorwirft, prasseln schon bald immer komplizierte und größere Formen auf den Gehirnakrobaten ein, die immer längere Wege und vor allem Absetzer nötig machen. Hektik ist somit vorprogrammiert. Wer gegen diese Art von Stress aber nichts einzuwenden hat, wird sich schon bald auf einer ehrgeizigen
Highscore-Jagd wieder finden.
Und sonst? Wenn man genug vom Singleplayer-Dasein und einen Freund mit DS in der Nähe hat, bietet es sich natürlich an, den Mehrspieler-Modus von
Polarium zu erkunden. Dabei ist lediglich
ein Modul vonnöten. Um das Geschehen optimal darstellen zu
» Eine etwas kniffligere Denksportaufgabe. |
können, muss man den Handheld nun um 90 Grad drehen. Sobald die Drahtlosverbindung hergestellt wurde, geht es auch schon los. Jede Reihe, die man auflöst, wird an den Rivalen gesendet. Wer
als Erster alle Quadrate vom Bildschirm entfernt hat, gewinnt die Partie. Damit die Sache noch aufregender wird, finden sich immer wieder verschiedene Icons am Spielfeld vor, die z.B. die Anzeige des Kontrahenten umdrehen oder ein Benutzen des Randes unmöglich machen: Heiße Duelle sind also garantiert. Auch Anhänger selbst gebastelter Knobeleien kommen bei
Polarium nicht zu kurz. Im
Editor kann man beliebige Kopfnüsse entwerfen und im Anschluss auf Wunsch via Funkverbindung an einen Freund senden. Um Überzeugungsarbeit zu leisten, ist es möglich, eine Testversion auf einen zweiten DS zu übertragen.
So viel Mühe sich
Nintendo auch bei den Features gegeben hat, so kläglich haben sie
bei der Präsentation versagt. Grafik, die an die Anfänge der Videospiele erinnert und lediglich Hardcore-Puristen anspricht; Sound, der diese Bezeichnung nicht verdient hat und nur mit sehr sporadischen Tönen sowie Musikstücken aufwartet. Präsentation ist zwar nicht alles, ein wenig mehr Mühe hätte sich der japanischen Entwickler aber im Jahre 2005 geben können, auch wenn es "nur" um ein Puzzle-Spiel geht. Im Gegenzug wurde sehr viel Wert auf die optimale Bedienung via Touchscreen und Stylus gelegt, die vollends überzeugt und sehr leicht von der Hand geht.